
Ich weiss noch genau, wie es im März bei der Modewoche in Paris war, nachdem Phoebe Philo, das Genie hinter Céline, ihre Kollektion dem Publikum präsentiert hatte: Jeder sprach darüber, jeder ernannte ihre Entwürfe zum deutlichen Highlight der Modewoche und ich ärgerte mich, mal wieder keine Einladung ergattert zu haben. Zugegeben war es bei mir beim späteren Betrachten der Bilder Liebe auf den zweiten Blick, doch wie sehr Philo mit dieser Kollektion neue Maßstäbe gesetzt hatte, ließ sich schon bald anhand von Editorials und der sich langsam in Modekreisen ändernden Silhouette und Farbgebung erahnen.
Die Textilwirtschaft hat sich mit dem Phänomen beschäftigt und versucht in Worte zu fassen, wie der ehemaligen Chefdesignerin von Chloé der erneute Durchbruch gelungen ist und probiert ihre Mode anfangs mit Attributen wie "selbstverständlich, anspruchsvoll, emanzipiert" zu beschreiben und ordnet die Kleider unter "puristischer Chic, der Klassiker wird neu interpretiert" ein. Angesichts der gerade in London laufenden Modewoche und den unorthodoxen Entwürfen der jungen Wilden, die kaum realistisch in den Alltag einzubauen sind, sehne sogar ich mich nach ein wenig mehr Einfachheit - und den liefert die ehemalige Central-St.-Martins-Studentin ab: "Schluss mit dem Feuerwerk, jetzt ist Realismus angesagt", sagte sie einst und auch ihr Satz "Ich wollte einfach Hosen machen, in denen mein Hintern gut aussieht. Und nicht Hosen, die den Holocaust repräsentieren" erklären ihre Kollektionen gut. Werden wir am Ende des Tages also doch noch zu echten Ladies? Im Moment sieht es ganz danach aus.
Dementsprechend hoch sind angesichts ihrer Kollektionspräsentation am 3. Oktober in Paris die Erwartungen. Was soll denn da nun kommende Saison von einer Frau kommen, die sich nicht um modische Trends schert, sondern sie setzt?