Christian Lacroix über Kostümdesign für die Oper Candide
Der November ist eigentlich der beste Monat, um sich mal wieder etwas Indoor-Kultur zu geben. Es wird eh schnell dunkel und der Weihnachtsstress des Dezembers scheint noch in weiter Ferne. In Berlin wird vom ersten bis zum 15. November die Oper Candide, mit Kompositionen von Leonard Bernstein, im Schiller Theater aufgeführt. Die Kostüme der "comic operetta", die auf der gleichnamigen Satire von Voltaire basiert, hat der französische Designer Christian Lacroix entworfen. Im Interview erklärt er warum seine Liebe heute dem Kostümdesign gilt und was ihn an der von Geld und Werbung dominierten Modewelt stört.
Hier ein paar Fragen an Christian Lacroix:
LesMads: Wie würden Sie die Kostüme der Oper beschreiben? Was macht sie so besonders?
Christian Lacroix: Es ist eine Mischung aus der Voltaire-Zeit, der Epoche Ludwig des 18. und der Mode von Heute. Vor allem die Kostüme der Frauen sind absolut zeitlos. Besonders gerne habe ich die Kostüme für den Chor entworfen. Diese sowie die Perücken und Hüte werden aus handbemaltem, schwarzen Papier gefertigt.
LM: Wie haben Sie ihren kreativen Entwurfsprozess begonnen?
CL: Ich habe Stunden damit verbracht Vincent Boussards Version von Candide anzuhören - ein außergewöhnliches und schwieriges Stück. Vincent hat ein sehr scharfes Auge und ausgefallene Ideen wenn es um seine Projekte geht. Wir arbeiten bereits seit zehn Jahren zusammen und sind auf einer Wellenlänge. Allerdings müssen wir vorsichtig sein, damit wir ehemalige Produktionen nicht im gleichen Stil wiederholen. Jede Oper erfordert eine neue Herangehensweise. Bei Candide arbeiten wir eng mit dem Szenenbildner Vincent Lemaire zusammen. Ich schlage immer verschiedene Versionen für die Charaktere vor. Meine Aufgabe ist es nicht als Modedesigner egoistisch zu agieren, sondern den Vorstellungen des Regisseurs und des Choreographen gerecht zu werden.
LM: Hatten Sie eine bestimmte Inspirationsquelle für das Projekt?
CL: Seit meiner Kindheit bin ich verrückt nach historischen Kostümen. Ich versuche jedoch diese Einflüsse nur bedingt in die Modelle zu integrieren und vor allem darauf zu achten, dass die Kostüme zu der Inszenierung und den Silhouetten der Sänger passen.
LM: Was mögen sie am Kostümdesign im Vergleich zu der Arbeit an Kollektionen?
CL: Ich mag es Teil eines Teams und von Leuten, die ich bewundere, wie Sänger, Schauspieler, Tänzer, Komponisten und Beleuchter, umgeben zu sein. Alle verfolgen eine Vision, um am Ende Magie zu erzeugen. Im Theater sind es Wörter und Texte, in der Oper die Stimmen der Sänger und im Ballett die Eleganz und physische Leistung der Tänzer. Diese Zusammenhänge sind für mich viel reicher und bedeutsamer als die Modewelt. Leider wird die Modebranche immer mehr durch Extravaganz, Luxus, Verschwendung, die Macht des Geldes und Werbung dominiert. Sie hat nicht mehr viel mit Liebe oder Kreativität zu tun. Daher erfüllt es mich mit mehr Stolz, am Ende einer Aufführung mit dem Team vor ein aufrichtiges Publikum zu treten, als nach einer Fashionshow vor dem Mikrokosmos der Fashionistas zu stehen.
LM: Lassen Sie trotzdem Modetrends in die Kostüme einfließen?
CL: Vielleicht passiert das unbewusst. Seit ich 2009 meinen Posten im Hause Lacroix verlor ist meine neue Profession das Kostümdesign. Als Kind träumte ich davon Designer zu werden, aber nicht in der heutigen Modebranche. Meine Kunden waren wie Heroin für mich. Heute sind Schauspielerinnen und Ballerinas meine neuen Kundinnen. Als ich noch Mode entwarf habe ich Mainstream-Fashion bereits als furchtbar empfunden. Mich haben immer andersartige Inspirationen fasziniert, wie Folklore, Geschichte und Theater..!!!
LM: Was fasziniert Sie denn an der Oper?
CL: Die Oper ist größer als alles Andere. Um eine Oper auf die Bühne zu bringen, braucht es nicht nur Geschick, ein Genie und Talent, sondern auch physische Anstrengung, gepaart mit Eleganz. Als Kind begann für mich das echte Leben in einem Kino, einem Theater oder in der Oper - dort im Dunklen auf einer Bühne oder Leinwand spielte sich für mich das reale Leben ab. Für mich war das echte Leben zu ordinär und banal. Diese Einstellung hat sich bis heute nicht verändert. Aus diesem Grund widmete ich meine Arbeit dem Theater und der Oper. Dabei geht es nicht nur um das Kreieren von Mode, sondern um Imagination und darum, Träume und Seele in den Alltag zu bringen. Theatralizing everyday life...!!!
Hier ein paar Einblicke in die Oper:
Produktionsfotos und Backstagebilder: © Clärchen und Matthias Baus
















Penelope
*-* !
Sandra
Sehr sympathischen Interview!
Kira
Großartiges interessantes Interview und wirklich tolle Kostüme!
Kristin
Oh, das lässt mein Herz schneller schlagen. Interessantes Interview und ich sollte das eisblaue Kleid oben rechts stehelen.