Biennale Venedig 2011: Ausstellung der Fondazione Prada
Die spannendste Nachricht der Woche kommt aus Italien: Das private Modehaus Prada geht an die Börse. Die Wertpapierbörse Hong Kong veröffentlichte dazu ein 450-seitiges Dokument, in dem u.a. die Gehälter von Chefdesignerin Miuccia Prada und ihrem Ehemann und Vorstandsvorsitzenden Patrizio Bertelli veröffentlicht wurden. Mit gemeinsamen 19,7 Millionen Euro gehört das Paar zu den Bestverdienern in der gesamten Modebranche. Mit dem Börsengang sollen rund 16,5 Prozent des Grundkapitals verkauft werden, womit das private Unternehmen auf bis zu 15 Milliarden Euro geschätzt werden könnte. Zahlen über Zahlen - was passiert mit dem Geld? Prada will noch dieses Jahr 80 Geschäfte eröffnen, 25 davon in Asien. Und das, obwohl es bereits 319 Boutiquen weltweit besitzt. Im Prinzip keine Überraschung, zumal Miuccia Prada mit ihren Kollektionen immer wieder neue Trends setzt, dabei aber nicht den klassischen Konsumenten aus den Augen verliert und außerdem auf Tragbarkeit achtet - neben bunten Brogues und Pelzstolen gibt es nach wie vor dezentere Kleidungsstücke.
Auf dem Rückflug von New York tauchte ich dank eines ausführlichen Portraits in der amerikanischen Vanity Fair in einen ganz anderen Bereich von Prada ein: in die Kunstwelt und der 1993 gegründeten Fondazione Prada. Das Ehepaar ist seit 18 Jahren in der Kunstwelt aktiv, hat eine riesige und nicht nur vor grossen Namen strotzende Sammlung und daher die gemeinnützige Stiftung als Plattform für die Förderung zeitgenössischer Kunst gegründet. Zurückhaltung ist den Kunstsammlern besonders wichtig, weshalb die Grenzen mit dem Modeimperium nie verschmolzen wurden. Man wolle vermeiden, das ernsthafte Interesse unter „die Designerin, die so tut, als würde sie sich für Kunst interessieren“ zu verbuchen, erklärt die Autorin des Artikels. Rund 2,4 Millionen Euro steckte Prada in den vergangenen beiden Jahren in die Fondazione, in diesem Jahr vermutlich 2,9 Millionen.
Durch die 54. Kunstbiennale in Venedig wird die Stiftung nun in ein helleres Licht gerückt - an diesem Wochenende wurden im Ca' Corner della Regina, einem historischen Palazzo am Canale Grand, die Ausstellungsräume von Prada eröffnet. Für rund sechs Jahre mietet Prada das Gebäude an und übernimmt die aufwändigen Restaurationen.
Die Ausstellung zeigt in erster Linie den kulturellen Ansatz und die Ziele der Stiftung: Jede gezeigte Installation soll als Beispiel der verschiedenen Aspekte stehen. Im Ca' Corner della Regina werden unter anderem Kunstwerke aus der Sammlung sowie ein kleiner Ausblick auf zukünftige Kollaborationen in unterschiedlichen Formen präsentiert - sowohl die Zusammenarbeit mit großen Museen als auch Kreativschaffenden wurde dokumentiert.
Kuratiert wurde die Ausstellung von Germano Celant, Mitbegründer der "Arte Povera"-Bewegung in den Sechziger Jahren und heute Intendant der Prada-Stiftung sowie Seniorkurator des Guggenheims. Zu finden sind beispielsweise Skulpturen von Anish Kapoor, Michael Heizer und Jeff Koons sowie Arbeiten von Walter De Maria, John Baldessari,
Charles Ray, Tom Friedman, Domenico Gnoli, Damien Hirst, Louise Bourgeois, Blinky Palermo, Bruce Nauman oder Pino Pascali.
Die Ausstellung wurde vergangenen Samstag eröffnet und läuft bis Sonntag, den 2. Oktober. Öffnungszeiten sind jeweils jeweils von 10 bis 18 Uhr (dienstags geschlossen).
Bilder der Ausstellung:
Hier noch ein Zitat von Miuccia Prada, das ich eben bei WSJ gefunden habe:
Definitely fashion for me isn't art. Art is a place for ideas without any other direct concerns. If I'm a good fashion designer, it's because I sell.















flo
danke für den beitrag - das kannte ich noch nicht!
...wobei es aber doch ein bisschen mutig ist, montag mittag schon die "spannendste nachricht der woche" anzukündigen... nichtsdestotrotz eine großartige woche!
Lara Maria
Definitiv die schönste Stadt der Welt.