von Schnati in Kategorie: Mode 9Kommentare

Alexander McQueen in New York: Savage Masses

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Die Ausstellung von Alexander McQueen im Metropolitan Museum of Art in New York hätte schon vor meiner Ankunft in Manhattan beendet sein sollen und so begnügte ich mich etwas traurig mit Jessies Artikel. Dann aber kam die Ankündigung, die Ausstellung sei aufgrund der großen Nachfrage verlängert worden. Doch genau dies war das Problem: Genau diese Nachfrage und dieses Interesse und die erneute Präsenz in den Medien machte die letzte Woche der Ausstellung zu einem must see in ganz New York und die Wartezeiten stiegen schnell von einer halben Stunde aus den vorherigen Wochen bis zu 3,5 Stunden in der letzten.

Savage Beauty wurde zu Savage Masses, elend lange Schlangen und so wenig Bewegungsfreiheit wie in einer vollgepackten Bar. Bizarr und trotzdem traumhaft.

Ich fragte mich konstant, weshalb Leute, die sich teilweise gar nicht für das Thema zu interessieren schienen, die langen Wartezeiten auf sich nahmen und wusste es dann, nachdem ich die Tour gemacht hatte. Männer die stöhnten: "I am doing this just to see some dresses", gingen mit zufriedenen Gesichtern aus den Räumlichkeiten, ein paar Frauen waren zu Tränen gerührt.

Wir brauchten zwei Anläufe, um die Ausstellung zu sehen: Am Donnerstag dachten wir, 2,5 Stunden Wartezeit seien bei schönstem Wetter neben dem Central Park zu viel und wir würden einfach vor der Eröffnung am nächsten Morgen erscheinen. Zumal wir nach einer halben Stunde vor dem Museum geglaubt hatten, die Wartezeit bereits hinter uns gebracht zu haben, aber die richtige Schlange erst durch das halbe Museum führen sollte. Diese "clevere" Idee hatten nur geschätzt auch 500 andere Menschen, die bereits 45 Minuten vor Eröffnung des Museums in unübersichtlichen Reihen standen. Wir erreichten die vollgepackten Ausstellungsräume nach rund drei Stunden Wartezeit.

Aber nun zu der Ausstellung: Mehr dazu sagen, oder bessere Wort finden, als Jessie dies bereits getan hat, ist wahrscheinlich nicht möglich. Aber eines ist mir nun eindeutig klar: Direkt nach dem Freitod meines liebsten Designers übernahm seine rechte Hand Sarah Burton die Linie. Damals hatte ich ein komisches Gefühl, aber die Kollektion, an der McQueen noch mitgearbeitet und die Burton vollendet hatte, machte die Kritiker und auch mich still. Doch in dem Museums-Raum mit den Videoinstallationen und vor allem bei der Darstellung seiner finalen kompletten Kollektion in dem letzten Raum wusste ich endlich, was gegen die Fortsetzung Alexander McQueens Modelinie spricht: Wir haben es hier nicht mit reiner Mode, sondern mit Kunst, einem detaillierten Handwerk und vor allen Dingen der Kreation eines Universums passend zu jeder Kollektion zu tun.

Seine Schauen waren sensationell, seine Konzepte (man denke an das Hologramm oder das während der Show besprühte Kleid) revolutionär und anders. Es fehlt uns nicht nur ein außergewöhnliches Talent, sondern auch ein Künstler. Picassos Kunst wurde auch nach seinem Tod nicht einfach fortgeführt.

Dies ist kein Affront gegen Sarah Burton, auch sie hat ohne Frage ihre wundervolle Arbeit unter Beweis gestellt, dies ist eher eine Liebeserklärung an McQueens nicht zu imitierendes Kunstwerk.

Es ist eine rührende Teilnahme der Masse, eine wunderbare Anerkennung für einen traumhaften Designer, die leider zu spät kommt und nun der Marke mehr Aufmerksamkeit schenkt als zu seinen Lebzeiten.

Tags: alexander mcqueen, metropolitan museum, new york
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9 Kommentare

  • Lara Maria

    Wunderbarer Artikel!!

  • FacebookSarah R. Brinkmann

    wunderschön geschrieben.
    leider werde ich erst wieder nächstes jahr in nyc sein, hätte mir die ausstellung so gern angeschaut. trotz der wartezeiten :-)

  • Franzi

    Ein schöner Artikel! Bis wann ist die Ausstellung verlängert worden?

  • Tanja

    Wow, ich bin am "Eröffnungstag" sofort reingekommen. Voll war es wohl auch, aber man konnte sich einigermaßen frei bewegen.

  • anna

    bisher nur gutes über die ausstellung gehört. würd sie ja zu gerne sehen..

  • maria

    Die Ausstellung ist der absolute Hammer! Als ich wieder draussen war, war das als haette mich jemand aus einem Traum geweckt...

  • Minh

    Schnati, du hattest noch Glück. Ich stand gestern 5,5h an...Ohne dann Anna Wintour gesehen zu haben.

  • Conny

    So ähnlich erging es mir bei der YSL Ausstellung in Paris - nur, dass wir nicht genug Wartezeit eingeplant hatten und dann unverrichteter Dinge wieder aufbrechen mussten, um den Rückflug nicht zu verpassen. :(

  • Binta

    Richtig poetisch geschrieben, schön! Auch ich finde es nicht so toll das Sarah Burton das Label weiterführt.

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