von Cloudy in Kategorie: Mode 1Kommentar

Interview: Viviane Hausstein über ihr Taschenlabel, die Produktion in Berlin und das Spiel mit Materialien

Wie gut sich die Rucksäcke von Viviane Hausstein am Körper machen, habt ihr bei meinem letzten Outfitpost ja bereits gesehen. Mit der Macherin hinter den Turnbeuteln in der Deluxeversion haben wir einen kleinen Plausch gehalten und alles über ihren Werdegang, ihr Leben in Berlin, das Dasein als Mama und natürlich das Label VIVIANEHAUSSTEIN erfahren. Eine faire Produktion in Berlin, qualitativ hochwertige sowie gleichermaßen ausgefallene Materialien - man trägt immerhin nicht jeden Tag gefärbtes Kuhfell und Bondage-Stricke am Rücken - und ein hoher Tragekomfort machen die Taschen zu absoluten Must Have's. Zum Glück ist Madame Hausstein nicht bei ihren früheren Stationen wie Vivienne Westwood oder Lala Berlin versackt, sondern hat sich mit ihrem eigenen Label in die Selbstständigkeit gewagt. Aber lest am Besten selbst...

LM: Die Idee für deine Rucksäcke ist ja innerhalb deines Freundeskreises geboren. Erzähl uns kurz die Geschichte!
VH: Die Idee ist in der Zeit von TheGarden Berlin entstanden, einem Kreativkollektiv hier in Berlin. Wir haben kleine Acoustic-Konzerte organisiert, Fashion Filme gedreht, aufgelegt, fotografiert. Der Beitrag von einem Zusammenschluss Kreativer und mir war es, eine Art Gang-Item zu entwickeln, welches zu diesem Lifestyle passte. So sind dann die ersten Garden Bags entstanden. Was dann folgte waren ein Auftrag für den 3.Geburtstag vom Store 74 auf der Torstrasse und anderen Kollaborationen.

LM: Erzähle uns doch ein bisschen zu deinem bisherigen Werdegang. Wie lange bist du schon in Berlin und wo hast du Mode studiert?
VH: Aufgewachsen bin ich in Berlin und hier habe ich auch am Lette-Verein studiert. Nach dem Abschluss bin ich nach London zu Vivienne Westwood gegangen und danach habe ich bei Lala Berlin gearbeitet. Zwei super prägende Stationen in meinem Leben. Nach Lala ging es ziemlich direkt in die Selbstständigkeit. Jobs als freie Stylistin in Berlin und Kopenhagen folgten und der Aufbau von unserem Baby TheGarden.

LM: Du verwendest für manche deiner Taschen Kuh- oder Pferdefell. Die Schnüre der Rucksäcke sind Bondage-Schnüre. Wie bist du auf die Idee gekommen diese Materialien zu benutzen und von wo beziehst du sie?
VH: Ich hatte schon immer eine sehr hohe Affinität für interessante Oberflächen. Wie kann man Materialien veredeln? Wie funktionieren verschiedene Farben auf verschiedenen Stoffen? Wie kann man Kontraste schaffen in der Materialität und das beste aus einem Stoff rausholen? Leder und Felle sind super spannende Oberflächen, an denen man sich ausprobieren kann und wo auch viel passiert. Wenn sie eine gute Qualität haben sind sie super edel und langjährig. Bondage Seile hingegen bieten die Robustheit, die man bei Rucksäcken braucht und ich finde den Gedanken von Bondageseilen einfach auch supersexy! Die Materialien beziehe ich aus unterschiedlichen Ecken der EU. Das Leder und die Felle sind zum Beispiel aus Italien.

LM: Alle deiner Taschen werden in Berlin produziert - was natürlich nicht ganz billig ist. Hast du je darüber nachgedacht, die Produktion zu verlagern und dadurch Kosten einsparen zu können?
VH: Nein das kommt für mich nicht in Frage. Hier in Berlin gibt es supergute talentierte Leute im Produktionsbereich, die tolle Qualitäten abliefern und ich finde dass sollte man unterstützen. Außerdem sind die Wege kurz und dadurch können Dinge einfach schneller realisiert werden, ohne das man Zeit verliert. Qualität hat nunmal seinen Preis und am Ende hat der Kunde dann auch mehr davon. Taschen kauft man sich ja auch nicht so oft im Leben und diesen Gedanken der einen speziellen Bag finde ich eigentlich ganz schön!

LM: Berlin, Berlin. Für viele die Wunschstadt schlechthin, für viele ein Fluch. Was hält dich hier?
VH: Sie ist Fluch und Segen zugleich. Du kannst dich hier austoben und die wildeste Zeit deines Lebens haben und trotzdem finde ich ist es inzwischen ein ziemlich hartes Pflaster. Berlin holt dich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und man kann hier sehr gut lernen mit seinen Ressourcen schlau umzugehen. Berlin ist Zuhause und was hier an kreativem Support besteht findet man denke ich nur noch in wenigen anderen Städten auf der Welt.

LM: Wie siehst du die Entwicklung der Modestadt Berlin?
VH: Sie muss zu ihren Qualitäten und Fähigkeiten stehen. Sich nicht immer vergleichen wollen mit anderen Modemetropolen und stattdessen die Ressourcen nutzen die gegeben sind. Vor allem aber die eigenen Leute supporten. Sich da eben ein bisschen frei machen ...

LM: Du bist seit Kurzem Mutter und hast jetzt eben noch dein eigenes Label VIVIANEHAUSSTEIN. Wie bringst du das alles unter einen Hut?
VH: Timemanagement - und das Wort ist mir tatsächlich in der Form auch neu. Aber das geht irgendwie alles. Und den Ausgleich zum Mamasein brauchst du dann auch einfach, zumal dich ein Kind auch in eine bessere Richtung verändert und dich stärkt.

LM: Dein Label steht ja bisher noch am Anfang, aber alles schreitet mit großen Schritten voran. Wo soll die Reise hingehen? Kannst du dir z.B auch vorstellen irgendwann mal Taschen zu designen, oder Kindertaschen? Oder möchtest du bei Rucksäcken bleiben? Und welche Materialien können wir noch erwarten?
VH: Ich halte mir da alles offen. Es wird nicht nur bei Rucksäcken bleiben, das kann ich schonmal sagen. Bei den Materialien finde ich Kontraste immer wichtiger. Wie kombiniert man beispielsweise altbewerte Techniken mit Funktionsstoffen? Da gibt es noch einige Sachen die ich ausprobieren werde!

LM: Welche Frage würdest du dir wünschen, dass sie dir ein mal gestellt wird in einem Interview?
VH: Wo kann man in Berlin mal so richtig schön ausgehen? Dann würde ich aber auch gleich die Antwort darauf von dem Fragesteller hören wollen!

Wir danken Viviane Hausstein für das Interview und wünschen ihr auf ihren weiteren Weg viel Erfolg und nur das Beste! Ein Video zu den Taschen findet ihr hier, neueste Infos und nette Musik bei der Facebook Page des Labels und den Onlineshop könnt ihr hier besuchen und ratzfatz den Bestellbutton drücken.

Tags: berlin, interview, interviews, modedesign berlin, rucksack, rucksaecke, tasche, taschen, turnbeutel, viviane hausstein, vivianehausstein
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1 Kommentar

  • Eva

    Wie schön! Die Kuhfell-Variante ist der Wahnsinn. Kann mir vielleicht jemand einen Tipp geben, wie sich Kuhfell durch Reibung an der Jacke nicht ablöst? Ich wäre sehr dankbar. Ich habe meine betroffene Tasche nämlich im Rahmen eines Praktikums bei einer Feinsattlerin selbst machen dürfen. :(

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