Tokio: Der letzte Tag
So ganz haben wir die Eigenheiten der Japaner an drei Tagen natürlich nicht kennenlernen können. Irgendwo zwischen grosser Begeisterung für Neues und ausgeprägter Treue ihren Traditionen gegenüber leben sie scheinbar glücklich und zufrieden in ihrer eigenen Welt. Ab und an äugen sie in Richtung Europa (am liebsten England und Frankreich) und USA. Daraus mixen sie sich eine aufregende Lebensweise, die wir mit grosser Neugier verfolgt haben.
Am letzen Tag schlenderten wir also zu Fuß durch Harajuku und kamen abends in Daikanyama vorbei. Kurz bevor morgens der Flieger ging, machte ich noch einen Abstecher zum beeindruckenden Meiji-Tempel. Die Reizüberflutung hielt sich komischerweise in Grenzen und ich hoffe, dass die 100% positiven Eindrücke noch lange in meinem Kopf verwurzelt bleiben.
Lieblingsknotenpunkt und -anlaufstelle war natürlich die berühmte Kreuzung aus "Lost in Translation". Überhaupt verfolgte uns der Film den ganzen Trip über. Nachdem wir uns am Tag in karstadtähnlichen Gefilden verirrt hatten, fanden wir ein schöneres Kaufhaus mit dem Namen Laforet. Hier gab es Skurriles und Schönes, T-Shirts von 5 Preview und andere gute Styling-Inspirationen. Haarbommel aus den 80ern lagen hier neben Portemonnaies von MCM und Carrera-Sonnenbrillen lagen auf Grashüpfern und goldene Rolex-artigen Uhren wurden durch Abbildungen der heiligen Maria verschönert.
Bei Tokyu Hands gab es auf acht Stockwerken allerlei Qualitätsnippes wie Gesichts-Gymnastik-Trainer, Solar-Aufladegeräte für iPhones oder USB-Sticks mit Plastikhunden, die Sit-Ups üben. Gegenüber stiegen Music-Acts im Hotel Chelsea ab und ein Stück die Strasse runter gab es im überall vorzufindenen Design T-Shirts Store Graniph falsch aus dem Deutschen übersetzten Klamauk. Natürlich konnten wir auf den Besuch der empfohlenen Gyre Mall nicht verzichten. Hier haben sich Maison Martin Margiela, Bulgari, Chanel und Comme des Garcons ansehnliche Stores herrichten lassen. In der Nachbarschaft eines "Hello Kitty"-Shops, Kondomgeschäften und einer Filiale von Kitson/Aigle/Petit Bateau/H&M/Zara/You name it feiert sich die Konsumbereitschaft der Japaner hier auf einer täglichen und beständigen Art und Weise.
Wenn sie sich nicht gerade um die Meisterschaft im Shoppen antreten, haben die Einwohner Tokios aber noch ganz andere tolle Zeitvertreibe. So zahlt man das Taxi am liebsten, in dem man sein Handy auf die Armlehne des Fahrers legt und mit dem darauf installierten Abrechnungssensor verbunden wird. Wenn es dunkel wird, werden sie vom Hunger in Restaurants getrieben, die entweder Sushi oder Korean Barbecue servieren. Manchmal gibt es noch Küchenschwerpunkte nach örtlichen Abgrenzungen und so schmeckt es in manchen Bistros mehr nach Osaka oder China, aber hier gilt wie so oft: Die Mischung macht's. Wertvoller Tipp noch von meiner Seite: Mit Hosen sitzt es sich an den niedrigen Tischen viel einfacher als in kurzen Kleidern :-) Mit vollem Magen geht es weiter in Richtung Vergügungsviertel. Wir machten einen Stopp im Warehouse, zogen dann weiter ins Womb (Fotos verboten, Klimaanlage aus). Ausgehen ist ein teurer Spass: Der Eintritt liegt so bei 30 Euro, Drinks gibt's für 8 bis 14 Euro und eine Taxifahrt beginnt mit 710 Yen und kann schon für übersehbare Strecken bei umgerechnet 17 Euro landen. Relativ günstig sind dafür die Stundenhotels: Vier Stunden liegen bei 35 Euro, wer spontan die ganze Nacht bleiben möchte, kommt auf ca. 50 Euro. Auf Wunsch gibt es bestimmt auch ein Nichtraucherzimmer, auch wenn hier überall gequarzt werden kann, was das Zeug hält. Draussen auf der Strasse versammeln sie sich aber liebend gerne in den "Smoking Areas", um der gemeinsamen Leidenschaft frönen zu können.
Tokio, I think I love you and I hope to come back soon! Tausend Dank an dieser Stelle geht an das Team von Diesel, die uns zu diesem Abenteuertrip eingeladen haben.




















Lisa
wow, die fotos sind klasse!! sind die denn mit einer speziellen einstellung aufgenommen??
@Lisa: Die Einstellung heisst "Lochkamera". Die Kamera ist von Leica, V-Lux 20.
Lia
Tolle Fotos Julia und Dein Bericht hat bei mir viele schöne Erinnerungen geweckt. Tokio ist eine wundebare Stadt.
julia
schöne fotos, gibt's noch mehr? und was macht die maus in tokio?