
"Reading the signals" ist beim diesjährigen DLDwomen mein Highlight: Lidewji Edelkoort, eine der bekanntesten Trendforscherinnen der Welt, spricht über Society und große Design-Trends.
Edelkoort gründete 1989 die Agentur Trend Unit und schloss damit eine Marktlücke - mittlerweile bringen Trendbüros zwei Mal im Jahr umfassende Studien heraus, die Marken und Firmen für viel Geld kaufen. Darin finden sich mögliche Strömungen, die allein aus der Beobachtung von Bedürfnissen der Gesellschaft gezogen wurden. Die Niederländerin berät zahlreiche Firmen aus dem Beauty- und Modebereich, eröffnete die Designhuis in Eindhoven, ein kulturelles Institut für Design, und vom Time-Magazin wurde sie zu einer der 25 einflussreichsten Modeexpertinnen der Gegenwart gewählt.
Edelkoort eröffnete ihre Rede mit dem von verschiedenen Künstlern interpretierten Song "Stand by me" und kam schnell auf ihr Webprojekt Trendtablet zu sprechen, eine Social-Media-Plattform für junge Menschen, auf der Ideen und Trends eingereicht werden können und Edelkoort das Ganze kuratiert. Gefolgt von zahlreichen zitierwürdigen Sätzen wie "the new women need less men and spend more time with other women" oder "thinking inside the box is the new thinking outside the box" geht sie schnell zu einem der wichtigsten Trends über: "Animalisim". Der Kontakt zu Tieren wird in unserer Gesellschaft immer wichtiger, Menschen sehnen sich wieder danach, Tiere zu halten - das Ganze ist besonders in den USA ein Milliardenbusiness und weitet sich auf alle Bereiche aus. "Whatever is animal sells", sagt Edelkoort und meint damit natürlich auch den aus der Mode nicht wegzudenkenden Animalprint-Trend.
Das "Revival der Gruppe" ist ihr nächster und in meinen Augen überraschender Trend.
Dazu zeigt sie die Werbekampagne eines Gruppenbildes und behauptet: Das Zeitalter der Individualität ist vorbei - was eine großartige Entwicklung ist. In Gruppen seine Stärken ohne Hierarchien anzuwenden und dabei nicht nur auf eine Gruppe festgelegt zu sein, soll uns in Zukunft beschäftigen. Außerdem die Frage, wie man Leute erreicht, die trotz Gruppenzugehörigkeit sie selbst sein können. Was passiert aber mit dem Individuum? Das wird zwar weiter existieren, aber "das schwarze Schaf wird es immer geben". Ist es nicht auch das, was wir in der Mode seit einiger Zeit erleben: Dass wirkliche Individualität kaum mehr vorhanden ist? Und so wirkt der Denkansatz, dass dies kaum verwerflich ist, doch sehr erfrischend.
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