von Cloudy in Kategorie: Mode 6Kommentare

Cloudy's Column: Fashion of Time - Der Reiz vergangener Zeiten

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Es mag eine Fotografie der eigenen Eltern aus den 70ern sein - mit Schlaghosen, ausgewaschenen T-Shirts, Föhnwelle und Schnurrbärten - oder eine Weihnachtsfeier im Stil der 20er Jahre - bei der die Frauen mit Perlenketten und Wasserwellen gestylt in Fransenkleidern Charleston tanzen und die Männer mit Whiskey in der Hand und Hosenträgern am Bund mit ihren polierten Schuhen um die Wette strahlen, wenn einem plötzlich das Herz aufgeht. Ein sanftes Lächeln macht sich dann auf den eigenen Lippen breit und im Kopf und Herzen schwelgt man in Vorstellungen an die Vergangenheit. Wie das damals wohl war und wie gerne man nur einen Tag lang back in time reisen könnte. Was macht ihn aber aus, den Reiz vergangener Zeiten?

Modisch gesehen entzückt mich irgendwie alles, was das letzte Jahrhundert zu bieten hatte. Seien es die Goldenen Zwanziger, die schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre und Christian Diors „New Look“, die 50er mit ihren wilden Rock'n Roll Einflüssen, die Erfindung des Mini-Rocks in den 60ern, die 70er mit ihren Hippie-Blumenkindern oder die rockig poppige Mode der 80er und ja sogar die 90er mit all ihren Grunge, Hip Hop und Techno Einflüssen: Jedes Jahrzehnt hatte doch seinen ganz eigenen modischen Glanz und Charme. Und das ist wie gesagt nur das letzte Jahrhundert!

Heute dagegen sehe ich meist nichts mehr als einen einzigen Brei. Viele tolle Designs, klar, aber auch vieles was mich null reizt und schon gar nicht ein zwei modische Bewegungen, die ein gewisses „Fashion of Time“-Gefühl auslösen. Oftmals verkommt alles zu einer einzigen grauen Suppe mit nur wenigen Highlights. Vielleicht geht es da nur mir so, aber gerade nach meiner 20er Jahre Weihnachtsfeier fragte ich mich, ob es wohl generell daran liegt, dass man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, wenn man selbst mitten drin steckt. Vielleicht haben also auch die 10er dieses Jahrhunderts ihren Reiz, wir können das Ganze aber momentan gar nicht erkennen und überblicken, weil wir selbst Teil davon sind. Wer weiß also, vielleicht schaue ich irgendwann als Omi zurück und schwelge dann auch in modischen Erinnerungen - dann allerdings in welchen, die ich selbst miterlebt habe und auf die meine Enkelkinder dann neidisch sein werden.

Tags: cloudys column, column, kolumne
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6 Kommentare

  • k4rla

    stimmt schon, das 21.Jahrhundert hat nicht mehr einen wirklichen stil, aber vielleicht sind wir, wie du ja auch sagst, einfach nur blind dafür!

  • Christy

    Die Stillosigkeit, die man auch Beliebigkeit nennen könnte, ist einerseits ein Drama, weil wenig stilbildendes bei all den Rückgriffen im Mix bleibt. Andererseits ist es mittlerweile nicht mehr so einfach, trotz Demokratisierung der Mode in den letzten 40 Jahren, modisch zu sein, da die Codes komplizierter wurden.

    Dadurch haben viele das Gefühl, irgendwie mitzuschwimmen, wenn man genau hinsieht, tun sie es aber nicht - tragisch, aber wohl ein Teil des 21.Jhds, das dazu geeignet scheint, mehr fashion victims produziert als das vorherige...

  • Nadine

    Du hast schon recht, so eine richtiger Stil der 10er Jahre lässt sich gerade nicht ausmachen, aber ich muss sagen, ich erlebe das auch als große Freiheit, Du kannst tragen was Du willst, und alles ausprobieren, ohne (zumindest in Berlin) komisch angeschaut zu werden. Das erlaubt doch auch eine extreme Vielfalt und Individualität. In der Kunst ist ja auch ähnlich, wirklich inovativ zu sein fällt heute schwer, weil viel einfach schon da gewesen ist und Mode ja auch ein Lebensgefühl wiederspiegelt und zum Alltag passen muss. Vielleicht ist ja gerade "die graue Suppe" wie Du es nennst der Stil der 10er Jahre, den man auch als Mix von allem was geht beschreiben könnte? Das spiegelt doch auch unser Lebensgefühl wieder, vielleicht eine gewissen Orientierungslosigkeit aber eben auch die besagt Freiheit, eben alles machen zu können...

  • Chael

    Omg ... such an awesome shot! But in every period there were people who had style and class ... and of course the fashion shown above was far away what the normal people could afford and would wear on the street ... it is a fantasy ... like today's fashion shoots are fantasy ...

  • Helena

    Wie wahr! Heutzutage gibt es fast gar kein 'in' oder 'out' mehr, man kann eigentlich alles tragen, was einem gefällt. Das hat zwar auch seinen Reiz, aber irgendwie fehlt der rote Faden, ein gewisses Etwas was die Mode unserer Zeit beschreibt und gleichzeitig etwas Neues, noch nie da gewesenes, wie damals z.B. die Erfindung des Minirocks. Aber was könnte dies sein?!

  • chiro

    irgendwie vermitteln mir solche aufnahmen ein gefühl von beständigkeit und konstantheit. in unserer schnellebigen zeit, in der jede woche ein neuer trend ausgerufen und im dezember 2012 schon ein ausblick auf die herbstmode 2013 (anstatt "erst" frühjahr oder sommer 2013) präsentiert wird, bleibt bei mir dagegen wenig im gedächtnis haften.

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