von Mirjana in Kategorie: Mode 8Kommentare

Portrait des verstorbenen Stickers François Lesage

Erst wenn ich aufhöre zu atmen, werde ich aufhören zu arbeiten

Dieses Zitat des Pariser Couture Stickers François Lesage zeigt, mit wie viel Enthusiasmus und Liebe er mehr als 60 Jahre sein Handwerk ausübte. Im Alter von 82 Jahren verstarb François Lesage jetzt am 01. Dezember in Versailles. Für die Mode war er einer der wichtigsten Akteure der letzen Jahrzehnte, seine aufwendigen Stickereien zierten die Roben von Chanel, Dior, Christian Lacroix, Yves Saint-Laurent und vielen anderen Designern. Er schmückte Abendkleider von Hollywoodstars wie Marlene Dietrich, bestickte ein sakrales Gewand für den Papst Johannes Paul II und achtete immer darauf, dass jedes Steinchen und jede Perle am richtigen Fleck sitzt. Ich habe für euch die Arbeit des berühmten Stickers etwas genauer beleuchtet und einige Videos gefunden, die Monsieur Lesage bei seiner Arbeit zeigen.

Das Atelier Lesage gilt als Inbegriff französischer Eleganz und hat sich bis heute gegen die indischen Billig-Sticker behauptet. Kein Wunder, denn wer Haute Couture macht, möchte natürlich nur das Feinste vom Feinen auf seinen teuren Stoffen sehen. Karl Lagerfeld sagte einmal: "Es würde keine Fashionshow ohne Stickereien geben und keine Stickerei ohne Lesage." Um die Stick-Qualität sicherzustellen hat Chanel 2002 gleich die gesamte Firma Lesage übernommen. Das gab dem Betrieb die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und trotzdem seine Unabhängigkeit zu bewahren.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte des Hauses 1924. Albert Lesage übernahm damals das Stickatelier Michonet, gemeinsam mit seiner Frau Marie-Louise Favot, die zuvor bei Madeleine Vionnet arbeitete. 1949 trat François die Nachfolge seines Vaters an und wurde Chef des kleinen Unternehmens. Seitdem hat er mit viel Passion das Unternehmen geleitet und viele Freundschaften zu Designern gepflegt. In einem Interview sagte er, Yves Saint Laurent sei für ihn wie ein Sohn gewesen. Der Vater von vier Kindern hat im Laufe seiner Karriere nicht nur die großen Modehäuser beliefert, sondern auch junge Designer unterstützt. Neben dem Atelier existiert seit 1992 eine eigene Stickschule in Paris.

Ich würde unglaublich gerne einen Blick in das Firmenarchiv werfen - da müssen so einige Schätze verborgen sein. Es ist schön, dass in unserer digitalisierten Welt heute noch solche Kunstwerke per mühevoller Handarbeit entstehen. Wer jetzt Lust bekommen hat, die Kunst des Stickens zu erlernen, kann das Buch der Schule für 46 Euro kaufen. Einen wirklichen Onlineshop gibt es nicht aber über die Mail-Adresse kann man Kontakt zur Schule aufnehmen:
ecole-lesage@lesageparis.fr

Hier ein zwei Videos mit François Lesage:

ein etwas älteres Video von 1987:


Tags: françois lesage, haute couture, stickerei
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8 Kommentare

  • Mode Fan

    Wooow! Wirklich wunderschöne und detailverliebte Arbeit!

  • mariella

    Super interessant! :) Und echt eine bewundernswerte Arbeit bzw. Kunst.
    Nur den einen Satz in deinem Artikel verstehe ich nicht: "Das gab dem Betrieb die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und trotzdem ihre Unabhängigkeit zu bewahren."
    Inwiefern konnten die denn ihre Unabhängigkeit bewahren?

  • Lara Maria

    Ein wirklich sehr interessantes Portrait!

  • Rea

    @ Mariella: richtig würde der Satz auch heißen: "Das gab dem Betrieb die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und trotzdem SEINE Unabhängigkeit zu bewahren." ist ja DER Betrieb und nicht DIE Betrieb! ;) ... ich glaube Mirjana will damit sagen, dass der Betrieb durch die Übernahme finanziell abgesichert und damit unabhängig von wirtschaftlichen Faktoren ist. Ist aber nur eine Vermutung! :)

  • Rea

    @ Mariella: richtig würde der Satz auch heißen: "Das gab dem Betrieb die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und trotzdem SEINE Unabhängigkeit zu bewahren." ist ja DER Betrieb und nicht DIE Betrieb! ;) ... ich glaube Mirjana will damit sagen, dass der Betrieb durch die Übernahme finanziell abgesichert und damit unabhängig von wirtschaftlichen Faktoren ist. Ist aber nur eine Vermutung! :)

  • Mirjana

    Hallo Liebe Rea und Liebe Mariella, vielen Dank für die Hinweise! @ Rea genau das wollte ich damit ausdrücken. Durch die Übernahme von Chanel war das Atelier finanziell abgesichert und damit unabhängiger von wirtschaftlichen Faktoren. Unabhängig meint in diesem Zusammenhang auch, dass der Betrieb trotzdem noch andere Kunden beliefern konnte. Hier habe ich noch ein Zitat von 2002 aus der Textilwirtschaft gefunden: "Dieses Unternehmen arbeitet nicht nur für Chanel,sondern auch für andere Modehäuser. Chanel sieht die Übernahme als "Investition in die Zukunft". Man wolle technisches Know-How vor dem Verschwinden bewahren und die Aktivitäten der übernommenen Spezialisten weiter entwickeln." Liebe Grüße Mirjana

  • Rea

    Liebe Mirjana, danke ... war für mich ein wirklich interessanter Artikel!

  • mariella

    Mir geht ein Licht auf, dankeschön! :)
    Der Artikel ist wirklich sehr interessant, ich muss mir unbedingt mal mehr übers Sticken anschauen, toll!

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