Hamburg: Japanisches Modedesign im MK&G
Es ist Juli, und doch hat Hamburg derzeit nicht gerade schmeichelhafte Wetterbedingungen zu bieten. Allerdings ist Langeweile in der Hansestadt ein Fremdwort, und der wetterfeste Hamburger lässt sich selbst durch anhaltende Regengüsse nicht die Laune verderben. Auch ich kann düsteren Wolken am Himmel durchaus etwas Positives abgewinnen - schnurstracks geht es in mein liebstes Lieblingsmuseum in Hamburg: das Museum für Kunst und Gewerbe, unweit vom Hauptbahnhof gelegen, und für Hamburgreisende und Ureinwohner gleichermaßen kulturelles Pflichtprogramm Nummer 1.
Für Modeinteressierte lohnt sich aktuell auf jeden Fall die Ausstellung ''Japanisches Modedesign''. Originalentwürfe von Issey Miyake, Rei Kawakubo, Yohji Yamamoto und unbekannteren Kollegen lassen sich hier endlich einmal aus nächster Nähe bestaunen: welche Kunstfertigkeit und welche Raffinesse in diesen einzigartigen Entwürfen doch stecken!
Die Worte ''Purismus'', ''Minimalismus'' und ''Avantgarde'' fallen nicht selten auf diesem Blog, und dementsprechend habe ich eine besondere Schwäche für die teils atemberaubenden Kleider der japanischen Modeschöpfer.
Die 1942 in Tokio geborene Rei Kawakubo, Yohji Yamamoto (*1943) und Issey Miyake (*1938) schaffen Kleider, denen die traditionellen europäischen Formen fehlen, ja die sich westlichen Körpervorstellungen völlig entgegenstellen. Sie haben unerwartete Silhouetten und zeitigen räumliche Wirkungen, die für westliche Augen ganz ungewohnt sind.
Gerade dieses für unsere an Jeanshosen und enge T-Shirts gewöhnte Augen Ungewöhnliche, nahezu Abstrakte fasziniert an japanischen Modekreationen ungemein, und durch skulpturale Formen und originelle Materialien entstehen ganz neue, modische Räume um den menschlichen Körper.
Besonders die oft sehr eigenartige Materialwahl und der damit verbundene Umgang sorgen für außergewöhnliche Effekte, die eine nähere Betrachtung durchaus wert sind: so wirken das Shirt und der Rock von Yoshiki Hishinuma aufgrund der besonderen Verarbeitung des Polyestergazes beinahe wie Baumrinde; daneben wird eine winzige Bluse zum Rock aus vermeintlichen (!) Schlangenleder präsentiert, die von Ferne ganz konventionell gerafft wirkt, bei eingehender Betrachtung jedoch unzählige Risse, die für den Effekt der Raffung sorgen, aufweist.
Yoshiki Hishinumas Mode besticht durch die Besonderheiten des Materials. Anstatt sich mit dem Vorgefundenen zu begnügen, experimentiert er mit natürlichen und chemischen Prozessen, um die Oberflächen von Synthetikgeweben zu verändern. Feine, partiell plissierte Polyestergaze erhält einen Überzug aus Polyurethan, der dann entlang der Plisseefalten wieder aufgerissen wird uns so verschiedene Strukturen erhält, die z.B. an Baumrinde oder Reptilhaut erinnert.
Ein Trenchcoat mit kleinen silbernen Kugeln am Saum hat ausgebreitet die Form eines Regenschirms, ein Schlauch aus Stoff wird mit zusätzlichen Löchern für Halsausschnitt und Arme zum humorvollen Kunstobjekt und das weite, tiefschwarze Gewand mit drei weißen Streifen über der Hüfte interpretiert den Begriff Eleganz vollkommen neu.
Japanisches Modedesign - so simpel und so intelligent, wie wir es bei europäischen Modeschöpfern selten zu sehen bekommen. Auf diese Weise mutiert Mode vom populären Massenprodukt zum tiefsinnigen Kunstobjekt. Diese Ausstellung möchte ich Hamburgern und Nicht-Hamburgern wärmstens empfehlen.
Weitere Bilder aus der Ausstellung:


















Eveline
ich fahre am wochenende nach hamburg, da passt der tipp wie die faust auf's auge, danke!
hat denn jemand noch einen guten tipp für mich? oder kann mir jemand sagen was in sachen vintage eine gute anlaufstelle ist?
Deni
... ich muss dringend nach Hamburg! Das darf ich mir nicht entgehen lassen! Danke für den Tipp, Claire :D
shoko
hört sich sehr spannend an.
ob ich es bis august schaffe in Hamburg vorbei zu schauen?!
Macke
Die Japaner können es. Danke für den Tipp.