21. Januar 2013
Montag

H&M Design Award: Interview mit der Finalistin Alba Prat

In einer Woche ist es soweit! Das Finale der H&M Design Awards 2013 steht an und wir sind schon sehr gespannt, wer das Rennen in Stockholm macht. Vor ein paar Tagen stellten wir euch bereits kurz die Jurymitglieder und Finalisten vor. Von einer Designerin waren wir besonders angetan und wollten sie deswegen gern persönlich kennen lernen: Alba Prat.


Ihre minimalistischen Designs, ausdrucksstarken Farben und innovativen Stoffe und Prints begeisterten uns. Wir werden auf jeden Fall für sie abstimmen und vielleicht können wir euch mit folgendem Interview auch dazu bringen, ihr ein “Like” zu schenken und ihr so mindestens zum People’s Prize zu verhelfen.
LesMads: Liebe Alba, herzlichen Glückwunsch zum Platz im Finale des H&M Design Awards 2013! Wie fühlst du dich? Bist du sehr aufgeregt?
Alba Prat: Ja, sehr. Vor allem wegen dem People‘s Prize. Ich würde mich sehr freuen, ihn zu gewinnen und hoffe deswegen, dass alle fleißig für mich voten.
LM: Verfolgst du denn wie viele Likes deine Konkurrenten bekommen?
AP: Ja natürlich! Und alle meine Freunde auch, sie sind ganz verrückt danach. Es ist lustig, weil ich auch die anderen Finalisten mag. Sie sind alle sehr nett.
LM: Wie lange habt ihr denn Zeit miteinander verbracht und haben sich Freundschaften entwickelt?
AP: 3-4 Tage. Alle waren sehr nett und mit ein paar Finalisten habe ich auch eine engere Beziehung aufgebaut.
LM: Und welche Arbeiten deiner Mitstreiter gefallen dir am besten?
AP: Ich mag die Sachen von Maia Bergman und Minju Kim.
LM: Die Kreationen von Maia sind viel verspielter und mädchenhafter, also ganz anders als deine.
AP: Stimmt. Ich würde nicht sagen, dass jemand einen ähnlichen Stil hat wie ich. Die Farben und Silhouetten von Maia sind ganz anders, es ist alles ein bisschen naiver, aber ich mag das auch.
LM: Wie war es deine Kollektion vor so wichtigen Journalisten wie Tim Blanks oder Kristofer Arden und der H&M Chefdesignerin Ann-Sofie Johansson zu präsentieren?
AP: Als sie den lokalen Gewinner in Stockholm gewählt haben, habe ich erwartet, dass die Jury auf der einen Seite sitzt und wir auf der anderen, aber so war es gar nicht. Ann-Sofie war mit bei uns und es war wie hier mit dir. Sie hat viel gefragt, hat alle Designs anfassen und sehen wollen. Am Anfang war ich sehr nervös, weil ich nicht wusste was kommt, aber dann war es wie unter Freunden: als ob ich einer Freundin von meiner Kollektion erzählen würde.
LM: Schön. Du bist ja eigentlich aus Spanien. Wie kam es zu deinem Umzug nach Deutschland?
AP: Ich bin vor sieben Jahren nach Berlin gekommen, weil ich ein bisschen gelangweilt von Barcelona war und Berlin schon immer toll fand. Ein Hauptgrund war auch die elektronische Musik und natürlich die Mode. Denn in Barcelona Mode zu studieren ist richtig teuer, weil die Schulen privat sind. Und ich hatte schon fünf Jahre Umweltwissenschaften an einer öffentlichen Uni studiert und wollte dann meine Eltern nicht nach Geld für eine private Uni fragen – und dann auch noch für ein Mode-Studium. Niemand in meiner Familie macht etwas in der künstlerischen Richtung und sie dachten, es wär nur ein Hobby von mir und waren erst nicht so überzeugt. Aber sie haben mich immer unterstützt.
LM: Und wie bist du von Umweltwissenschaften zur Mode gekommen?
AP: Beim Studium habe ich mich für Umweltwissenschaften entschlossen, weil es eine Mischung aus verschiedenen Themengebieten ist und ich auch großes Interesse an alternativen Energien und Klimawandel habe. Aber es war nicht meine Leidenschaft. Dann habe ich mich intuitiv mit Leuten aus der Modebranche angefreundet und so kam ich dann in die Richtung. Also habe ich ein paar Kurse wie Schnittkonstruktion und Einführung in Modedesign belegt und gedacht, wenn ich das nicht jetzt mache, werde ich es nie machen. So habe ich mich in allen Berliner Unis beworben. Dann wurde ich von der UDK und vom Lette-Verein angenommen und habe mich für das Diplom entschieden.
LM: Witzig, wie sich das manchmal so durch Zufälle entwickelt. Und fühlst du dich denn wohl in Berlin?
AP: Ja. Es ist meine Stadt, aber sieben Jahre sind sehr lang und ich hätte auch gern wieder ein bisschen Abwechslung. Ich finde London z.B. sehr toll und da kenne ich auch schon viele Leute. Ich hätte keine Lust mehr, von Null anzufangen.
LM: Ja, das verstehe ich. Wenn man schon jemanden kennt, ist es natürlich einfacher. Und würdest du sagen deine Heimat und/oder Berlin haben einen Einfluss auf deine Kreationen?
AP: Ich glaube, ich habe eher einen skandinavischen Stil, sehr minimal, kalt und technisch. Langsam kommen zwar Farben in meine Kollektion, aber bisher war immer alles weiß, grau, sehr reduziert.
LM: Gibt es einen speziellen Grund, wieso du jetzt zu mehr Farben greifst?
AP: In meinem fünfjährigen Studium habe ich nie Farben benutzt. Deswegen wollte ich für meine Diplomkollektion etwas Buntes machen, das aber vom Stil her trotzdem kalt und minimal ist. Ausserdem ich wollte ein Kontrast zum grauen Wetter von Berlin setzen, ich vermisse oft den blauen Himmel von Barcelona und die Lebendigkeit der Stadt.
LM: Die Prints deiner Kollektion “syn chron” sind durch zwei visualisierte Aufnahmen deines Herzschlags entstanden. Wie bist du auf die Idee gekommen?
AP: Ich habe das gemacht, weil meine Inspiration die Werke von Carsten Nicolai sind und insbesondere die Visualisierung von Klang. Er hat Milch genommen, sie unter Vibration gesetzt und dadurch sind geometrische Muster entstanden. Ich wollte etwas Ähnliches machen. Also habe ich meinen Herzschlag nach dem Sport und im Ruhezustand aufgenommen, wodurch die zwei Prints meiner Kollektion entstanden sind.
Die roten Sachen sind im ersten Zustand entstanden und haben so auch einen sportlicheren Charakter. Das Jaquard-Oberteil zeigt genau den Herzschlag. Die anderen Teile sind praktisch Weiterentwicklungen. Der andere Teil ist ein bisschen ruhiger, ein bisschen eleganter. Mir war wichtig, dass es alles reduziert ist. Der Mantel hat zum Beispiel nur eine Schulternaht und nicht wie andere Modelle an der Seite oder hinten noch eine. Dadurch entsteht auch die Minimalästhetik. Außerdem achte ich gern auf Details, wie beispielsweise integrierte statt aufgesetzte Taschen oder farbliche Akzente durch das Futter. Ich mische auch oft sportliche mit eleganten Elementen und verwende zum Beispiel Gummizüge oder sportlicher Reißverschlüsse.

LM: Hast du ein Bild einer bestimmten Trägerin im Kopf, wenn du designst?
AP: Es ist auf jeden Fall eine androgyne Frau. Ich mag sexy nicht, sondern eher technisch und kalt. Also eigentlich eher in Richtung Männerkleidung, aber es hat trotzdem ein bisschen Femininität. Ich habe natürlich auch Lieblingsdesigner von Frauenkleidern wie Jil Sander, Balenciaga – als Nicolas Ghesquiere noch für das Label designte – und Céline, aber ich finde die Männersachen viel inspirierender für mich, weil die meisten Stücke, die ich mache, auch ein Mann tragen könnte.
LM: Wie sehen deine Zukunftspläne aus?
AP: Ich würde sehr gern mein eigenes Label gründen, aber im Moment ich habe das Gefühl, ich muss noch viel über die Modeindustrie lernen. Deswegen fände ich es ganz gut erst mal für jemanden zu arbeiten, um Erfahrungen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen und Geld zu sparen. Ich bin auch nicht so ein Fan davon, dass man jedes Jahr mindestens zwei Kollektionen machen muss. Ich würde lieber nur eine oder zwei kleinere Kollektionen entwerfen. Weil man sonst so super schnell und viel arbeiten muss, dass man es fast gar nicht genießen kann.
LM: Und wenn du die Wahl zwischen Runway und Installation hättest – was würdest du wählen?
AP: Ein Runway ist sehr beeindruckend. Ich liebe es Models auszuwählen und bin da auch ein wenig perfektionistisch. Ich mag androgyne Models, am besten blonde, skandinavische Mädchen, weil sie ein bisschen fragiler wirken als beispielsweise südländische Mädchen. Eine Präsentation stelle ich mir immer mit viel Neonlicht vor. Alles ist sehr kalt gehalten, die Musik wäre experimentell und würde Minimal mit Techno kombinieren. Aber eine Installation ist natürlich auch cool und günstiger. Ich glaube, man muss sich eben viel um Sponsoring kümmern.
LM: Hast du dir auf der Fashion Week ein paar Shows anschauen können?
AP: Ich mache ein Praktikum bei einer Berliner PR Agentur und war deswegen zwei Tage im Showroom und konnte mir da Einiges anschauen. Meine Lieblinge waren Julian Zigerli und Hien Le. Ihre Kollektionen fand ich ganz toll.
LM: Da können wir dir nur zustimmen! Damit sind wir auch am Ende des Interviews angelangt. Vielen Dank für deine Zeit, liebe Alba! Wir drücken dir die Daumen für den H&M Design Award und deine Zukunft!
Hier seht ihr noch ein paar Kreationen der sympathischen Spanierin:

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