R.I.P. Tom Nicon
Kurz vor dem Start der Männermodewochen in Mailand und Paris, die letzte Woche von der Piiti Uomo in Florenz eingeläutet wurden, war die Vorfreude auf die Schauen noch gross. Ich hatte gehofft, den schönen und schüchternen Franzosen Tom Nicon in einem ganz anderen Kontext als diesem hier vorstellen zu können. Auf Schauen war das Model mit seinem signifikanten Look nicht nur omnipräsent, sondern auch stets ein Hingucker. Sein plötzlicher Tod im Alter von 22 Jahren Ende letzter Woche in Mailand ist schockierend und unglaublich traurig. Noch ist unklar, ob es Suizid oder der Sturz aus dem Fenster seines Hotelzimmers ein Unfall war.
Bei der letzten Show von Romain Kremer in Paris machte ich das obenstehende Foto von Tom und unterhielt mich mit ihm; ich bedaure den Verlust eines wunderbaren und sehr freundlichen Menschen. Mein herzliches Beileid gilt seiner Familie und seinen Freunden.
Modeln, das Metier, welches viele als so beneidenswert ansehen, hat dunkle Seiten und wir wären über einen Freitod nicht verwundert, denn Nicon wäre nicht das erste Model, das diesen Weg aus der Welt und dem Mode-Business wählen würde: Die Gesichter von Daul Kim, Ruslana Korshunova oder Ambrose Olsen werden schmerzlich vermisst.
Isaac Likes zitiert ein anderes Male Model:
"People think we are young and beautiful and rich and happy. But we're not. We go to castings and the directors take one look at us and then we're dismissed. You spend your whole life wondering what's wrong with you. Why didn't I get that job? You're competing with your friends, you're away from your family. The pressure is huge. It's not the fairytale life people would expect."
Uns fehlen die Worte, das Warum schwirrt weiterhin im Kopf umher und wir werden ihn vermissen.







Anne Bernecker
Oh Gosch ist das traurig, fürchterlich und ich bin schockiert!
Aber Schnatti, dass hast Du schön geschrieben. Und ja es ist mal wichtig klar zu stellen, das das Model Leben kein Zuckerschlecken ist und leider immer verherrlicht wird.
Mein herzliches Beileid gilt seiner Familie und Freunden!
Elenore
Das ist in der Tat sehr traurig und bringt dazu über die Modewelt und Modelleben nachzudenken. Vor allem das Zitat ist wahrscheinlich ein seltener Versuch den Beruf zu erklären...
Etwas traurig dies in diesem Kontext zu tun, aber ich wollte sagen, wie gut geschrieben dieser Trauerbeitrag ist. Du hast tollen Schreibstil, Schnati.
Ich hoffe, dass du es schaftst diese Ehrlichkeit, Takt, Eleganz und Diplomatie beizubehalten.
Es ist ein Talent, so eine nachricht ohne falsches Bedauern, rüberzubringen.
Bente
Ich dachte, ich lese gerade nicht richtig. Das ist echt super traurig! Ich habe bisher nicht viele Aufnahmen von Tom Nicon gesehen. Fand aber das, was ich schon kannte, super gut und ich war der Meinung, dass er einen guten Job gemacht hat. 22 Jahre ist viel zu jung, um aus dem Leben zu scheiden.
Schnati, Du hast schöne Worte für ein trauriges Ereignis gefunden.
Bridget Moerth Macklin
Hallo Schnati,
du triffst immer den richtigen Ton, schreibst inhaltlich sachlich und richtig aber dennoch lebendig und schön. Ich mag deine Berichte sehr, auch wenn ich kaum hier kommentiere, weil du so gut versteckt bist, dass ich immer wieder erst Tage zu spät reinkomme und alles nachlese.
Danke für diesen sehr nachdenklich stimmenden Beitrag zum Tod von Tom Nicon. Den O-Ton des Male Models und deinen Bericht sollte man jedes Mal wieder bringen, sobald die PR-Trommeln der Modelagenturen und solcher Formate wie GNTM zu laut werden.
Sehr empfehlen kann ich auch den Artikel "Knochenjob - Hungern, warten, alleine sein", im Stern vom Donnerstag. Darin geht es um Models, die es geschafft haben (Iris Strubegger und Katrin Thormann), die aber im Prinzip genau das bestätigen, was hier steht.
(du fotografierst schon richtig gut, wie auch an dem Portrait deiner Schwester zu erkennen war!)