Kaum angekommen in Rom packte mich das schlechte Gewissen: Wenn meine Italienischlehrerin wüsste, dass ich trotz ihres Intensivunterrichtes gerade mal ein "ciao", "si certo" und "grazie" von mir geben konnte! Vorstellen können hätte ich mich vielleicht noch mit einem halbherzigen "io sono jessie", das hätte dem Taxifahrer aber herzlich wenig geholfen.
Irgendjemand erzählte mir vor meinem Kurztrip, der mein erster nach Rom ist, die Stadt sei so ähnlich wie Florenz. Nicht, dass Florenz nicht schön sei, aber da spielt Rom doch noch einmal in einer ganz anderen Liga - allein der Weg vom Flughafen ist so spannend, dass ich unentewegt an der Fensterscheibe klebe. Das Colosseum! Ich denke wieder an meine Schulzeit: Lateinunterricht. Ist mir heute noch ein Rätsel, wie ich das große Latinum mit Ach und Krach erhalten habe, erinnere ich mich doch nur an die erste Stunde, in der wir "Lucius currit" lernten. Und natürlich, welche Kämpfe im Colosseum vor zweitausend Jahren geschahen (dann aber bereits ins Deutsche übersetzt).
Weil die Zeit knapp ist, entscheide ich mich am Tag nach dem Event für eine touristische Bustour durch die Stadt. Da saß ich dann alleine, inmitten von Opis mit Cappies, Omis mit Minifotoapparat und erstem Sonnenbrand, Amis mit Jogginghose, Turnschuhen und High-Tech-Kamera, zahlte zu viel Geld für das Tagesticket ohne zu wissen, wo der "Hop on Hop off Bus" eigentlich hält.
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