Thema BERLIN
Magazinwatch: Prim
Im April letzten Jahres begann es als Onlinemagazin, das die 14-jährige Kristin Ferrandino mit jugendlichem Charme aus Langeweile zusammenstellte. Anfänglich an eine Schülerzeitung erinnernd, wurde das Prim-Magazin von Ausgabe zu Ausgabe professioneller und schon nach einem halben Jahr (und drei Onlineversionen später) wurde es zusätzlich in Print veröffentlicht. Im Zuge unserer Diskussion über Print vs. Online eine erfrischend ungewöhnliche Entwicklung, die den Trend umkehrt. Nicht verwunderlich allerdings, denn die Prim-Editorials aus den letzten zwei Publikationen möchte man nicht nur auf dem Bildschirm, sondern am liebsten gleich eingerahmt an der eigenen Wand betrachten.
Sonntagsoutfit und Fotoautomat
Da haben die vor Schnatis Haustür (Aachener Ecke Brüsseler) doch glatt den gleichen Fotoautomaten gestellt, den jeder Touri in der Berliner Kastanienallee schon mal von innen gesehen hat. Für zwei Euro kann ein wenig Nostalgie gekauft werden und das haben wir uns an einem freien Samstag natürlich nicht zwei Mal sagen lassen. Dazu Schlabberzebrapulli von H&M Trend, ungewollt zerrissene Strumpfhose, Vintagestiefel, Süssigkeiten und ein wenig Sonne und fertig ist der perfekte Nachmittag.
Wochenende: XOOOOX, VICE und Farbfernseher
In London weinen die Partyjünger um ihr Wohnzimmer: "The Double Club is taking a bow" heisst es da nämlich heute. Wo werden wir dann wohl in Zukunft neben Chloë Sevigny und Gareth Pugh rauchen und tanzen dürfen? Gott sei Dank, müssen wir uns in Berlin nicht mit diesen schlechten Neuigkeiten konfrontieren und gehen direkt über zu dem erfreulichen Wochenendprogramm.
Modelwatch: Theresa Genth im Videointerview
Montagmorgen kam ich mit leuchtenden Augen ins Büro und berichtete Lisa stolz von dem 30 Zentimeter breiten Headerbild in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, das keine geringere als ihr Buddy Theresa Genth von Modelwerk zierte. Nicht nur die Turbine im Hintergund des Catwalkfotos bei der BOSS Orange Show war ein Blickfang, sondern vielmehr das einprägsame Gesicht des Models.
Als ein grosser Fan von strong faces, wie der Sartorialist sie nennt, kommt mir Theresa ganz gelegen - hört bei mir doch schon das Model-Latein auf, wenn Jessie nach Luft japsend von ihrem neuesten new faces crush berichtet, und ich jedes Mal Probleme habe, mir den zungenbrecherischen Namen und das dazugehörige Elfengesicht zu merken.
Der Look der Berliner Designerinnen
Weniger ist oftmals mehr, bewiesen auch die Berliner Designerinnen und gehen mit casual und clean auf Nummer sicher. Wie man mit Pumphose oder Jeans sowie lockerem Shirt gut und gleich aussieht, zeigen (von links nach rechts) : Livia und Christine von Mongrels in Common, Bernadett Penkov von penkov, Alexandra und Johanna von Kaviar Gauche und Leyla von Lala Berlin.
Neue Blogs - und die Diskussion über Print vs. Online
Die gerade entstehende Diskussion über Print vs. Online, über eine friedliche Koexistenz bzw. Online als Konkurrenz für Fashion-Magazine, ist keine neue, passt aber gut in folgenden Kontext.
Ich muss sagen, dass ich der Haptik nach wie vor einen hohen Stellenwert zuweise. Das gilt vielleicht nicht mehr für Magazine, die nur über Aktuelles berichten, dafür aber umso mehr für Sonderhefte, ausgiebig recherchierte Titel mit Zusatzinformationen (die nur ganz selten im Web zu finden sind) oder Editorials, deren Stimmung über den Bildschirm oftmals nicht greifbar ist. Dass sich Magazine ihrer Alleinstellungsmerkmale bewusst werden müssen, bleibt also nicht aus. Der Schritt ins Internet sowie die Verlagerung auf eine "normale" Website reicht nicht mehr.
Mit Converse als VIP zum Melt! Festival
Wie kleine Kinder hippeln Jessie und ich schon auf unseren Stühlen hin und her: Wir haben uns eben doch für unsere Festivalpremiere entschieden und die wird ab dem 17. Juli in Ferropolis auf dem Melt! zelebriert.
Diejenigen unter euch, die schon glückliche Besitzer eines Tickets sind und in Berlin wohnen, die können mit ein bisschen Speed unterm Hintern am kommenden Freitag in den Converse-Store eilen und sich eine Digicam abholen. Wer damit seinen Roadtrip ins musikalische Paradies dokumentiert und das Gerät am Eingang der Bagger-Lounge abgibt, darf sich dort tummeln, trinken, Musik hören und warten bis es dunkel wird.
Isaac Likes: Blogwatch und Interview
Bei Twitter wurde ich auf Isaac Likes aufmerksam, der mir mit regelmässigen Updates das Gefühl gab, bei so mancher Haute-Couture-Show in Paris direkt vor Ort und nicht ein paar Kilometer entfernt zu sein. Isaac ist der ultimative Meister im Vorbeischleichen an Security-Guards und landet ständig ohne Akkreditierung im Backstagebereich. Er hat in den letzten Wochen etliche Fashion Weeks, lediglich mit seinem Blackberry bewaffnet, gecovert.
Seine Berichte sind erfrischend anders, denn er beschreibt weniger die Kollektionen, sondern die Atmosphäre und die Befindlichkeit der Akteure im Modezirkus selbst und fokussiert sich dabei vor allen Dingen auf Models. Ich habe den Neuseeländer nach der Show von Lacroix spontan getroffen und ihm ein paar Fragen gestellt, bis der Regen unsere Konversation unterbrochen hat.
Gorilla schließt Filialen in Berlin
Eine weniger freudige Überraschung erwartete mich heute morgen auf dem Weg ins Büro als ich vor meinem Lieblingsbioladen Gorilla stand: Die Türen bleiben bis auf Weiteres geschlossen und das tolle Konzept findet sein Ende in den Akten des Insolvenzverwalter. Da frage ich mich, warum denn niemand bereit ist, schlaue Ernährung in Deutschland zu fördern und in solchen Gastronomie-Projekten keine dringend notwendige Optimierung zu sehen.
Wer schmiert mir denn dann nun morgens meine Roggenstulle mit Tofubelag und Sprossen? Oder schnibbelt den Hirsesalat schon mal vor, wenn ich morgens keine Zeit mehr hatte? Noch stehen die Tische im Ladenlokal, findet sich denn niemand, der dieses Juwel noch retten kann?
Pressespiegel zur Mercedes-Benz Fashion Week Berlin
Die Mercedes-Benz Fashion Week bot 33 Shows an vier Tagen, Offsite-Veranstaltungen, außerdem gab es die Bread & Butter, Premium sowie unzählige Parties - ein unglaubliches Pensum, das auch wir nicht ganz bewältigen konnten. Welche Themen hier noch nicht stattgefunden haben, gibt es nun zusammengefasst in einem kleinen Pressespiegel.
Tribute to Michael Jackson
Der Tod von Michael Jackson ist nach wie vor ein omnipräsentes, aber leider ausuferndes Thema, das kaum etwas mit ehrlicher Trauer zu tun haben kann, wie etwa die gerade im TV zur Schau getragene Trauerfeier. Nicht nur die Plattenfirmen produzieren eifrig CD's nach, auch im Modebereich will nun ordentlich Profit gemacht werden:
Bei Starstyling gab es Samstag ein Tribute-Shirt auf dem Laufsteg zu sehen, das Berliner Label Mazooka hat gleich eine ganze Shirtkollektion herausgebracht und die Schmuckdesignerin Anne-Marie Herckes hat in Windeseile eine ansehenliche Brosche designt (gesehen bei Austrian Fashion). Gehört sich das eigentlich? Da wir nun schon ein Weilchen diskutieren, freuen wir uns über eure Meinung.
MBFWB: Starstyling
Der Nachwuchs machte auf den Laufstegen rund um den Bebelplatz einfach die beste Figur: Auch wenn Katja Schlegel und Kai Seifried mit ihrem Label Starstyling bereits seit 2003 international unterwegs und auch mit eigenem Shop in Mitte vertreten sind, so war die Show bei der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin die Erste und zugleich eine der eindrucksvollsten. Vergrault wurde mit den Eröffnungsworten "Starstyling sucks worldwide" tatsächlich niemand, im Gegenteil sorgte Starstyling mit der Kollektion "Hokus Fokus", grellen Farben und verrückten Accessoires (die Models trugen Sunvisors von "The Sea", Ohrenwärmer oder andere Kunstwerke auf dem Kopf sowie Gesundheitstreter verziert mit Klebebandrollen, Garnspulen oder Klettverschlüssen) für eine gut inszenierte Reizüberflutung.
Acne-Showroom: Pre-Collection Sommer 2010
Der Pariser Showroom von Acne ist überwältigend, wie Schnati letzten Oktober berichten konnte. Dass aber auch die kleine Berliner Version mithalten kann, erfuhren wir im Modewochenmarathon zwischen den Shows. Im dritten Stock über dem Store in der Münzstrasse wurde in einer schicken Altbauwohnung die Pre-Collection zum Thema Zirkus präsentiert, bevor im Oktober die gesamten Entwürfe der Sommerkollektion für 2010 veröffentlicht werden. Da gab es Tüll und Rüschen zum einen, Streifenoveralls und den Westernlook mit braunem Leder zum anderen oder auch (lange nicht mehr gesehen) Paisley.
Streetstyle in Berlin: Nora
Es gibt Stile, denen ich sofort verfalle und auch weiß, wieso das so ist. Nora, die Besitzerin des Salon Vow in Stuttgart, hat mich binnen zwei Tagen überzeugt, mal in ihrem Laden vorbeizuschauen. Ihr gesamtes Outfit bei Wedding Dress #4 war vom Trödelmarkt und die Kunst liegt bekanntlich darin, Dinge aus zweiter Hand auch mal neuartig wirken zu lassen. Zwar schlichter, dafür aber mindestens genauso schön ist ihr Acne-Kleid zu lockeren Birkenstocks (später wechselte sie in Vintageschuhe, die locker aus einer neuen Kollektion sein könnten).
Mit großen Augen erzählte sie von Trödelmärkten in der Schweiz und Antwerpen sowie von verrückten Verkäufern, die Margiela-Klamotten für 30 Cent verscherbeln - ich lade mich dann nun einfach mal selber auf eine ihrer Touren ein!
Berlin Fashion Week: Michalsky
Im Dunstkreis der Berliner Modewochen kursiert der Name Michalsky vor allem in Verbindung mit der Person hinter dem Label. Berühmt und berüchtigt für die besten Parties während des mehrtägigen Marathons, herrschte in Berichten über seine Shows in Bezug auf Michalskys künstlerische Begabung oft ein breites, tiefes und ausgiebiges Schweigen.
Als wir vor ein paar Wochen unsere Einladungen in der Post fanden, haben wir uns trotzdem auf die Show gefreut und schmunzelten über die gewählte Location Friedrichstadtpalast. Wie Annika bei der Sleek schon treffend analysierte, beherrscht kaum jemand die Inszenierung als PR-Tool so professionell wie Mister "Jesus loves You".
Vielleicht sonst ein wenig seicht, wenn es um die Revolution der Bekleidungskultur geht, schien doch zumindest die Organisation und Umsetzung der Laufstegpräsentationen in der Historie von Michael Michalsky stets ein Volltreffer zu sein.
MBFWB: Sabrina Dehoff
Bei dem Kollektionstitel "Sweet Surrender" blieb der naheliegende Song von Elvis Presley natürlich nicht aus. Sabrina Dehoff zeigte eine Kollaboration mit Nike Sportswear Air Max 1, die wundersam mehrere Elemente unter einen Hut brachte. Der einstige Fokus auf Schmuckstücken wechselte letzte Sommersaison merkbar mit dem Entwurf der Hop Dresses. Damals dominierten Waldmotive und nun sahen wir Wolken und Blumen auf Seide und Chiffon, drapiert um knabenhafte Mädchenoberkörper, die kleine Brüste zart umhüllten. Wir dachten, wir wären im Paradies angekommen.
MBFWB: "Designer for Tomorrow" backstage
Die zweite Ausgabe des Awards Designer for Tomorrow von Peek & Cloppenburg war ein Erfolg in ganzer Linie und hat erneut bewiesen, dass derartige Nachwuchspreise inklusive Förderung nicht nur wichtig sind sondern auch sehr kurzweilig sein können. Die Auswahl der acht Jungdesigner, die im Vorfeld noch keine Kollektion im Handel vertrieben haben dürfen sowie ihr Modestudium in den vergangenen zwei Jahren abgeschlossen haben müssen, war abwechslungsreich und die neuen Talente setzten ihre Ideen konsequent gut um.
Der Gewinner Sam Frenzel kristallisierte sich anhand von Publikumreaktionen und auch meinem eigenen Geschmack nach zum eindeutigen Favoriten heraus, wurde aber dicht verfolgt. Von wem, das erfahrt ihr nun in einem kleinen Backstagereport.
First Look: Haute Couture in Paris
Katrin Thormann hat es schon angekündigt und auch Suzy Menkes ist gleich von Berlin nach Paris gedüst: Heute beginnen die dreitägigen Haute-Couture-Schauen mit Lacroix, Dior, Givenchy oder auch Valentino. Opulenz, ausufernde Kreativität und die exquisite Designkunst stehen im Vordergrund und beschäftigen sich ausnahmsweise mal nicht nur mit Verkaufszahlen und der kaum vorhandenen Tragbarkeit. Wer schon einmal einen ersten Blick riskieren will, wird bei Twitter fündig: Isaac Likes zeigt Bilder von Christophe Josse und Dior backstage und Herr Zee, Kreativdirektor der amerikanischen Elle, liefert das erste Bild vom Dior-Catwalk. Nicht schlecht, was? Die gesamte Schedule gibt es bei Mode à Paris.
Bilder des Tages: Bike Girls
Das hat zwar nur am Rande etwas mit der Modewoche zu tun, ist dafür aber mein persönliches Highlight jenseits der Laufstege gewesen: Gemeinsam mit Lisa radelte ich zwei Tage lang durch Berlin (danke für's Leihen, L.!) und muss mir nun dringend Gedanken über einen eigenen neuen Drahtesel machen. Wir sind uns einig: Sonne, Gegenwind und Geschwindigkeit - besser geht es nicht!



































