Rückblick: Berlin Fashion Week Herbst 2011 in instagram-Bildern
Auf einen Favoriten kann ich mich in der Herbstsaison der Berlin Fashion Week nur schwer festlegen. Und das soll doch was heißen. Während überall darüber diskutiert wird, ob Berlin nun eine Modestadt sei oder international mit den Großen mithalten kann, haben wir uns auf die gesehenen Schauen konzentriert. Ganz einfach, weil sich unsere Hauptstadt vermutlich nie neben New York, London, Mailand und Paris einreihen wird und sie das auch gar nicht nötig hat. Berlin hat die Bread & Butter, die Premium, die Seek, Events abseits des Bebelplatzes und internationale Presse, auch wenn sich die wichtigen Chefredakteure nach wie vor nicht blicken lassen. Bei wwd wird der Modewoche aber eine ganze Rubrik gewidmet und dank Ana Finel Honigman findet sie auch auf style.com und beim Interview Magazine statt.
Das Gesprächsthema Nummer eins blieb der Verriss im Spiegel, den ich immer noch nicht gelesen habe. Ganz schön weit aus dem Fenster gelehnt, den dreitägigen Moderummel bereits vor Beginn als misslungen zu beschreiben. Christiane Arp von der Vogue konterte schnell mit einem Interview im Tagesspiel und die FAZ titelte "Scheitern sieht anders aus". Andernorts wird kritisiert, dass nicht kritisert wird. Hingegen lassen sich von Seiten der Nachrichtenmedien genauso wenig fundierte Kritiken der Schauen finden. Oder eine Einordnung jenseits der Diskussion um etabliert oder nicht etabliert. Nur Die Zeit schreibt, dass in Berlin ein Modegroßereignis ganz eigener Qualität herangewachsen ist.
Dass auf den Laufstegen keine vor Individualismus platzenden Kreationen gezeigt wurden, ist genauso wenig schlimm. Vielmehr dürfen wir uns vielleicht bald als Experten des Minimalismus rühmen, wie ihn Perret Schaad, Vladimir Karaleev oder Hien Le betreiben. Für Glamour und außerordentliches Handwerk hingegen standen die Kollektionen von mongrels in common oder Dawid Tomaszewski. Lala Berlin sorgt für bunte Coolness und Kaviar Gauche für einen eleganten 70er-Hauch.
Was abseits der Laufstege passierte, macht den Charme des Rummels aber genauso aus. In der projektgalerie zeigte Mariafrancesca Pepe aus London oder Barbara I Gongini aus Kopenhagen, im Collect Showroom Reality Studio, Julian Zigerli oder eben Le. Karlotta Wilde öffnete einfach die Tore ihres Ateliers, bei Designer Scouts konnten die ganz frischgebackenen Designer wie Anna Wegelin mit Unkonventionellem glänzen und auf der Premium präsentierten sich beispielsweise Issever Bahri von ihrer besten Seite. Esther Perbandt und Schmidttakahashi wählten einen Minirahmen für ihre Show und die israelischen Designer Eva & Bernard setzten genau wie Odeeh und Augustin Teboul auf eine Präsentation. Unzählige Shops feierten sich oder die Eröffnung.
Gute Laune verbreitete sich zudem auf den Abendveranstaltungen, was sicher auch an den zahlreichen alkoholischen Getränken lag. Manch einer sprach sogar von einer in der Luft liegenden Herzlichkeit und einer Stadt, die liebevoll mit Mode umgeht.
Mein Fazit fällt besser denn je aus und den Schlafmangel habe ich selten lieber in Kauf genommen. Wenn es so weiter geht, ist Berlin doch auf einem richtig guten Weg. Wer noch einmal in allen Artikeln schmökern will, findet diese hier. Außerdem haben wir LesMads.TV gelauncht, wo ihr die aktuellen zehn Videos findet. Die schönsten Streetstyles hat in meinen Augen übrigens Leni geknipst.
Persönlich darf angemerkt werden, dass die Saison auch für LesMads verdammt gut gelaufen ist. Das lag nicht nur an unserem Buchlaunch, sondern auch an dem allgemeinen Feedback, der Akzeptanz dem Medium gegenüber sowie an Berichten in TV und Print. Die bei Twitter geposteten instagram-Fotos gibt es daher noch einmal hier im Überblick.
Weitere Lesetipps aus den klassischen Medien:
- FAZ "Glänzend gemacht"
- FAZ "Berliner Modewoche zu Ende"
- SZ "Nicht sehen, nicht sprechen"
- SZ "Das ist das Berliner Licht"
- Tagesspiegel "Tradition und Moderne"
- Tagesspiegel "Neues aus dem Osten"
- Tagesspiegel "Perret Schaad auf dem Sprung"
- Berliner Kurier "So sexy ist die Fashion Week"
- Berliner Morgenpost "Die Modewelt reicht von Tempelhof bis nach Mitte"
- Hamburger Abendblatt "Modewoche in Berlin: Sie stolzieren wieder"





















































Miri
Schön war's :)
Ich liebe die Berlin Fashion Week einfach (auch wenn sie mit Paris & Mailand nicht mithalten kann, aber ich finde, das muss sie auch gar nicht).
Lara Maria
Ich muss sagen, mir geht dieses ständige "ist Berlin nun eine Modestadt oder nicht?" was in den Medien dauernd gefragt wird auch auf die Nerven. Berlin hat sich innerhalb kürzester Zeit eine gut organisierte und dank der Bread&Butter, sowie der Premium, eine vielfältige Fashion Week geschaffen. Natürlich gibt es die ein oder andere Show, die nun nicht unbedingt vor Innovation strotzt, dennoch zeigen Designer wie Marcel Ostertag oder Dawid Tomaszewski, dass auch wir mit den ganz Großen mithalten können.
Xander
Ich muss Lara Maria zu stimmen, das ständige Gefrage verändert doch auch sowieso nichts. Ich fand einige Shows toll und einige weniger...aber ich denke auch, dass die Fashionweek Potenzial hat und sich mit der Zeit entwickeln wird, man muss nur Geduld haben.
Mir hat besonders Lala Berlin gefallen.
Amy
stimme ebenfalls zu.
& jetzt wo ich die ganzen twitterbilder alle zusammen gesehen habe,muss ich sagen bin ich sehr begeistert vom gesamteindruck & ich denke auch,dass die mbfwb potenzial hat.
nochmal vielen dank,jessie, für die ,immer so aktuell wie möglich gehaltene, berichterstattung.
mia nailika
eine schöne zusammenfassung und ein interessanter rückblick auf die fashion week. toll, dass ihr einen kleinen pressespiegel zusammengestellt habt, das gibt einen guten gesamt überblick und zeigt die relevanz der berichterstattung über die fashion week nicht nur für die bloglandschaft.
max wertheim
Man kann sich als Modemesse leider nicht zum wirtschaftlichen Erfolg trotzen. Solltest du mit dem „Verriss“ der MBFWB den Artikel „In Deutschland weltberühmt“ von Ricarda Landgrebe meinen, so ist das absolut kein Verriss sondern eine sehr gute und richtige Beschreibung der ganz normalen Hürden und tagtäglichen Schwierigkeiten, die Deutsche Designer in Berlin trotz allem Lokalstolz haben. Ist ja sehr schön, dass sich Lokalprominenz, Designer wie Michalsky und das Gros der Modeblogger darin einig sind, wie hip und zukunftsweisend Berlin und seine Mercedes Benz Fashion Week sind, aber davon alleine kann ein Wirtschaftsunternehmen nicht leben. Ricarda Landgrebe hat ganz sachlich argumentiert und völlig richtig festgestellt, dass die MBFWB „die kritische Masse und Klasse nie erreicht hat“, die man heutzutage braucht, um die wichtigen Einkäufer und die einflussreiche Modepresse nach Berlin zu holen. Die paar dürren Worte von Christine Arp, die ich sehr schätze, kann man auch mit viel Fantasie nicht als flammendes Bekenntnis für Berlin und seine Designerszene auslegen. Und wenn ja, dann sollte sich das irgendwann einmal auch in der Vogue in Form von regelmäßigen Editorials mit den Outfits der Designer wiederspiegeln, oder etwa nicht? Du solltest den Artikel im Spiegel wirklich lesen. Es tut nicht weh, die eine Seite erst mal ganz unvoreingenommen zu lesen.
Teresa
Danke für Lese-Tipps (und die Fotos)!
hugin
Berlin soll/möchte sich mit Paris und Mailand messen.
Dazu fehlt es an fast allem. OK, Bread & Butter ist ein Spezialsegment und die Premium funktioniert weil dort
die Presse erscheint. Viele Premiumaussteller haben in
Düsseldorf ihren festen, permanenten Showrooms und die
übrigen Berliner kommen zum OrderGESCHÄFT nach Düsseldorf.
In Berlin sind viele Kollektionen noch nicht fertig, aber
wegen Bread & Butter muß der frühe Termin gemacht werden:
Potemkinsche Dörfer. Erst Düsseldorf zeigt alles und dort
wird Umsatz gemacht, ohne Party und Glitzer.In D. ist die
internationale Modewelt durchaus vertreten.Die Vielzahl
der Showrooms, Messen, Modecenter und das breiteste Angebot
aus allen Warengruppen berechtigt die Bezeichnung
Düsseldorf Capital of Fashion. In Mailand dominiert Italien,
in Paris Frankreich, aber in Düsseldorf sind sie alle!
Replik
Ja aber klar, in Dusseldorf sind sie alle. Alle 15.000 Fachbesucher (-2000 ggü. Vorjahr) die sich bei nun mehr FREIEM Eintritt in die insgesamt zwei Hallen der CPD Signatures verirrt haben. Ganz selbstverständlich machen die vielen, vielen Fachbesucher in Berlin immer zu nur Party, während die wenigen und immer wenigeren Fachbesucher in Düsseldorf die ganze Zeit nur Order schreiben. Aber so ist das Leben, der eine hat Spaß an schicker Mode und der andere am Geld. Vielleicht wäre Düsseldorf nicht ganz so armselig, wenn die Dagobert Ducks sich mal für 5 Minuten die Dollarzeichen aus den Augen reiben und sich um den kulturellen Aspekt von Mode kümmern könnten?