Istancool: "Culture of the young" - Panel mit Ryan McGinley und Dan Colen
"Street Arts and It's Effect on Counter Culture" lautete der Titel des Panels mit Fotograf Ryan McGinley und seinem Freund und Künstler Dan Colen, das Jefferson Hack moderierte. Darin ging es um ihr Aufwachsen in New York, die damalige Jugendkultur und ihren Weg in die Kunstszene, so dass wir unseren Aufenthaltsort Istanbul für eine Stunde völlig vergaßen. Kaum zu glauben, dass die beiden seit ihrem 15. Lebensjahr engste Freunde sind und 10 Jahre in einer gemeinsamen WG hinter sich haben: Die Freundschaft wirkt ungleich, nicht auf Augenhöhe. Kirsten Dunst ruft aus dem Publikum "Jerseeeey!", als die beiden ihre Jugend in New Jersey beschreiben.
Ryan und Dan fahren zu dieser Zeit vornehmlich in die Stadt zum Skateboarden, später dann, bereits mit Wohnung in der Bleecker Street und dann in der Lower East Side, um von einem Rausch in den nächsten zu stürzen, die ganze Zeit high zu sein und Fensterscheiben zu zerbrechen. Ihr Zuhause ist die Straße, sie tummeln sich mit ihrem wachsenden Freundeskreis, zu dem auch Leo Fitzpatrick und Dash Snow gehörten, in U-Bahn-Tunneln, auf Hochhausdächern oder in Badezimmern. Klingt wie eine Szene aus "Kids" und war wahrscheinlich auch genau so. "I've probably been sitting on sidewalks too much", antwortet McGinley auf die Frage, ob seine Arbeiten nicht einfach eine anspruchsvollere Version von Graffiti-lastiger Streetart ist.
Im Gegensatz zu Dan wusste er von dem Moment seiner Geburt an, dass er ein Künstler ist. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ihm der Durchbruch mit einer Solo-Show im Whitney-Museum ermöglicht wurde: Darin zeigte McGinley Werke aus gerade mal zwei Jahren Arbeit. 2004 folgt eine Ausstellung im MoMA PS1. Bis heute ist er seiner Londoner Galerie "Team" treu geblieben.
Dash Snow hingegen war es, der Dans Werke erst als Kunst bezeichnete, die er durch seinen Lifestyle inspiriert kreierte. Und so liegt es wahrscheinlich an den unergründlichen Gesetzen der Kunstwelt, dass man mit weissen Leinwänden, auf denen "No sex no war no me" steht, oder mit umgedrehten Halfpipes in eine der weltweit erfolgreichsten Galerien (Gagosian) aufgenommen wird. Im Laufe des Gesprächs macht Dan immer wieder klar, wie inspirierend und vorbildhaft Ryan für ihn selbst war und ist. Dafür nutzt er nur leider nicht wirklich nachvollziehbare Situationen - beispielsweise als McGinley sich von Agnes B Geld für eine Reise quer durch die USA beschafft und die Handlung als solche (einfach zu machen, wonach einem ist) besonders beeindruckend empfindet.
Bei Tatöwierungen stehen sich beide in nichts nach: Dan hat sich auf seinem Unterarm in einer langweiligen Nacht in London "Everything is nothing" selbst tätowiert und weil McGinley die Vorstellung, für immer einen Penis im Mund zu haben, so faszinierend fand, das Wort "Penis" auf die Innenseite der Unterlippe gestochen.
Selbstdarstellung hin oder her (die NY Times betitelte die beiden gemeinsam mit Snow einmal als "Warhols children"), in Zukunft planen beide ganz seriös noch mehr Projekte, die nicht von Stillstand zeugen sollen. McGinley beispielsweise hat die Angst vor der weissen Studiowand überwunden und sich einfach vor Augen geführt, das Rad zwar nicht neu zu erfinden, dafür aber ein Stück zur derartigen Fotografiekultur beizutragen. Hauptsache, man könne immer erkennen, dass die Bilder von ihm stammen. "I'm trying to find my voice", sagt er bescheiden und ist offensichtlich noch nicht ganz überzeugt, dass ihm das bereits gelungen ist.








kyra zoe
sind mir sympatisch,die zwei
sandra
Schöner Artikel! Gut geschrieben, finde ich.