Stockholm: Absolut Art Award 2011 für Anri Sala
Wenn eine Vodkamarke einen Kunstaward verleiht, klingt das erst einmal so, als wolle man sich in einer nicht wirklich passenenden Branche etablieren. In der Modewelt ist es ähnlich, da vergeben große Biermarken Preise, Autohersteller sponsorn Modewochen. Und manchmal funktioniert die Zusammenarbeit durch die Wahl der richtigen Personen und Arbeiten, so dass sich ein Award etablieren kann - so zum Beispiel geschehen beim Absolut Art Award, den es seit 2009 gibt und der schwedische Vodkahersteller nur ganz subtil ins Spiel gebracht wurde. Auf der Preisverleihung in Stockholm vergangene Woche gab es bei dem eleganten Gala-Dinner beispielsweise den ganzen Abend über verschiedene Weinsorten, bis man sich zu späterer Stunde an Vodka-Cocktails wagte. Aber das nur am Rande.
Die diesjährige dritte Edition beruht auf all den kreativen Kollaborationen, die seit dem 30-jährigen Bestehen ins Leben gerufen worden sind. In Berlin ist es beispielsweise das "Made", in dem ich zuletzt Aloe Blacc lauschte. Eine hochkarätige Jury, deren Vorsitz Christine Macel, Kuratorin des Pariser Centre Pompidou, inne hat, vergibt also eine Auszeichung an einen internationalen Künstler, der auf besonders herausstechende Weise verschiedene Kunstformen miteinander vernetzt.
Die Gewinner des Awards der letzten beiden Jahre sind Keren Cytter (2009) und Rirkrit Tiravanija (2010). In diesem Jahr konnte der albanische Künstler Anri Sala den Wettbewerb für sich entscheiden. Sein Schwerpunkt ist das Video als künstlerische Ausdrucksform. Momentan hat er sich in Berlin niedergelassen, wo er sich in seinem Studio neuen Ideen und Arten der Präsentation widmet. An der Stadt fasziniert ihn vor allem die Vielseitigkeit, die aber gleichzeitig so einfach und unkompliziert ist. Anri Sala ist einer der letzten Künstler, die zur Zeit der Diktatur unter Enver Hoxha bekannt wurden. In seinen Videos verbindet er die Geschichte seines Heimatlandes mit dem modernen und kosmopolitischen Leben, das er heute führt (untenstehendes gibt einen guten Eindruck von dem, was er macht).
Eindrücke des Gala-Abends:
Und hier ein paar Kunstwerke von Anri Sala:
Im Video gibt Anri Sala Auskunft über seine Art zu Arbeiten und erlaubt einen Blick in sein Berliner Studio.











Matthias
Interessant wäre doch, nach welchem Statut die Jury ihre Entscheidung trifft. In der Pressemitteilung des Absolut Art Award heißt es nur lapidar: "The annual prize is given to an international artist who explores creativity through the integration of art forms." Oder mit eigenen Worten: "Jährlich verleihen wir die Auszeichnung an einen Künstler."
Daß man hierfür bisher stets auf einen namhaften Jury-Vorsitz setzte, taucht die Angelegenheit auch nicht in ein besseres Licht. Natürlich kann man dadurch dem Award und den Prämierten mehr Gehör verschaffen, was ja auch kein Grund zur Kritik ist. Doch braucht es tatsächlich einen weiteren Kunstpreis ohne ein relevantes Vergabestatut?
Ich denke nicht. Die Kunstwelt ist überfüllt mit Preisen und Auszeichnungen, die mangels klarer Linie nicht die Chance nutzen, die Förderung einer bestimmten Kunst- oder Künstlernische voranzutreiben. Da mag man am Sinn der Vergabepraxis zweifeln.
anna
schöne initiative von absolut für die kunst.. mehr davon!