15. November 2011
Dienstag

Streetstyle: Interview mit Paul Gonzales von London Fashion

Die Bilder, die wir auf den großen Streetstyle-Blogs wie Vanessa Jackman, The Sartorialist oder Garance Doré präsentiert bekommen, haben mittlerweile nicht mehr viel mit der Idee vom authentischen Stil von Straße zutun. Es werden uns perfekt gestylte Models und Chefredakteurinnen in den neusten Designerstücken während der letzten Fashion Week präsentiert. Das langweilt mich mittlerweile ganz gewaltig, denn unter Streetstyle stelle ich mir etwas anderes vor. Eine gelungene Abwechslung liefert da der Blog London Fashion by Paul.


Der ehemalige Stylist Paul Gonzales hat u.a. schon für i-D Magazine gearbeitet und Prominente wie Tom Cruise oder Renée Zellweger eingekleidet. Ich habe ihm ein paar Fragen zu seiner neuen Beschäftigung als Streetstyle-Fotograf gestellt.
LesMads: Vor 18 Jahren hast du mit der Arbeit als Stylist angefangen. Ist dir der Wechsel vom Stylist zum Streetstyle-Fotografen leicht gefallen?
Paul Gonzales: Das Bloggen an sich und das Aufkommen der digitalen Fotografie erleichtern es Amateurfotografen wie mir ihre Fähigkeiten zu verfeinern. Trotzdem muss man natürlich immer noch die fundamentalen Grundkenntnisse erlernen. Das hilft, wenn man im natürlichen Licht shootet so wie ich.

LM
: Wie beeinflusst deine Arbeit als Stilist deine Arbeit als Streetstyle-Fotograf?
PG: Sie ist der Schlüssel dazu wie ich meine Bilder shoote. Ich sehe Dinge, die der Otto-Normal-Verbraucher nicht sehen würde, wie beispielsweise die neusten Trends, eine besondere Art wie jemand eine Jeans trägt oder wie sorgfältig jemand seine Sneakers ausgewählt hat.
LM: Inwiefern unterscheidet sich der Streetstyle in London von dem anderer Städte?
PG: Der Stil in London ist mehr von der Jugend geleitet. Außerdem hat Großbritannien so eine breite Auswahl an Referenzen und Stilepochen von den 1920er Jahren bis heute, die den Stil der Menschen immer wieder beeinflussen.
LM: Deine Bilder unterscheiden sich von anderen Streetstyle-Fotografien, die man heute auf vielen großen Modeseiten sehen kann. Deine Streetstyles sind authentisch und echt, aber immer mit der richtigen Portion “Mode”. Wie suchst du die Personen aus, die du fotografierst?
PG: Es ist ein Mischung aus verschiedenen Dingen. Charisma, Style, Schönheit, Individualität und Persönlichkeit suche ich für meine Bilder.
LM: Wie siehst du die Zukunft der Streetstyle-Fotografie? Was könnte sich in den nächsten fünf Jahren verändern?
PG: Ich glaube, dass Blogger zum nächsten Level gelangen müssen. Ein gutes Beispiel ist die Karriere von The Sartorialist. Er hat einen hohen Standard gesetzt und so eine Nische für sich selbst geschaffen. Nun arbeitet er mit großen Modemarken zusammen. Um es in diesem neuen Bereich zu schaffen, muss man sein Handwerk beherrschen und etwas Neues auf den Tisch bringen. Ich könnte mir außerdem vorstellen, dass mehr Online-Magazine in Zusammenarbeit mit großen Chefredakteurinnen und Verlagshäusern entstehen.
LM: Wer sind deine Vorbilder in der Modefotografie und im Streetstyle-Bereich?
PG: Ich bewundere die Arbeit von Nan Goldin, David Sims, Nathaniel Goldberg, Steven Meisel, Mert Alas und Marcus Piggott, sowie Inez Van Lamsweerde und Vinoodh Matadin. Im Streetstyle-Bereich sind es Scott Schumann und Tommy Ton.
LM: Wenn du von jeder Person auf der Welt ein Bild machen könntest – auch aus der Vergangenheit – wen würdest du fotografieren?
PG: Marlon Brando, weil er so einen Machismo hatte und so attraktiv war. Besonders als er jünger war, z.B. in dem Film “Street Car Named Desire“.
LM: Was planst du für die Zukunft?
PG: Momentan plane ich mehrere Projekte im Bereich Online Styling und Personal Shopping.
LM: Vielen Dank für das Interview.
Hier sind noch weitere Bilder von London Fashion by Paul.

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