In Zitronengelb durch den Winter

Neuerdings haben meine Hausgenossen und ich ein Werk des norddeutschen Künstlers Noah Wunsch im Wohnzimmer hängen. Natürlich vorerst nur probeweise, denn ob sich das abstrakte Stück Kunst auch wirklich langfristig gut in unseren eher puristisch gehaltenen Räumlichkeiten macht, lässt sich ja nicht in zehn Minuten feststellen.

Nach einer Woche des Probehängens kann ich jedoch sagen: dieses Kunstwerk darf bleiben. Es ist fantastisch. Auf gut zwei Quadratmetern Leinwand fließen herrlichste Rot-, Türkis- und Gelbtöne ineinander, das Ganze ist ein bombastisches Farbenspektakel ohne den Hauch von Kitsch oder gewollter Radikalität. Es ist ein Bild, das glücklich macht. Seit dem der Herbst nun also Einzug hält, verbringe ich täglich einige Minuten der Meditation vor diesem bunten Ding, da lässt sich der November-Blues gleich viel besser ertragen.

Warum nur laufe ich aber andererseits, sobald die Tage kürzer und die Temperaturen deprimierend niedriger werden, gleich im dunklen Mantel da draußen herum, wo doch kräftige Farben eine derart heilende Wirkung auf die sich mit der Winterzeit einstellende Jahresendmelancholie haben?

zum Artikel

5Kommentare Claire |

Der Mann und sein Bart: über Schurken und Schnauzer

Neulich war ich wieder mal kurz in Berlin, ich liebe diese Stadt, einfach herrlich. Besonders gerne treibe ich mich in Mitte herum, was nicht sonderlich erstaunlich ist. Berlin-Mitte hat diesen ultracoolen Charme, irgendwie scheint hier alles eine Spur moderner, origineller, lässiger, internationaler und schicker zu sein als anderswo, ich weiß auch nicht warum.

Was dem aufmerksamen Beobachter in Mitte außerdem auffällt, ist die Tatsache, dass hier überdurchschnittlich viele Männer Bart tragen, und zwar nicht irgendeinen Bart, sondern diesen speziellen, mehrtägigen Räuberbart. Schaut man sich die Bartmode in Berlin-Mitte an, weiß man, was Trend ist. Die Mitte-Herren mit Bart tragen nämlich auch große Brillen, Retro-Rucksäcke und Air Max. Sie sehen alle aus, als wären sie in einem ziemlich coolen Grafikbüro oder in einer PR-Agentur tätig, als bewohnten sie ein Loft mit Ausblick und als lunchten sie täglich in einem Asian-Fusion-Restaurant in der Torstraße.

zum Artikel

15Kommentare Claire |

DIY: Kragenbaustein mit Glitzergarnitur

Ich habe Glitzer noch nie gemocht. Eigentlich kann man sagen, dass ich ein durch und durch glitzerfreies Mädel bin. Während bereits in der Grundschule viele meiner Schulkameradinnen auf niedlich-schimmernde Ohrringe setzten, mit Barbiepuppen in schillernden Röckchen spielten und an Karneval bevorzugt zum glamourösen Prinzessinenkleid griffen, kreierte ich in meinem Kinderzimmer komplette Legolandschaften oder kochte im Garten Regenwurmsuppe, natürlich ganz unprätentiös in Cordhosen und kratzige Wollpullover gekleidet und ohne auch nur den einzigen klimpernden Armreif am Handgelenk. Einzig ein Paar schwarz-glänzender Lackschuhe genoss in meinem kindlichen Kleiderschrank einen etablierten Status.

zum Artikel

8Kommentare Claire |

Modestrecke im SZ-Magazin: "Abheben ohne abgehoben zu sein"

Das aktuelle SZ-Magazin Nr. 41 erfreut wie so häufig wieder einmal mit einer höchst ansehenswerten Modestrecke in der Rubrik Stil leben. Darin springt Hannah Herzsprung, die wir aus "Vier Minuten" und anderen hochgelobten Streifen kennen, mit wirrem Haarschopf in Wasserpfützen herum und präsentiert dabei ganz beiläufig die schönsten Zwirne der Wintersaison, unter anderem von Prada, Avelon, Céline oder Hermès.

Einhergehend mit dem stetig wachsenden Einfluss minimalistischer Silhouetten - nie waren Marken wie Acne oder Jil Sander beliebter als heute - scheint sich auch in der Modefotografie ein ernstzunehmender Wandel zu vollziehen. Die Zeiten des klassischen Barbie-Posings, bei dem uns Models mit viel Hüftschwung und versteinertem Zahnpastalächeln entgegen stierten, scheinen jedenfalls passé, da hilft auch Heidi Klums Modelschule auf ProSieben nicht mehr viel. Wer heutzutage ein anständiges Modemagazin aufschlägt, der darf darin nicht selten eigenwillig schöne Models mit struppigen Mähnen und ungeschminkten Augenlidern bewundern, die, natürlich in feinste Couture gekleidet, unbeteiligt auf Stühlen kauern, an nackten Hauswänden lehnen oder auch akrobatische Turnübungen vollführen, die eher nach Pilates als nach artifiziellem Brust-raus-Po-rein-Posing aussehen.

zum Artikel

7Kommentare Claire |

Zurück aus Indien: Wanakkam!

P1230508.JPG

Es ist ein komisches Gefühl, um 8 Uhr morgens bei strahlend blauem Himmel in Frankfurt aus dem Flugzeug zu steigen und die eisige, klare Luft einzuatmen. Es fühlt sich komisch an, durch Hamburgs Straßen zu fahren, in einem Fahrzeug mit Anschnallgurten, und damit ständig brav an roten Ampeln zu halten. Diese Stille, die ist auch komisch - keine Rikshas, die im Zickzack durch die Gegend rattern, keine klapprigen Busse, in denen die Fahrer voller Inbrunst durchgehend auf die ohrenbetäubende Hupe drücken. Es ist so still hier, so sauber, so geordnet, so diszipliniert, so organisiert, so schlicht, modern und ästhetisch. Es ist komisch, hier zu sein, nach diesen sehr eindrucksvollen und intensiven Wochen in Indien, einem Land, das sich in jeglicher Hinsicht von unseren europäischen Normen und Vorstellungen unterscheidet. Indien, das ist ein anderer Planet, ein anderes Universum.

zum Artikel

18Kommentare Claire |

Hamburg: aktuelle Ausstellungen in den Deichtorhallen

header_paris_01.jpg

Eyes on Paris zeigt, wie fotografierende Künstler, Franzosen wie Immigranten, Paris gesehen, erlebt, sich mit der Kamera erschlossen haben. Dabei oszilliert ihr Blick zwischen dokumentarischem Interesse und subjektiver Wahrnehmung, Chronistenpflicht und Projektion persönlicher Befindlichkeiten. Rund 400 fotografische Werke bedeutender Vertreter der Fotografie im 20. Jahrhundert treten in einen Dialog mit epochalen Büchern, Portfolios oder seltenen Mappenwerken. Schließlich war keine Stadt der Welt so oft Gegenstand herausragender Publikationen wie Paris: von Atget bis Ed van der Elsken, von Robert Doisneau bis William Klein.

Mit diesen Worten locken derzeit die Deichtorhallen, Hamburgs erste Anlaufstelle für Liebhaber feinster Fotografie und moderner Kunst, in die aktuelle Schau unter dem Titel "Eyes on Paris", die Werke verschiedener Künstler über die französische Hauptstadt vereint. Für Parisfans und Modeliebhaber wie mich sicherlich ein Muss! Nicht minder interessant klingt die ebenfalls gerade erst realisierte Ausstellung "Wunder", die sich mit dem beschäftigt, "was in unserer Welt aus dem Rahmen fällt: von der unerklärlichen Heilung, dem unglaublichen Naturschauspiel und dem wundersam Fremden über die unverhoffte technische Innovation, die künstlerische Idee bis hin zum bloßen Zufall."

zum Artikel

4Kommentare Claire |

Hamburg: Crêperie "Ti Breizh"

Die Speicherstadt zählt zu meinen absoluten Hamburger Lieblingsorten. Die hohen Kontorhäuser aus rotem Backstein, der frische Elbwind, der Duft nach Kaffeebohnen, die Nähe zur futuristischen HafenCity - nirgends ist Hamburg authentischer, nirgends das Flair metropolitischer und weltoffener. Daher lege ich jedem Hamburgreisenden auf jeden Fall einen ausgiebigen Speicherstadt-Spaziergang ans Herz - und wer anschließend eine kleine Stärkung braucht, sollte schleunigst die Crêperie "Ti Breizh" in der Deichstraße 39 ansteuern.

zum Artikel

9Kommentare Claire |

Hamburg: Shop "Animal Tracks"

Als bekennende Liebhaberin kleiner, fein konzipierter Boutiquen versuche ich grundsätzlich, einen Bogen um Massenmodegeschäfte zu machen und halte stets fleißig nach unabhängigen, individuellen Läden mit eigenem Charme Ausschau. In der Hamburger Innenstadt ist das - wie in vielen Großstädten - jedoch etwas schwierig, klebt dort doch an jeder Straßenecke wahlweise eine H&M- oder Zara-Filiale. Umso entzückter war ich deshalb, als ich vor gar nicht allzu langer Zeit in einer der schönsten Straßen der City, in den Colonnaden, das Geschäft "Animal Tracks" entdeckte. Die Fassade ist etwas unscheinbar, doch in den kleinen Souterrain-Fenstern lassen sich schon erste Schätze ausmachen - knallbunte Nike AirMax und kurvige Minimarket-Plateaus. Nix wie hin.

zum Artikel

7Kommentare Claire |

Hamburg: Shop "Familie von Quast"

Laden_außen.JPG

Aufgepasst, liebe Spaßvögel: diese Empfehlung richtet sich ganz speziell an euch, jene Menschen, die stets mit einem schelmischen Grinsen und Schalk im Nacken herumlaufen, immer auf der Suche nach ein wenig Jux und Schabernack. Für mich persönlich ist der Besuch des Hamburger Shops "Familie von Quast" jedes Mal ein ganz besonders humorvolles Ereignis. In dem luftig-hellen Laden, mitten im lebendigen Karolinenviertel, finden sich zahlreiche wirklich (!) lustige und originelle Scherzartikel, die sich auch ganz wunderbar als unkonventionelle Geschenke und Mitbringsel eignen. Meinen Patenonkel habe ich beispielsweise schon einmal mit einem Glas "Stuhlgang mit Kakaogeschmack" beglückt - natürlich handelt es sich hierbei um feinsten Schokoladenaufstrich, nur ist das Etikett eben etwas ungewöhnlicher...

zum Artikel

2Kommentare Claire |

Hamburg: Shop und Café "Mutterland"

mutterland1.jpg

Heutzutage gibt es kaum noch ein Feinkostgeschäft, dass kein "Bio" verkauft, kaum ein Café oder Restaurant, dass nicht "bio" ist - selbst in den letzten Spelunken wird ökologisch einwandfreier Cappuchino zum Demeter-Vollkornbrot serviert. So könnte man meinen, dass Feinkostgeschäft und Café "Mutterland", mittlerweile mit drei Filialen in Hamburg vertreten, sei bloß eines von vielen, nichts Besonderes, ein stinknormaler "Bio"-Laden eben. Aber das "Mutterland" ist weit mehr als nur das, wie bereits der Name verrät - wer eines der Geschäfte, in Hamburg längst eine Institution, betritt, fühlt sich auf der Stelle pudelwohl, wie zu Hause, wie bei Muttern eben. "Die deutsche Antwort auf Dean & Deluca", lobte einst die ELLE und lag damit ganz richtig - denn das "Mutterland" ist eben nicht nur einfach "bio" und gemütlich, sondern dabei auch noch ganz ausgesprochen cool.

Gedacht als liebevolle Hommage an Mütter, Deutschland und die heimische Küche, gilt Mutterland heute als Branchen-Trendsetter und vertreibt viele der Delikatessen als erstes oder exklusiv.

zum Artikel

4Kommentare Claire |

Wochenendtip Hamburg: "AIRBAG CRAFTWORKS Installation & Product Presentation" im YBDPT Studio

YBDPT_STUDIO_AIRBAG_CRAFTWORKS3-e1316709241375.jpg

Das Yeahboy Department Studio, kurz YBDPT, gehört mit seinem ausgefeilten Shopkonzept zu Hamburgs wertvollsten Modegeschäften. Stilbewusste Jungs und Mädels werden hier fündig - der Laden hält Stücke von Reality Studio, Comme des Garçons, Hien Le, Norse Projects und weiteren namhaften Labels bereit. Nach dem Umbau in den vergangenen Wochen erstrahlen die Räumlichkeiten nun zudem in ganz besonders schönem Licht - deshalb ist jetzt wieder einmal Zeit für ein kleines, aber feines YBDPT-Event, das sich kein modehungriger Hansestädtler entgehen lassen sollte.

zum Artikel

1Kommentar Claire |

Auf nach Indien!

01-indien.jpg

Liebe Freunde, hiermit legt C'est Clairette wieder einmal eine kleine Urlaubsphase ein - denn morgen fliege ich nach Indien! Aufgeregt und quirlig wie ich gerade bin ist nun einfach noch nicht an den eigentlich nötigen Schlaf zu denken (der Flug geht morgen früh um 8 Uhr), viel zu exotisch und spannend erscheint mir mein Reiseziel, dass ich mit 16 anderen jungen Menschen ansteuern werde - Tiruvannamalai! Keine Bange, hier muss jetzt niemand denken, er habe im Geographie-Unterricht gepennt; so gut wie keiner kennt hierzulande diese ländliche Kleinstadt in Südindien. Nun ja, ich werde ihn nun kennen lernen, diesen sicherlich einzigartigen, komplett anderen Ort und einen Kulturschock der besonderen Art erleben - dafür habe ich im Vorfeld das Essen ohne Besteck erprobt (mit Curry-Eintopf nicht ganz unkompliziert), diverse Impfungen über mich ergehen lassen, adäquate Kleidung von meinen indischen Nachbarn ausgeliehen, vergeblich versucht, mich ordnungsgemäß in den Sari einzuwickeln - kurz: es kann losgehen!

zum Artikel

7Kommentare Claire |

Herrenmode: Bitte schön, schick, maskulin!

Neulich hatte ich wieder eine kleine Sonntagabend-Depression, jeder kennt das, der Gedanke an das nahende Ende des Wochenendes ist nicht gerade beflügelnd. In solchen Fällen greife ich schleunigst in mein DVD-Regal und gönne mir eine Dosis "Breakfast at Tiffany's". Fantastisch! "Want to join me?", fragt Holly Golightly und klimpert eifrig mit den Wimpern, während sie graziös in ihrem traumhaften rosa Givenchy-Kleid über die Leinwand tanzt. Kann man sich ein inspirierenderes und erfrischenderes Programm vorstellen, als einen dieser herrlichen Streifen, in denen die Mode die schönste Nebenrolle spielen darf, zu schauen? Sämtliche der älteren 007-Filme zählen dazu (Money-Penny's Outfit gefällt mir immer wieder ausgesprochen gut), außerdem natürlich "Der Teufel trägt Prada", "Marie Antoinette" und selbstredend "A Single Man". Da sitzt man vor der Bildschirmscheibe, betrachtet Colin Firth, wie er in seinen einzigartig perfekten Anzug steigt, und möchte sogleich selbst Teil dieser glanzvollen Sixties-Epoche werden. Was waren die Herren damals schick!

zum Artikel

15Kommentare Claire |

Finanzloch und Frohsinn

P1230397.JPG

Es gibt da diesen speziellen Geisteszustand, der vom rationalen Denken ungefähr so weit entfernt ist wie die Erde von der Sonne, sich vom komplett ausgeschalteten Gehirn ausgehend (irgendwo muss der Impuls schließlich herkommen) mit rasender Geschwindigkeit wie ein warmer Strom in allen Adern des Körpers ausbreitet und zu mittelschweren bis extremen Raseritis-Anfällen durch Haus und Hof führt - Raseritis, das ist dieser durch Begeisterungsstürme oben beschriebener Art ausgelöste Dauersprint, der deshalb durchgeführt werden muss, weil man einfach viel zu glücksgeschüttelt ist, um ruhig und geordnet auf der Stelle stehen zu können.

Gerade also hatte ich diesen speziellen Geisteszustand, und derzeit koste ich noch immer genussvoll die herrlichen Nachwirkungen aus. Woher dieses enorme Glücksbeben kommt?
Soeben hielten die netten Jungs von UPS vor meiner Haustür. Aus dem Schlund ihres braunen Lieferwagens fischten sie ein quaderförmiges Paket heraus, frisch aus dem hohen Norden herbei geflogen. Darin lag, unter luftig-herrlichen Lagen von altrosa Seidenpapier, Rita.

zum Artikel

12Kommentare Claire |

Ist das Mode oder kann das weg?

Wer in diesen Tagen auf die Laufstege in New York und London schaut, wird sich im ersten Moment nicht selten fragen, welch drastischer Geschmacksverirrung viele der betreffenden Modeschöpfer während ihrer Kreativphase ausgesetzt gewesen sein müssen. Ganz offenkundig sind die Zeiten, in denen Mode als Inbegriff schöner Kleidung aufzufassen war, passé. Was uns die Modewelt heute an Kleidung für die kommende Sommersaison präsentiert, ist immer öfter geprägt von einer ganz speziellen, rauen Ästhetik - nennen wir es doch einfach die Ästhetik des Hässlichen.

zum Artikel

9Kommentare Claire |

Simply red

"Im Zweifel trage Rot", hat Bill Blass einmal so schön gesagt, und in dieser Saison würde er damit sicherlich das herrliche Burgunderrot meinen, dass sich nicht nur auf sämtlichen Laufstegen präsentierte, sondern nun auch seinen Weg in unsere Kleiderschränke findet.

Eine sehr sinnliche, betörende Farbe, wie ich finde, viel subtiler als die schreienden Farbtöne des vergangenen Sommers, an denen sich nun doch jeder satt gesehen haben sollte. Meine Garderobe darf sich jetzt also über burgunderroten Zuwachs freuen, meine liebe Mutter war so nett, einen dunkelnuancierten Artdéco-Lippenstift zu sponsern, und während ich in der frühherbstlichen Septembersonne in einen selbstgenähten Rock, eine Bluse von H&M und neue Schuhe von Urban Outfitters gekleidet diese Fotos schieße, erhält eine ehemals hautfarbene Hose (wie konnte ich eine hautfarbene Hose kaufen!) in der Waschmaschine mithilfe von dunkelrotem Simplicol-Mittel ein neues Farbenkleid...

zum Artikel

10Kommentare Claire |

Ein schöner Spaß

Mode!.jpg

Darf Mode eigentlich witzig sein? In irgendeiner Stilkolumne von Wäis Kiani las ich einmal:

Ich mag Schuhe, die einfach in allen Punkten richtig sind, die neue Saison auf den Punkt bringen und selbstverständlich keinen Schnickschnack nötig haben. Und niemals witzig und originell sein wollen. Witzige Schuhe sind nämlich das Letzte. Ein Schuh oder Stiefel muss einfach aussehen, so, wie man eben einen Schuh zeichnen würde.

Welch erschütterndes Urteil! Lustige, originelle Mode soll wirklich das Letzte sein? Vielleicht liegt es an dem Thema Schuhe, auf das sich die offenbar humorlose Autorin in ihrem Text fokussierte - wenn es um Schuhe geht, verstehen viele Frauen ja bekanntlich keinen Spaß.

Oder aber die Ursache für diese bitterböse Einstellung gegenüber lustigem Schuhwerk findet sich in der generell falschen Ansicht der Mode. Es gibt sehr viele Menschen, die Mode überhaupt nicht ernst nehmen; und dann wären da noch die Lobbyisten auf der anderen Seite, die Mode zelebrieren und heiligen, als handele es sich dabei um das deutsche Grundgesetz.

zum Artikel

8Kommentare Claire |

Der Blick zurück

Erstaunlich, verwunderlich, verblüffend - in diesem Winter halten die 60er Jahre wieder Einzug in unsere Kleiderschränke. Wie extravagant! Das gab's ja noch nie - da kommen urplötzlich Designer auf die Idee, ein längst vergangenes Jahrzehnt neu zu zitieren! Wahrlich ein Paukenschlag der Innovation!

Spaß beiseite. Natürlich ist das Wiederbeleben lange vergangener Trends in der Modewelt heutzutage Gang und Gebe. "Es ist schwer, avantgardistisch zu sein. Die Leute haben sich an alles gewöhnt", sagte Vivienne Westwood einst so weise, und da die Modeschöpfer in jeder Saison aufs Neue dem Problem der Ideenfindung gegenüberstehen, setzen sie vermehrt auf bereits erlebte und einst erfolgreiche, populäre Trends. Was wir heute, im 21. Jahrhundert, auf den Laufstegen sehen, ist nicht selten ein mehr oder weniger gut retuschierter, eigen interpretierter Abklatsch dessen, was bedeutende Größen der Modewelt wie Yves Saint Laurent vor 50 Jahren an Geniestreichen produzierten. Der in Berlin lebende Jungdesigner Hien Le sagt sogar ganz schlicht: "Es gibt (in der Mode) nichts Neues mehr."

zum Artikel

9Kommentare Claire |

Kunst in Hamburg: Die spannendsten Galerien der Stadt

Wer von Hamburg schwärmt, der wird nicht als Erstes die Kunstszene der Hansestadt erwähnen. Immer wieder ist die Rede vom einzigartig-maritimen Flair, von den herrlichen Bauten an Elbe und Alster, der erfrischenden Brise und den zahlreichen individuellen kleinen Vierteln, die sich einerseits komplett voneinander unterscheiden - hier alternativ-originell, dort hanseatisch-vornehm - und insgesamt doch eine stimmige Einheit bilden. Hamburgs Architektur ist in aller Munde, der Kontrast zwischen traditionellem Kontorhausviertel, neugotischer Speicherstadt und ultramoderner Hafencity; und der gigantische Hafen macht die Stadt zum Tor zur Welt. - Aber Kunst? In Hamburg? Ach ja. Soll's ja geben. Kunsthalle, Galerie der Gegenwart, Museum für Kunst und Gewerbe, Bucerius-Kunstform - schön und gut, aber kaum einem Touristen bekannt, und daher nicht der entscheidende Anziehungspunkt Hamburgs.

zum Artikel

3Kommentare Claire |

Im Partnerlook: The Kooples

Hach. Traumhaft schicke Kleidung, und die auch noch im Doppelpack, für Männlein und Weiblein! The Kooples, ein französisches Modelabel, das für Männer und Frauen den perfekten Partnerlook entwirft, kommt natürlich aus Paris, der Stadt der Liebe! Allerdings gibt es dort nicht den biederen Ton-in-Ton-Look zu kaufen, bei dem Mademoiselle's rosa Halstuch zu Monsieur's rosa Krawatte passt. Oh nein. The Kooples, das ist purer Rock 'n' Roll, so cool, dass der Anblick ihrer ultralässigen Pelzjacke samt rostorangefarbener Jeans und Filzhut, absolut himmlisch mit seinem tannengrünen Cardigan und der schmalen Krawatte harmonierend, fast schon wieder schmerzhaft ist. Schmerzhaft schön! Nun gibt es auf der Webseite unter der Rubrik "Couples" auch noch kurze Videosequenzen anzuschauen, in denen ausgesucht hübsche Pärchen von der ersten Begegnung, dem ersten Kuss et cetera erzählen, natürlich eingekleidet in die Hausmarke - glücklich verliebt und dabei auch noch gut angezogen, wo gibt es solch puren Frohsinn heute noch? Fazit: Ein komplettes The-Kooples-Outfit plus passendem petit ami, das ist das must-have de l'automne!

zum Artikel

11Kommentare Claire |

Herrenmode: Das Mützchen

In geschlossenen Räumen Kopfbedeckungen jeder Art abzunehmen ist teil einer traditionellen, jedoch keineswegs altmodischen Etikette. Es gilt als eine Art des Respekts und der Höflichkeit, in der Schule, beim Meeting oder im Restaurant das Haupt unverhüllt zu präsentieren - schließlich demonstriert eine tief über die Augenbrauen gezogene speckige Wollmütze wohl kaum Anstand und Würde. Neuerdings ist der Hut-Trend zwar wieder äußerst populär, was bedeutet, dass nun immer mehr Leute mit bordeauxroten Jägerhüten durch die Fußgängerzonen flanieren, doch selbst diese schicken Modelle sollten beim Betreten geschlossener Räumlichkeiten entfernt werden.

Nun gibt es da aber noch den Mützchen-Trend, und zwar in der Herrenmode. Wer zurzeit mit wachem Blick durch Berlin-Mitte spaziert, wird mit Sicherheit zahlreichen, gut gekleideten jungen Burschen begegnen, die ein sorgsam auf dem Hinterkopf platziertes Mini-Wollmützchen ausführen, welches entfernt an die jüdische Kleiderordnung erinnert. An dieser Stelle kommt die Frage auf, ob das Tragen jener schmucken wollenen Kopfdeckung in überdachten Räumen ebenfalls als respektlos und unhöflich anzusehen ist. Denn sie sind doch winzig und niedlich!

zum Artikel

8Kommentare Claire |

Michel Klein: Pariser Eleganz

Innovationen, Futurismus, Simplizität und Originalität beherrschen die Modewelt. Querdenker wie Gareth Pugh oder Hussein Chalayan begeistern die Branche, und spätestens seitdem Acne-Kleidung im Kleiderschrank jedes Modefans hängt, ist klar, dass auch Minimalismus seine spannende Seite haben kann. All das ist schön, und gut, und darf auch so bleiben.

Aber hin und wieder kann dem immerzu visionären, verrückten Modekosmos etwas beruhigende Abwechslung nicht schaden. Wahrscheinlich gilt es in der heutigen Zeit sogar fast schon wieder als neuartig und irgendwie anders, einfach mal klassisch schick gekleidet durchs Leben zu wandeln. Nein, es nicht die Rede von der rosa-gestreiften Ralph-Lauren-Bluse, auch nicht von Timberland-Segelschuhen oder Longchamp-Handtäschchen.
Es geht um eine unaufdringliche Dosis Eleganz, die wieder Einzug in unsere Garderoben halten dürfen soll, einen besonderen Chic, der nicht fransig, verspielt, blumig, gerüscht oder einfach ermüdend überladen daherkommt, sondern von feinsinnigem Gespür für ein klassisch-ästhetisches Modebild zeugt. Wo kann man solche Mode am ehesten finden? In Paris. Natürlich.

zum Artikel

2Kommentare Claire |

Brutale Verführung

Wozu eigentlich der Fetish-Trend? In den Stilkolumnen und Laufsteg-Analysen einschlägiger, anständiger Modemagazine tauchen seit einigen Jahren immer wieder verlässlich begeisterte und detaillierte Beschreibungen dieser kontroversen Modeerscheinung auf. Die VOGUE UK titelte aktuell im "Runway roundup":

Fetish - look beyond the more extreme elements of this trend and play to the subtly seductive side of fetish dressing with tantalising sheer inserts, black lace blouses and keyhole necklines.

Fetisch - was heißt das eigentlich? In Meyers Lexikon finde ich unter dem Begriff Fetisch, der (von portugies. feitiço "Zauber(mittel) folgende Beschreibung:

Von den Portugiesen zunächst für westafrikanische Götterbilder gebrauchter Ausdruck, dann allgemein ein Gegenstand, dem eine übernatürliche Kraft zugemessen und der deshalb verehrt wird (Fetisch-Kult)".

Interessant ist auch die Erklärung des Wortes Fetischismus, dort lese ich:

1) Von Karl Marx in Gesellschaftstheorie und Sozialphilosophie eingeführter Begriff: Als Waren- bzw. Kapital-Fetisch bezeichnet er die Tatsache, dass Machwerke des Menschen - Waren und Kapital - die gesellschaftliche Produktion beherrschen. 2) In der Psychologie bezeichnet der Fetisch eine sexuelle Perversion, bei der Gegenstände als einzige oder bevorzugte Objekte sexueller Erregung und Befriedigung dienen.

zum Artikel

7Kommentare Claire |

Hübsche Modehotels: Schlummern wie im Wunderland

Modedesigner sind wahrlich hart arbeitende Menschen. Während in vielen anderen Berufen der Schuster meist stets bei seinen Leisten bleibt, wird von den kreativsten Geschöpfen der Bevölkerung weit mehr verlangt - heutzutage reicht es bei weitem nicht mehr aus, "nur" Mode zu kreieren. Oh nein. In unserem verwöhnten Zeitalter gehören nebst Erst- und Zweitlinie, Resort-, Prefall- und Accessoires-Kollektionen, Haute Couture und Kosmetiklinie (all dies natürlich selbstverständlich!) auch das Design von Teeservice, Fahrrädern, Tennisschlägern und Möbelgarnituren zu Modeschöpfers Aufgabenbereich.

Nicht zu vergessen sind die Hotels. Hotels komplett einzurichten scheint in den letzten Jahren zur Lieblingsbeschäftigung berühmter Modedesigner avanciert zu sein. Die geschäftstüchtigen Hotelmanager, die Armani, Missoni oder Lacroix für die Innenarchitektur ihrer Luxusherbergen engagieren, verfolgen mit dieser Idee natürlich eine äußerst schlaue Strategie: denn wo sollte man zum Beispiel in der Modestadt Paris lieber schlummern als in einem von Christian Lacroix persönlich entworfenen Himmelbett, den Kopf gebettet auf von Christian Lacroix persönlich auserwählten Daunenkissen?

zum Artikel

4Kommentare Claire |

Der Streifen-Klimbim-Firlefanz-Schnickschnack-Look

Unter erfinderischen Modemenschen hat sich in den letzten Jahren zunehmend ein Hang zu nahezu expressionistischen Outfits breitgemacht. Auf der einen Seite besteht bei vielen natürlich weiterhin die Liebe zu Minimalismus und Geradlinigkeit, während immer mehr Mutige offenbar ungeniert und wüst und wild sämtliche Kleidungsstücke und Accessoires, die der Kleiderschrank so hergibt, in einem einzigen Outfit zu kombinieren wissen (oder versuchen).

Streetstyle-Fotografen lieben diese Straßen-Eyecatcher. Entzückt knipsen Tommy Ton und Kollegen ein Bild nach dem anderen von besagten Herrschaften, die Blumensöckchen zu Killerheels, knallbunte Gummiarmbänder und schillernden Goldschmuck mixen; luxuriöse, orangefarbene Wollmäntel mit allerlei bunten Anstecknadeln vom Flohmarkt dekorieren, mindestens drei, in einigen Fällen vier verschiedene Handtäschchen in allen erdenklichen Variationen und Mustern transportieren, opulenten Haar- und Halsschmuck tragen, und zu guter Letzt meist auch noch mit weiterem sperrigem Firlefanz wie Vespa-Helm, Kaffeebecher und Moleskine-Büchlein bepackt durch die Gegend flanieren. Manchmal fragt man sich dabei: haben diese Damen eventuell ein oder zwei weitere, uns Normalsterblichen unsichtbare Arme?

zum Artikel

10Kommentare Claire |
Ältere Beiträge
Burda Style ChuhChuh Elle InStyle OK COOL