10. März 2015
Dienstag

Follower vs. Leser: Läuft Instagram den Blogs den Rang ab?

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8.35 Uhr 12. Januar 2010 Der Wecker klingelt. Ich schalte ihn fünf Mal auf Snooze, dann wache ich langsam auf. Uni fängt sowieso erst um 10 an, also kann ich auch noch etwas im Bett bleiben und mich meiner Lieblingsbeschäftigung widmen: dem GoogleReader. 30 Minuten lang scrolle ich mich durch die neusten Posts, schaue direkt bei meinen Blog-Favoriten vorbei und kommentiere.

6.35 Uhr 12. Januar 2015 Der Wecker klingt. Ich bin beim ersten Ton hellwach, greife zum iPhone und stelle das nervige Piepsen aus. Das Gerät bleibt aber gleich in der Hand und ich scrolle mich erst mal durch Instagram. Ca. 10 Minuten brauche ich für die Beiträge der Nacht. Ungefähr 87 Likes, 6 Screenshots und gefühlt 234 Bilder später bin ich bereit aufzustehen. Eine Runde Frühsport, dann ab unter die Dusche, Emails checken am Mac beim Frühstück, Anziehen und ich bin bereit für den Tag.

Diese beiden Szenarien fassen perfekt zusammen, wie sich mein Blogkonsum in den letzten fünf Jahren verändert hat. Nachdem der GoogleReader im Juli 2013 eingestellt wurde, konnte ich mich auf keinen neuen Feedreader einlassen. Der Trennungsschmerz war zu groß. Meine Favoriten hatte ich sowieso im Kopf und habe sie weiterhin regelmäßig besucht. Doch es sind weniger Blogs geworden. Mittlerweile ist meine Leseliste in Firefox noch kürzer, denn es gibt ja Instagram. Dort sieht man die neusten Looks sowieso zuerst. Sei es in Form einer Detail-Preview (#fromwhereistand) oder als Streetstyle-Schnappschuss; gerade während der Fashion Weeks ist man via App bestens über die Outfits der liebsten Stilblogger informiert. Die teilen ihre Bilder dort oft lange bevor die neuen Lieblingsstücke auf dem Blog landen. Wenn es denn überhaupt dazu kommt.

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Die besonders erfolgreichen Instagrammer wissen natürlich um die Power ihrer Accounts und bestücken sie mehrmals täglich mit neuen, perfekten Bildern, die in puncto Qualität keine Wünsche offen lassen. Manchmal wird dafür die iPhone-Kamera genutzt, oft werden aber auch Aufnahmen der Spiegelreflex geteilt. Auf dem Blog selbst passiert meist deutlich weniger. Bei Follower-Zahlen ab 100.000 bis in die Millionen frage ich mich da doch manchmal, ob der Blog wohl auch noch so viele Leser hat? Wozu soll man da denn überhaupt noch vorbeischauen, wenn man bei Instagram alles viel schneller präsentiert bekommt und dank liketoknow.it auch direkt alles nachshoppen kann?

Mobile Devices sind schon länger auf dem Vormarsch und begünstigen die Entwicklung zum schnellen Konsum von Bildern unterwegs aber auch zu Hause zusätzlich. Lange Texte lese ich auf dem kleinen Bildschirm allerdings so gut wie nie. Blogs, die ich für ihre informativen Posts, unterhaltsamen Texte und spannende Meinungen schätze, besuche ich deswegen auch weiterhin am liebsten auf dem großen Bildschirm oder zumindest am Tablet. Instagram hin oder her. Während ich also einerseits gerne blitzschnell Bildchen gucke und Herzchen verteile, wachsen gleichzeitig meine Erwartungen und Anforderungen an Blogs. Reine Stilblogs besuche ich eigentlich nur noch, wenn mir ein Look wirklich so gut gefällt, dass ich ihn unbedingt aus möglichst vielen Blickwinkeln sehen will. Sie spielen die zweite Geige neben dem hübsch inszenierten Instagram-Stream.

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Könnte es also sein, dass Instagram den Stilblogs langsam den Rang abläuft? Bisher lässt sich die Plattform dafür wohl noch nicht gut genug vermarkten, viele Brands sind (wie bei jeder neuen Entwicklung) noch skeptisch. Doch auch die entdecken die App für ihre Zwecke. Gut gemachte Brand-Accounts wie z.B. von Chloé, Chanel und vielen mehr boomen. Für Native Advertising ist Instagram außerdem perfekt, allerdings kann man (noch) keine direkten Links zu Shops oder Brand Homepages einbinden. Sollte sich das verändern, könnte ich mir gut vorstellen, dass viele Blogger ihren Fokus noch mehr auf Instagram legen und die Blogs selbst vielleicht irgendwann überflüssig werden. Zumindest wenn die schönen Bilder im Mittelpunkt stehen.

Wie seht ihr diese Entwicklung? Hat sich euer Blogkonsum durch Instagram verändert? Wir sind gespannt auf eure Meinungen!

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8 Kommentare zu “Follower vs. Leser: Läuft Instagram den Blogs den Rang ab?

  1. Ich kann dir da nur Recht geben. Erst kürzlich habe ich via Twitter zu mehr Kommunukation auf dem Blog aufgerufen. Ich sehe, dass er gelesen wird. Aber zum kommentieren sind die meisten schlicht zu faul.
    Ein schnelles liken ist da deutlich stressfreier und geht auch im Halbschlaf.

    Mein Instagram Account ist im Vergleich noch sehr klein. Seit 2 Wochen habe ich ihn öffentlich und in dieser Zeit vermehrten sich die Follower rasant. Ich war wirklich überrascht wie schnell das geht.

    Ich persönlich lese aber immer noch gern Blogs und auch auch längere Texte schrecken mich nicht ab.

    Liebst,
    Bell

  2. es ist exakt wie beschrieben :) ich bin so instagram verrückt und besuche eigentlich nur noch journelles und lesmads außerhalb von instagram. ich mag das schnelllebige und topaktuelle

  3. Sehe ich ähnlich. Blogs sind als Kommunikationsplattform mausetot. Instagram hat gerade angekündigt – und testet das in US schon – dass branded posts möglich werden, so ne Art Flipagram mit ausführbarem (!) link als letztes Bild. Das wird noch einen weiteren Schub geben.

  4. Bezogen auf viele der Stiltagebücher mit Tagesoutfits als Hauptinhalt, wir das vermutlich zutreffen … aber richtig gute Modeblogs, die mehr bieten als die Nabelschau der Bloggerin in ihren jeweiligen Klamotten, sehe ich das ganz anders. Meine sehr an Mode interessierten Freunde und mich lässt Instagram vollkommen kalt, weil wir unsere Zeit nicht damit vergeuden, hunderte Grützenfotos pro Tag anzuschauen. Ich finde das lächerlich! Früher hatte man zurecht einen Horror davor, Fotoalben mit gleichermaßen belanglosen Bildern durchzublättern und heute kann man es kaum erwarten, überwiegend nichtssagende und technisch sowie kompositorisch schlecht gemachte Bilder von Menschen, die man persönlich noch nicht mal kennt, durchzuhecheln. Aber jeder, wie er mag. Nichts gegen Apple, ganz im Gegenteil, aber mein Leben kann ich gerade noch selbst gestalten …

  5. Ich sehe das ganze noch mal aus einer anderen Perspektive: Ich habe mit Instagram begonnen, meine Outfits gepostet, Essen, Shopping Kram bla bla bla – Was man eben so postet. Habe aber schnell gemerkt, dass ich irgendwie „mehr“ will und habe dann angefangen zu bloggen. Eine Blog-Plattform bietet ja nun doch noch mal ganz andere Möglichkeiten. Und ich wollte einfach mehr schreiben, größere bessere Fotos usw. Lange Rede kurzer Sinn: Ich mag beides sehr!:)

  6. Vielen Dank für eure Kommentare!

    Lieber Siegbert, danke für die Ergänzung. Das wusste ich noch gar nicht. Das wird die Entwicklung auf jeden Fall noch vorantreiben.

    Liebe Eva, der Post bezieht sich ja auch vor allem auf Stilblogs, wie die Beispiele verdeutlichen sollen. Diese Stilblogs haben aber bereits einen riesigen Einfluss und bilden eine große Gruppe innerhalb der Modeblogs. Generell finde ich auch nicht, dass es da nur um „Grützenfotos“ geht. Die Outfits sind für viele inspirirend, die Bilder stehen der Qualität mancher Magazine in nichts nach und die Lifestyle-Schnappschüsse interessieren einfach viele Follower. Blogleser wollen ja auch so viel wie möglich über den Blogger wissen, das bedient Instagram. Die „richtig guten Modeblogs“ kann Instsgram aber natürlich nicht ersetzen.

    Liebe Fiona, deine Perspektive finde ich besonders interessant. Vielleicht macht das ja auch schule :)

  7. @Katja

    Danke! Ich fand die Feststellung in dem Post ja ohnehin zutreffend. Nur die Qualität der Bilder auf Instagram sehe ich ganz anders. Das Zeugs ist überwiegend total langweilig, allerhöchstens irgendwie nett oder charmant.. Nicht mal der Instagram Account von Suzy Menkes bringt was (mal abgesehen davon, dass es da zwischendurch nette Bilder von Suzy mit Designern gibt …) Von welchen Magazinen redest Du da? Mich interessiert auf Modeblogs die Meinung der Autoren zu Kollektionen und Modeströmungen … Styleblogs sind ohnehin nicht mein Ding, da ich dort ehrlich gesagt nichts finde, das auch nur im Ansatz nachahmenswert oder interessant wäre … oder möchtest Du etwa so aussehen wie Deutsche Styleblogger? … wohl kaum, sieht man ja 😉

  8. Blogs sind als Kommunikationsplattform mausetot.

    Hmmm… wie soll ich jetzt bloß ein Tutorial über ein technisches Thema auf Instagram publizieren?

    Nein, im Ernst: da ist schon was dran, aber ihr redet vom Mode-/Lifestylebereich. Wo’s um Textinhalte (und Links und ausführliche Erläuterungen) geht, wird’s a wengerl schwierig mit Instagram.

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