Lesestoff: Zitierwürdig
Zwei Mal aktueller Lesestoff. Stefano Gabbana lästert aus heiterem Himmel via Twitter über Stella McCartney: Mehr bei The Cut.
Who ????? The daughter of the singer ????? (...) Yeah, she's upcoming after 15 years doing nothing!! Hahahaha
Katrin Kruse in der taz (via blica):
Und plötzlich hört man Leute über die Modezirkushaftigkeit der Mode lamentieren, die früher genau deswegen nach Paris gekommen sind. Friseure schimpfen über die "freudlosen, tablettensüchtigen, staksenden Weiber" und Chefredakteurinnen über die "respektlosen" Gerüchte-Schreibseleien der "Entschuldigung: fucking Blogs". "Was? Du schreibst eine tägliche Kolumne? Online?" Das Gesicht der Schweizer Kollegin glitzert vor Verachtung. Wer dieser Tage auf die Pariser Schauen fährt, der behält das Gesehene besser für sich. Denn - berichten tun ja schon alle anderen.







Boris
Ok, mal Klartext: Woher kommt das, dass sich (Mode)Blogger immer angepisst fühlen, wenn ihnen Missachtung von der Printseite herweht, und umgekehrt, die Print-Leute so eine Verachtung an den Tag legen?
An einer Schnittmenge der Leser kann es ja wohl nicht liegen, oder geht’s um die Rivalität beim Taschen nachhause schleppen nach der Schau?
Ich schnall das echt nicht, weil es grundsätzlich völlig unterschiedliche Medien, Zielgruppen, und Kommunikationsarten sind. Und Blogleser sind wie auch Brigitteleserinen nicht gerade die Personengruppe, die bei Chanel, Dior, Missoni,… im Jahr 3.000-10.000 € liegen lassen.
jen
Hm also ich denke, allein die Tatsache, dass Blogger, deren "Artikel" in der Regel nicht viel mehr als 20 Zeilen lang sind, bei Chanel und Co. eingeladen werden, stösst vielen Printjournalisten negativ auf, was ich schon auch nachvollziehen kann. Jahrelang herrschte eine Exklusivität und auch ein gewisses Renommee vor, und auf einmal braucht es nur soundso viele Hits am Tag und schon hagelt es Einladungen. Oder will man ernsthaft die Blogeinträge über die Schauen mit richtigen seitenlangen Behind-the-scenes-Artikeln vergleichen? Letztlich geht es in der Mode aber um Aufmerksamkeit, und da ist es herzlich egal, wie die hergestellt wird.
Es ist sicher allen klar, dass es ein Publikum für beides gibt. Aber derlei Gezicke lässt sich wohl kaum vermeiden, sobald ein Generations (und in diesem Fall schon auch Mediums-)wechsel stattfindet.
Boris
Ich sehe da keinen Generationswechsel, der das erklären würde, warum da diese Rivalität herrscht und auf beiden Seiten dazu führt, dass über den anderen hergezogen wird, wie der einem doch was böses wolle – Jessis Kurzartikel / verweis fällt ja leider auch in gewisser weise in diese Kategorie.
Und emotional ist es auf beiden Seiten, wenn auch anders kommuniziert. Ein Blog ist eben immer etwas „persönlicher“ und kommt vielleicht auch deswegen mit journalistischen Kriterien eher in Konflikt, als das bei „langsameren“ Printmagazinen der Fall ist. Wenn das sich an Einladungen fest machen würde, dann hätten wir diese Rivalitäten schon vor der Blog-Szene gehabt, wenn eine Zeitschrift eine Einladung bekommt, und eine andere nicht. Und in Bezug auf Blogs muss man dabei auch im Hinterkopf haben, um welchen Blog es sich handelt, und inwieweit der ein unabhängiges Medium ist, oder doch recht heftig mit einem anderen übergeordneten Medium einhergeht.
Das mit den 20 Zeilenartikeln kann man jetzt aber auch nicht stehen lassen, wenn wir mal über Inhalt und Umfang reden. Ich kenne Printmagazine, die schaffen es auch nicht mehr als 20 Zeilen über eine neue Kollektion zu schreiben und produzieren visuell auch nur einen Bruchteil ihres Content selbst. Alles andere ist da wie bei ganz vielen Bloggern auch nur der Mist, der von der PR zugeschickt wird, kurz verdaut wird und dann halt rausgehauen wird. Die Frage ist eher, wer bezweckt was womit für welchen Preis? Und vielleicht geht es auch nicht drum, das Gezicke zu vermeiden, sondern zu verstehen, was bei Modemedien gerade passiert. Den Umwälzungen geschehen ja nicht nur durch und wegen Bloggern.
jen
Also so differenziert kann ich es leider nicht formulieren, da scheinst du mehr Ahnung zu haben.
Was ich als Konsument und Mode-Begeisterte in den letzten Jahren vermehrt feststellen konnte, ist eine höhere Frequenz was Trends und It-Marken betrifft, die sicher auch aus der vermehrten Berichterstattung durch Blogs resultiert.
Blogs sind überall und jedem zugänglich, noch dazu kostenlos. Die schnelle und kurz-knackige Berichterstattung ist quasi der stündliche Modefix to go. Letztlich muss man aber auch sehen, dass die vielen bunten Bilder und Outfit-Posts die Lust zum Kauf erhöhen, und das wissen die Unternehmen sehr genau. Die bekannten Modeblogs tragen nicht wenig dazu bei, dass eine Marke bekannt wird bzw. mehr Umsatz erzielt, denn viele Blogger fungieren inzwischen als Vorbilder und Stilikonen. Optimisten nennen diese Entwicklung eine Demokratisierung der Mode, Pessimisten eine Kommerzialisierung.
Gerade für kleine Labels ist diese Art von Werbung toll. Aber wenn man das mal global betrachtet: Da jede Kollektion nach den Fashion Weeks sofort überall im Internet eingesehen werden kann, ist sie schon lange wieder out, wenn sie wirklich auf den Stangen hängt, weil man die Fotos schon vor Monaten 1000fach gesehen hat. Sie wurde bis dahin auch von den sehr schnellen produzierenden Riesenketten wie Zara und Co. kopiert, so dass auch die kaufkräftigen Zielgruppen der Luxusmarken 2 mal überlegen, in das Original zu investieren. Der Wunsch nach Neuem wird so außerdem stärker, und da kommt ja kein Designer mehr hinterher… das resultiert bei den ganz großen Häusern wie Louis Vuitton am Ende auch in einem Qualitätsverlust, vermehrten Produktionen in Billiglohnländern etc, weil es zunehmend um Massenware und weniger um Luxus geht.
Der Versuch eines Gegenentwurfs sind vielleicht die kleinen, intimen Kollektionsvorstellungen von Tom Ford oder auch Victoria Beckham. Aber kann man per Ausschlussverfahren einen Hype besser steuern, oder geht man so nicht nur unter?
Ich sehe da schon eine Entwicklung, die durch die vielen Blogs und Internetforen verstärkt wird. Kollektionen verlieren an Exklusivität, man bekommt sie über zahlreiche Onlineshops sogar in dörflichen Gegenden und es ist dank ebay und Konsorten nicht mal mehr nur eine Frage des Geldes. Aber wie heisst es so schön, diese Branche erfindet sich eben gerne neu. Der Hype geht auch wieder vorbei. Das Gezicke ist dabei Teil des Spiels!
Boris
Jen, danke für Deinen Standpunkt, mit dem Du noch einen weiteren interessanten Aspekt hervorhebst, die Beschleunigung. Es stimmt in der Tat, dass wir heute bei vielen „Marken“ nicht mehr nur die klassischen zwei Kollektionen haben, sondern teilweise neues alle 4-6 Wochen in den Läden ist, und das betrifft nicht nur die Billigmarken, die oft mehr als deutlich nur kopieren. Ich denke, dass insg. Meist nur ein gewisses Budget für „Mode“ in einem Haushalt zur Verfügung steht und unterm Strich insgesamt nicht mehr ausgegeben wird, weil Kollektionen schneller kommen, oder Trends schneller durch online Medien wie Blogs vorangetrieben werden. Es wird stattdessen anders eingekauft, zum Beispiel im Internet statt in der Boutique, oder es werden Marken herangezogen, die „Kopien“ eines Trends zu günstigsten Konditionen anbieten.
Billiglohnländer spielen nicht wirklich eine so grosse Rolle in dem Segment, obwohl es auf der Ahnd liegt, dass man zu wirklich fairen, nachhaltigen Produktionsbedingungen keine Kollektion von H&M oder Zara zu diesen Preisen in die Geschäfte bekommen kann. Eine andere Frage ist es aber, produzieren den die teuren Marken, wirklich so viel fairer, nachhaltiger und ist das Endprodukt dann wirklich auch seinen Preis real wert (mal jetzt nicht den Markennamen mit einbezogen)? Kaum, meiner Meinung nach.
Kleine Labels sind sicher froh, gerade wenn sie am Start sind, wenn Blogs über sie berichten. Nur da habe ich auch so meine bedenken, ob Blogleserschaft dann schlussendlich in den Showroom des Labels rennt und eine Jung-Designer-Jeans für 200€ kauft? Kann ich mir nicht vorstellen. Die meisten Leute, die sich ne Jeans für mehr als 200€ leisten, haben entsprechende Einkommen im Haushalt zur Verfügung, die oft mit einem Job einhergeht, der viel Zeit in Anspruch nimmt, die nicht fürs surfen im Internet zur Verfügung steht. Die von Blogs tatsächlich erreichte echte Käuferschicht von höherwertiger und teuerer Mode ist denke ich recht gering.
Du hast Louis Vuitton als Beispiel angeführt. Ich denke mir immer, wenn ich eine junge Dame auf der Strasse mit ihrer „LV“ sehe, die ist doch eh nicht echt, aber vielleicht irre ich mich ja immer.
Das andere ist die Kerninformation, man sieht zwar sofort nach oder während der Fashionweek die Kollektion, aber wirklich viel Information, die für einen aus meiner Sicht bewussten Kunden, kommt nicht rüber, zum Beispiel Materialien, Herstellungsprozesse, usw. – da kann man auch bei sehr vielen Labels trotz hartnäckigem Nachfragen gegen die Wand rennen, und das sind nicht immer nur die Billighersteller. Geht es bei der Berichterstattung, egal ob Blog, oder Printzeitschrift überhaupt darum, fundiert zu berichten, und was will der Leser wissen, wenn er sich Zeitschrift xyz kauft, oder Blog xyz anklickt?
Ich finde das ist sehr mühsam, und ich stehe sehr vielen Blogs recht skeptisch gegenüber. Und wenn man wieder zurückkommt auf das „Gezicke“, dann bleibt bei mir oft, auch wenn man anschaut, wie kommerziell viele Blogs sind, und wie viele bereist in „Konzerne“ eingebunden sind den Eindruck, hier spielt sich lediglich eine Wettstreit um die Budgets ab, und um des Stellenwert innerhalb eines Gesamtkonzeptes. Was juckt es den wirklich, ob der Blogger ne Einladung zur Schau X hat, wenn aus dem gleichen „Konzern“ so oder so noch 2-3 weitere Personen ohnehin auch ne Einladung haben. Der Druck kommt doch vielleicht gar nicht durch die Medienmacht des Blogs, sondern durch die gesamte Konstellation und Reichweite aller Medien unter einem Dach? Von daher kann ich mir gut vorstellen, man lässt als PR / Designer die kleinen Blogger mal mit rein, weil es sonst vielleicht den anderen Personen unangenehm aufstossen könnte?
jen
Boah, wir sollten unser eigenes Diskussionsforum aufmachen (auch wenn wir da nur zu Zweit wären) :)
Viele interessante Gedanken und Infos! Ich kenne diese internen Zusammenhänge gar nicht so gut, von daher sehr spannend.
Mich beeinflussen Blogs schon beim Kaufen. Ich habe dank LesMads z.B. bei Sabrina Dehoff eingekauft, auch zu Acne oder Wood Wood gehe ich regelmäßig, seit ich öfter über sie hier und anderswo lese. Empfehlungen von Jessie oder Modepilot (etc) sind mir lieber als irgendwelche InStyle Must-haves, weil ich sie authentischer finde. Und genau das ist doch der Mehrwert, auch für die Firmen. Mein Budget für Mode hat sich seit ich Modeblogs lese locker verdoppelt! Frag mich nicht, woher ich das Geld nehme, ich befürchte, ich werde es im Alter vermissen… :/
jen
Und ich würde wahnsinnig gern mehr wissen über die ganzen Herstellungsweisen der Big Labels! Von Bottega Veneta, Stella Mc Cartney oder Celine weiss man ja wenigstens etwas, Negativentwicklungen wie bei Hermes auch. Aber sonst? Das würde mir beim Drauf-Sparen sehr helfen… und das ist etwas, was in allen Medien zu kurz kommt.
Linda
(Es macht richtig Spass in den Kommentaren mal längere Gedankengänge und vergleichsweise ernsthafte Auseinandersetzung zu sehen. Dass da nur 2 mitmachen verwundert eher wenig). Mich selber beeinflussen Blogs durchaus im Kaufverhalten, gerade gestern habe ich über Fiona von Spotding eine dänische Designerin entdeckt und heute bei ihr bestellt. Dass die Mehrzahl der Blogleser nicht unbedingt zur Kundschaft der hochpreisigen Modehäuser zählt ist klar, aber wieviele Leser der Magazine kaufen effektiv die Sachen, die sie in den Editorials sehen? Und doch investieren Designer in Werbeseiten im Wert eines gebrauchten Mittelklassewagens. Werbung wirkt halt, auch wenn sie nicht auf direktem Weg zum Kauf führt, sie wirkt. Mit einer anderen Zielgruppe auch auf Blogs. Wo sonst sehe ich ausser im Lookbook mal was von Stine Goya oder Acne etc etc., und das regelmässig? Mit jedem Sehen wächst das Wollen und sinkt die Schwelle zum etwas-mehr-ausgeben. Ich denke auch dass die typische Modeblogleserschaft nicht nur aus zahlungsschwachen Teenagern besteht, dafür werden Blogs heute von zu vielen in den "oberen Sphären" wahrgenommen und gelesen. Daimler und Konsorten würden kein Blog führen wenn es in diesen Reigen noch als Spielerei angesehen würde.
Boris
@jen:
Kommentare unter Blogartikeln sind auch nicht wirklich die passende Plattform, um so tiefgreifende Diskussionen über die Kollektionen / Brands, oder auch den Umgang von Medien (Egal ob Blog, oder Print) mit solchen Themen zu führen. Und richtige Foren, in denen das diskutiert wird gibt es nicht viele, ein paar Fachforen in denen ökologische Themen diskutiert werden (zB in UK) und das war es dann. Versuch mal so eine Diskussion zb bei the fashion spot anzuzetteln, das geht nicht.
Auch Bloggertreffen sind da meiner Erfahrung nach wenig geeignet über solche Sachen zu sprechen, weil man da die Designer nicht einbinden kann. Z.B hat sich letztes Jahr mal Dirk Schönberger beim der Podiumsdiskussion zu Create Europe ziemlich aus der Diskussion über Nachhaltigkeit in der Branche mit pauschalen Statements verabschiedet. Ich kenne im Moment nur zwei Designer von „Weltmarken“ mit denen man auch recht kontrovers über solche Themen mal ne Stunde oder länger Diskutieren kann, Vivienne Westwood mit ihren ab und an recht wirren Aktionen, die aber immer auch konzeptionell interessant sind, und Ennio Capasa. Ein anderes extrem kann man zB bei der Thekey.to oder der Ethical Fashion. In Berlin sind ja auch eine ganze Reihe kleinerer Brands im GreenShowroom vertreten und mit diesen Designern kann man recht gute Grundsatzdiskussionen führen. Und das kommt auch gut an, die werden im Januar ja auch wieder präsentieren, und vom Jahresrhythmus jetzt wohl jede Saison präsentieren.
Aus meiner Sicht sind das aber immer noch Nischen, die im deutschsprachigen Raum, anders als zB in UK noch nicht so in der Breite angekommen sind. Jessi hat da ja mal wenn ich es richtig im Kopf habe H&M zu der Thematik etwas auf den Zahn gefühlt. Vielleicht kann sie ja auch mal sich einhacken.
Bei den Grossen Massenbekleidern, sehe ich abgesehen von Alibi-Aktionen da in den kommenden Jahren nichts was sich bewegen könnte, was auch sehr am „Publikum“ liegt, aber auch an „unkritischen“ Medien – und Blogs sind da leider oft extrem unkritisch, scheuen die Konfrontation mit den Labels. Vielleicht auch aus Angst, keine Einladung mehr zu bekommen, wenn man mal kritisch ist und ne Kollektion nicht nur in Bezug auf das reine Design, verreist. Fachzeitschriften haben da irgendwie mehr Mumm in den Knochen, die werden ja aber kaum von Endkunden wahrgenommen, wie auch.
Die kritische Auseinandersetzung bei Bloggern dreht sich meinem Empfinden nach immer noch um die Selbstdefinition und Positionsfindung. Und solange das so ist, werden sie sich auch kaum als richtiges ernstes Medium etablieren können (in der Masse der Blogs).
@Linda:
Es kommt auf die Magazine an, zB Stine Goya wurde in den vergangenen Monaten sehr viel in Magazinen in Editorials verwendet und Präsentiert. Aber da kommen wir schon wieder an einen Grenzpunkt von Blogs. Blogs sind nicht in der Lage, eigenen Content zu produzieren, und selektiv Kleidung vor zu stellen. Sie sind in aller Regel darauf angewiesen, ihr Bildmaterial, mal abgesehen von Streetsyle der geknipst wird, und was nur Kleidung einbeziehen kann, die es schon gibt, von den PR-Agenturen und anderen Medien zu beziehen und wiederzuverwerten, so wie das eben auch das Ziel ist welches die PR erreichen will. Deswegen wird man in Blogs fast immer nur dass sehen, was den Bloggern zugespielt wird. Alles andere ist für Blogger viel zu aufwändig in der Realisation, selbst wenn die fürs Blogen eine „Festanstellung“ haben. Das ist jetzt auch nicht negativ gemeint, sondern gehört zur Standortbestimmung und zur Selbsteinschätzung. Und ob Werbung tatsächlich wirkt, darüber gibt es die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Ansichten.
„Daimler und Konsorten würden kein Blog führen wenn es in diesen Reigen noch als Spielerei angesehen würde.“
Das sind ja absolut keine eigenständigen Blogs, sondern das ist nur gesteuerte Aussenkommunikation in anderer Form anstelle der üblichen Pressemitteilungen, von denen der Konzern nie genau weis, was die Presse dann draus machen wird. Im Grunde ist das eine Umgehung der Grundfunktion von Pressefreiheit, der unabhängigen Meinungsbildung. Und das wirkt in gewisser Weise durch die Contentversorgung durch PR Agenturen auch auf „unabhängige“ Modeblogs. Wie unabhängig ist den eine Modeblog wirklich? Ich glaub da nicht so recht dran, den von irgendwo her muss ja das Geld kommen, von dem der Blog bezahlt wird, und der Blogger morgens seine Brötchen beim Bäcker zahlt, selbst wenn das indirekt funktioniert und der Blogger das Geld nicht vom Label bekommt. Aber auch das ist nur die Verlängerung von Effekten, die man auch aus dem Printbereich kennt. Ohne die Verstrickung Werbung, Editorial, Berichterstattung funktioniert heute auch kein gedrucktes Magazin, so realistisch muss man da schon sein.
kyra zoe
Der Satz "Optimisten nennen diese Entwicklung eine Demokratisierung der Mode, Pessimisten eine Kommerzialisierung." hat sich in meinen Kopf gebrannt.
Das Wort Demokratisierung beschreibt,meiner Meinung nach,die momentane Entwicklung,sehr treffend.
Die Disskusion ist prima und sehr lesenswert,bitte sowas nicht in Foren verstecken sondern hier weiter ausführen!
Linda
Boris, ich meinte mit dem DaimlerBlog Verweis auch eher, dass das Medium Blog mittlerweile für viele Unternehmen ein gefühltes "Muss" ist, weil es halt irgendwie doch in aller Munde ist und alles und jeder bloggt. Da mach man doch mit. Qualität, Unabhängigkeit und Langlebigkeit der Blogs mal aussen vor gelassen. Was man selber oft übersieht ist was sich im Bereich Blog ausserhalb dieses recht kleinen Kosmos Modeblog abspielt; gibt es bedeutende Blogs, die professionell in beruflicher Hinsicht=für Geld geschrieben werden? Wie verhält es sich mit dem Punkt ständige Selbstdefinition und Positionsfindung dort? "Zickt" ein Wirtschaftsblog auch mit einem Printwirtschaftsmagazin und umgekehrt?
Stine Goya war nur exemplarisch rausgegriffen und für mich ein Beispiel für einen Vorteil (aus Sicht der Unternehemen) eines Blogs vs Magazin; neue Posts gibts es jeden Tag mehrfach, neue Magazine im Idealfall monatlich. Bsp Lanvin für H&M. Natürlich kommt das Material rein aus PR Agenturen, aber für H&M zählt die x-mal wiederholte, oft kritiklos wiedergekaute, Darstellung. Das kann kein Magazin leisten. Und was die Unabhängigkeit von Modeblogs angeht, ich verstand von Anfang an nicht wieso man Blogs als Möglichkeit ansah, die Vetternwirtschaft und Kuschelatmosphäre der Modeindustrie mit frischem Wind aufzuwirbeln. Nur weil jetzt ein paar junge Gesichter frontrow sitzen?
Boris
@Linda:
„Natürlich kommt das Material rein aus PR Agenturen, aber für H&M zählt die x-mal wiederholte, oft kritiklos wiedergekaute, Darstellung. Das kann kein Magazin leisten. Und was die Unabhängigkeit von Modeblogs angeht, ich verstand von Anfang an nicht wieso man Blogs als Möglichkeit ansah, die Vetternwirtschaft und Kuschelatmosphäre der Modeindustrie mit frischem Wind aufzuwirbeln. Nur weil jetzt ein paar junge Gesichter frontrow sitzen?“
Ist das so, und muss ein Blog, oder Magazin das leisten, dass „Werbung“ permanent wiedergekäut wird? Ist das richtiger Journalismus? Ich hab da oft so meine bedenken, gerade wegen der „Vetterleswirtschaft“ und knallharten kommerziellen Abhängigkeiten.
Eine Demokratisierung sehe ich nicht, weder im Netz thematisch orientiert, noch bei Magazinen, und da gibt es ausser den grossen „Frauenzeitschriften“ wirklich sehr viele. Eigentlich ist das Gegenteil einer Demokratisierung zu sehen, nämlich eine Kommerzialisierung. Viele Blogs, die einen prof. Anspruch haben sind vollgepflastert mit Anzeigen, was für mich gegen freie Berichterstattung spricht. Und das schlägt meiner Meinung sogar durch bis auf den Kern was man unter Bloggen versteht, die spontane, intuitive, persönliche Meinungsäusserung. Ob das Wirtschaftsblogs anders ist, wie bei Modeblogs kann ich nicht sagen, mit dem Genre Wirtschaft setze ich mich in Bezug auf Blogs gar nicht auseinander.
„gibt es bedeutende Blogs, die professionell in beruflicher Hinsicht=für Geld geschrieben werden?“
Aber klar, die gibt es, das ist verlängerte PR, und das gibt es auch im Modebereich recht heftig. Und da kommen wir schon wieder an den Punkt, der nicht so gern diskutiert wird, das Selbstverständnis.
Und noch was:
„Nur weil jetzt ein paar junge Gesichter frontrow sitzen?“
Ich denke, dass wird sich auch wieder sehr bald legen, das ist vielleicht eine Irritation bei den PRs der Designer, ist nur eine Frage der Zeit.