London: René Gruau & "The Line Of Beauty" im Somerset House
Am vergangenen Freitag fand ich endlich die Zeit ins Somerset House zu huschen, um mir die lang ersehnte Ausstellung der Illustrationen von René Gruau für Dior anzuschauen. Leider durfte ich keine Fotos machen, weswegen ich hier nur Einblicke in das sehr hübsch und umfangreich gestaltete Heft geben kann, welches man am Eingang umsonst mitnehmen durfte.
Ich war den restlichen Tag verzaubert von den tollen Arbeiten, die auf einem rosanen Tüll hervorragend zur Geltung kamen. Gruau hat seit dem ersten Treffen mit Christian Dior im Jahre 1936 nicht nur die Parfumplakate gestaltet, sondern war auch als Haute-Couture-Zeichner für seinen guten Freund tätig.
Seine Arbeiten waren für die damalige Zeit revolutionär. Er zeigte Frauen in Hosen, mit lässigem Jacket oder verschmitztem Blick. Er arbeitete mit starken und reduzierten Linien, grellen Farben und einer klaren Bildaufteilung. Als Inspiration dienten ihm alltägliche Bewegungen, Situationen und Gestiken der eleganten Pariser Damen. Vorbilder waren für ihn zudem Künstler der japanischen Kalligraphie. Ein Zitat seinerseits: "I always seek to reproduce what I have come across in life. I record a pose, a look or a smile. It is almost photographic."
Dior und Gruau verbindete mehr als nur die Arbeit. Beide waren stark beeinflusst von Architektur und ihrer aristokratischen Herkunft. Insgesamt illustrierte Gruau die Frauendüfte Diorissimo, Diorama, Dior-Dior, Miss Dior, Dioressence und Diorella, sowie Eau Sauvage und Jules für den Herren.
Neben zahlreichen anderen Projekten blieb Gruau dem Hause Dior, über den Tod von Christian hinaus, bis zum Jahre 1984 treu.
Hier hatte ich den Künstler bereits vorgestellt und trotzdem war die Ausstellung für mich eine echte Bereicherung. Ich würde mir wünschen, dass wieder mehr Designer in Anzeigen mit Illustratoren zusammenarbeiten, anstatt auf das perfekte Foto zurückzugreifen, welches zumindest im Parfumbereich selten mehr als ein leicht bekleidetes Supermodel im Weichzeichner zeigt. Seinerzeit verhinderte eine leicht verzogene Perspektive, ein ungerader Duktus oder ein unvollendeter Fuss nicht die Anzeigenschaltung in weltweiten Modemagazinen und machte dadurch das Ganze spannend und besonders.















Julia L.
Einige der Illustrationen kenne ich noch aus vergangenen Tagen. Die Ausstellung merke ich mir. Wirklich ein guter Tip!