von Jessie in Kategorie: Designer 6Kommentare

Die Show der Universität der Künste

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Der inoffizielle Beginn der Modewoche in Berlin fand gestern Abend mit der Show der Universität der Künste im Trafo statt, einem beeindruckenden ehemaligen Heizkraftwerk. Gleich nach Betreten spürte man: Das ist der perfekte Ort für Kreativität und damit so viel besser gewählt als das Bebelplatz-Zelt oder das kleine WMF, wo die Schau in den vergangenen Jahren stattgefunden hat.

Wir sind verabredet zum Interview mit Professor Stephan Schneider, der uns über eine Art Baustellentreppe in das gigantische erste Geschoss führt, auf dem der ewig lange Laufsteg aufgebaut wurde. Im Backstage-Bereich wurde den Models der letzte Feinschliff verliehen, die Haare der Mädels wurden weiß angesprayt, die Jungs rauchen währenddessen draussen auf der Treppe oder essen Käsebrote. Der in Antwerpen lebende Designer und Dozent der Schule gab uns ein spannendes Videointerview, worin er verrät, was es einem Jungdesigner beizubringen gilt, inwiefern kommerzieller Erfolg außerhalb Deutschlands wichtig ist und worin sich seine Universität (er war Jahrgangsbester auf der Royal Academy in Antwerpen) und die UdK unterscheiden.

Das Videointerview folgt in einem separaten Beitrag - kommen wir zu der Show! Sowohl die Studenten des Grund- als auch Hauptstudiums schickten diverse Kreationen zu verschiedenen Themen über den Laufsteg, bis die sechs weiblichen Absolventinnen an der Reihe waren (zwei davon machen ihren Bachelor, die anderen vier ihr Diplom).

Los ging es aber zuerst mit dem Grundstudium, das sich dem Thema "Choose White" widmete und damit ausschließlich die Sommerfarbe schlechthin in Szene setzte - zuerst akzentuiert mit einem überdimensionalen Cappie und angesteckter Rose, dann folgen blütenweiße Looks in allerhand Variationen.

Near East folgte: Selbstverständlich standen neben Kimonos auch Röcke für Männer auf dem Programm, genau wie asiatische Referenzen. Interessant war die Neuinterpretation des klassischen Chanel-Tweed-Kostüms, zu dem üppige Perlen kombiniert wurden.

Im Hauptstudium setzten sich die Studenten zuerst mit den Klassikern auseinander, die
dementsprechend mit klassischer Musik untermalt wurden. Darunter gab es vielfältige Variationen des Anzuges für den Mann (kombiniert mit bunten Papierhüten) oder Military-Elemente bei feinen Seidenkleidern.

"Limited Addition" ist das Thema, das besonderen Wert auf die Details legt und dadurch zu meiner Lieblingskategorie avanciert. Neben viel Neon finden sich Kakteen an Korbtaschen, überdimensionale Strohhüte treffen auf Armreife, die wie Hände um den Unterarm geschlungen sind, dann waren da noch gefährliche Schuhe zum Aufspießen, handwerklich beeindruckende Rucksäcke oder Elemente Ritterähnlicher Uniformen.

Die Kategorie "Super!Vision", weiterhin mit Teilen von den Studierenden des Hauptstudiums zusammengestellt, mutet avantgardistisch-futuristisch an. Lederlappen, haarige Oberteile, Plastikhöschen, später dann Cocon-artige Capes, Röcke, die mit hunderten von Nadeln ausgestattet wurden oder Tücher, die den gesamten Kopf bedeckten sind Bestandteil.

Mit Musik von Justice geht es in die letzte Runde: "Collector's Collection" lautet das Thema und ist so vielfältig, dass man es kaum in eine Schublade stecken kann. Individueller Minimalismus trifft es wohl am Besten.

Dann geht es los mit den Abschlußkollektionen und gleich die erste Bachelor-Studentin ist unsere Favoritin: Vivienne Appelius erinnert mit ihren Entwürfen entfernt an Stine Goya. Der skandinavische Stil ihrer Kollektion "Still" fällt durch fließende Stoffe, zaghaft schöne Prints und allerhand Schlüssel auf, die entweder zahlreich um den Körper baumeln oder aber in Ledertaschen eingeprägt wurden.

Inga Schulte ließ die Ponyluftballons steigen, blieb sonst aber bei schlichten Looks. "Life is what you can see behind the curtain" heissen ihre Entwürfe.

Rebecca Sammler ist die erste Diplomantin und gab eine "Tango Lesson", wahlweise mit Silikonleggings:

Julie Eilenberger spielt mit "Naked we came" vermutlich auf die großflächig eingebauten Löcher in ihren Kollektionsstücken an:

Jorinde Barke gewinnt mit "Let's talk about feelings" später ein 6-monatiges bezahltes Praktikum bei Escada und obendrein ein Coaching einer Headhunting-Agentur. Ihren Schmuck stelle ich noch separat vor.

Laura Wollentarski sahnte mit ihrer Kollektion "Wire" die meisten unterstützenden Preise ab, wie beispielsweise den "Dr Hauschka Award" für nachhaltiges Design.

Im Publikum saß übrigens Margareta van den Bosch von H&M: Sie sucht aus den Absolventen drei aus, um sie für den erstmals im September veranstalteten H&M Design Award zu nominieren. Escada unterstützt die Uni beispielsweise mit 10.000 Euro in Form von Materialien.

Insgesamt ein spannender Auftakt der Modewoche, der sowohl die unendliche kreative Seite der Schule gezeigt hat, an vielen Stellen aber auch auf das "echte" Leben hinweist: Tragbarkeit muss trotz aller experimenteller Ausflüge ein wesentlicher Bestandteil sein. Dazu dann eben auch mehr im Interview mit Stephan Schneider.

Tags: abschlußkollektion, backstage, berlin fashion week, laufsteg, stephan schneider, udk berlin
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6 Kommentare

  • Susanne

    Das sieht zum Teil wirklich vielversprechend aus …

  • Claudia G.

    die entwürfe von rebacca sammler gefallen mir sehr gut; besonders die kombination mit "silikonleggings".

  • Merle

    ich weiss gar nicht wie du di ein urteil ueber die kollektionen bilden kannst, du warst doch die ganze schau mit deinem ipad beschaeftigt ;)

  • Jessie

    @Merle Stell dir mal vor, diese digitale Innovation macht's möglich, dass man auf dem iPad mitschreiben kann ;)

  • Tini

    wow, da sind so unglaublich tolle Kreationen dabei!
    Da kann man sich garnicht satt sehen!
    Danke für den tollen Bericht!

  • Tine

    Talentierte junge Leute. Ein Werk der UDK. Anders hat man es gar nicht erwartet. Kann aber auch sehr schnell zu einer homogenen Masse werden, die Langeweile aufkommen lässt. Lokation - gute Wahl. Ganz im Zeichen der Zeit. Gut zu hören, dass wir uns auch im nächsten Jahr auf Perfektion verlassen können- Dank Escada und eine Auswahl der Besten.

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