von Jessie in Kategorie: Mode 9Kommentare

Lesenswert: Das Beilagenmagazin "Z"

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Zwölf Stunden Flugzeit nach Berlin, noch dazu ein Tagesflug und gerade mal zwei Spielfilme und ein übrig gebliebenes Buch schienen nicht die idealen Voraussetzungen für eine kurzweilige Zeit zu sein. Eingedeckt mit lauter deutschen Zeitschriften flatterte mir das Magazin "Z", die gemeinsame Lifestyle-Beilage von NZZ und FAZ, entgegen und versüsste die Stunden am Besten.

Auf dem Cover kommt die bunte Mode auf der dunklen Haut von Papis Loveday viel besser zur Geltung als an jedem weissen Model und der Titel "Mut zur Farbe", der den zurzeit wohl stärksten Trend der Saison treffsicher beschreibt, ist außerdem auf vier Seiten in einem gelungenen Editorial zu sehen.

Neben aktuellen kleinen Beiträgen zu Themen wie zeitgenössische Kunst, Innendesign und Lifestyle fällt als erstes die schön aufbereitete Bildstrecke von Helmut Fricke ins Auge. Die "designer bows"-Serie zeigt eine Handvoll Schwarz-Weiss-Momentaufnahmen erleichterter und glücklicher Designer nach ihrer Show. Zu sehen sind Valentino, Marc Jacos oder Hubert de Givenchy, die auf diesen Bildern in ihren größten Erfolgsmomenten und gleichzeitig sehr intim portraitiert sind.

Höhepunkt war der ausführliche Artikel "Mein Karl" über Karl Lagerfeld, in dem Peter Bermbach die Jugend und den rasanten Aufstieg des "Kaisers" aus einer sehr persönlichen Perspektive beschreibt. Der Jugendfreund Lagerfelds beschreibt die unbeschwerte Zeit, in der die beiden jungen Männer mit Sportwagen durch die Paris Innenstadt kurvten, in die Oper gingen und sich klassischer Musik hingaben. Lagerfeld, der seine Karriere beim Modehaus Patou begann, meisterte jeglichen neuen Herausforderungen und Möglichkeiten mit Bravour.

Durch das sympathische Portrait des großen Modemachers erfahren wir, dass Lagerfeld auch neben seinem stetig wachsendem Erfolg nie seine alltäglichen Freuden aufgegeben hat. Die Liebe zur Musik, seine starke Affinität zur Literatur und einem Händchen für jegliche ästhetische Details wie eine charaktervolle Einrichtung haben aus dem Modedesigner einen multidisziplinären Künstler gemacht.

Genauso tiefgründig und informativ ist das Portrait von Monty, Trüffelhund des Uhrenkonzerns "Richemont" und mit allen wichtigen Persönlichkeiten der Kunst, - Musik,- oder Filmstars befreundet. Obwohl keiner so recht weiss, wie sein Job aussieht, ist er der Meister der Kommunikation - und Kontakte sind in der Branche bekanntlich überall das A und O. Dass er bei dem erotischen Magazin "Viva" sogar mal Chef von Anna Wintour war, verrät er in einem Nebensatz. Anna sei es nämlich gar nicht lieb, dass sie zu Beginn ihrer Karriere "für den Kerl von "Penthouse" gearbeitet hat". Verständlich.

Ein Foto von Günter Netzer Anfang der 70er gemeinsam mit Tina Sinatra bildet den gelungenen Abschluß des Magazins, da dieser sich der legendäre Fußballer und Sportmoderator gerade bei der ARD abgemeldet hat. "Ich wollte nicht, dass man mich irgendwann mit dem Lasso von der Bühne holen muss", sagt er darin und bildet das genaue Gegenstück zu Karl Lagerfeld.

Die Ausgaben werden im Nachhinein stets auf der Website eingepflegt und der Text über Lagerfeld ist jetzt hier online bei der FAZ nachzulesen.

Tags: beilage, günter netzer, karl lagerfeld, magazin, magazinwatch, monty, z magazin
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9 Kommentare

  • Laura

    Hab den Text noch nicht zu Ende gelesen, da mir der Fehler gleich auffiel.
    Falsch: weissen Model
    Richtig: weißen Model
    Bei "außerdem" hast du es ja auch richtig gemacht...

  • Marie

    Mal abgesehen davon:

    Ich finde deinen Schreibstil, Jessie, sehr angenehm zu lesen. Man merkt: du gibst dir Mühe, etwas genau zu formulieren und hast noch dazu einen eigenen Schreibstil- der auf mich sehr sympathisch wirkt.

    Und sowas muss ja auch einmal gesagt werden! :)

  • hannah

    Interessanter Bericht und die zusätzliche Zeitschrift kannte ich noch gar nicht, mag aber auch daran liegen, dass ich die FAZ nicht lese ;)... nun überleg ich es mir mal und greife vielleicht auch mal zu der Zeitung.

    Welche Bücher hast du eigentlich mit in den Urlaub genommen, lt. deinem Aufruf davor gab es ja viele tolle Empfehlungen, von denen ich mir auch einige stibitzt habe. ;)

  • Katja

    @Laura: Was für ein unterträglicher Besserwisser-Beitrag. Zu wenig den Rotstift verwenden dürfen in Deinem Leben? Puh.

    @Jessie: Herzlichen Dank für den schönen Beitrag über das schöne Z!

  • hannah

    @ Katja: Drüber stehen ist die Kunst... und ein paar weniger Nerven strapazieren ;)

  • Lisa S.

    Das Cover ist t-o-p.

    Ich kenne mich ehrlich gesagt mit Mode-/ Kunst-/ oder Lifestyle-Magazinen überhaupt nicht aus. Es gibt zu viele und die heben sich dann auch nicht sonderlich voneinander ab – finde ich.

    Aber: Durch Zufall habe ich ein Magazin (wieder) entdeckt, da schlackern mir die Ohren: Miss Vogue. Das Magazin wird längst nicht mehr verlegt und nur ab und zu auf ebay zu ersteigern. Ich meine, das war Ende der 80er bis Anfang der 90er das Mädchen-Pendant zur Vogue. Die Modestrecken von damals könnten heute schlicht neu veröffentlicht werden: gleiche Farben, gleichen Schnitte, gleiche Accesoires.

    Darüber solltet Ihr mal was schreiben ;-)

  • kalinka

    uhi, toller tipp. wusste garnicht bis jetzt das die nzz auch eine magazinbeilage hat.. die sind ja meistens der grund warum man sich manch zeitung kauft ;) ich sag nur zeit und süddeutsche.

  • Nora

    Ich kann mich Katja nur anschließen: Laura, was für ein unerträglicher Besserwisser-Beitrag! Es hätte Dir vielleicht gut getan, zuerst den Text zu lesen, bevor Du Deinen (überflüssigen) Senf dazugibst.

    Zu den wichtigen Dingen: Ein schöner Text und gut zu wissen, dass es das Magazin auch online gibt! Danke für den Tipp!

  • sila

    ja das Magazin ist toll!!

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