von Katja in Kategorie: Mode 1Kommentar

Mit Isko in Istanbul: Wo die Jeans von Zara, Topshop, Guess und co. herkommen

Jeans sind wohl aus kaum einem Kleiderschrank wegzudenken. Seit Jahrzehnten halten sie sich hartnäckig in den Geschäften sowie im Straßenbild und passen sich dafür jedem Trend an. In den 80ern trug man sie moonwashed, in den 90ern am liebsten bleached, in den 00ern gerne raw und heute häufig mit Prints, am liebsten als Skinny- oder Boyfriend-Schnitt. Denim erfreut sich unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und Einkommen einer weltweiten Beliebtheit, die mit kaum einem anderen Material vergleichbar ist.

Die vermeintliche Unschuld wurde der Jeans allerdings in den letzten Jahren genommen. Hoher Wasserverbrauch, Umweltverschmutzung durch Chemikalien und unmenschliche Produktionsbedingungen sind die Anklagepunkte, denen sich viele Hersteller stellen müssen. In Istanbul hatte ich nun in der letzten Woche die Chance mir selbst einen - wenn auch nur beispielshaften und kaum repräsentativen - Eindruck darüber zu verschaffen, wo die Jeans mit dem Etikett "Made in Türkiye", die auch in meinem Kleiderschrank hängt, eigentlich herkommt.

Isko, einer der weltweit größten Denim-Textilhersteller und Teil der Sanko Group, hatte Einkäufer, Designer, Produktentwickler, Blogger und Presse in die türkische Hauptstadt geladen, um am Washing Seminar "Washion" teilzunehmen. Nach einem theoretischen Teil über neue Materialien und angesagte Waschungen ging es dann in eine der Fabriken, die Stoff von Isko in Hosen, Jacken, Blusen und was man eben alles aus Denim machen kann, verwandelt. Das Unternehmen Baykanlar gehört zu einem der führenden Hersteller in der Türkei und wurde 1999 gegründet.

Auf einem Hügel befindet sich die mehrstöckige Fabrik, durch die wir vom Erdgeschoss bis ganz oben und zum Schluss bis in den Keller geführt werden. Dabei sehen wir alle Stationen, die der Denim-Rohstoff so durchmachen muss: vom Bleichen, Waschen, Färben über das Vernähen und Besticken bis hin zum letzten Schliff, dem prüfenden Blick der Arbeiter und Arbeiterinnen. In der Fabrik sind ungefähr 500 Personen beschäftigt, auf den ersten Blick mehrheitlich Männer. Demnächst eröffnet Baykanlar einen zweiten Standort außerhalb Istanbuls. Das Geschäft läuft gut.

Auch wenn die typische Fabrik-Beschäftigung, in der die Jeans entstehen, auf den ersten Blick abschreckend wirkt - die Aufgaben sind monoton, die Maschinen machen Krach, gegen Chemikalien und Lärm muss Schutzkleidung getragen werden - so ist sie doch die Basis eines anerkannten Berufes. Bei Baykanlar setzt man sich außerdem für die Rechte der Mitarbeiter ein. 2010 hat man sich BSCI, einer Initiative zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen angeschlossen.

Im Bereich Nachhaltigkeit und Umweltschutz engagiert sich Baykanlar offenkundig. Abwasser wird recyclet und wieder verwendet. So wird sowohl die Umweltverschmutzung als auch die Wasserverschwendung reduziert. Leider liegen mir hierzu keine genaueren Zahlen vor. 2012 ist man außerdem SEDEX beigetreten, die sich für ethisch vertretbare und nachhaltige Herstellungsprozesse einsetzen.

Aber nicht nur die eigentliche Herstellung der Jeans findet im Gebäude der Fabrik statt. Im Obergeschoss werden auch die Samples für die Kollektionen der verschiedenen Labels, für die Baykanlar arbeitet, aufbewahrt. Wie bei Agenturen oder Brands gibt es einen großen Showroom, in dem die verschiedenen Modelle ausgestellt werden. Auf unzähligen Bügeln hängen Jeans von so unterschiedlichen Marken wie Topshop, Zara oder Liu-Jo. Produziert werden sie in Istanbul tatsächlich alle unter einem Dach.

Inwiefern die Fabrik von Baykanlar, dem Partner von Isko, nun ein Parade- oder zumindest ein gutes Beispiel für die Herstellung von Jeans in der Türkei darstellt, kann ich nach diesem kurzen Einblick natürlich nicht einschätzen. Trotzdem verstehe ich die Produktionsabläufe und Vorgehensweisen der Denim-Verarbeitung nun besser als zuvor. Überraschend bleibt, dass Jeans in günstigen Preislagen von River Island und Gina Tricot (ca. 40 €) neben teureren Modell von Gant und Guess by Marciano (150 €) aus ähnlichen Materialien von den gleichen Händen produziert werden.

Tags: baykanlar, denim, fabrik, isko, istanbul, jeans, produktion
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1 Kommentar

  • Jen

    Überraschend ist der letzte Punkt nicht wirklich, oder? Dass man bei höheren Preisen einen großen Teil nur für den cooleren Namen zahlt, ist doch klar. Es wäre so einfach, wenn teuer=gute Qualität wäre! Dem ist aber nicht so.

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