22. Oktober 2012
Montag

Electronic Beats Festival Budapest: Im Gespräch mit Modeselektor

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Vor wenigen Wochen war Maike beim Electronic Beats Festival in Budapest unterwegs, darüber hatten wir bereits berichtet. Dort war sie aber nicht nur Konzertgast, sondern traf sich nebenbei noch zu einem amüsanten Gespräch mit Modeselektor. Hier kommt das Resultat.
Szary und Gernot reden mit uns über Festivals, ihr neues Hobby die Gärtnerei und ein bisschen über Mode und Blogs. Was als Interview auf dem Electronic Beats Festival geplant war, wurde am Ende zu einem sehr witzigen, unterhaltsamen Gespräch.


LesMads: Wie geht’s euch? Alles gut?
Szary: Also uns geht’s gut.
LM: Ihr lasst euch von dem Wetter also nicht die Laune versauen?
S: Ne.
LM: Sehr schön. Wie ist das denn bei Konzerten? Könnt ihr das Publikum so begeistern und ablenken, dass sie schlechtes Wetter einfach vergessen?
S: Also beim Melt! Festival dieses Jahr hat es ganzschön geregnet und vor der Bühne war es sehr schlammig. Und da gab es einen Song, bei dem sich alle hinsetzen mussten und wenn die Bassdrum wieder einsetzt in die Luft springen sollten. Da haben alle trotz schlechten Wetters super mitgemacht.
LM: Cool. Wenn man auf ein Festival geht, muss man ja auch damit rechnen, dass es regnet und man ein bisschen dreckig wird. Aber musstet ihr schon mal Konzerte wegen schlechtem Wetter absagen?
Gernot: Ja, auch beim Melt.
LM: Oh, das Melt bringt euch wohl nicht so viel Glück. Und das obwohl ihr auf dem Festival so aktiv seid, also mit eurer eigenen Stage zum Beispiel. Zusätzlich seid ihr ja noch Produzenten, habt zwei Labels usw. Habt ihr gern so viele verschiedene Projekte gleichzeitig laufen?
S: Ja, also wir haben uns auch noch ein anderes Hobby gesucht: die Gärtnerei. Genau, also wir haben uns einen Garten gekauft.
G: Da muss ich noch mal kommentieren: Szary antwortet zwar, aber nie auf die Fragen. Er sagt immer irgendwas anderes und dann spring ich immer ein.
LM: Ah ja, guter Plan. Dann erzähl du mir doch mal, ob ihr euch manchmal eigentlich ein bisschen nach den Anfangszeiten zurücksehnt? Als ihr illegale Partys gemacht habt, bei denen ein kleineres Publikum anwesend war, aber dafür eine intimere Atmosphäre entstand?
S: Man erinnert sich gerne daran, aber man sehnt sich nicht zurück. Das war nämlich echt anstrengend damals. Und dreckig.
LM: Das ist verständlich. Anderes Thema. Was war das letzte Konzert, das ihr besucht habt?
G: Das letzte richtige Konzert, wo ich freiwillig hingegangen bin, also wo ich nicht hingehen musste, weil ich da auf dem Festival war, war Motörhead in Berlin.
LM: Und hat es dir gefallen?
G: Naja bei Motörhead ist das mit dem Gefallen so eine Sache, weil das ist ja eher eine Lebenseinstellung ist. Aber nee, es war gut. Wir sehen ja extrem viele Bands, wenn wir unterwegs sind. Dadurch sind wir immer ziemlich satt was Konzerte betrifft. Aber Motörhead hat uns gut gefallen und Slipknot würd ich auch gern mal angucken. Nicht weil ich die Musik gut finde, ich hab noch nicht mal eine Platte, werde wahrscheinlich auch nie eine haben, aber ich würd mir das Konzert einfach mal gerne angucken. Man kriegt auch einen anderen Blickwinkel auf Konzerte, weil man selber da so drinsteckt. Man lässt sich nicht so leicht beeindrucken.
LM: Aber auf der anderen Seite wisst ihr auch, was alles dahintersteckt, um ein Konzert auf die Beine zu stellen. Dann hat man bestimmt Respekt, egal um was es sich z.B. für ein Genre handelt.
G: Genres interessieren uns ja sowieso gar nicht. Es ist völlig überflüssig darüber nachzudenken. Aber so bei Konzerten achtet man dann schon darauf, was die für ein Licht haben, wie die Stimmung ist.
S: Wie der Sound ist.
LM: Lasst ihr euch denn von anderen Künstlern inspirieren?
G: Klar holt man sich Inspiration. Ich meine guck mal. Ihr habt ja einen Modeblog und der ist ja dazu da, um sich Inspiration zu holen, nehme ich ja mal an, oder? Da werden halt Sachen ausgegraben, Trends werden gesetzt. Genauso ist es ja in der Musik auch. Auch wenn ich das ungern zugebe, aber es ist auch eine modische Welt, weil es immer Hypes gibt und die schauen wir uns auch an. Wir hatten halt immer das Glück, eine eigene Linie zu fahren und haben uns da eigentlich kaum von anderen beeindrucken lassen. Haben quasi eine eigene Marke geschaffen.
LM: Das ist ein schöner Vergleich von Mode und Musik. Am Ende ist ja beides von Trends abhängig. Und was waren die ersten Platten, die ihr euch gekauft habt?
G: Also ich sag da jedes Mal etwas anderes, um es spannend zu halten. Also sag ich diesmal Tocotronic. Und du?
S: Ich sage Europe. Final Countdown.
LM: Ah ja. Interessante Wahl. Dann machen wir jetzt mal einen Sprung aus der Vergangenheit in die Zukunft. Was sind denn eure Pläne für die nächsten 10 Jahre?
G: Also der Garten muss schön aussehen. Die Hecke muss schön groß werden. Und es würde mich sehr freuen, wenn in 10 Jahren nicht die Polizei bei mir an der Tür klingelt und meinen 15-jährigen Sohn nach Hause bringt. Nee, also wir haben ja zwei Plattenlabel und noch diverse andere Imperien, unter anderem noch eine zweite Band, die heißt Moderat. Also spielen wir viel, jetzt arbeiten wir an der Platte mit Moderat, wir sind auf Festivalbühnen unterwegs, veranstalten, sind im Garten usw.
LM: Der gute Garten.
G: Ein Garten ist eigentlich dazu da, nicht so viele Idioten sehen zu müssen. Ich mein du bist ja jung, da ist Berlin noch toll, aber wir können das nicht mehr. Das Berlin das wir kennen, das gibt es nicht mehr. Aber wir sagen jetzt nicht früher war alles besser.
LM: Habt ihr euch denn zusammen mit der Stadt verändert?
G: Ja, ich sage mal wir haben die Stadt verändert und die Stadt hat uns verändert, aber wir sind ja irgendwo Berliner. Ist ja unsere Homebase, wa.
LM: Schön gesagt. Nächste Frage: Mit welcher berühmten Person aus der Vergangenheit hättet ihr denn gern zusammengearbeitet?
S: Udo Lindenberg.
LM: Ja mit dem hattet ihr ja schon einen Auftritt, aber das hat anscheinend nicht so richtig geklappt. Gibt es sonst irgendjemanden?
G: Also ich könnt jetzt sagen, ich hätte gern mit Whitney Houston was gemacht.
LM: Dann würde ich dir das irgendwie nicht so ganz glauben.
G: Beastie Boys. Nee ich weiß nicht.
S: Michael Jackson. Amy Winehouse. Kurt Cobain.
LM: So jetzt aber mal wieder im Ernst. Ihr habt zwei Remixe von Björks „The Dull Flame of Desire“ produziert: einen für Frauen und einen für Männer. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
G: Das hatte eigentlich mit unserer Nahost-Tour zu tun, die wir kurz vorher hatten. Wir haben ja im Jemen gespielt (lacht). Nee Quatsch, jetzt die Wahrheit. Also wir haben den ersten Remix gemacht, den for girls, Björk hat den gehört und fand ihn total schön, aber eigentlich dachte sie, wir würden ein bisschen was Härteres machen. Und dann haben wir den anderen Remix gemacht. Sie fand beide gut und hat auch beide rausgebracht.
S: Eigentlich cool oder?
G: Eigentlich saucool. Aber jetzt die Wahrheit: Also wir waren im Jemen (lacht). Hast du eigentlich eine vernünftige Antwort von uns bekommen?
LM: Ich glaube nicht, nein. Aber lustig ist es trotzdem mit euch zu quatschen. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich für das Gespräch bedanken und euch viel Spaß bei eurer Show wünschen. Wird bestimmt grandios.

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1 Kommentar zu “Electronic Beats Festival Budapest: Im Gespräch mit Modeselektor

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