Lesetipp: Vogue-Chefin Christiane Arp über die deutsche Mode
Im ZEITmagazin teilt Christiane Arp, Chefin der deutschen Vogue, pünktlich zur Berlin Fashion Week ihre Ansichten zur deutschen Modelandschaft mit. Der Titel unseres heutigen Lesetipps: "Ich träume davon, dass die Mode in unserem Land ein Märchenwald wird".
Zur Erklärung ihrer Aussage führt sie Hans-Peter Dürr an, der einmal gesagt hat: "Wir sehen nur Bäume, nie den Wald. Das Wesen des Waldes ist nicht die Ansammlung der Bäume, sondern das Dazwischen". Übertragen auf die Mode bedeutet das, dass wir neben den großen Modeschöpfern wie Karl Lagerfeld oder Jil Sander kaum weitere Designer wahrnehmen.
Eine etwas überspitzte Formulierung, die wohl für die breite Masse gilt, denn eigentlich sind wir doch auf dem besten Wege, genau das zu ändern - bei der Modewoche bekommen gerade die Jungdesigner eine gute Plattform geboten, um auf sich aufmerksam zu machen. Weil es nicht viele große Namen gibt. Aber gut Ding will Weile haben und so müssen sich auch die unbekannten Namen erst einmal durchsetzen.
Vielmehr ist es wohl eine Grundsatzdiskussion, die hier wieder einmal ausgelöst wird:
In Deutschland ist kein Platz für Leidenschaft für die Mode. Kleidungsstücke werden von der Mehrheit als "Anziehsachen" betrachtet, die vornehmlich praktisch sein müssen. Mit dem Begriff "Chic" können wir nichts anfangen und das Vorurteil, dass Mode schlichtweg oberflächlich ist, müssen wir uns schon lange gefallen lassen - anders als in Italien und Frankreich, wo Mode als ein Kulturgut angesehen wird und tief in den Wurzeln der Gesellschaft verankert ist.
Genau das kritisiert Frau Arp, denn Designer werden nicht wie Architekten, Komponisten oder bildende Künstler geschätzt. Sie möchte, "dass wir erkennen, dass eine tolle Fashionshow mit wunderbarer Mode so inspirierend sein kann wie ein Theaterstück, ein Buch ein Film".
Was können wir also tun? Wir müssen den Talentierten eine Bühne bieten, um sich präsentieren zu können. Und genau das tun wir. Christiane Arp lobt zum Beispiel Annelie Augustin und Odély Teboul, René Storck sowie Michael Sontag, denen sie im Rahmen der Modewoche einen privaten Showroom für die Presse einrichtet und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen will.
Klar, Berlin ist nicht Paris, München nicht Mailand und Düsseldorf nicht New York - aber warum auch sollten wir sein wollen wie etwas, was es schon gibt? Kopien sind niemals besser als das Original.
Eine Aussage, die sich die Kritiker der Modewoche einmal hinter die Ohren schreiben sollten. Und wir beweisen dann kommende Woche mit unseren Live-Berichten von der Fashion Week, dass hier großes Potenzial schlummert...
(Header-Foto: Axel Hoedt)






Mascha
I like! Die Frau ist wirklich motivierend und optimistisch! So soll es auch sein! Freu mich schon auf die Berichte der Schauen ;)
sophie
toller tipp und noch tollerer post :)!