von Schnati in Kategorie: Designer 6Kommentare

show2011: Das zweite Jahr der Royal Academy

Im zweiten Jahr von Antwerpens Designerschmiede, der Royal Academy, müssen die Studenten bereits eine eigene kleine Kollektion bestehend aus fünf Silhouetten entwerfen. Die kompletten Looks, die auch über Accessoires und Schuhe verfügen, zeigen je eine eigene kleine Kreationswelt und nichts scheint konkret vorgegeben zu sein.

Diese Vielfalt ist eine Stärke der Schule und Walter van Beirendonck (Designer und Dozent) drückt dies in dem Magazin des Masterjahrganges namens Show off so aus: I honestly believe that not many schools are as deeply committed to their students, as keenly intend on shaping their identity and personality as we are.

Was die knapp über 30 Studenten aus zwei Jahren Antwerpen schon mitgenommen haben, ist augenscheinlich und steht vielen Designern aus der Modebranche in nichts nach. Vor allem die komplett eigenständige Umsetzung der detailreichen Stücke lässt mich immer wieder staunen. Auffällig war dieses Jahr nur eine Ähnlichkeit bei zahlreichen Kollektionen: Das extreme Schuhwerk, von verketteten Silberschuhen über unendlich hohe Plateaus bis hin zu Holzdreiecken gab es hier einiges zu sehen.

Die Kollektionen des zweiten Jahrgangs unterteilt nach den Studenten:

Felix Böhm

Felix Böhm bot eine abwechslungsreiche Silhouette mit runden Schultern, enger Taille und großen, steifen Volants am Kleidsaum oder Schlaghosen zu den Jacken. Stroh, Bast und Marmorfolie wurden mit blauen, pinken, orangenen und gelben Stoffen zu einem stimmigen Farbensemble zusammengefügt und durch Headpieces aus Stroh abgerundet. Unaufdringliche grafische Muster wurden in manche Kleidungsstücke eingewebt und filigrane Kragen standen im Gegensatz zu den voluminösen Formen.

Wenn ich die Kollektion meines guten Freundes objektiv betrachten müsste, dann hätte ich das so versucht, aber wahrscheinlich ist dies unmöglich. Nun subjektiv: Ich bin unheimlich stolz, habe den Entstehungsprozess durch Fotos ein wenig beobachten können und finde das Ergebnis stimmig und zauberhaft. Es wird ein Bericht mit weiteren Informationen folgen.

Anna Kaschel

Akzentuierte runde Schultern trafen bei Anna Kaschel auf steife Ballonröcke, wovon einer mit einem lustigen Baby-Print versehen war. Pastelltöne und eine Vielzahl von Details, wie beispielsweise Schmuck in Handform überforderten das Auge bei dem kurzen Auftritt im positiven Sinne.

Hyein Seo

Die Kollektion mit dem Namen "Home Alone" zeigte junge Damen alleine daheim in mäjestätischer Schlafkleidung. In Kleinstarbeit bestickte Hosen aus durchsichtigen Stoffen, Wedges, die aussahen wie Puschen, Schlafkissen unter den Armen und wie Kronen aussehende weiße Geweihe auf dem Kopf - eine Schlafwandlerin mit Traumoutfit sozusagen.

Romain Sochon

Die Röcke von Romain Sochons Kollektion waren quadratisch, die Schuhe ähnelten dem Kult-Entwurf von Nina Ricci und einer der Stoffe sah aus wie mit Gold bestickt. Eine exzentrische Kollektion, die man mögen muss, ich persönlich tue das.

Miriam Schwarz

Miriam Schwarz' "librarian girl" trägt akzentuierte Schultern, größer und runder noch als bei Balmain, dazu Holzplateaus mit Keilabsatz und das alles von Miniaturblumen überzogen.

Alexandra Helminger

Bodenlange Kollektionsteile aus hell beigem Stoff wurden von Alexandra Helminger mit einem dezenten Gelbton gepaart, der teils nur durch durchsichtige Stellen sichtbar wurde. Das Spiel mit der Transparenz wurde auch bei dem Schuhwerk aufgegriffen - aus Plexiglas hergestellten halboffenen Wedges.

Yong Soon Kwon

Plissee, mehrfarbige Streifen und Farbklekse auf hellem Grundton und dazu hohe, schwarze Hüte (die mich an die Hütchenfiguren von Brettspielen erinnerten) kreierten bei Yong Soon Kwon eine grafische und detailreiche Kollektion, die dennoch schlicht wirkte.

Lise Eerens

Das Highlight von Lise Eerens Kollektion namens "Elektra" entdeckte ich erst am zweiten Tag, nach der näheren Betrachtung im Backstagebereich: Unter den voluminösen, leicht durchsichtigen Ärmeln steckten Rüschen en masse.

Maddalena Annunziata

Maddalena Annunziata zeigte schlichte Holzplateau-Sandalen zu lauter rund verlaufenden Nähten und nochmals runden, dicken Haarreifen in unterschiedlichen Farben. Auf einer Jacke waren viele kleine Bilderrahmen angebracht, die anderen Looks hatten stattdessen Miniatur Halsbeutel. Eine stimmige und farblich wunderschöne Kollektion.

Polina Stepanova

In Regenbogenfarben und aus leicht fallenden Stoffen hatten die Roben von Polina Stepanova etwas Himmlisches. Ohne, dass die Formen irgendetwas mit meinen damals geliebten Glücksbärchis zu tun hätten, musste ich unwillkürlich an die Zeichenserie denken.

Misora Nakamori

Einhörner aus Haaren und hohe Perücken hielten bei dieser Kollektion die Aufmerksamkeit von der Kleidung ab, welche aus schlichten Hosen, hohen Pumps und Jacken mit simplen Knoten bestand.

Minju Kim

Kitsch und Comicfiguren hätte alternativ zu dem Kollektionsnamen "Love Power" genutzt werden können. Mangagesichter und Mangakleidung von Minju Kim.

Mei King Ng

Lola Barré

Matilda Venczel

Joanna Cook

Jezabelle Cormio

Flora Seierl

Erika Mizuno

Audrey Aboucaya

Alice Dupraz-Toulouse

Niklaus Hodel

Die Männerkollektionen:

Jack Davey

Jack Davey gewinnt hiermit den Preis für die verrücktesten Schuhe: Dreieckige Klötze mit verschiedenen Mustern. Auch der Rest seiner Kollektion hatte einen Unterton von Humor - Perrücken in Cleopatra-Form zu voluminösen Formen und teils silber glänzenden Stoffen.

Umit Esbulan

Ehssan Morshed Sefat

Devon Halfnight Leflufy

Dimitri Arvanitis

Zuerst dachte ich an die 90er, dann an Science Fiction Filme und dann an Rick Owens. Ob meine Assoziationen mit den Inspirationen von Dimitri Arvanitis und seinen starken, dunklen Männern in Oversize und Leder übereinstimmen, bleibt fraglich. Aber das ist manchmal auch das Schöne an solchen Entwürfen, die eigene Interpretationsfreiheit.

Edmund Ooi Kee Seong

Die höchsten Schuhe für die Männer stammten eindeutig von Edmund Ooi Kee Seong, was dazu führte, dass ein Model ständig verängstigt auf den Boden vor sich schaute und einer halb umknickte. Enge Hosen, ein Rock, ein femininer Mantel und Gesichtsbedeckungen aus Leder ließen mich erst nach ein paar Silhouetten verstehen, dass es sich um magere Jungs handelte und nicht um Damen. Wenn Frauen verrückt aussehen dürfen, dann sei das auch den Männern erlaubt.

Tags: antwerpen, catwalk, kollektion, royal academy of fine arts, show2011
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6 Kommentare

  • saime

    Ich war auch dort :)
    4 std. reine reizüberflutung an wunderbaren outfits :)
    große klasse :)


  • nina

    wie wundervoll. besonders die kollektionen von anna kaschel und audrey aboucaya gefallen mir richtig gut.

  • Saime

    Naja dann von Neu
    Saime jaa das ist mein Name !
    Ich war auch auf der Show und es waren faszinierende Outfits dabei !

  • Konstantin

    Toller Bericht Schnat!

  • Cilya

    ja nina, da stimme ich dir zu. die kollektionen von anna kaschel und audrey aboucaya haben mir auch richtig gut gefallen.
    Feminin schön!

  • Claudi

    Meine Herren, manchmal übertreiben Sie es aber auch :-) Kann man doch nicht anziehen...

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