Frederick Hornof bei der show2011: Then Was My Neophyte
Der Entstehungsprozess einer Kollektion ist häufig genau so spannend wie das Endprodukt selbst. So manche Erklärung des Designers rückt die Entwürfe plötzlich in ein ganz anderes Licht und man sieht Details, die einem zuvor entgangen waren. Frederick Hornof ist dieses Jahr der einzige deutsche Masterstudent der Royal Academy und hat eine meiner liebsten Abschlusskollektionen entworfen. Nach der Awardverleihung am Samstag war der perfekte Zeitpunkt gekommen, um ein bisschen mehr über seine Kollektion, die 4 Jahre in Antwerpen und seinen Start in das Berufsleben in Erfahrung zu bringen.
Die Stimmung von dem Ensemble aus 12 Silhouetten entwickelte Hornof rund um das Gedicht "Then Was My Neophyte" von Dylan Thomas. Es geht um Verfall und Vergänglichkeit: "Time kills me terribly". Die Kollektion sollte den mentalen und körperlichen Verfall einer vergessenen Diva darstellen. Weitere Inspirationsquellen sind daher die exzentrischen Filmcharaktere aus Sunset Boulevard, Great Expectations und der Dokumentation von Grey Gardens. "Und dann wird meine Arbeit auch von dem Künstler Francis Bacon und den Skulpturen der Belgierin Berlinde Debruyckere beeinflusst."
Eine Besonderheit bei der Umsetzung war nach Hornof, dass die "Stoffe und Accessoires ineinander übergehen, eine Sonnenblende ist in einer der Silhouetten versteckt, Handschuhe und Schals werden zu einem und der Muff ist genau wie die Boa ein Teil des Kleidungsstückes." Die meisten Looks sind somit aus fließenden Formen, mit rund verlaufenden Nähten und steifen, edlen Hoodies versehen. Die roten, kreisrunden Sonnenbrillen machen das Ganze noch ein bisschen skurriler und die Hintergrundgeschichte glaubwürdiger: Bizarre, eitle Diven, Vergänglichkeit und ein bisschen Zauber.
Sein Abschlußvideo feierte auf der Seite der italienischen Vogue Premiere und zeigt die Modelgrößen Valentine Fillol-Cordier und Bess Stonehouse. Joost Vandebrug hatte die einzigartige Gelegenheit, die Regie im zauberhaft schönen Royal Museum of Fine Arts in Antwerpen zu führen, welches kürzlich geschlossen wurde und nun über Jahre renoviert werden soll. Das kurze Modefilmchen zeigt eine kleine Zeitreise, die von dem Gedicht "Then Was My Neophyte" untermalt wird. Eine Zusammenarbeit, die nicht nur erwähnenswert, sondern auch praktisch für uns ist, ist folgende:
Frederick gewann dieses Jahres den Sacha Shoe Award: So gingen seine Schuhe der show2011 tatsächlich in Produktion und sind in Antwerpen und online erhältlich.
Über seine nahe Zukunft sagt Frederick grinsend: "Erst mal reisen und dann ran an die Buletten". Sein Ziel ist es, ein eigenes Label zu gründen und wir wünschen viel Erfolg dabei.
Fredericks Inspirationskollagen:
Weitere Eindrücke aus Antwerpen: Felix Böhm bei der show2011: Aem Aren
















Konstantin
Tolle Kollektion.
Susanne
Die Schuhe sind wirklich toll und erschwinglich sind sie auch - da könnte ich schwach werden …
Claudia
oh, grey gardens habe ich neulich erst zufällig auf arte gesehen (also die neue variante mit drew barrymore) und war schwer beeindruckt. die inspiration ist in der kollektion tatäschlich wiederzuerkennen.
der ansatz "alternde diven, körperlicher und seelischer verfall" gefällt mir auch sehr gut.
Senta
Sehr spannend auch mal zu sehen, wie die Designer auf ihre Kollektion kamen, was sie inspierte, was dahinter steckt.