von Claire 5Kommentare

In Zitronengelb durch den Winter

Neuerdings haben meine Hausgenossen und ich ein Werk des norddeutschen Künstlers Noah Wunsch im Wohnzimmer hängen. Natürlich vorerst nur probeweise, denn ob sich das abstrakte Stück Kunst auch wirklich langfristig gut in unseren eher puristisch gehaltenen Räumlichkeiten macht, lässt sich ja nicht in zehn Minuten feststellen.

Nach einer Woche des Probehängens kann ich jedoch sagen: dieses Kunstwerk darf bleiben. Es ist fantastisch. Auf gut zwei Quadratmetern Leinwand fließen herrlichste Rot-, Türkis- und Gelbtöne ineinander, das Ganze ist ein bombastisches Farbenspektakel ohne den Hauch von Kitsch oder gewollter Radikalität. Es ist ein Bild, das glücklich macht. Seit dem der Herbst nun also Einzug hält, verbringe ich täglich einige Minuten der Meditation vor diesem bunten Ding, da lässt sich der November-Blues gleich viel besser ertragen.

Warum nur laufe ich aber andererseits, sobald die Tage kürzer und die Temperaturen deprimierend niedriger werden, gleich im dunklen Mantel da draußen herum, wo doch kräftige Farben eine derart heilende Wirkung auf die sich mit der Winterzeit einstellende Jahresendmelancholie haben?

Dass dunkle Braun- und Schwarztöne Wärme absorbieren ist mir durchaus bewusst, doch kann mich nicht auch ein himmelblauer oder zitronengelber Mantel ganz wunderbar heizen, solange er eben aus ausreichend isolierendem Material beschaffen ist? Ist es nicht wahrlich eine Idiotie, dass wir Nordeuropäer, sobald der Winter wieder einsetzt, gleich demütig zu düsteren Farben greifen? Ist die kalte Jahreszeit nicht ohnehin langweilig genug? Warum unterwerfen wir uns mit diesen schrecklich unauffälligen schwarzen Wollmänteln dem bösen Winter? Warum nur läuft alle Welt in grauen Daunen-Funktionsjacken herum! Es ist eine wahre Ödnis, die sich zur Kältezeit auf den Straßen ausbreitet.

An den Modeschöpfern kann es zumindest nicht liegen. Gerade in dieser Saison versorgen uns die großen Meister bei Preen, Céline, Givenchy oder Gucci (siehe Laufsteglooks unten) wieder mit außerordentlich farbenfreudigen Stücken, die sich mit wollenen Accessoires durchaus als alltagstauglich erweisen dürften. Wem keine passenden Kombinationsmöglichkeiten knallbunter Wintermode einfallen, der kann derzeit auch ganz wunderbar in der aktuellen Ausgabe der BLONDE Inspiration finden: die Modestrecke "Durch die Galaxie" erfreut mit wahrlich hübschen Looks, die sicherlich nicht nur für eine Weltraumreise geeignet sein mögen.

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Wer jetzt klagt, jegliches Colourblocking erzeuge nach der vergangenen kunterbunten Sommersaison drastische Augenschmerzen, dem sei natürlich erlaubt, weiterhin zu schlichten Schwarz- und Braunnuancen zu greifen. Dieser Jemand jammere dann aber nicht über anhaltende Winterdepressionen! Allen anderen sei gesagt: amüsiert euch! Sorgt für erhellende Farbtupfer auf den Straßen, und das bitte nicht nur in diesem selten schmeichelnden Sechziger-Jahre-Gelb, in dem man aussieht, als sei man in einen Senftopf gefallen. Oh nein. Die ganze Farbpalette darf es sein, saftiges Himbeerrot, Grasgrün, Zitronengelb, Kornblumenblau oder Bonbonrosa. Denn: kann es ein schöneres Anti-Depressivum als Mode geben?

Eine Auswahl aktueller, sehr ansehnlicher Farben-Kleider finden sich in der Bildergalerie:

Tags: mode, shopping, trendwatch

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5 Kommentare

  • lis

    ein schöneres - und letztlich effektiveres anti-depressivum - als mode gibt es wahrlich nicht. da gebe ich dir vollkommen recht. nur: ob sie deswegen gleich in zitronengelb oder zuckerwattenrosa daher kommen muss, sei mal dahingestellt ;-) bin allerdings überrascht obgrund des stine-goya-hüte-festivals. normalerweise weder fan von kopfbedeckungen noch von der guten alten stine, wollen mir diese doch erstaunlich jut jefallen. best aus berlin, lis

  • emma

    Ja, ich kenne das. Verpacke ich mich doch selbst auch immer in den gleichen dunklen Winterfarben. Auf der anderen Seite konnte ich mit der BLONDE Modestrecke einfach nicht viel anfangen und selbst wenn ich mir dann mal beim shoppen einen bunten Pullover überziehe, stelle ich immer wieder enttäuscht fest: Das bin nicht ich.
    So ist das Leben.

  • Melanie

    Eine symphatische, aber doch sehr kindliche Sichtweise. Warum sollte denn jemand anfangen jede Menge Geld für Bonbonfarbene Mäntel, Schals, Mütze, Hüte auszugeben, wenn es einem einfach nicht steht? ISt doch klar dass man auch bei Winterkleidung auf die persönlich präferierten Farbshemen zurückgreift. Ausserdem wird es doch spätestens wieder auf den Skipisten schön bunt- da ist es nämlich egal wie man was kombiniert ;)

  • Sandra

    Also ich sehe das ganz pragmatisch. Ein Wintermantel ist ein Kleidungsstück, welches man meistens mehrere Jahre trägt und das (wenn man etwas auf Qualität achtet) auch einiges kostet. Daher greifen die meisten wohl zu einer Farbe die man länger "ertragen" kann und die man mit Accessoires (die ja ruhig bunter ausfallen können) kombinieren kann. Diese hellen bunten Mäntel werden sicherlich auch viel schneller schmutzig.

  • Alessa

    Ich liebe diese knalligen Farben! Wirklich toll.

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