von Claire 8Kommentare

Ein schöner Spaß

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Darf Mode eigentlich witzig sein? In irgendeiner Stilkolumne von Wäis Kiani las ich einmal:

Ich mag Schuhe, die einfach in allen Punkten richtig sind, die neue Saison auf den Punkt bringen und selbstverständlich keinen Schnickschnack nötig haben. Und niemals witzig und originell sein wollen. Witzige Schuhe sind nämlich das Letzte. Ein Schuh oder Stiefel muss einfach aussehen, so, wie man eben einen Schuh zeichnen würde.

Welch erschütterndes Urteil! Lustige, originelle Mode soll wirklich das Letzte sein? Vielleicht liegt es an dem Thema Schuhe, auf das sich die offenbar humorlose Autorin in ihrem Text fokussierte - wenn es um Schuhe geht, verstehen viele Frauen ja bekanntlich keinen Spaß.

Oder aber die Ursache für diese bitterböse Einstellung gegenüber lustigem Schuhwerk findet sich in der generell falschen Ansicht der Mode. Es gibt sehr viele Menschen, die Mode überhaupt nicht ernst nehmen; und dann wären da noch die Lobbyisten auf der anderen Seite, die Mode zelebrieren und heiligen, als handele es sich dabei um das deutsche Grundgesetz.

Die Mode - jedenfalls jene, die wir auf den Laufstegen begnadeter Couturiers und in den kleinen Boutiquen kreativer Jungdesigner zu sehen bekommen - erhellt unseren Alltag, der oft gezeichnet ist von strengen Gesetzen, ermüdenden politischen Debatten, Kriegen und anderen Abscheulichkeiten. Diese Mode beglückt uns mit ihrer einzigartigen Ästhetik, die wir uns selbst anziehen, über die wir uns, in der ganzen Vielfalt, in der sie sich präsentiert, selbst definieren dürfen. Mode mag für das politische und wirtschaftliche Geschehen nicht primär relevant sein, aber dennoch spiegelt sie unser menschliches Zusammenleben, unsere Gruppierungen und unseren gesellschaftlichen Zeitgeist wieder. Wir alle tragen Kleidung, wir kaufen uns Autos und Computer, Rennräder und Kaffeetassen, und folgen dabei einer Mode. Viele Menschen denken, sie hätten mit Mode nichts am Hut - diese Menschen irren.

Doch trotz der enormen Macht und Dynamik, die die Mode eben doch hat, trotz ihres gewaltigen Effekts, Menschen fast wie willenlos mitzureißen, ist sie nicht der Nabel der Welt. Sie bleibt ein Luxusgut, etwas, dass wir zum bloßen Überleben nur sekundär gebrauchen können, etwas, dass zu unserem Vergnügen existiert - und ja, der Mensch braucht Spaß und Vergnügen! Nur weil die Mode ein Spaßprodukt ist, heißt es nicht, dass sie als unwichtig abzutun ist! - aber gerade deshalb sollte man die Mode nicht so ernst nehmen, ebenso wenig, wie man mit strenger Miene auf ein Karussell steigen oder humorlos konzentriert auf der Tanzfläche stehen sollte. "Nichts davon ist ernst, meine Damen und Herren. Es ist ein Spiel. Es ist Spaß, also nur zu. Spielen Sie verrückt!" - das hat Jean Paul Gaultier einmal gesagt, ohnehin die wahrscheinlich lustigste und sympathischste Figur der Modewelt, und mit diesem Zitat seien alle Fräuleins gemeint, die mit akribischer Konzentration Modeklatschblätter studieren, als seien es die neuesten Romane von Mosebach und Coelho, und alle Burschen, die länger als die eigene Mutter vor dem Spiegel stehen, um mit diversen Schwarzkopf-Tuben hantierend die Haare in Form zu stylen - ihr lieben, aber doch etwas wahnsinnigen fashion victims, habt Spaß! Genießt die Mode als ein herrliches, glamouröses und unfassbar lustiges Spiel! Denn erst dann, wenn man Mode nicht als etwas Weltbewegendes, sondern als etwas Glücksspendendes begreift, und auch erst dann, wenn man sich nicht permanent, rund um die Uhr, mit Mode beschäftigt - erst dann wird man feststellen, was für eine feine Erfindung die Mode doch eigentlich ist.

Was wir dazu, außer einer gesunden, hin und wieder eingeschobenen Fashion-Abstinenz, brauchen? Natürlich lustige Kleider! Originelle, spritzig-charmante Mode, die glücklich und fröhlich und Spaß macht, die uns aber keinen Witz aufdrängen will wie ein schlechter Kabarettist, sondern die aufrichtig und ehrlich lustig ist, so wie unser geliebter Loriot zum Beispiel, stets mit diesem kleinen, schelmischen Augenzwinkern, das uns, wie Dries van Noten einst so schön sagte, zuflüstert: "Genieße dein Leben. Mode ist nicht so wichtig."

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1. Auch Jutetaschen können noch lustig sein - diese hier sind von PotiPoti

2. Supermarket Sarah hat diese traumhaft knallbunten Halstücher im Sortiment, die jeden grauen Wintertag erhellen.

3. Die handgestickten Schulterkappen von Spinthread sind eine humorvolle Hommage an den beliebten Military-Style und addieren Jux und Dollerei zu Hemd und Jacke.

4. Kyoto Hashimoto, eine aus Tokio stammende und in Berlin lebende Schmuckdesigerin, bastelt uns diese knubbeligen hübschen Ringe.

Tags: accessoires, mode, shopping

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8 Kommentare

  • Julia

    Hey Claire,

    du hast den Nagel mal wieder auf den Kopf getroffen! Es gibt wirklich nichts schlimmeres als Leute, die glauben, Mode würde das Zentrum unserer Existenz darstellen und ohne die hippe neue Tasche würde die Welt untergehen. Doch dabei handelt es sich nicht nur um Hobbyfashionistas, sondern vorrangig natürlich auch um Leute, die in der Modebranche arbeiten. Diese bekommen oft wegen den kleinsten falschen Details einen Herzinfark...

    Und natürlich kann man mit Mode auch Spaß haben! Natürlich kann man auch mal einen lustigen Print, einen verrückten Schnitt oder eine bizarre Farbkombi tragen. Denn wie heißt es doch so schön: "Ein bisschen Spaß muss sein" ;)

  • Penelope

    Witzig immer gerne bei kleineren Assecoires, die man wechseln kann - ansonsten läuft man relativ schnell wie der Witz von gestern herum. Und selbst Loriot würde sich fragen : Wie laufen sie denn?
    Karl WHO ist ja bekanntlich auch immer für Späße zu haben ;-)
    Ach so, was ist an dem Tuch eigentlich "lustig"???

  • Katharina

    Hi Claire, ich bin ein grosser Fan deiner Artikel, aber ich muss Wäis jetzt mal Recht geben, ich bin nämlich auch ein grosser Fan von ihr. Ich finde Mode muss vor allem eines sein, dem jeweiligen Alter angemessen, sonst macht man sich zur Witzfigur. Ich glaube Wäis Kiani ist Ende 40 und du bist unter 20.... you see. Da ist keine Basis für irgendeinen Vergleich. Ü 40 hat man nun wirklich das Recht einfach mal klassisch und schön auszusehen und die lustigen Experimente wegzulassen. Du wiederrum kannst einfach alles machen u dich ausprobieren, das muss man ja auch, das ist das Schöne am Jungsein.

  • Ines

    sehr guter artikel!
    ich bin auch der meinung, dass man mode nicht so ernst nehmen sollte. kleine verspielte und witzige details werten jedes outfit auf. und ich finde, das ist auch nicht unbedingt eine altersfrage. man kann auch mit vierzig noch klassische outfits mit einer außergewöhnlichen kette oder tasche bestücken. selbst meine omi trägt nach ihrer langjährigen arbeit in der modebranche mit heute achtzig noch lustige tierbroschen oder witzige halstücher zu ansonsten klassischen outfits. aber meine omi hats eh drauf...

  • Katharina

    Hut ab, toller Artikel, wieder einmal brilliant geschrieben!

    Ich muss meinen Vorrednerinnen Recht geben: Ich mit meinen 28 Jahren brauche echt keine "lustigen" knubbeligen Tierchen oder Sprüche auf Taschen. Will ich einfach nicht mehr. Das hat aber nicht im Geringsten etwas mit Spaßlosigkeit zu tun, im Gegenteil: das Spaßige ist nur nicht mehr ganz so banal und für jeden auf den ersten Blick sichtbar. Und ja, auch ein buntes Tuch kann lustig sein. Ich würde die lustigen Ringe eher mit einer flachen Cameron Diaz Komödie vergeleichen, später steht man vielleicht eher auf eine subilere französische Komödie?

    PS es heißt Tollerei

  • carla

    liebe claire, ich muß hier mal kurz partei ergeifen für mme kiani- sie ist alles andere als humorlos! sie mag spitzzüngig, zynisch, eventuell sogar sarkastisch sein. aber sie besitzt einen feinen, tiefsinnigen humor, den ich sehr an ihr schätze. und was ihr kommentar zu lustigen schuhen betrifft- das hat wohl eher was mit dem "erwachsen werden" zu tun. irgendwann kommen wir alle an den punkt, da wollen wir nur noch eins- schlichte schwarze pumps. und was steht in den läden? grellbunte turnschuhmonster mit plateauabsatz.

  • Julia

    Natürlich habt ihr alle Recht: Ab einem gewissen Alter ist es einfach nicht mehr angebracht, sich in grellbunte Clownkostümer zu schmeißen. Doch ich finde, darum geht es hier gar nicht so: Im Vordergrund steht meiner Meinung nach vor allem, Mode nicht zu ernst zu nehmen und so zu tun, als wäre sie das Wichtigste der Welt.

  • rina

    Ich kenne die weiter oben kritisierte Redewendung auch als "Jux und Dollerei". Schätze, es ist einfach regional unterschiedlich, was man sagt.

    Ansonsten: Ja, ich finde auch, dass Mode witzig sein darf, sogar Schuhe - diese Doc Martens mit den Blümchen zum Beispiel kann man doch eigentlich nur mit einem Augenzwinkern tragen, aber an manchen Mädels sehen sie ziemlich cool aus. Letztlich muss es zur Trägerin passen. Ist doch schön, dass es unterschiedliche Kleidungsstile gibt. Viel empfindlicher bin ich ja bei Klamotten und Schuhen, denen ich das Attribut "kindisch" oder noch schlimmer "kitschig" verpassen muss - das ist für mich ein No-Go!

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