von Jessie in Kategorie: Lifestyle 29Kommentare

Rückblick: "Schick aber schädlich"

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"Nur 1% der Hersteller stellt Kleidung ohne Schadstoffe her." - So schließt die gestern Abend auf arte ausgestrahle Dokumentation "Schick aber schädlich", die sich mit gesundheitsschädlichen Chemikalien in Stoffen beschäftigt.

Die Doku beginnt mit der Gefahr des Anti-Schimmelmittels DMF (Dimethylfumarat), das seit Mai 2009 in Deutschland verboten ist, da es zu Atemnot und Ausschlägen führen kann. Das Mittel befindet sich in den kleinen, weissen mit Kügelchen befüllten Beuteln, die Schuhen und Taschen oft beigelegt werden. Darin soll eigentlich nur Kieselgel enthalten sein, um Feuchtigkeit aufzunehmen. Allerdings wird in Produktionsländern wie China oft DMF hinzugefügt. Die Schuhmarke "Graceland" von Deichmann habe demnach beispielsweise immer noch Probleme mit den so ins Land geschmuggelten Krankheitserregern.

Wie kann man sich schützen? Alle nach Chemie riechenden Kleider und Schuhe sollten möglichst erst gar nicht gekauft werden. Lagerarbeiter von H&M haben dank ver.di beispielsweise die Möglichkeit, stinkende Produktionsteile aus der Fabrik zu schaffen - ein Riesenfortschritt, um möglichst gar nicht mit den Krankheitserregern in Kontakt zu kommen.

Eine der gefährlichsten Kleidungsproduktionen ist das Sandstrahlen, das für die Used Looks bei Jeans genutzt wird. In den vergangenen Jahren sind dabei in der Türkei unzählige Fabrikarbeiter ums Leben gekommen, weil bei der Bearbeitung Silizium austritt, sich in den Lungen festsetzt und schliesslich zum Erstickungstod führen kann. Die Türkei hat dieses Bearbeitungsverfahren 2009 endgültig verboten. Die Jeans fast aller großen Ketten stammen aber nun nicht mehr aus der Türkei, sondern aus Bangladesch, deckt die Reportage auf. Dort ist Sandstrahlen noch nicht verboten - die Textilbranche hat also schlichtweg das Land gewechselt.

Auch nicht uninteressant sind die verstärkt für schwarze Textilien genutzten Chemikalien: Die Farbe ist nicht ökologisch herstellbar; je dunkler der Ton, desto mehr Schwermetalle wurden auch für die Herstellung benötigt. Dabei mache es keinen Unterschied, ob das Produkt später als Billigware in den großen Modektten oder bei exklusiven Designern landet.

Kein Wunder, dass angesichts der künstlichen Herstellung "Bio" boomt. Doch selbst wenn die Biobaumwolle zu 100% ökologisch hergestellt wird, kommt spätestens für die Färbung der Textilien chemisches Färbemittel ins Spiel. In Indien sind Azofarben, die die giftigen Chlor-Amine enthalten, im Gegensatz zu Europa noch nicht verboten. So kommen die bunten und günstigen Textilien oftmals aus Indien, in den Fabriken werden die Arbeiter noch regelmäßig vergiftet. Am liebsten ist es dem Markt daher, wenn das Herstellungsland einfach verschwiegen wird; eine französische Dessous-Firma schreibt daher lediglich "Designed in France" auf ihre Produkte.

Ganz schön beunruhigend ist das, was uns dort gezeigt wird und gleichzeitig kaum Spielraum für Lösungen des Problems lässt. Wer zu hundert Prozent sicher sein will, sollte Textilien zukünftig nur noch bei zertifizierten Herstellern kaufen, die dem Verband der Naturtextilwirtschaft angehören.

Solange die grösstenteils asiatischen Länder jedoch nicht die Herstellungsweise/Produktion unter Verwendung der Textilgifte als gefährlich einstufen und untersagen, wird in den armen Ländern weiter für die gesamte Textilbranche produziert. Dass die Abnehmer freiwillig auf die chemische und kostengünstige Herstellung verzichten, ist wohl kaum zu erwarten.

Mehr über DMF bei RBB online. Und: "Tödlicher Sand in der Jeans-Maschine" bei Spiegel Online.

(Das Video ist online leider nicht mehr verfügbar.)

Tags: arte, reportage, textilindustrie, tv

29 Kommentare

  • mel

    hast mir die doku jetzt sehr schmackhaft gemacht! das klingt wirklich schockierend. gerade das mit den schwermetallen in schwarzer kleidung, die sich durchaus am häufigsten an meiner haut befindet!
    und mal was zu dem: "Alle nach Chemie riechenden Kleider und Schuhe sollten möglichst erst gar nicht gekauft werden." --> nach dem ersten atemzug bei primark weiß man, wovon du redest!! :)

  • rob

    ich habe den gesamten themenabend von arte
    gestern verfolgt, bin erschrocken, erstaunt, leider
    wenig überrascht und irgendwo auch besorgt.

    nach schick und schädlich gab es noch eine sendung
    zu gift in unserer nahrung. so werden bspw. die
    bei spielsachen verbotenen weichmacher ganz gerne
    für einen bekannten schokoladen-aufstrich verwendet.
    natürlich in solch geringen mengen, die dem körper
    nicht schaden können...

    nachfolgende sendung hat das ganze ein wenig
    umgedreht und gezeigt wie wir es besser machen können.
    biologische und technische kreisläufe wurden dargestellt
    und bspw. auch im textilwesen möglichkeiten aufgezeigt,
    wie voll kompostierbare t-shirts herstellbar seien.

    aus der letzten sendung kann man tatsächlich zitieren,
    dass gucci, boss, louis vuitton und viele andere luxus-
    hersteller komplett auf chemie zurückgreifen und fast
    kein einziges kleidungsstück frei von hautbelastenden
    giften ist. das wussten wir natürlich schon alle.

    übrigens: die »farbe« schwarz und auch dunkelblau
    können seit kurzem auch ganz ohne chemie, auf komplett
    natürlichem wege hergestellt werden! sehr schön!

  • Elba

    hmm, also ehrlich gesagt: einfach nur die reportage zusammenfassen ist irgendwie witzlos. insbesondere, da sie ja noch online abrufbar ist. ein kritischer kommentar wär interessanter gewesen.
    und zum letzten absatz: das ist doch etwas sehr naiv gedacht. wenn beispielsweise bangladesh die Textilgifte als gefährlich einstuft und untersagt, dann wird dort eben gar nicht mehr produiziert - sondern in burkina faso oder einem anderen entwicklungsland. Die Produktionsländer schneiden sich, egal was sie tun, ins eigene fleisch und müssen letztendlich das kleienre übel wählen.

  • Dominic

    Hab' mir das nach dem Hinweis hier gestern auch angeschaut und auch wenn das Gesehene nicht gänzlich neu war, empfand ich als sehr bedrückend und verstörend, vorallem durch die Bilder; da wird gerade erklärt warum diese und jene Chemikalie giftig und hierzulande verboten ist … und gleichzeitig steigt ein Arbeiter mit nackten Beinen in ein Becken voll damit – um unsere schöne Kleidung billig zu färben.

    Auch durch den Teil mit den Weichmachern in Lebensmitteln im Anschluß ergab sich mir der Eindruck, dass wir hier heute zwar nicht mehr von Wölfen gefressen oder bei der Bedienung von gefährlichen Maschinen Arme und Beine verlieren, uns aber mit der Zeit einfach schleichend vergiften.

    P.S.: im hinteren Teil hieß es, dass es wohl seit kurzem (1-2 Jahre) auch biologisch abbaubare Farben für Schwarz und Blau gäbe.

  • nina

    ich persönlich finde es schlimm, dass man kaum eine chance hat sich selbst ein reines gewissen zu verschaffen. solange man die sachen kauft, unterstützt man dieses system indirekt. aber mangels alternativen ist man ziemlich ohnmächtig. man hat ja gesehen, dass der preis da kein indikator ist.
    aber seien wir mal ehrlich, sehen wir ein schönes und unschlagbar billiges teil bei h&m oder primark greifen wir zu, und zwar mit freunde und frei von jedem gedanken an die herstellung, geschweige denn einem schlechtem gewissen.

  • Dani

    @mel: Dafür muss man gar nicht in den Primark gehen. In der Accessoires-Abteilung des nächsten H&Ms bekommst Du auch die volle Dosis. ;-) Besonders schlimm: Schuhe.

    viele Grüße
    Dani

  • Beccah

    Ich kann das Gefühl nicht beschreiben, das einen überkommt, wenn man mit solchen Tatsachen konfrontiert wird. Ohnmacht, die bereits erwähnt wurde, trifft es vielleicht am besten.
    Im Grunde kann man sich vor Giften nirgendwo schützen. Sie sind im Essen, in der Kleidung, in der Wandfarbe, in der Wimperntusche, im Putzmittel, in der Luft.

    Angesichts dieser verschlungenen und untenwirrbaren Wege, die sich das Gift in unseren Alltag sucht, wird einem kläglich bewusst, wie nichtig Labels wie "organic" oder "bio" im Endeffekt sind, und dass ein Gütesiegel oder ein hoher Preis leider kein Indikator für ein gutes Produkt ist.
    Meterhohe Schichten aus giftigem Schlamm in Bangladesh, Nierenversagen bei einer Dekorateurion bei H&M, verseuchte 150 Euro-Schuhe in einer Pariser Boutique - egal, wo weltweit produziert wird: Wir sind noch lange nicht auf dem so oft besungenen Weg in eine bessere Welt.

  • Pattie

    Der Bericht gestern war schon i.O. Was mir allerdings fehlt ist, was ich im einzelnen tuen kann? Beim Naturwarenladen einkaufen, ist schon klar, ABER werden beim Waschen die giftigen Stoffe weniger? Kann ich die Klamotten z.B. einweichen und dann hab ich diese Stoffe nicht mehr. Es wird zwar immer gesagt, dass beim Waschen die giftigen Substanzen weniger werden, aber wieviel weniger genau und auch alle?
    Da ich selber ein kleines Baby habe mache ich mir natürlich x-mal mehr Gedanken zu diesem Thema als vorher, aber Babyklamotten nur noch im Naturwarenladen kaufen sprengt das Budget dann schon etwas....
    Wie gesagt ich würde mir mal einen Bericht wünschen, in dem für den Privatmann angegeben wird, was der genau machen kann, um die Schadstoffe zu minimieren, die Richtlinien und Vorschriften des Landes und der Firmen kann ich nun mal nicht ändern...

    Grüße Pattie

  • Koko

    Ich habe mir gerade die Reportage online angesehen und bin echt geschockt, obwohl ich persönlich schon damit konfrontiert wurde. Ich bin ausgebildete Bekleidungsingenieurin und war selbst schon in einer Jeansfabrik in Polen, wo ich das Sandstrahlen live beobachten konnte und gesehen habe, was das für eine schlimme Arbeit ist. Außerdem mußte ich damals ein Praktikum in einem Bekleidungsbetrieb absolvieren, ich habe Jeans aufgebügelt und kann mich genau an den beißenden chemischen Geruch erinnern. Man ist so machtlos gegen das alles und der Chef der indischen Färbefabrik hat es schon treffend gesagt "Hauptsache Geld verdienen".

  • Dotti

    ... zum Glück trage ich fast nur Vintage. Puh. Harter Tobak.

  • Chrischa

    gibt´s eigentlich irgendeine spezielle organisation oder weiß-der-teufel-wen oder -was, der sich dafür engagiert, dass unternehmen/politik mal diesbezüglich das hirn einschalten, umdenken und verantwortung übernehmen? dass sowohl verbraucher und auch die arbeiter in den armen ländern (v.a. auch diese) diesem chemiewahnsinn nicht einfach so "ausgeliefert" sind und man wieder chancen auf gesunde kleidung/verpackung und produktionsbedingungen hat? wenn es alternative entwicklungen gibt, warum wird nicht gesetzlich dafür gesorgt, die billigen, aber schädlichen herstellungsarten zu verbieten bzw. nach und nach andere einzuführen? klar ist das nicht so einfach, weil große konzerne eben auch aufgrund ihrer wirtschaftlichen relevanz eine riesige macht besitzen und einfluß auf die politik ausüben etc. pp., aber es gibt doch auf jeden fall genügend leute, denen eine veränderung dieser umstände am herzen liegt (und auch politiker/konzernchefs etc. tragen ja kleidung und laufen nicht nackt rum und haben nicht alle ihren acker vor der nase...)...gibt es nicht irgendeine möglichkeit, da auch aktiv druck auf die politik und die firmen auszuüben?

  • deike

    @ Dotti: Nur weil du vintage trägst heißt das lange nicht, das deine Klamotten frei von Schadstoffen sind. Du hilfst natürlich der Umwelt ein Stück wenn du Vintage kaufst. Aber ob früher oder heute - Chemie ist drin seit es Massenproduktionen gibt.

  • Anna

    Das ist erstaunlich, nein sagen wir mal...es ist beunruhigend zu sehen wie Menschen sich gegenseitig zerstören und das alles nur aus Profitgier.
    Ich war geschockt als ich die Fabrikmitarbeiter in Bangladesh gesehen habe, die schutzlos den Giften ausgeliefert waren.
    Ich verstehe nicht wie man das tolerieren kann. Wenn die Abnehmer der Großen Modemarken das sehen und wissen...wieso werden die armen Menschen so behandelt??? Geld, Geld, Geld....alles dreht sich um das verdammte Geld in unserer Konsumgesellschaft. Stimmts?
    Selbst im Essen ist man vor Giften nicht mehr sicher.
    Auf jedenfall ist mir die Lust aufs shoppen ziemlich vergangen.

  • Anne

    ich bin mir ziemlich sicher, dass man die gifte nicht auswaschen kann.

    wenn sie in der verarbeitung, beim vorbehandeln oder färben der stoffe, zugefügt werden,
    dann sitzen sie meist in der fasern und nicht nur auf der faserstruktur oben drauf.
    aber das liegt wahrscheinlich auch an der schwere der behandlung.

    gerade für babys und kleinkinder empfiehlt es sich tatsächlich, auf ökologische kleidung und textilien zurückzugreifen und auf knaller-farben zu verzichten. bei den kleinsten kann es ja noch schneller zu folgeschäden kommen.

  • Dotti

    @ Liebe Deike, ich weiß, dass es vor 30, 40 Jahren auch nicht gerade zimperlich in der Kleidungsproduktion zuging. Aber ich habe zumindest ein halbwegs reines Gewissen ob der aktuellen Zustände. Und mit ein bisschen Dusel ist der meiste Chemiekeulen-Mist schon aus den Klamotten entdampft...

    Aber in vielen anderen Lebensbereichen ist es tatsächlich schwer nicht in diesem System von Ausbeutung und Zerstörung mitzumachen. Schließlich ist es heute fast egal was man tut – irgendjemand muss dafür (fast) immer leiden. Seien es Menschen, Tiere oder die Umwelt. Ich habe sogar schon beim Googlen ein schlechtes Gewissen...

  • lilly

    Danke, daß Ihr auch diese Seite der Modeindustrie hier so prominent abbildet.

  • Linda

    Sicher geht es ums Geld, je mehr und schneller verdient desto besser, bei denen einen trotz kleiner Preise durch Massenverkauf (H&M etc), bei den Luxusmarken durch hohe Preise trotz mieser Produktion in Fernost. Allerdings kann ich nicht direkt wieder mit Konsumgesellschaft, Kapitalismus und die Grossen sind´s schuld kommen; auch der Verbraucher muss langfristig umdenken, mit "hauptsache billig" kann sich nichts ändern. Ich persönlich denke dass diese Masse an Menschen (in der 1.Welt) und unser übergrosser, aus den fugen geratener Bedarf an täglichen Alltagsgegenständen, sei es Kleidung, Nahrung etc., nicht auf faire Weise gestillt werden kann. Aber wer darf predigen, wenn übermorgen was Tolles im Laden hängt und Bangladesh vergessen ist? Die Spätfolgen für die Gesundheit, die werden wir irgendwann erst serviert bekommen, wenn es zu spät ist.

  • Hendrik Alpen (H&M)

    Der gestrige Fernsehbeitrag hat offenbar einige Fragen aufgeworfen. Kurz zu mir: Ich arbeite als Pressesprecher bei H&M und war in den letzten zwei Jahren für den jährlichen Nachhaltigkeitsbericht von H&M verantwortlich. Ich hoffe also so bestmöglich zur Beantwortung auftauchender Fragen beitragen zu können.

    H&M nimmt seine Verantwortung sehr ernst. Viele in dem Beitrag thematisierte Punkte wie etwa die Vermeidung bedenklicher Chemikalien, die Einhaltung unseres Verhaltenskodex für Lieferanten und damit etwa auch strenge Anforderungen an die Durchführung von Sandbestrahlung und vieles mehr sind bereits fester und langfristiger Bestandteil unserer Arbeit. So wurden für H&M alleine im letzten Jahr etwa 50.000 Chemikalientests durchgeführt um sicherzustellen, dass unsere Produkte keine bedenklichen Stoffe enthalten. Viele weitere Informationen findet ihr somit bereits auf www.hm.com/csr oder ganz ausführlich (bislang allerdings nur auf Englisch) in unseren aktuellsten Nachhaltigkeitsbericht unter www.hm.com/sustainability2009.

    Manche Fragen werden sich jedoch möglicherweise nicht in einigen Zeilen beantworten lassen. Gerne möchte ich euch daher anbieten, mich direkt telefonisch unter 040/350 955 875 oder per Email unter hendrik.alpen(at)hm.com anzusprechen.

  • Katja

    Ja, es ist erschreckend und traurig darüber hinaus. Ich kann defo auch aus eigener Erfahrung sprechen, da ich versch. Fabriken in der Türkei, Tunesien und Asien gesehen habe auf meinen Sample Fittings. Was mich am meisten schockiert, ist die einfache Denkweise immer nur für den Moment zu denken und fürs Geld. Niemand der Firmen (Fabriken, wie auch die Auftragsgeber) kümmern sich um die nachhaltige Zukunft, nur der Augenblick zählt. Werden die Produktionskosten höher, dann zieht man ins nächste Billiglohnland. Um konkurrenzfähig zu sein und zu bleiben.

  • kat

    also, irgendwie finde ich das benehmen von manchen hier etwas "heuchlerisch". gut, es wird einem vielleicht nicht an jeder ecke geflüstert, wie grosse (mode_)unternehmen arbeiten, aber ein t-shirt bei h&m für 4,95 euro zu kaufen und dann zu denken, da läuft alles mit rechten dingen ab - die leute werden ordentlich bezahlt und es werden keine chemischen mittel eingesetzt - finde ich etwas naiv.
    zumindest bei american apparel ist diese pseudo-öko masche doch schon längst aufgeflogen: sachen aus ökologischer baumwolle anbieten und dann in quietsch-pink. da muss doch jeder normal-denkende mensch merken, dass da was nicht stimmt!
    und dass v.a. dunkle stoffe am meisten chemisch behandelt werden müssen, ist doch auch kein geheimnis.

    wir leben aber nun mal in einer konsumwelt und auch modeblogs leben ja davon, täglich "neue" outfits zu posten.
    im übrigen sind wir verbraucher auch keinen deut besser als die grossen unternehmen: ich kann mir nicht vorstellen, dass aufgrund dieses berichtes wirklich viele ihr kaufverhalten ändern werden! wir stecken also genauso drin in dieser "ausbeuter-maschinerie", nur um möglichst oft und günstig unserer shoppinglust fröhnen zu können!

  • anna

    ein artikel zur fairness, der mich ziemlich beschämt gemacht hat:
    http://dasmagazin.ch/index.php/frauen-gegen-frauen/

    nachhaltigkeit & soziale verantwortung sollte mehr als nur eine "green marketing" masche sein! der ball liegt ebenso bei den konsument(innen), schon vor dem artikel erstaunten mich preise für tshirts bei h&m für 7.90 chf, da muss irgendwas nicht fair sein. stellt sich die frage, ob es bei teureren marken fairer abläuft?

    weniger kaufen, kleider "austragen" und mehr vintage, nehme ich mir für mich vor.

    zudem wären die modeblogs ein idealer ort, um solche themen aufzugreifen, zu verfolgen und auch druck auf die hersteller auszuüben...

    @ chrischa:
    http://www.cleanclothes.org/
    http://www.saubere-kleidung.de/

  • Romy

    @ dotti: ich denke, dass es eine menge hilft, vintage zu tragen. es scheint mir die einzig bezahlbare alternative zu sein. Außerdem fällt mir immer öfter auf, dass ich viel viel mehr freude an einem vintage teil habe als an irgendeinem überteuerten highstreet- zeug. habe jetzt auch ein wenig ausgemistet und verkaufe auf ebay artikel, die ich nicht mehr trage, vorwiegend topshop. vielleicht ist jemand trotz des berichtes daran interessiert? artikelnummern: 300450402920 und 300450404059 (topshop cutout schuhe und und waterfall jacket).

  • Kathrin

    Es erstaunt mich doch immer wieder, das sich Konsumenten immer wieder darüber wundern was für (Gift-)Stoffe in Ihren Konsumgütern befinden.
    Ein fertig produziertes Kleidungsstück kann bis zu 9000 verschieden Chemikalien enthalten, egal in welcher Preisklasse.
    Deutschlandweit gibt es bereits 3 anerkannte Fälle von Verkäuferinnen, aus dem textilen Bereich, die durch die darin enthaltenen Stoffe arbeitsunfähig/behindert wurden.
    Sehr schön ist es hier aber mal wieder zu sehen, wie schnell H&M reagiert:
    "Um zu einer saubereren Stoffproduktion beizutragen, versuchen wir stattdessen, den Färbereien dabei zu helfen, in ihren Geschäftsabläufen auch die Umweltaspekte zu berücksichtigen. Dies geschieht, indem wir auf die Vorteile für die Umwelt und die Kosteneinsparungen durch den effektiveren Gebrauch der Ressourcen hinweisen. In den vergangenen Jahren haben die Auditoren von H&M verschiedene Betriebe aufgesucht, um das Potenzial für Verbesserungen aufzuzeigen und Handlungsmöglichkeiten und Methoden zu demonstrieren."
    Wie man dem Text von H&M entnehmen kann stehen dort Worte wie: Vorschläge und wir versuchen zu helfen, was im Klartext soviel heißt wie: ob Ihr euch daran haltet ist etwas anderes.......
    Es sollte doch jedem klar sein, dass ein Hemd an dem Organic Cotton steht nicht unbedingt auch umwelfreundlich weiterverarbeitet wurde.
    Hierbei sollte man allerdings nicht nur Produzenten von günstiger Bekleidung die Schuld geben, sondern auch sehen, dass ALLE Firmen (nicht nur die der Bekleidungsindustrie, sondern aller Bereiche, seien es Möbel, Kinderspielzeug oder sonstiges) so produzieren.
    Aber auch Secondhandkleidung ist nicht unbedingt einen gesunde Wahl. Grosse Ketten wie Kleidermarkt besprühen Ihre Ware mit starken Chemikalien statt sie zu waschen.
    Auch weisse Bekleidung ist genauso giftig wie schwarze.
    Wenn man sich nicht mit dem Design von richtigen BIO-Klamotten anfreunden kann (so wie leider ich) kann man nur den Tip geben die Bekleidung, vor dem Tragen, mehrfach zu waschen und für Kinder auf dem Flohmarkt oder bei Firmen wie z.B. HessNatur
    einzukaufen.


  • Romy

    es kommt sicher darauf an, wo man seine Secondhandware kauft. Ich versuche immer, alles von Privatverkäufern auf ebay zu ergattern. Wenn jemand ein Teil 20-30 Jahre im Schrank hatte, kann sicher nicht viel passieren. Außerdem genehmige ich mir meinen jährlichen Hamsterkauf in London - Secondhand- und Thrift-Stores ohne Ende. Oxfam UK soll relativ unbedenklich sein, habe ich zumindest in einem Arte-Bericht gesehen.
    Aber für Basicteile ist das leider nicht unbedingt eine Lösung: Jeans, TShirts und Unterwäsche - wo bekommt man das unbedenklich her? Ich lande da meist bei H&M, muss ich zugeben.
    Was vielleicht das Problem ein kleines bisschen eindämmt ist, nur Naturfasern zu kaufen. Zumindest sind die etwas besser als rein chemisches Zeug. Das schlimmste an Chemiefasern ist m.E. Acryl. Igitt. H&M macht Cardigans daraus, Trendfirmen wie Mina, Yumi, Darimeya und Orion London schöne Hippie-Kleidchen. Naja. Sweetshoparbeit und Kunstfaserdreck passt da nicht wirklich zu :)

  • Marie

    liebe jessie, vielen dank für die tolle zusammenfassung.
    guter journalismus ist es auch manchmal "nur" qualitativ zusammenzufassen, was dir gelungen ist. merci!

    was mich interessiert: jessie, wie gehst du als "modefrau" mit solchen informationen um? man behält es im hinterkopf, ganz klar: aber heißt das für dich jetzt öfter mal "nein, danke"?

  • sasa

    @Beccah: mir ist nicht ganz klar, warum du die bezeichnung "bio" bzw. "organic" universal auf ein level mit konventioneller ware stellst?! hier liegt doch eine differenzierung des begriffs auf der hand: z.b. bei lebensmitteln bekomme ich bei produkten des verbands demeter natürlich eher einen artikel mit wünschenswerten inhaltsstoffen, produktiondsbedingungen, transportwegen, saisonalen angeboten und entsprechender deklarierung auf der verpackung als bei produkten, die nur das eu-bio-siegel tragen. bio aus dem discounter ist eben nicht gleich bio aus dem bioladen bzw. aus den bio-hofläden direkt vom erzeuger. das argument mit dem hohen preis zieht für mich nicht, wenn ich mir anschaue was viele kunden im supermarkt an teuren fertigprodukten auf das band legen. es ist eher eine frage der bequemlichkeit und der ewig mangelden zeit. der umgang mit lebensmitteln lässt sich in vielerlei hinsicht auch auf den konsum von kleidung übertragen. bio-baumwolle vom großen schweden ist nicht gleich bio-baumwolle vom öko-label hess natur. denn auch wie der verband demeter bei seinen lebensmitteln, KONTROLLIEREN solche öko-labels strenger und umfassender. auch findet man "knallfarben" bei ökolabels weniger. eben weil sie meist nur chemisch herzustellen sind. ich gebe zu. ich habe auch meine probleme gut designte kleidung bei öko-labels zu finden, die für mich bezahlbar sind. zum glück gibt es ja mittlerweile genügend lichtblicke in sachen design siehe vilde svaner. klar, kann man sich weniger kleidung leisten und mal eben im vorbeigehen ein schickes teil finden ist nicht mehr so leicht, aber die billig gekaufte chemie-kleidung von primark dreimal heiß zu waschen ist keine lösung. das halten die sowieso nicht aus :-)
    @jessie: warum schreibst du von krankheitserregern? mit der kleidung aus asien wird keine vogelgrippe importiert ;-) schwermetalle und weichmacher können krebs auslösen, aber deshalb sind sie keine krankheiteserreger im üblichen sinne.
    vielen dank, dass du/ihr dem thema hier ein forum gibst!

  • Lilly Rose

    Danke für den Bericht, ich werde mir die Sendung wohl noch ansehen. Als shoppingbegeisterte Fashionistas sollten wir uns bewusst sein, woher unsere Lieblingsteile stammen und unter welchen Bedingungen sie produziert werden. Da nicht zu erwarten ist, dass der Weltkonsum so schnell komplett auf Bio-Kleidung umsteigt, frage ich mich, wie eine Lösung dieses Problems aussehen könnte. Kann man irgendwo zuverlässige Informationen finden, wie und wo welche (in Deutschland erhältliche) Marke produziert?

    Lilly

  • Jessie

    @Marie Gute Frage, das weiss ich selber noch nicht so genau, da man sich davor nur schlecht schützen kann. Ich trage beispielsweise ebenso viel Vintage, wie hier aber schon deutlich wurde, ist auch das nicht die Lösung des Problems. Von nach Chemie stinkender Kleidung werde ich mich auch in Zukunft fernhalten, keine Plastikschuhe kaufen und wenn möglich (weil oft verschleiert) auf das Herkunftsland achten.

  • piga

    passend zum thema und zu den fragen, welche hersteller in sachen umweltfreundlichen und fairem engagement vertrauenswürdig sind, lohnt sich die anschaffung der august-ausgabe der stiftung warentest. eine erste kurze zusammenfassung gibts hier bei der ZEIT online:
    http://www.zeit.de/lebensart/mode/2010-07/produktionsbedingungen-mode-test?page=all

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