Der Abend in Cannes
Am Abend führte uns das Programm erneut zum Plage du Majestic, dem Strand des Majestic Hotels nahe dem Filmpalast. Erst wurde ein Cocktail mit den Bloggern und Teilnehmern von A Very Good Trip bis zum Sonnenuntergang geschlürft und dann der thailändische Film "Onkel Boonmee", der später zum Gewinnerfilm auserkoren wurde, geschaut. Männer kamen im Smoking, die Damen hatten sich ebenso schick gemacht und von den legeren Tageslooks wirkte diese Veränderung fast wie eine Metamorphose.
Impressionen von der Location des Cocktails:
Um den Film zu sehen, wurden wir von Chauffeuren zum Montée des Marches gefahren. Grosse Leinwände gaben das Geschehen des roten Teppichs rund um den Filmpalast wieder und so sahen wir Blitzlichtgewitter um Megan Fox, um einige Minuten später die gleichen Treppen hinaufzusteigen.
Nun aber mal wirklich, Tim Burton, mit meinen hohen Erwartungen an Alice im Wunderland hast Du mich in diesem Jahr das erste Mal enttäuscht und als Juror in Cannes ein zweites Mal. Die häufigste Frage nach dem Film war: Hast du auch geschlafen? Diejenigen, die tatsächlich alles gesehen hatten, waren gelangweilt und alles andere als begeistert von dem Film. Und wir sind mit unserer Meinung nicht alleine: Der Sieg wird auf allerhand französischen Blogs hinterfragt und niemand kann es so recht verstehen. Der Figaro ernannte Uncle Boonmee sogar zu einem der langweiligsten Filme des Filmfestes. Ich war fest davon überzeugt, einen der schlechtesten Filme in Cannes gesehen zu haben und äusserst schockiert zu lesen, dass der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakul für dieses filmische Werk tatsächlich die Palme d'Or mit nach Hause nehmen darf. Sound, Bild, das Mysthische und die Erzählweise haben mich in keinster Weise überzeugt, die Intellektuellen vom Kino hingegen sind delighted, dass die Palme an Weerasethakul ging. Wenn ihr es bis zum Ende des Filmes schafft, dann macht euch einfach selbst ein Bild.






Saskia
Und wo ist dein Outfit?=)
fafa
Ich glaube nicht, dass nur die "Intellektuellen vom Kino" - wer auch immer diese sein mögen - Apichatpong die Goldene Palme gegönnt haben. Ich denke viele ganz normale Cineasten haben sich aufrichtig für ihn gefreut, zumal er in den letzten Jahren leider viel zu wenig Beachtung bekommen hat... War es letztes Jahr nicht das gleiche mit Haneke. Das "Weiße Band" ist bei weitem nicht sein bester Film, da sind sich viele einig, aber verdient hat er die Palme allemal.
Ich weiß nicht... Nach der Ankündigung du seist in Cannes gewesen und hättest sogar den Siegerfilm gesehen, hatte ich mehr inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Film erwartet, statt eine lieblos hingeworfene und kaum aufregende Zusammenfassung deines Tages in Cannes und das kaum begründete Urteil über den Film. Mag sein, dass dies in diesem Rahmen ohnehin nicht passieren sollte und dass es hier vornehmlich um andere Dinge als Film geht, aber dann frage ich mich wieso Du überhaupt das Thema aufgreifst.
mimi
Ja genau, Alice im Wunderland war eine herbe Enttäuschung. Sonst sind die Tim Burton Filme wesentlich besser!
Im Übrigen finde ich nicht ,dass das "Weisse Band" so viel Aufmerksamkeit verdient hat. Sicher gibt es tolle schauspielerische Leistungen,aber warum ist der Film so toll? Weil er so düster ist und die Moral der Geschichte eine Art böse Kettenreaktion aus Wut,Zorn,Neid und strenger grausamer religiöser Erziehung der Eltern an die Kinder auslöst, die das gleichermaßen adaptieren. Das zieht sich wie ein Band durch die Geschichte. Ich hätte mir den Film lieber erspart.
fafa
@ mimi:
Habe ich richtig verstanden: In Filmen geht es vordergründig darum unterhalten zu werden, am besten wie bei Tim Burton, der einen in eine kuschelige Parallelwelt entführt und einem den wohlverdienten Abend versüßt..? Alles was unbequem ist und ein Mindestmaß an Relexion erfordert sollte man sich besser "ersparen"?
Dein Anpruch an Filme ist es also, dass diese möglichst zauberhaft heiter sind und zum träumen einladen. Dein liebster Film ist nicht zufällig "Die wunderbare Welt der Amelie"? Dann ist es vielleicht tatsächlich besser, wenn Du in Zukunft einen Bogen um den unerbittlichen Haneke machst. (Und vielleicht auch um Festival-Filme allgemein, denn wie anders verträgst du "Antichrist", "Alle Anderen" ---- nun ja und eben alle anderen tollen Filme vom letzten Jahr?)
Im übirgen habe ich doch gesagt, dass ich "Das weiße Band" nicht für Hanekes herausragendensten Film halte. Wenn er aber für diesen Film die goldene Palme bekommt, wie letztes Jahr, dann geht das vollkommen klar, wie auch bei Apichatpong, weil es sich bei beiden nun mal um wunderbare Regisseure mit wunderbaren Lebenswerken handelt. (Das sah dieses Jahr scheinbar auch der von allen so hochverehrte Burton so.)