Wegen Retusche verbannt: Maybelline und Lancôme
Wenn auf Werbungen die Haut der Supermodels aus den 90s noch im Jahr 2011 aussieht wie die eines Neugeborenen, dann darf man davon ausgehen, dass die Spuren des Alters verwischt wurden. Und nicht nur diese Spuren werden häufig mit der Airbrush-Technik von dem Foto verbannt, auch Zeichen der Realität müssen daran glauben: Sommersprossen, Hautunreinheiten, selbst kleinste Lachfalten finden auf großen Kampagnen nicht statt.
Dass eine fünffach vergrößerte Falte auf der Litfaßsäule gnadenloser erscheint als im wahren Leben, ist eindeutig klar und dass die Industrie lieber die schönen Seiten eines Models betonen möchte, um das Produkt anzupreisen, auch.
Doch wie weit kann und darf man gehen? Reichen Lichtinstallationen, tonnenweise Make-up und die Wahl eines zauberhaften Models nicht vollkommen aus? Muss man mit 40 wirklich noch aussehen wie mit 20?
In Großbritannien wurde nun von der ASA (Advertising Standards Authority) beschlossen, dass die aktuellen Beauty-Kampagnen von Maybelline und Lancôme die Grenze überschreiten und zu wenig Realität zeigen. Infolgedessen dürfen sie in den UK nicht mehr gezeigt werden - Christy Turlington und Julia Roberts verschwinden von der Werbefläche. Traurig um die Bilder der hübschen Damen, findet auch DandyDiary, wo von Christy geschwärmt wird, aber ein wunderbarer Schritt in die richtige Richtung, wie ich finde: Ein unrealistisches Schönheitsideal soll vermieden werden, genau wie die subtile Aussage, dass das angepriesene Produkt den gezeigten Effekt erzielen könnte. Es ist und bleibt ein delikates Thema, bei dem es schwer ist, Richtlinien und Grenzen zu setzen. Wir finden die Entscheidung aus den UK jedenfalls sehr vorbildlich.






Yen
finde ich genau richitg so. so eine werbeüberwachung sollte es überall geben. viele kampagnen heutzutage sind ja schon mehr als gemalt. leider.
http://erotiquerobique.com/
Lisa
Gestern schon gelesen. Dickes Daumen hoch! Auch wenn man bewusst natürlich weiß, dass solche Anzeigen nur wenig mit der Realität zu tun haben: Unbewusst werden solche vermeintlichen Schönheitsideale immer mehr zum Maßstab.
Sanne
hm, ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das viel bringen wird. Die Bilder werden deswegen bestimmt nicht natürlicher. Es werden höchstens andere Models ausgewählt. Ich fühle mich danach nur noch schlechter, weil ich diesmal weiß, dass die Kampagnenmacher soviel gar nicht retuschieren durften und das Model trotzdem wie aus dem Ei gepellt aussieht.
Franzi
Das ist wirklich super, nur kann es sein, dass Sanne recht hat. Es werden für Anti-Falten-Cremes einfach wieder junge Models ausgewählt:) Oder Hailee Steinfeld:)
Spaß beiseite, jeder weiß doch, dass alles krass bearbeitet ist. Und wirklich schön ist das dann auch nicht mehr.
Danke für den Bericht und danke für Kritik an solchen Konzernen!
Anne
Wie müssen sich erst die gezeigten Werbegesichter fühlen, wenn sie die fertigen Kampagnen sehen?! Wäre ich Frau Roberts, wäre ich zutiefst beleidigt und gekränkt, denn schließlich sind ihre wunderbaren Lachfalten seit Jahrzehnten ihr Markenzeichen.
Meiner Meinung nach war der Gipfel mit Madonna in der LV Kampagne erreicht!!! DAS war gruselig.
Valentina
Ich stimme Lisa zu...gibt es ja auch genug Artikel bzw. auch Studien zu dem Thema, die ganz klare Zusammenhänge zwischen den (über)nachbearbeiteten Kampagnenfotos und dem zunehmenden Schöhnheitswahn in der Gesellschaft (ganz besonders bei der jüngeren Generation) herstellt.
Leider weiß ich nicht mehr, wo ich gelesehen habe, wie lange es im Durchschnitt braucht bis eine Frau, die ein Modemagazin liest, denkt, sie müsste auch so Aussehen wie die dort Abgebildeten Frauen...und natürlich werden dann die dazu benötigten Schuhe, Klamotten und Beautyprodukte gleich mit präsentiert, wie praktisch...
max wertheim
Lächerlich und falsch.
Jeder weiss doch heute, dass alle Fotos in Magazinen nachbearbeitet werden.
Interessant, dass ihr aber im Gegenzug keine Probleme damit habt, immer wieder Models und Prominente zu zeigen und zu akklamieren, deren Körperbild vollkommen krank ist. Beziehungsweise, je artifizieller der Typ, desto lieber mögen eure Leser und ihr die Models. Ich finde das doppelmoralsauer ...
Julia Roberts und Christy Turlington sind verglichen damit ja gesunde Wonneproppen. Das ist die Wichtigtueraktion einer profilierungsneurotischen Politikerin.
Sarah
Ich finde, das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Kleine Makel mit Photoshop ausbügeln "Ja", zu viel künstliche Schönheit "Nein".
@Sanne Da könntest du leider Recht haben! Ich glaube trotz allem, dass solche Verbote helfen, da sie von Konzernen mehr Transparenz fordern und die Kunden daran erinnern, dass vieles nicht so ist, wie es scheint.
@Max Ich glaube leider weder, dass jeder es heutzutage weiß, noch, dass diejenigen die es wissen davon unbeeinflusst sind (siehe Lisas Kommentar).
In diesem Artikel geht es nicht um Modeltypen, Figuren oder Schönheitspräferenzen, sondern um die Verfälschung der Realität... Zwei verschiedene Dinge. Die Schönheit von Christy Turlington oder Julia Roberts wurde mit keinem Wort angezweifelt oder in den Vergleich mit anderen Models, die uns gefallen, gesetzt.
Ola
Ich finde es ehrlich gesagt genauso "sinnvoll" wie "normale" Frauen statt Models für Fotostrecken zu nehmen wie es eine bekannte deutsche Zeitschrift ja seit einiger Zeit behauptet. Davon abgesehen, dass die meisten Mädchen, die noch sehr leicht beeinflussbar sind garnicht genau wissen wie alt Frau Turlington oder Frau Roberts sind und sich keine Gedanken übers Altern machen, finde ich es viel bedenklicher, wenn die 14 Jährige in der Kampagne zwei Seiten weiter hochgephotoshoppt wird auf geschätzte 25.
Nichts gegen eine allgemeine Einschränkung von Herummanipuliere an Fotos in Magazinen aber bei Frau Roberts anzufangen erscheint mir dann doch sehr merkwürdig..
Sabine
@ Max
Du schneidest hier aber ganz schön auf...woher nimmst du denn deine Infos, dass die Leser umso artifizieller Typen umso lieber mögen? Ich glaueb eher, du unterschätzt die Wirkung von der Flut an Werbebildern, die man jeden Tag sieht. Klar weiß jeder, dass die bearbeitet sind, aber da alle Bilder so aussehen, wird es unterbewusst eben als Standart empfunden, so auzusehen.
p.s. mit Wonneproppen oder nicht hat das bei den oben gezeigten Bildern doch eh nichts zu tun? Bzw. kann ich an den Gesichtern von Leuten nur in Extremfällen ablesen, ob sie extrem dünn oder dick sind.
lara
ich frage mich, was julia robert und co. davon halten, dass sie 1. jünger, schöner, stylisher per photoshop gemacht werden, 2. was sie jetzt nach dem verbot über dieses thema denken, 3. ob es ihnen peinlich ist, dass ihre natürlichkeit doch nicht in der werbebranche ankommt und nur dank der technik namens photoshop bevorzugt werden, 3. ob sie ihr honorar nun zurückzahlen müssen? falls jemand julia und die anderen damen mal treffen sollte, kann mal für mich diese fragen stellen - vielen dank im voraus ;)
Pia
mal ketzerisch gefragt: fängt dieser ganz irrsinn nicht genau in dem moment an, indem junge damen (unter anderem auch) auf eure seite kommen und nichts als geballte (vermeintliche) schönheit sehen? die frage ist doch, muss man wirklich die neue kampagne von xyz zeigen, wenn diese einem quasi "photoshop" entgegenbrüllt? da ihr, abgesehen davon dass genau diese konzerne auch eure werbekunden sind, hier einen gewissen einfluss üben könnt, solltet ihr euch auch mit in der verantwortung sehen. ich bin überzeugt, dass macht ihr auch schon, aber vielleicht geht ja noch mehr... ; )
max wertheim
@Schnati
Das habe ich schon verstanden, dass du nur den Umstand der zu stark nachbearbeiteten Fotos thematisiert hast. Aber alles hängt mit allem zusammen und ich wollte diesen Zusammenhang in die Diskussion werfen. Es ist scheinheilig, einen Multi wie L'Oreal anzugreifen und alle anderen ungeschoren davonkommen zu lassen. Mal ganz davon abgesehen, dass es wesentlich bessere Beispiele für verstörende Volbilder gäbe, hier und in Großbritannien.
Wenn man das mit derlei Zensur konsequent zu Ende denkt, könnte man Modeblogs auch irgendwann mal auf ihre jugendgefährdende Wirkung hin abklopfen und würde ebenso etwas an den Haaren herbeiziehen können ...
@Sabine
Ganz einfach, ich lese hier rein und wenn ich Zeit habe auch in die Kommentare. Und wenn du mir weis machen willst, dass es hier um einen entspannten und natürlichen Umgang mit dem Äußeren geht und ein gesundes Körperbild propagiert wird, dann sehe ich das schlichtweg anders. Es ist mit Sicherheit schädlicher für junge Mädchen und Frauen, hier auch absolute Gerippe von Models und It-Girls, etc. zu hypen, als so eine doofe und schlecht retouchierte Make-Up Kampagne mit Julia Roberts oder Christy Turlington, deren Zielgruppe Frauen über dreissig sind.
Conny
Das Retuschieren auch deutlich daneben gehen kann, sieht man immer wieder - kennt jemand den Blog "Photoshopdisasters" ? Da sammeln die Autoren komplett missglückte "Werke", bei denen gut und gerne auch mal versehentlich ein Arm des Models wegretuschiert wurde oder sie stattdessen 3 Hände hat ;)
Vanessa
Dabei sieht Julia Roberts noch so toll aus!
Kerstin
Schön wäre es, wenn sich alle Länder ein Beispiel daran nehmen würden!
Mia
Was besseres hätte sich L'Oreal nicht wünschen können. Jetzt werden alle Sujets nochmal - und vor allem gratis! - abgedruckt und verbreitet.
emma
ich hätte gerne ein vorher, nacher gesehen!!
noch so ein schönes Beispiel wäre Nicole Kidman in jeglichen Kampagnen ( Chanel, Omega usw.)
Nina
Ich finde diese Verbote albern und heuchlerisch. Frauen schminken sich und verändern schon damit ihr tatsächliches Aussehen. Anzeigen und Darstellungen in Magazinen haben ebenfalls nie den Anspruch erhoben das tatsächliche Leben eins zu eins abzubilden. Die Grenzen der Inszenierung sind doch gar nicht mehr zu ziehen. Die Welt verändert sich, wir müssen damit klar kommen auch wenn es manchmal angesicht von Option und Perfektion schwer fällt. Dies lässt sich nicht durch so ein blödes Verbot aufhalten. Denn dies würde doch im Grund behaupten nur die haben verändert- die anderen sehen alle wirklich so aus. Und wann eben sieht jemand wirklich wie aus- nur früh morgens, nach dem Aufstehen etwa?
tobi
Heutzutage wird doch JEDES Bild in der Werbung retuschiert. Und gerade in der Mode-/Kosmetik-/Duftbranche! Bis zur Unkenntlichkeit! Sich dort nur eine oder zwei Kampagnen herauszufischen finde ich nicht konsequent, dann sollen Sie doch 70% aller Kampagnen verbieten. Ich finde es nicht schlimm, da es jeder weiß, dass es Photoshop gibt. Jeder bescheißt den anderen so gut er eben kann, ob das jetzt Spezialeffekte bei irgendeinem Harry Potter Film sind, bei dem die Darsteller nur vor einem grauen Haufen Geröll stehen, oder der Nachrichtensprecher, der in einer Bluebox steht.
Aber jetzt mal eine andere Frage, ihr wollt uns doch nicht weiß machen, dass ihr hier auf eurem Blog noch nie ein Bild verfälscht, euch einen Pickel oder einen Schweißfleck unterm Arm wegretuschiert habt??!
Wer das glaubt ist selber Schuld.
Andi
Haut wurde schon immer retouchiert, auch schon vor Photoshop Zeiten. Was ich viel bedenklicher finde, ist, wie extrem mittlerweile Körperformen manipuliert werden, selbst bei sehr schlanken Models. Da werden schnell mal 5 cm an jeder Seite weggenommen. Teilweise entsteht ein Bild, das so anatomisch gar nicht möglich wäre. Zum Beispiel eine Taille mit einer sanft geschwungen Kurve, obwohl das Model so verdreht dasteht, dass dort eine kleine Falte (igitt!) sein müsste.. oder man müsste bei Bikini/Wäschefotos den Po bzw die Schenkel auch vorne etwas sehen, wenn man das nicht sehen würde, hätte das Model ja keinen Hintern - aber das wird auch generell weggemacht. Ich wusste zwar, dass viel retouchiert wird, aber als ich 2x bei einer Produktion dabei sein durfte, war ich doch geschockt, dass eben selbst diese schlanken, hübschen Models bei weitem nicht perfekt genug waren und bei Kleidergröße 36 immernoch was weg kann (oder an den richtigen Stellen dazu) - uns wird ein absolut unerreichbares Bild vorgesetzt. Wenn man das weiß, ist es OK, aber viele wissen es eben nicht. Als ich 14 war, wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, dass etwas mit diesen Bildern nicht stimmt, weil ich es nicht wusste und mich nicht damit beschäftigt habe. Ich denke schon, dass es das eigene Körperbild negativ beeinflussen kann, wenn man jung ist. Deswegen finde ich gut, wenn mehr bewusst gemacht wird, wie viel retouchiert wird.
anna
da müsste es durchgehende gesetze geben. so gibts alle paar monate einen fall, der groß aufgeblasen wird und dann geht die alte chose wieder wie gewohnt weiter..