von Mirjana in Kategorie: Designer 10Kommentare

Labelwatch: I.C.A. Watermelon

Mein einziger selbst gestrickter Schal gehört nicht gerade zu den Glanzstücken in meiner Garderobe. Umso mehr ziehe ich den Hut vor Menschen, die mit einer mordsmäßigen Geschwindigkeit komplizierte Muster für Pullover, Jacken oder Kleider zustande bringen. So wie ein paar ältere Damen in einem kleinen Ort in Mecklenburg-Vorpommern, die für das Label I.C.A. Watermelon fleißig die Strick- und Häkelnadeln schwingen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen! Keine Spur von Topflappenästhetik oder Ökotouch, stattdessen kunstvolle Strickdetails, markante Schnittführungen und spannende Raffungen.

Trotz der äußerst modischen Hülle, den coolen Shorts und filigranen aber auch üppigen Kleidern, bestehen die Materialien ausschließlich aus ökologisch korrekten Rohstoffen. Hinter dem Eco-Label steht die Berliner Esmod-Absolventin Julia Knüpfer, die seit 2009 alte Handarbeitstechniken modern wiederbelebt. Zum Einsatz kommen nur hochwertige natürliche Materialien wie Biobaumwolle, Leinen und Wolle. Neben der Materialherkunft achtet die Designerin auch auf die ressourcenschonende Verarbeitung und produziert in Berlin und Umgebung.

Bevor sie ihr eigenes Label gründete, sammelte sie Erfahrungen bei Wolfgang Joops Herzensprojekt Wunderkind. Im Januar 2009 staubte sie dann direkt den Designer For Tomorrow Award im Rahmen der Mercedes Benz Fashion Week in Berlin ab und kürzlich bekam sie den Eco-Design-Award by Dr. Hauschka. Im The Offer Showroom hatte ich kurz die Gelegenheit, ein paar Worte mit der sympathischen Designerin zu wechseln, die zum ersten Mal bei dem Designkollektiv ausstellte.

Julia hatte im Gegensatz zu mir eine bessere Kleiderauswahl für den Showroom getroffen, denn es war wahnsinnig heiß in dem kleinen Raum und ich beneidete sie ein wenig um ihren luftigen Overall. Im Gespräch erfuhr ich, dass sie ihre Inspiration aus der Natur schöpfe. Sie ergänzte sofort, dies sei zwar eine etwas abgedroschene Antwort, aber es stimme nun mal. Zum Beispiel sind ihre Strick-Strukturen, die alle Kollektionen durchziehen, von Vogelnestern oder organischen Formen abgeschaut. Ihre Zielgruppe beschreibt sie so: "Frauen, die meine Sachen kaufen, sind zwischen 20 und 70 Jahre alt. Sie sind kunstaffin, gehen in den Biosupermarkt und kaufen gezielt Design ein."

Mich interessierte vor allem, ob es schwer ist, den Strickerinnen in ihrem Heimatort zu erklären, wie die Modelle gemacht werden müssen und sie von allzu großmütterlichen Designvorstellungen abzubringen. Das sei aber wohl gar kein Problem gewesen, denn die Frauen seien echte Profis und man müsse ihnen nur die richtigen Materialien zur Verfügung stellen. Ich werde die Kollektionen von I.C.A. Watermelon auf jeden Fall weiter verfolgen und vielleicht wage ich mich ja auch mal wieder an die Stricknadeln

Zu kaufen gibt es I.C.A. Watermelon bei Wertvoll-Berlin.

Frühjahr-/Sommerkollektion 2012:

Frühjahr-/Sommerkollektion 2012 im The Offer Showroom:

Herbst-/Winterkollektion 2011:

Tags: designer, i.c.a. watermelon, labelwatch, mercedes benz fashion week, showroom, the offer
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10 Kommentare

  • Nike

    es ist schon komisch. eigentlich sollten wir doch den sommer im park liegend verbringen, aber nein, schon jetzt habe ich lust auf dicke strickpullis. Die Idee mit den älteren Strickerinnen finde ich aber auch einfach ganz allerliebst.

  • Kathi

    Ich finde auch, dass das ein super Projekt ist. Julia Knüpfer profitiert von der Erfahrung und der Fingerfertigkeit und die Strickerinnen haben eine Aufgabe die wirklich Spaß macht (hoffe ich zumindest). Besser kann mans kaum machen :)

  • deike

    hihi,...das wir am Ende nicht in illegale Seniorenarbeit abrutschen... ;)

  • Valentina

    Super super hübsch!
    Würde ja glatt meine Oma empfehlen, wenn sie in der Nähe wohnen würde ;-)

  • anna

    schöner strick. julia knüpfer macht einfach immer wieder tolle sachen..

  • nadya

    wow, beeindruckend. irgendwie ist man
    momentan ein wenig gelangweilt, wenn man hört, es handelt sich
    wieder um strick gepaart mit eco. aber diese frau entwirft wirklich
    schöne must haves ... weiter so
    und wie wir alle wissen, esmod steht für hart arbeitende designer!

  • FacebookKiki Albrecht

    Der schwarze Strickpullover mit den beigen Applikationen an der Schulter ist ja der Wahnsinn. Wirklich komisch sich Mitte Juli in Winterpullis zu verlieben, aber immerhin steigt die schöne Vorfreude damit! Schöner Beitrag!

  • Franzi

    Ich liebe Sie..letztes Jahr das erste mal gesehen und gleich verliebt!!!

  • Lene

    Großartige Stücke und vor allem die Idee dahinter ist wunderbar :) Gefällt!!!

  • Susi Mahr

    Ich habe großen Respekt vor den Damen.
    Auch wenn die Damen schon in die Jahre gekommen sind und man denken könnte das wirkt sich auch auf ihre Kreationen aus, der täuscht sich. Ihre Mode ist frischer und aktueller als die manches jungen Designer und beweist trotzdem Stilbewusstsein.
    Liebe Grüße
    Susi Mahr

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