
Dass Bernhard Willhelm eine Installation anstelle einer Laufstegshow präsentieren würde, wäre mit Sicherheit eine wertvolle Zusatzinformation auf der Einladung gewesen. Da der Präsentationsraum sehr klein war, staute es sich gestern Mittag massenhaft und wir standen letztlich eine Stunde in der Schlange, weil viele Besucher glaubten, Vorpfuschen sei doch irgendwie wichtig. Relativ genervt ging es dann in den prunkvollen Raum des Palais Brongniart, um die Kollektion im Uhrzeigersinn zu betrachten. Wie schon vergangenes Jahr in Berlin muss das Kreativteam um Willhelm für die absurden und ausgefallenen Ideen gelobt werden, die detailreich, teilweise sehr humorvoll und natürlich stets mit der benötigten Prise Ironie umgesetzt wurden.
Manche Models starrten wie scheue Rehe in die wildgewordene Paparazzimeute und bekamen mein Mitleid, stundenlang wie Anziehpüppchen herumzustehen. Andere wiederum genossen die Aufmerksamkeit, liessen die Muskeln blitzen, schütteten Farbe auf den Boden oder trieben merkwürdige Paarungstänze. Die Kleidung trat in den Hintergrund, die Freakshow bleibt aber im Kopf.
zum Artikel