25. Januar 2013
Freitag

Im Interview: Modefotograf Markus Pritzi über analoge Fotografie, seine Vorbilder und vieles mehr!

Neben den Shows zur Berlin Fashion Week gibt es natürlich rund um die Modewoche Massen an interessanten Veranstaltungen. Vergangenen Mittwoch feierte die Berliner Fotografenagentur Shotview ihr 12-jähriges Jubiläum und präsentierte Arbeiten ihrer internationalen Künstler wie Erwin Wurm, Horst Diekgerdes, Alexander Straulino und Peter Rigaud. Auch Modefotograf Markus Pritzi, dessen Werke unter anderem im Sleek und Interview Magazine sowie vielen weiteren internationalen Publikationen zu sehen sind, stellte Fotografiekunst aus und wir konnten es uns nicht nehmen, ihm einige Fragen zu seinem Leben als professioneller Fotograf zu stellen. Während er in Südtirol geboren wurde, lebt er nun in München und Paris. Einst wollte er mal Tischler werden, doch zum Glück führte ihn das Schicksal zur Fotokamera.


LM: Was ist das besondere an der Modefotografie im Vergleich zu anderen Bereichen?
MP: Die Menschen sind sehr interessant, eine bunte Mischung aller Nationalitäten, die sehr gut und ohne Verurteile miteinander funktionieren, tolerant sind, offen und kreativ. Nebenbei hat man mit schönen Kleidern, tollen Modellen zu tun und ist viel auf Reisen. Oberflächlichkeiten und manch einer der sich etwas zu wichtig nimmt gehören natürlich auch dazu, nimmt man das ganze aber nicht ernst, macht das alles sehr viel Freude.
LM: Sind Sie weiterhin an analoger Fotografie interessiert? Wenn ja, warum?
MP: Auf jeden Fall, mehr als je zuvor! In der momentanen scheinbar nur noch digitalen Welt besonders deshalb, weil es “wieder” einzigartig ist. Jetzt wo einen die bunten Bilder der überall verbauten Digitalchips, die “kostenlos” Unmengen an Bildern produzieren, geradezu erdrücken. Und jeder ein Photoshop-Profi ist, alles schön bunt leuchet, Apps einem jeden Film und jedes Polaroid simulieren. Deshalb macht es jetzt um so mehr Freude auf analogem Material zu arbeiten. Privat fotografiere ich ausschliesslich analog. Projekte, die mir am Herzen liegen und langfristig angelegt sind. Ebenso, auch auf allen möglichen Filmformaten und Materialien, was eben gerade passend ist für die Aufgabe.
Gleichzeitig hat digitales Arbeiten viele Vorteile: Es geht schnell, jeder kann gleich sehen was passiert – ziemlich ernüchternd oft, aber zweckmässig. Wesentlich günstigere Produktionskosten sind ein weiterer Vorteil und die Geschwindigkeit in der anschliessenden Verarbeitung. Alles in allem ist digitale Fotografie eine tolle Sache, aber eben nicht nur und wenn es wirklich um etwas besonderes geht, geht nichts über Film. Der Charme analoger Bilder ist durch keine digitale Datei zu ersetzen, jetzt nicht und nicht in der Zukunft. Egal auf welchem Tintenstrahler oder Thermodrucker oder sogar Fotopapier diese ausgegeben werden.
Beim analogen Arbeiten sind viele Faktoren anders: der Zufall, das Warten auf die Ergebnisse, sie nicht sofort verfügbar am Bildschirm betrachten zu können, sich vorstellen zu müssen wie diese nachher aussehen werden bzw. sollen. Jeder im Team muss sich das vorstellen wie der Fotograf, genau hinsehen, nicht immer denken, das machen wir dann nachher weg in der Retusche – und besonders toll für den Fotografen: Er kann mit viel mehr Ruhe und Konzentration und weniger Auslösungen arbeiten, weil nicht ständig jemand unterbricht, reinredet oder einen vermeintlich besseren Vorschlag hat. Zu viele Köche verderben den Brei und zu viel sehen und wissen ist nicht immer besser. Oder waren die Fotografen vor der digitalen Ära, die jetzt immer noch und mehr als vorher rauf und runter kopiert werden, schlechter oder deren Arbeit weniger gut, weil sie nicht die tollen digitalen Möglichkeiten hatten wie wir heute? Ganz sicher nicht!
LM: Was sind für Sie als Fotograf die Unterschiede in der Print- und Onlinepublikation?
MP: Onlinepublikationen sind wichtig und nicht mehr wegzudenken, vor allem wenn es um News geht. Allerdings finde ich gerade Fotos online oder reine Onlinemagazine völlig langweilig. Ich mag es, Fotos in den Händen zu halten, gedruckt, am Strand oder im Park zu lesen, ohne Strom, ohne leuchtende Displays.
LM: Hat jemand wie Sie überhaupt Vorbilder im Bereich der Fotografie?
MP: Einige! Irving Penn, Ansel Adams, Jürgen Teller, Robert Maplethorpe, Helmut Newton, William Eggleston.
LM: Was war eines der witzigsten Ereignisse, die Sie während eines Shootings hatten?
MP: Ach, viel zu viele! Löwen, Geparden, Segelboote im Sturm,… ich könnte mich spontan für keines entscheiden.
LM: Was unterscheidet für Sie ein gutes von einem schlechten Model?
MP: Schwer zu sagen, ein toller Körper und ein wunderschönes Gesicht sind manchmal nicht soviel wert, wenn jegliches Körpergefühl fehlt. Das vielleicht, ansonsten: Gut ist gut und schlecht gibt es nicht, nur nicht passend.
LM: Was halten Sie als professioneller Fotograf von Berlin? Was reizt Sie an der Stadt, wo sehen Sie Defizite?
MP: Berlin ist eine Partystadt, alles dreht sich darum wo man wann auf welche Party geht. Zumindest habe ich so das Gefühl. Spaß bei Seite, ich bin gerne in Berlin zu Besuch, die Leute sind gut drauf und vor allem im Sommer ist die Stadt voller Leben, es gibt tolle Locations und geschichtlich gibt es auch immer wieder Neues zu entdecken. Den Rest des Jahres ist es mir etwas zu trist und grau, auch gibt es nicht ganz so viel Arbeit. Noch ist der Ruf “cooler” als die Realität, es wird aber immer besser.
LM: Denken Sie, dass die professionelle Fotografie in Gefahr ist – jetzt, da jeder mit seinem Smartphone wunderbare Bilder machen und diese auch noch mit unzähligen Apps bearbeiten kann?
MP: Die professionelle Fotografie ist teilweise sicher in Gefahr, vielleicht weniger durch die Smartphones & Co., aber es ist heute wesentlich einfacher Bilder herzustellen, meist sogar kostenlos. Kreative Arbeit hingegen wird auch durch all die neuen digitalen Aufnahme- und Manipuationsmöglichkeiten nicht ersetzt. Zwar ist es einfacher als “früher”, weil die Technik wesentlich leichter zu kontrollieren ist, aber eben dadurch auch oft sehr viel langweiliger.
LM: Vielen Dank für das Interview!
Hier seht ihr einige Arbeiten Pritzi’s:

Hier geht es zu einigen Eindrücken der Jubiläumsparty von Shotview in der St. Johannes-Evangelist-Kirche, bei der unter anderem die Band Konea Ra sowie Stylistin und DJane Niki Pauls spielten:

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