Interview mit Kira Stachowitsch, Gründerin von INDIE und Material Girl
Schon oft habe ich Kira Stachowitsch getroffen. Sie ist die Mitbegründerin von INDIE sowie von material girl aus Wien, 26 Jahre jung, ein Schreib- sowie Stylingtalent und für jede Party zu haben. Neben ihrem Chefredaktionsposten tingelt sie mit ihren Kuscheltieren durch die Welt und lässt diese auf ihrem Blog The Pet Fanclub berichten.
Beide Magazine haben zusammen eine Auflage von 95.000 Exemplaren; das Vertriebsnetz wächst international ständig. Die wichtigsten Märkte sind UK, Frankreich, Skandinavien aber auch New York und in Tokio sind sie auf material girl ganz wild.
Höchste Zeit, Kira in einem Interview auf den Zahn zu fühlen, wie sie in ihren jungen Jahren etwas derart Beeindruckendes auf die Beine gestellt hat!
Wie kam es zu den Gründungen von INDIE und material girl?
Kira: Als ich und Mitgründer Clemens Steinmüller auf die Idee kamen, ein Magazin herauszubringen war ich 19 Jahre alt und das Ganze eher als Fanzine gedacht. Dass daraus ein echter Job, geschweige denn ein Verlagshaus mit mittlerweile drei internationalen Magazinen (INDIE, material girl und das Monki Magazine) sowie diversen kleineren Corporate-Publishing-Produkten werden würde, war damals nicht geplant. Schon bei der Arbeit an der ersten Ausgabe ist das Projekt aber immer weiter gewachsen. Vielleicht weil wir ein wenig größenwahnsinnig waren. Und vor allem weil wir überhaupt keine Ahnung hatten, wie unglaublich viel Arbeit auf uns zukommen würde. Es scheint wir leiden unter einer Zwangsneurose, die uns dazu treibt, uns immer mehr Aufgaben und Arbeit aufzuhalsen. Burn-Out-Sucht oder so.
Wieso gleich zwei Magazine?
INDIE ist ein Magazin-Rabauke: rough und, na ja mir fällt kein besseres Wort ein, "cool". Wir wussten nicht wohin mit der anderen Seite, die da in uns schlummerte. Der, die Mädchen mit Blumenkränzen im Haar super findet und beim Anblick eines Maison Michel Hutes oder einer Marc by Marc Jacobs Tasche ein bisschen ausflippt. Die verträumt-romantisch-verspielte Welt von material girl hatte in INDIE nunmal keinen Platz. Und die problematische Burn-Out-Sucht habe ich ja auch schon erwähnt.
(Mein momentanes Lieblings-Editorial aus material girl)Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Monki Magazine?
Ich habe Monki-Gründer Adam Friberg bei dem Opening in Hamburg kennengelernt und da eigentlich nur kurz mit ihm geplaudert. Später kam er dann mit dem Projekt auf mich zu. Ganz womöglich habe ich beim ersten Treffen aber auch sieben bis acht mal erwähnt wie sehr ich die Kollektionen mag...
Wie groß ist euer Team?
Das Team im Wiener Büro beschränkt sich auf eine Handvoll Leute: Geschäftsführung, Chefredaktion, Artdirektion, Grafik und zwei bis drei Praktikanten. Ein Großteil der Texte und Fotoproduktionen entstehen im Ausland, wir arbeiten also mit einem großen Netzwerk an Mitarbeitern, hauptsächlich in Deutschland, Frankreich und England. Es ist wichtig, die Autoren und Fototeams vor Ort zu haben, dort wo in Sachen Mode und Musik etwas passiert. So praktisch das wäre - das ist leider nicht das beschauliche Wien. Hier wird Kaffee getrunken und alles koordiniert und zusammengefügt.
Was ist eigentlich dein genaues Aufgabengebiet? Ich habe das Gefühl, du machst irgendwie alles.
Ich würde sagen es entspricht der klassischen Job-Description "Chefredaktion" plus einem Mädchen-für-alles-Posten. Gemeinsam mit den Autoren werden die Themen der Ausgaben festgelegt, Interviews koordiniert, Fotostrecken geplant, Styling besprochen, Models gecastet. Wenn die Zeit es zulässt, schreibe ich auch selbst größere Geschichten oder mache Interviews ... am liebsten würde ich die Interviews mit all den tollen Designern und Musikern ja selbst machen, aber das ist eben nicht drinnen. Burn-Out-Sucht hin oder her.
Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Ich bin phasenweise recht viel unterwegs. Ich klappere zwar nicht jede Fashionweek ab aber mit all den Messen, Pressdays, Events und Fotoproduktionen im Ausland bin ich manchmal mehr weg als hier. Besonders seit noch das Monki Magazine dazugekommen ist. Ein klassischer Arbeitstag im Büro besteht also darin die Flut der unterwegs aufgestauten Emails zu bearbeiten, worin ich meist mäßig erfolgreich bin. Wenn ich also nicht am Email-Beantworten bin, telefoniere ich mit Menschen, die sehr verzweifelt oder verärgert sind weil ich ihre Emails noch nicht beantwortet habe.
Was hat es mit The Pet Fanclub auf sich? Deine Kuscheltiere erobern die Modewelt ...
Es gibt viele Dinge, die ich in meinem Arbeitsalltag fotografisch einsammeln und mitnehmen kann, die aber keinen Platz in den Magazinen haben. Ich versuche also Dinge aus einer persönlichen Perspektive zu zeigen, statt einfach Presseaussendungen oder ähnliches zu posten. Und weil all der Content, der sich auf solchen Magazinblogs tümmelt sehr austauschbar sein kann (wir waren alle auf der selben Show, haben alle den selben Schuh präsentiert bekommen etc.), sollte der Blog auf diese subjektive Perspektive aufbauen. Als großer Tier- und Kuscheltier-Fan nehme ich also einfach immer unterschiedliche "Furry Friends" mit, wenn ich unterwegs bin. Sie reisen mit mir zu den Fashionweeks und werden mit Models fotografiert, sie gehen zu Award-Galas und treffen die Designer. Es gibt schon einen Haufen recht herrlicher Fotos, auf denen sich die frechen Tierchen an Models, Designer und Schauspieler rankuscheln - von Tilda Swinton über Viktor und Rolf bis zu Agyness Deyn und Daisy Lowe. Meine Tiere sind das Gesicht des Blogs, damit ich die Leute nicht ständig mit meiner eigenen Visage nerven muss. Bloggen ist schon narzisstisch genug.
Lieben Dank für das Interview!












Sina
Die ist ja echt spannend und hat schon viel erreicht, bewundernswert!
Marie
"Bloggen ist schon narzisstisch genug." Wo sie recht hat, hat sie recht. Nettes Interview!
Jasmin
Beeindruckende junge Frau. Muss mir das Material Girl glaub ich auch mal kaufen.
Diana
Sehr sympathisches Interview!
maria
material girl ist mit abstand, aber wirklich mit abstand, das allercoolste magazin mit den beeindruckendsten fotostrecken. ich bin ein absoluter fan.
Nora
Der Kauf der material girl lohnt sich schon alleine wegen den tollen glänzenden Glitzercovern.
Und soviel Talent in einer Person vereint, hachja...
Nina
oooooh ja...material girl und indie sind meine absoluten lieblingsmagazine! jeden einzelnen euro wert!!! auch wenn ich mich leider nur 8mal im Jahr über schwere, weiße Papierpäckchen im Briefkasten freuen kann...
(und als es probleme mit meinem abo gab, hatte ich dann clemens sogar direkt persönlich am telefon! nette, schnelle und unbürokratische problemlösung! wo gibts denn sowas heut noch!? toll...)
Sehr interessant. Hätte mich über ein paar mehr Hintergrundinfos gefreut. Wie hat sie die Magazine am Anfang finanziert und die Kontakte in die Branche bekommen? Zumindest ich hätte mit 19 nicht gewußt, wie man sowas anstellt...
her ghosts.
beachtlich. erstens, dass sie ohne jede ausbildung und nur durch ihren willen ein ganzes verlagshaus aus dem boden stampft & zweitens, dass die redaktion so klein ist..
Julia
INDIE und Material Girl begeistern mich nur mäßig, aber The Pet Fanclub ist absolut genial!! Eine tolle Idee!!
marcel
wow. echt eine sympatische frau! sie ist zu beneiden!