von Mirjana in Kategorie: Designer 6Kommentare

Berlin: Atelierbesuch bei Isabell de Hillerin

Bei strömenden Regen empfing mich die Jungdesignerin Isabell de Hillerin, gesäumt von ihrem Hund Mali, in ihrem Berliner Atelier. Das graue Wetter war in dem kleinen aber feinen Atelierraum schnell vergessen. Nur meine tropfenden Füße, die ungeschickterweise mit ein paar zarten Sandaletten ausgestattet waren, erinnerten noch an die sintflutartigen Regengüsse da draußen.

Drinnen drehte sich dann alles um die Sommerkollektion 2012, aus der ich schon ein paar Teile im Collect Showroom sichten konnte. Die 15-teilige Linie ließ mein Modeherz schnell ein paar Takte höher schlagen, denn die Kleider, Röcke und Blusen aus feinen Stoffen schreien gerade zu danach, auf einem Sommer-Soirée oder einer Gartenparty ausgeführt zu werden. Thema der Kollektion ist "a.m." - also wie "p.m." (Ante meridiem). Damit beschreibt die 26-jährige Isabell ein morgendliches Gefühl der unbeschwerten Leichtigkeit, die in den frühen Stunden des Tages die Stadt überzieht - da ist wohl jemand ein Frühaufsteher.

Die Farben ihrer vierten Kollektion stehen für die verschiedenen Stimmungen: Minttöne visualisieren die kühle morgendliche Brise, Nude und Orange repräsentieren das warme Sonnenlicht. Markant an ihren Sachen sind die Drapierungen, besondere Reversformen und ein feinsinniges Gespür für Formen und Materialien. Die Linie ist sehr weiblich, aber auf eine moderne, reduzierte Art, ohne zu viel Deko-Kram oder Rüschendetails. Die Leichtigkeit wird über die fallenden Seidenstoffe und das Volumen erreicht.

Zum ersten Mal hat sie einen Overall-Schnitt integriert, der durch klassische Details wie Paspeltaschen und eine verdeckte Knopfleiste, eine moderne Businessvariante sein könnte. Mein Lieblingsteil ist das bodenlange Seidenkleid in Nude oder Schwarz. Kostenpunkt zwischen 500 und 600 Tacken, da kann ich schon mal anfangen zu sparen.

Wie die gebürtige Münchnerin zu Mode kam, weiß sie selbst nicht genau. Nach ihrem Abitur siedelte sie nach Barcelona um und fing dort an auf der Modeuni Felicidad Duce die Techniken des Modehandwerks zu lernen. Nach dem Studium bekam sie die Möglichkeit, ihre Abschlusskollektion auf der Berliner Eco-Messe TheKey.to zu präsentiert. Daraufhin kam so viel positive Resonanz, dass sie kurzerhand ihr eigenes Label in Berlin gründete. Eine gute Entscheidung, wie ich finde! Zu kaufen gibt es die Linie in Berlin bei Konk, im Temporary Showroom und bei Glanz und Gloria in Wien oder online bei Chicedition.

Ateliereindrücke:

Lookbook Spring/Summer 2012:

Rumänische Stoffe:

Die Geschichte hinter den Stoffen:

Ein ganz besonderes Detail in den letzten Kollektionen waren traditionelle rumänische Stoffe, die Isabell extra anfertigen ließ. Leider war die Garnqualität bei den Mustern für den Sommer 2012 so mäßig, dass sie eine Kollektion aussetzen musste. Die Geschichte dahinter ist aber ziemlich spannend und deshalb möchte ich sie noch kurz erwähnen: Um an die Frauen zu gelangen, welche die alten Stickereitechniken noch beherrschen, ist Isabell durch ganz Rumänien gereist und hat winzige Dörfer abgeklappert. Das ganze verlief recht schleppend, weil Rumänien nur über eine Autobahn verfügt. Ich finde die Mühe und die vielen Kilometer haben sich gelohnt, denn durch ihre Aufträge gehen die alten Handwerkstechniken nicht verloren und ein Hauch Folklore wird bewahrt.

Tags: atelier, designer, handwerk, isabell de hillerin, lookbook
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6 Kommentare

  • Penelope

    Schöne Werkstattfotos! Wie kann man mehr über diesen Rumänienhintergrund erfahren? Bin sehr interessiert an diesen Sticktechniken!

  • nicole

    hmm, die stücke, die du hoch hältst sind wirklich zauberhaft!

  • Mirjana

    Hallo Penelope,
    merci, am Besten schreibst du Isabell direkt eine Mail.
    Sie gibt dir bestimmt gerne ein paar Infos zu den Sticktechniken:
    info@isabelldehillerin.com

    Viele Grüße
    Mirjana

  • anna

    tolle designerin, vilen dank für den bericht..

  • Julia

    Gefällt mir sehr gut vor allem die Teile ganz oben und auch das lookbook - sehr zauberhaft schlicht und trotzdem haben die Kleider einen ganz eigenen Charme - danke fürs teilen

  • Binta

    Die Kleider sind wirklich puristisch und sehr schön! Der Artikel toll geschrieben. Also alles in allem, super! :)

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