von Jessie in Kategorie: Designer 4Kommentare

Interview mit Schmuckdesignerin Sabrina Dehoff

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Einen Monat hat Schmuckdesignerin Sabrina Dehoff noch Zeit, ihre erste eigene Boutique in Berlin zu eröffnen. Bis dahin ist noch viel zu tun, für ein Interview stand sie mir gestern dennoch bereitwillig zur Verfügung. Wer Sabrina noch nicht kennen sollte, dem sei ein Besuch auf ihrer Website mit Onlineshop wärmstens empfohlen, gehört sie doch zu den vielversprechendsten Berliner Designern, die besonders im Ausland Erfolge feiern. Egal, welchen Design-Conceptstore man betritt oder anklickt, irgendwo lauern bestimmt ihre bunten Kordelarmbänder- und ketten, entweder besetzt mit Strasssteinen oder schlicht und edel mit einem Stück Gold in Form gebracht.

Dabei ist ihr wiederkehrender Kordelschmuck als bleibendes Element in den Kollektionen gar nicht von Beginn an verantwortlich für das hohe Wiedererkennungspotenzial: Den Einstieg als Schmuckdesignerin schaffte sie mit ihren "Little Helpers", einem Sortiment aus Lederanhängern, die auf goldene und silberne Ketten gezogen wurden. Die Figuren: Schlangen, Pistolen, Tauben, oder silberne Theatermasken. Heute gibt es zum Beispiel auch humorvolle Tieranhänger, Wolken oder Federn. Und selbstredend die Ausweitung auf Tücher, Colliers und die eigene kleine Kollektion, die vergangenen Sommer bei der Berliner Modewoche debütierte. Ob Sabrina den Fokus weiterhin auf Kleider richten will, wie ihr Laden aussehen wird oder wo ihre sieben liebsten Plätze in Berlin sind, verrät sie euch im Interview.

LM: Dein Werdegang...

Sabrina Dehoff: Ich bin eigentlich Modedesignerin und habe auch Modedesign studiert, erst am Lette-Verein in Berlin und dann in London habe ich am RCA meinen Master of Art gemacht und habe danach mehrere Jahre in Paris gearbeitet. Erst für Guy Laroche und dann für Lanvin, als Junior und Senior Design Assistant. 2000 bin ich nach Berlin zurück gekommen, war sechs Jahre im Ausland, zwei Jahre in London, vier Jahre in Paris. Zurück in Berlin habe ich dann meine eigene Firma gegründet mit zwei Kollegen, der eine der mit mir bei Lanvin gearbeitet hat, der andere war bei Yves Saint Laurent. Wir haben ein Fashion-Consulting-Büro aufgemacht, VonRot, in der Torstrasse damals. Da haben wir eigene Projekte gemacht, Ausstellungen, eigene Kollektionen, aber viel Consulting; wir haben Kreativprojekte für Sportmax, Moschino, DKNY, Lanvin gemacht. 2005 trennten sich unsere Wege langsam im Guten und freundschaftlich, ich habe ein Baby bekommen und wie sich die Dinge dann so verändern - Carsten ging fest zu Moschino, Peter hat eine Professur in Hamburg bekommen und ich musste dann ja auch noch was machen... und habe 2006 mit dem Schmuck begonnen. Das war aber anfangs noch ein Testprojekt, ich hab gewusst ich will in Berlin bleiben, es gab nichts wirklich wo ich arbeiten konnte meiner Qualifikation entsprechend, also musste ich was eigenes machen. Da wollte ich erst einmal testen. Ich habe schon immer viel Handarbeit gemacht, Stickereien, gerade in Paris auch Couture-Stickereien und da war es naheliegend, Schmuck und was Kleines zu machen. Da habe ich mit den "Little Helpers" angefangen, kleine Lederanhänger mit Katzenmasken und Mausmasken und konnte das direkt im Apartment und darauf im Quartier 206 verkaufen, bin auf die Premium gegangen und danach auch mal auf eine Accessoire-Messe in Paris und dann nahm es so seinen Lauf. Jetzt sind wir hier und machen unseren ersten Laden auf!

(Kollektion "MEpaired YOunited")

LM: Und deine eigene Modekollektion kam auch noch dazwischen.

Sabrina: Das kam über ein Projekt mit Nokia zusammen, wo wir eine Präsentation in der Bar Tausend gemacht haben. Da ging es darum, den Schmuck an Models zu zeigen und da habe ich natürlich die Kleider für gemacht und dachte: "Bisschen was hat mir doch gefehlt." Das ist doch was anderes; dieses grossflächige Arbeiten. Schmuck ist vielmehr Produkt und einfach anders. Da war es einfach schön, mit einer Fläche und Farben und Materialien zu arbeiten. Im Sommer darauf habe ich meine erste Kollektion, "Naturesque" mit dem Blumendruck, gemacht und gleich ein neues Lieblingsfeld von mir entdeckt: Drucke entwickeln, selbst Fotos machen, zusammenstellen und das war ein Bestandteil. Die Idee war eigentlich, dass die Kleider wie einen Rahmen für den Schmuck bilden. Dass es nicht so ist, dass die Kollektionen den Schmuck überholen oder ersetzen. Die Kleider sind der Hintergrund, weshalb sie schlicht und flächig gehalten sind. Es geht mehr um Farben, es sollen coole, understated Cocktailkleider sein, das ist die Idee. Es ist alles auch nur aus Seide und hochwertig verarbeitet und eben mit den Drucken und Farben. Farben sind so ein Punkt, womit ich gerne arbeite, ich mag Schwarz, aber eben auch Farben, ich bin nicht der Designer, wo alles schwarz/weiss auf den Stangen hängt.

(Kollektion "Naturesque")

LM: Deine Kleider können aber schon ohne den Schmuck existieren.

Sabrina: Ja, klar. Die Idee ist, dass für mich die Kombination die Möglichkeit ist, etwas Gesamtes darzustellen. Ein Bild, ein Frauenbild, das ich im Kopf habe und das ist einfach nett, zusätzlich zu machen. Trotzdem ist es ein Seitenaspekt und nicht das Hauptding.

LM: Designst du weiter Bekleidung?

Sabrina: Ich mache Sommer- und Herbstkollektionen, aber ich habe nicht die Strukturen für Modenschauen. Ich habe mich zwar mit dem Thema Investor auseinandergesetzt, aber ich habe einen bestimmten Ansatz, wieso ich die Sachen mache und einen Hang zum Individualismus bzw mein eigenes Ding zu machen. Ich habe eigentlich keine Lust auf Kommerzialisierung und dass ich bestimmten Dingen enstsprechen muss. Ich sag nicht, dass ich es nie machen würde. Wenn der richtige dafür käme, wenn es passen würde.. Aber es ist so, Bekleidung auszubauen geht nicht ohne Investor. Wenn man es richtig machen will mit Shows, musst du einfach zusätzliches Geld haben. Im Sommer hatte ich die Koop mit Nike und man muss immer gucken, wie sich sowas extra finanziert. Bekleidung trägt sich nicht von alleine, es ist viel kostenaufwändiger in der Entwicklung, Musterkollektionsektionsgestaltung... Das ist ein ganz anderes Feld.

(Kollektion "Amusement")

LM: Wie kommen deine bekannten Kordelarmbänder und die tollen Farbkombinationen und zustande?

Sabrina: Ich probiere immer sehr viele verschiedene Materialien aus und kombiniere diese immer wieder neu. So bin ich auf die Kordel gestossen, daraus ist der Knoten entstanden und der Name "unification bracelet". Diese Designs kamen super an und sind zu einem Klassiker geworden. Früher dachte ich immer, die "little helpers" stehen für mich. Die anderen Kollektionen haben sich immer ein bisschen verändert und habe mit neuen Elementen und Materialien gespielt. Die Kordel ist jetzt ein Material, mit dem wir auf jeden Fall weiterarbeiten und das in jeder neuen Kollektion in verschiedenen Farben und Kombinationen vorkommt. Es gibt dort unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten und ist mittlerweile zu einem Markenzeichen geworden. Am Anfang habe ich immer sehr oft den Stil verändert, bis mir eine Freundin sagte, dass das zu schnell ginge. Ich brauche etwas, was für mich steht und das ist jetzt gerade die Kordel. Ob das nun immer bleibt... aber es ist mittlerweile sehr präsent und ich bin nicht mehr die Einzige, die damit arbeitet. Es ist aber auch einfach ein tolles Material.

LM: Wie wählst du die Shops aus, in denen du verkaufst und welche Märkte sind für dich wichtig?

Sabrina: Hauptsächlich über Messen, aber inzwischen bekommen ich auch viele Direktanfragen über die Presse. Die Einkäufer rufen mich dann an und ordern einfach über eine bebilderte Preisliste. Diese Kunden sitzen meistens in Dubai oder Saudi Arabien und ich habe sie meistens noch nie getroffen. Ich verkaufe 80% ins Ausland und das ist bei der Presse ähnlich, da wird auch viel im Ausland kommuniziert. Deshalb bin ich hier oft nicht so präsent, weil sich viel ins Ausland verlagert hat. Diese Auswahl an Läden ist gar nicht bewusst enstanden. Ein Teil definiert sich natürlich über den Preis, den sich nur bestimmte Läden leisten können. Meine Designs treffen einen Geschmack, der sich verkauft und die Leute kommen immer wieder. Die Kollektion ist mittlerweile sehr breitbandig. Ein Teil sind niedliche feine Ketten mit den kleinen Anhängern, die von vielen Ländern bestellt werden. Dann gibt es noch die cooleren Sachen, wie die Bracelets oder die grosse Colliers mit Strass, die ich nur in Premium Stores zu höheren Preisen verkaufe. Aber die bunten Kordelketten laufen in Skandinavien sehr gut. Das ist für mich ein wichtiger Markt, der sogar Japan abgelöst hat, der lange Zeit für viele der wichtigste war. Die Wirtschaftskrise hat die Japaner vorsichtiger ordern lassen, ich bin gespannt wie sich das jetzt weiterentwickelt, wenn der Wert des Euros sinkt. Auch wichtig sind Saudi Arabien und Dubai geworden. Die wollen die ganzen Neonsachen kaufen, die mit Strass besetzt und möglichst bunt sind. Erstmal etwas befremdlich, aber ich kann mir diese Sachen in dieser Region sehr gut vorstellen. Also es hängt sehr von den Länder ab, was bestellt wird.

(Kollektion "Sweet Surrender")

LM: Obwohl Deutschland nicht zwingend dein Hauptmarkt ist, eröffnest du deinen eigenen Store in Berlin - warum?

Sabrina: Ich bin in Berlin und auch in Deutschland in vielen Stores vertreten, zum Beispiel bei Hayashi, die auch sehr gut verkaufen. Ich habe schon einige Fans hier, leider konnte man bis jetzt aber nirgends die ganze Kollektion kaufen und ich konnte mich nicht im Gesamtbild präsentieren. Ich möchte den Laden nutzen, um mehr Unikaten zu fertigen und Sachen auszuprobieren. Ich finde es auch schön, einen Laden einzurichten, wie man sein Label sieht. Im Laden wird es zudem eine riesige Farbauswahl geben. Wir haben ein Schrankmodul mit mehreren Schubladen eingebaut, in einer Lade wird es nur Bracelets in vielen verschiedenen Farben und Grössen geben. Darauf freue ich mich persönlich besonders. Wir haben ja bisher nur auf Bestellung produziert, ohne einen eigenen Stock zu haben.

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LM: Wie und wo produzierst du und wie gross ist dein Team?

Sabrina: Die Produktion ist natürlich sehr viel Handarbeit. Wir produzieren und beziehen alle Materialien aus Deutschland. Wir haben vieles halbfertig da, wie die ganzen Anhänger und Ketten. Wir liefern sofort aus, weshalb so gut wie alles auf Lager da sein muss. Mein Bruder hilft mir bei der Produktion und wir haben immer ein bis zwei Praktikanten. Ich helfe auch mit, stelle aber grösstenteils nur die Prototypen her. Ein eigenes Label ist leider auch mit sehr viel Bürokratie verbunden. Ich sitze sehr viel am Computer, da ich auch dort designe. Die Vorlagen müssen genau vektorisiert sein, um sie an die Produktion weitergeben zu können.

LM: Wie wird dein Laden aussehen?

Sabrina: Wir haben zu Hause ein kleines Modell gebaut und sind daher in der Gestaltung schon ziemlich klar. Der Laden wird relativ dunkel: Die Wände werden Schwarz und auf dem Boden werden viele Perserteppiche liegen, die ebenfalls schwarz oder zumindest sehr dunkel sind. Es wird eine Spiegelwand geben, in die ein Regal integriert ist. Es soll ein bisschen nach Art Déco aussehen, sehr schick, mit vielen Spiegeln, dunklen Tönen und Messing. Der Schmuck soll gar nicht so präsent sein, weil ich es nicht so mag, wenn es so nach Schmuckstübchen aussieht. In meinem eigenen Store und Onlineshop wird es auch Kleider und Tücher geben, die aber sehr limitiert sein werden - es soll nur eine Studiokollektion geben.

LM: Inwiefern spielt dein eigener Geschmack in deine Designs hinein?

Sabrina: Ich habe Lieblingsteile, die ich sehr mag und Sachen, die ich mehr an jemand anderem sehe. Ich selber trage ehrlich gesagt gar nicht soviel Schmuck. Abends kombiniere ich schon bewusst ein Collier zum Kleid, aber oft vergesse ich es auch... Die Kleider trage ich natürlich auch gerne, aber die mache ich auch nicht direkt für mich.

LM: Wie sieht die Frau aus, die deine Designs trägt?

Sabrina: Ich habe eine Frau vor Augen, die mehr einer Freundin entspricht. Sie ist eigenständig, sehr stilbewusst und humorvoll. In meinen Augen hat es aber auch viel mit einer Haltung zu tun.

LM: Hast du einen Berliner Lieblingsdesigner und was trägst du gerne?

Sabrina: Ich habe einen ziemlich gemischten Stil. Ich gehe gerne zu Acne oder einfach zu Schwarzhogerzeil. Aber eigentlich kaufe ich sehr gerne in Paris auf den Messen ein, weil man da irgendwie ein anderes Gefühl hat. Ich belohne mich dann dort immer mit etwas Schönem.

LM: Was trägst du heute?

Sabrina: Mein Oberteil ist von Isabel Marant, die Jeans von Kollektion Tiger of Sweden und das Tuch und die Kette ist von mir.

Sabrinas Laden eröffnet am 7. Juli 2010 um 19.00 Uhr in der Torstraße 175, es wird zum Beispiel spezielle Produkte nur für die Eröffnung geben!

Natürlich dürfen Sabrinas sieben liebste Plätze in Berlin nicht fehlen:

  1. Mein Zuhause
  2. Mein neues Büro/ Atelier und bald Laden in der Torstrasse
  3. Buchhandlung König, beste Kunstbuchhandlung in der Jebenstrasse an der Museumsinsel
  4. "Al contadino sotto le stelle - Weinbar" einfach nett und lecker
  5. Schwarzhogerzeil Boutique in der Mulackstr. - ein bißchen Paris und andere schöne Sachen
  6. Spielplatz am Gipsdreieck, da habe ich eigentlich die letzten 7 Jahre verbracht
  7. Kingsize Bar
Tags: berlin, designer, interview, sabrina dehoff, schmuck
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4 Kommentare

  • rob

    fantastische frau und sie plaudert so wundervoll vor sich hin.
    herrlich offenes und erfrischendes interview – danke jessie!

    ich vermisse nur die visualisierung der »little helpers«...
    gibt’s da gar kein bild zu?

  • Katha

    @rob: die "Little Helpers" findest du ganz einfach auf ihrer Seite: http://www.sabrinadehoff.de/sdshop/index.php?cPath=1_2

  • rob

    super katha!
    vielen lieben dank!

    :)

  • Marie

    Amazing ! I love it .

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