Ausstellung: Francis Alÿs "A Story of Deception"
Der in Belgien geborene Künstler Francis Alÿs macht eine Mischung aus verschiedenen Kunstformen: Video, Peformance, Zeichnung und Fotografie. Fragt man ihm nach seinem Medium, gibt er aber die "Bewegung" als solche an. Seine neue Ausstellung "A Story of Deception" wird zur Zeit in New York sowohl im MoMa als auch im PS1 gezeigt - Klaus Biesenbach erklärte, dass dieser gemeinsame Nenner außergewöhnlich ist, zumal im PS1 eher Kunst gezeigt wird, wo man sich fragt "Ist das wirklich Kunst?" und man im MoMa davon ausgeht "Es ist Kunst". Alÿs hat es in beide Museen geschafft. Aber wie?
Alys, Jahrgang 1959, ist vor mehr als 25 Jahren nach seinem abgeschlossenen Studium als Ingenieur nach Mexiko gegangen. Ursprünglich, um mitzuhelfen, die Spuren einer Naturkatastrophe zu beseitigen. Geblieben ist er, weil ihn die Kultur dermaßen fasziniert hat. Dadurch dass er zugezogen war, fühlte er sich als Außenseiter und beschäftigte sich zunehmend mit der Frage, wem eigentlich der öffentliche Raum gehört. Genau diese Orte bilden die Umgebung für seine konzeptuellen Werke, die immer politische und ökönomische Themen widerspiegeln.
Da wäre seine "Leidenschaft", in Tornados zu rennen, immer mit der Kamera in der Hand, um die unstabile Balance zwischen Ordnung und Chaos hervorzuheben und den menschlichen Idealismus trotz scheinbar aussichtsloser Umstände vorzuführen (sein Arzt hat ihm dies mittlerweile verboten, weil er zu viel Sand in der Lunge hat). Dabei handelt es sich nicht um die einzigen Wagnisse, die er eingeht: 2001 lief er in der Innenstadt von Mecixo City mit einer geladenen Beretta herum und ließ sich dabei filmen, bis in die Polizei nach genau 11 Minuten einfing. Das Stück heißt "Re-enactments".
"Sometimes making something leads to nothing", eines der Leitmotive der Ausstellung, lässt sich auf eines seiner zentralsten Werke in der Ausstellung "When faith moves mountains" übertragen. Dafür fand Alys rund 500 Peruaner, die eine Sanddüne um nur wenige Zentimeter verschoben. Die Veränderung ist aber so gut wie nicht sichtbar. Auch das anstrengende Schieben eines Eisklotzes durch die Stadt, bis dieser nach Stunden schmolz (Arbeitstitel "Paradox of Praxis 1"), sollte das Ungleichverhältnis von Aufwand und Resultat in Mexiko darstellen.
"Rehearsal" erklärt vielleicht, wieso gerade Volkswagen die bis zum 1. August laufende Ausstellung fördert. Darin versucht ein roter VW-Käfer einen steilen Berg zu bezwingen, scheitert aber immer kurz vor der Spitze. Genau auf der anderen Seite der Grenzstadt Tijuana liegen (wie doppeldeutig!) die USA. Der Hintergrund: Bis 2003 wurden in Mexiko noch Käfer hergestellt, 1,7 Millionen davon düsen noch immer durch die Stadt und prägen das Stadtbild.
Meine Endrücke im PS1:
Die Ausstellung im MoMa:



















Pia
Kleine Anmerkung, der Direktor des PS1 heißt BIESENBACH.
lena
schön, dass ihr auch über kunst bloggt. allerdings wäre es für die glaubwürdigkeit und qualität des blogs besser, wenn dies jemand tun würde, der auch ahnung von kunst hat und weiß, worüber er spricht - sprich eine kunstwisenschaftlerin. ansonsten ist die verbindung von kommerz und kunst (wie nun am MoMa) natürlich nicht 'nur' positiv zu bewerten. künstler(innen) wie abramovic (!), die sich dafür hergeben, am MoMa vorm VIP-dinner über autos in der kunst zu referieren - das ist schon echt ein hammer (und ganz schön peinlich für die künstler). nichts für ungut: viel spaß in istanbul! :-)
Christina
Achso Lena, über Kunst dürfen also nur Kunstwissenschaftlerinnen sprechen?
Schlichtweg lächerlich - und so sehr am Sinn von Kunst vorbei.
Da scheint ja jemand wirklich Ahnung zu haben..