von Claire 15Kommentare

Modepüppchen hinterm Steuer

Neuerdings fahre ich Auto. Ich fahre nicht besonders gut, aber immerhin nehme ich endlich Fahrstunden, das wollte ich schon seit Monaten tun, und nun rückt der 18. Geburtstag langsam aber sicher näher, da will man dann als volljähriger Mensch schon in der Lage sein, mit Muttis Karre auf dem Schulparkplatz vorzufahren.

Apropos: beim Erlernen des rückwärtigen Einparkens fragte ich mich neulich: was für ein Auto fahren eigentlich waschechte Modepüppchen? Diese Frage ist durchaus relevant, schließlich gilt auch das Auto heute nebst Handtasche und Lippenstift als ernst zu nehmendes Accessoire jedes Karrieregirls. Gibt es in der Autobranche eigentlich auch so etwas wie eine Mode, nach der man sich richtet? Trends, die kommen und gehen, Modelle, die gerade besonders angesagt sind? Und: welches Auto "steht" wem?

In der FAZ las ich vor gar nicht langer Zeit im Wirtschaftsteil unter der Überschrift "Eine kleine Autokunde" einen höchst interessanten Bericht über die Ergebnisse einer Umfrage, die das "Profil der Autofahrer" ermitteln sollte: Wer fährt welches Auto? Welche Autofahrer-Typen gibt es?

Wie ich durch besagten Artikel erfuhr, wird beispielsweise der Porschefahrer - wie sollte es auch anders sein - in der Bevölkerung als gänzlich humorlos und arrogant angesehen, auch der Ferrari-Fahrer hat natürlich einen schlechten Ruf, er gilt als selbstherrlich und stinkreich. Wer sich beliebt machen möchte, der sollte, so das Ergebnis der Umfrage, lieber in einen VW steigen (denn VW-Fahrer sind nett und bescheiden) oder in einen BMW ("jung und weltoffen" ) oder in einen Audi - denn Audifahrer sind, wie jeder weiß, fröhlich und mittelmäßig. Opel, Dacia und Ford sind die Verlierer in der Autokunde und laut Umfrageergebnissen für jene Menschen reserviert, die entweder dick, unsportlich, bieder, ernst oder ärmlich sind.
Was soll nun aber das anspruchsvolle Modefräulein fahren?

Das Traumpaar der Autobahn besteht aus dem graumelierten, gutsituierten Jaguar-Fahrer und der - klischeemäßig langbeinigen - Schönheit im Mini: Dort werden nämlich die hübschesten Frauen vermutet.

Den Mini sieht man immer noch an jeder Straßenecke; doch ob tatsächlich langbeinige Schönheiten herausklettern? Ich weiß nicht. Der Mini ist mittlerweile zu einem derart schnöden Mainstreamobjekt mutiert, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass sich eine Chefredakteurin im Balenciaga-Outfit dazu herablassen würde, in solch einen volkspopulären Wagen zu steigen.

Überhaupt: ist der Mini nicht eigentlich schrecklich passé? Ich habe eine ganz andere Ahnung, was denn zurzeit das Auto sein könnte: der Fiat. Und zwar nicht irgendein Fiat-Modell, sondern der Fiat 500. Hach. Ist er nicht niedlich? Runder, geschmeidiger als ein knubbeliger Smart, eleganter und weitaus origineller als der Mini, klein, aber oho, selbstbewusst glänzend, irgendwie verführerisch, eben richtig italienisch. Ein Auto, das ganz nach dolce vita ausschaut - darin würde ich allzu gern durch Mailand düsen!

Georg Meck, Autor des FAZ-Artikels, erwähnt in seinem Bericht zudem ganz beiläufig:

Der Fiat-Pilot ist zwar viel hübscher, schlanker, weltoffener, am Monatsende aber hat er - noch wahrscheinlicher sie - weniger Geld auf dem Konto als die Ford-Klientel: 1300 Euro netto traut man den Fans der Italo-Marke zu, 1700 Euro den Ford-Fahrern.

Da haben wir es! Fiat-Fahrerinnen sind praktisch immer pleite! Das muss daran liegen, dass es sich bei dieser Spezies um shoppingverliebte Modepüppchen handelt, die ihr Monatsbudget am liebsten in neue Plateaustiefel und Jil-Sander-Kleidchen investieren.

Der treffendste Beweis für den modischen Aufschwung des Fiat 500 ist jedoch die neueste Kooperation des Unternehmens: mit Gucci! Frida Giannini kann offenbar nicht nur sinnlich-herrliche Kleider entwerfen, sondern auch elegante Kleinwagen - nun gibt es also den Fiat 500 by Gucci, komplett mit grün-roten Streifen auf Lack und Ledersitz, Gucci-Logo auf Reifen und Schaltknüppel und natürlich auch entsprechenden Accessoires für die Spritztour - Slippers, Taschen und Pilotenbrille.

Nun aber fällt mir ein: haben wir jemals tatsächlich eine berühmte Modebloggerin, Chefredakteurin, ein Supermodel oder eine Topstylistin vorne links in ein Auto einsteigen sehen, und sei es auch ein Fiat 500 mit Gucci-Logo? Sowohl in "Der Teufel trägt Prada" als auch in der Dokumentation "The September Issue" klettern die Damen stets auf die Rückbank eines schwarzen Mercedes, oder eines New York Cab. Ein Blick zu den Fashion Weeks in Mailand, Paris oder London reicht ebenfalls, um festzustellen, dass dort entweder Fahrrad gefahren wird (was immer noch als très cool gilt) oder man sich von einem Chauffeur von A nach B kutschieren lässt. Was lernen wir also? Modepüppchen fahren prinzipiell gar nicht Auto!

Wie sollte das auch gehen? Mit Plateaustiefeln an den Füßen kann man sowieso nicht das Gaspedal treten.

Tags: lifestyle, trendwatch

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15 Kommentare

  • eili

    nett geschrieben..
    trotzdem regt mich sowas auf - müssen frauen wirklich sämtliche alltagsgegenstände als accessoire betrachten?
    können frauen keinen ford / opel fahren, wertet es sie optisch ab und nimmt ihnen ihre street credibility?
    mein eindruck , wenn ich unterwegs bin, ist: frauen, die was auf sich halten, fahren mini. punkt.egal welche farbe, mag sie noch so schäbbig sein. hauptsache mini.
    ist ja auch so easy, denn den findet jeder cool.
    danach kommt dann der 500 oder wahlweise audi A1.
    ich als mann stehe auch auf coole autos,klar.
    aber kann man nicht einfach mal seinen eigenen stil schmieden anstatt trends zu folgen?
    ist übrigens nicht boshaft gemeint, sondern eher enttäuscht..


  • Charlott

    Oh, ich bin auch irgendwie enttäuscht. Ich fand dich bis jetzt so frisch und anders, voller neuer Ideen und ganz und gar nicht püppchenhaft. Und wenn ich diesen Artikel lese, erinnert mich das an meine Schulzeit, die jetzt 2 Jahre her ist. Dort hatten übrigens auch einige den Fiat 500 (und die Longchamp in der Armbeuge).
    Natürlich habe ich auch gerne ein schönes Auto, so wie jeder Mensch, aber in solch einer Tussimanier einen Artikel darüber zu verfassen...na, ich weiß nicht.

  • Amélie

    Ganz ehrlich? Bevor ich mich in einen Fiat "herablassen" würde, würde ich lieber zu Fuß gehen. Dann doch lieber mein Mini, der einfach am stylishten ist ;-)

    Aber er ist ja passé ... :-D

  • Ola

    Ich finde den Artikel durchaus interessant und ich ziehe jedesmal wieder meinen Hut vor deinem Fähigkeiten als Schreiberling angesichts deines jungen Alters.
    Allerdings hat die der Artikel eine entscheidende Sache übersehen: Modepüppchen fahren entweder Taxi dh werden gefahren oder nehmen das Fahrrad.
    Ich muss es wissen ich bin ääh..keine ein paar.

  • Anne

    Je älter ein Auto, desto cooler! Am besten H Kennzeichen würdig! Opel Rekord, Ford Taunus, Ford Mustang, Saab 99, n alter MG...DAS sind tolle Autos! Fiat 500, neue Minis - langweilig! Für den Anfang reicht eh ein altes Auto das schon Beulen hat. Viel Erfolg beim Führerschein machen!

  • elise

    das ist irgendwie langweilig und naiv.es tut mir leid, aber es nervt mich, dass man sich immer nach " wer trägt das?" oder " bin ich hip und im trend, wenn ich das trage?" richtet... keine spur von individualismus. und das sagt dein artikel aus. von deiner angesprochenen fahrrad- trend-dingsbums- sache will ich gar nicht anfangen. ich fahr fahrrad weil es einfach praktisch und super ist und nicht weil ich es als trend empfinde. ach und by the way: der neue vw beattle ist richtig schick und nicht weil da gucci drauf steht, sondern weil ich ihn einfach hübsch finde ;D

  • Kathrin

    vielleicht habe ich etwas falsch verstanden, aber mir schien, dieser Artikel hätte eine ordentliche Prise Ironie, als wolltest du -Claire- genau dieses Tussihafte überspitzen und auf die Schippe nehmen.

  • Claire

    Danke, liebe Kathrin! Genau das war mein Ziel :)

  • Alma

    gerne alt. historisch wertvoll.
    gern auch volvo. alt. v70. auch, wenn das so prenzlauer - berg - mutti ist.
    ist einfach der beste. wie ein sofa, passt alles rein und eignet sich auch für roadtrips.
    herzlichst.

  • elena

    verstehe.nicht.ganz.was.du.damit.meinst.

  • Philipp

    Frei nach Herrn Lagerfeld: "Selber fahren ist was für Assistenten." ;-)

    Ich persönlich glaube nicht, dass Autofahren durch die Erweiterung der Verwertungskette von Modeunternehmen neu definiert werden kann. Kern des Fahrens ist für mich ein Gefühl von Freiheit und Mobilität in einer zunehmend regulierten Welt, inmitten eines von Verpflichtungen erfüllten Alltags. Wie kann diesem Bedürfnis zukünftig Genüge getan werden? Nicht durch Retro und Deko-Schnörkel, die am Ende doch nicht an die Ästhetik des Vorbildes heranreichen. Nicht durch Anbetung alter, wenn auch faszinierender, Technik - wer würde bei dem heutigen Verkehr auf moderne Sicherheit (ABS, Airbags etc.) oder gutes Licht zugunsten von Vintage-Flair verzichten wollen?

    Die Zukunftsfragen sind andere: Welche Ästhetik kann technischer Fortschritt hervorbringen (z.B. wieder größere Scheiben bei gleicher Crashsicherheit)? Warum sind designerisch hochwertige Autos in Deutschland Luxusgüter, während man sich z.B. in den USA auch für einen mittleren Preis nicht für sein Blechkleid zu schämen braucht? Wie kann es gelingen, Parkplatznot und Dauerstau in den Megacities in Grenzen zu halten bzw. wird individuelle Mobilität in den Städten irgendwann verboten sein, wie heute das Rauchen? Wird man eine Fahrt noch ohne schlechtes Umweltgewissen genießen können? Wollen wir noch Dirigent unseres Automobils sein oder wird der Verkehrsinfarkt dazu führen, dass wir uns von einem Computer chauffieren lassen müssen?

    Es geht also um mehr als um das Resultat "Reise von A nach B", so wie es in der Mode um mehr geht als um das Bekleidetsein. Deswegen, liebe Claire, ein richtiges Thema, das, wenn es nach mir geht, immer mal wieder von Dir aufgegriffen werden sollte, stets gern auch mit feiner Ironie und Klischee-Analyse.

  • Christian

    Das bringt mich auf eine Idee: Wie wäre es nach Car-Sharing mit Schwarze-Limousine-mit-Chauffeur-Sharing?

  • Faore

    Mir hat der Artikel gefallen :) Es ist amüsant wie du mit Witz und Ironie über dieses Thema schreibst. Der Vorschlag des Fiat 500 als Modepüppchen-Auto trifft genau meinen Geschmack. Gerne würde ich nämlich so ein niedliches, kleines aber flottes Auto fahren! ;) Zudem passt so ein Auto in "Spielzeuggröße" (am besten noch in Pastellfarben) doch perfekt zum Begriff "Mode-Püppchen".

    Wobei du warscheinlich Recht hast, wer in der Modebranche etwas auf sich hält und das nötige Kleingeld besitzt wir sich warscheinlich kutschieren lassen.

  • blixa

    laaangweilig, ich kann den witz und ironie dieses artikels nicht raushören leider. wen interessiert schon was ein "modepüppchen" für ein auto fährt? ein hoch auf die individualität - je älter und verranzter der fahrbare untersatz umso besser!

  • marie

    hm- also diese ausführung des cinque cento ist ja wohl eher..... nix.....!
    PS: die italiener bauen auch nicht gerade die besten Autos ;)

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