Derek Blasberg kassiert 2.500 Dollar für Party-Bericht?
Wenn Journalist und Buchautor Derek Blasberg von der Party eines Magazins oder einer Marke berichtet, klingt das immer, als hätte man die Sause des Jahres verpasst. Mit A-Prominenz vollgestopfte Gästelisten, freier Champus, großartiger Live-Act und eine Prise Gossip, den Blasberg durch seine Freundschaften zu bekannten Models oder Designern streuen kann. Was wir uns laut Jezebel fortan merken können: So toll ist das vermutlich alles gar nicht, denn Mr Blasberg kassiert angeblich bis zu 2.500 Dollar für einen Party-Bericht - nur nicht von dem Medium, bei dem er schreibt, sondern den Ausrichtern der Party. Bei der YSL-Opium-Feier in New York war er "beratend" tätig und hat ein wenig auf dem Feld der "social media" ausgeholfen.
Teuer bezahltes Consulting für Firmen ist in der Branche üblich (wie auch sonst soll man sich die Luxusfummel leisten können), fraglich bleibt die Methode der direkten Bezahlung im Austausch gegen einen Artikel bzw. garantierte Berichterstattung. Ein ähnliches Thema im Bezug auf Blogs hatten wir schon mal angesprochen, worauf eine spannende Diskussion folgte, aus der hervorging, dass objektive Meinungen besonders im Modejournalismus schlichtweg nicht möglich seien. Gilt dasselbe für Blasberg und in dem Fall style.com, die den Artikel veröffentlicht haben? Was ist mit dem Thema Transparenz? Spannend finde ich hier, egal ob Recht oder Unrecht, eigentlich nur die Meinung von Außenstehenden (also von euch Lesern) - schliesslich kann man sich ja als Konsument aussuchen, ob man Texte von bestimmten Personen am Ende liest oder nicht. Mehr dazu übrigens auch bei The Cut.





Boris
Tja, was soll man sagen, käuflich, üblich, oder ein fragwürdiges Verständnis, was Journalismus ist?
Marcel
Ich hab eindeutig den falschen Job...
Ninia
sehr spannendes thema!
was herr blasberg da macht, ist absolut kein journalismus in meinen augen. sondern einfach below-the-line-werbung. also werbung, die man als konsument als solche nicht auf den ersten blick erkennt. klar kann er das machen, fragwürdig finde ich es trotzdem und auch schade, dass style.com da so mitmacht. und natürlich kann ich mir als konsument aussuchen, was ich lese, nur um diese sachen dann auch richtig für mich werten zu können, muss ich wissen, was dahinter steckt. schließlich kann ich mir als konsument auch aussuchen, ob ich bei der werbung im tv zuschaue oder wegschalte, aber da weiß ich wenigstens, was mich erwartet.
Lisa
mal ehrlich, lasst ihr euch ernsthaft von diesem party-gefasel mit all den ach so tollen promis und bildern blenden? mich überrascht diese meldung wirklich null, diese übertriebene berichterstattung von in wirklichkeit todlangweiligen, gesponsorten festivitäten ist man ja auch schon hierzulande gewohnt - alles schall und rauch. (was partyberichte mit journalismus zu tun haben sollen, ist mir eh schleierhaft - das mal nur am rande.) dass der derek die kohle einstreicht, kann ich fast schon nachvollziehen, dass style.com da mitspielt, schon deutlich weniger und dass leute diesen müll ernsthaft für bare münze nehmen überhaupt nicht. die lösung: den schrott einfach nicht mehr lesen!
Mirjam
Wer möchte schon ausführliche Berichte über eine Party lesen? Ob die Cupcakes überteuert waren und scheusslich schmeckten oder die Promis total gelangweilt auf ihren VIP- Sofas sassen, möchte niemand wissen. Es geht doch ausschliesslich um die "wunderbare Glamour- Welt" in die man eintaucht wenn man so einen Partyartikel liest. Realität erwartet doch niemand.
Jen
Lisa trifft's doch genau: Seit wann sind Partyberichte Journalismus? Ich finde ja schon Modeartikel grenzwertig, weil einfach das Sujet nicht wirklich… von Bedeutung ist. Das ist nicht beleidigend gemeint, gute Unterhaltung ist viel wert. aber "Journalismus" ist für mich immer noch das, was ich den langen Reportagen des New Yorker lese, oder im TIME Magazine, und manchmal in der ZEIT.
Melli
Nicht wirklich überraschend, eine Hand wäscht die andere, aber da kann ich nur die Meinung von Ninia wiederholen, mit Journalismus hat das m.E. nichts mehr zu tun.
Von kritischer Distanz oder auch ehrlicher Begeisterung des "Schreibers" bleibt so nicht mehr viel übrig. Bezahlte Partyberichterstattung als Unternehmens-PR trifft es vielleicht eher. Aber ich gebe zu: Aufgrund des Unterhaltungswertes werde ich die Blasberg Berichte weiterhin lesen - ganz kritisch natürlich ;-).
Huch, da muss ich wohl nochmal kurz einsteigen: Es geht nicht um Partyartikel im Allgemeinen, nur eben aber an diesem Beispiel. Blasberg schreibt schließlich auch für die NY Times, das Interview Magazine oder auch über Modenschauen/Präsentationen auf dem style.com-Blog.
Bridget Moerth Macklin
Wie genau sollte denn unabhängiger Journalismus aussehen, der kritisch von der YSL-Opium Feier berichtet?
Jeder Teenager weiß, die Models und It-Girls werden für Geld herangekarrt, die VIP werden zum Teil auf wirklich Alles eingeladen und eigens eingeflogen und so weiter. Wen sollte das also zurecht stören, dass jemand wie Derek Blasberg, der mit seinem Content unter anderem auch die Bloggerbranche erfolgreich mit durchfüttert, von YSL eine Art Schmerzensgeld dafür nimmt. Die Lifestylebranche hat es noch nie genau genommen mit derlei ethischen Grundsätzen, in welchem Sinne auch immer.
Die behauptete Unabhängigkeit irgendwelcher Akteure, die für diese Branche arbeiten, bis hin zu exponierten Bloggern, kann ich nur als Koketterie auffassen. Wie unabhängig ist es denn, dass bestimmte Marken auf eurem Blog nie vorkommen? Jeder in diesem Genre folgt den Gesetzen der Vermarkter oder ist schnell raus.....
Aber wie viele hier schon richtig und klug kommentiert haben, wer nimmt diese künstlich aufgeblasene Schnipselverwerterbranche schon ernst. Im günstigsten Fall bringt deren Arbeit Unterhaltung. Da gucke ich aber lieber die Daily Show....
Und Derek Blasberg möchte ich zugutehalten, dass er das Handwerk des Schreibens zumindest ordentlich gelernt hat. Das macht ihn in dieser Branche der Selbstberufenen und It-Irgendwas zu einem Rufer in der Wüste.
Patricia
Ich habe nichts dagegen, solange die Texte als "gesponsert" gekennzeichnet sind. Schließlich gibt es eine Kennzeichnungspflicht für Werbung.
jojo
Wer sich als Journalist sieht und sich als solcher bezeichnet, sollte den Pressekodex befolgen.
Dieser sagt unter Ziffer 7: "Klare Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen"
Wer also den Anschein macht, ein redaktionelles Blog zu schreiben und dann bezahlten content veröffentlicht, verar... seine Leser.
ausführlich anchzulesen unter: http://www.presserat.info/uploads/media/Pressekodex_01.pdf
Anne
Was Blasberg mit Worten tut stört mich persönlich im Bereich der Fotografie massiv...
Man sieht diese verrückt gekleideten Leute in crazy Posen. Gut ausgeleuchtet. Augenscheinlich den Spaß ihres Lebens habend.
Und dann steht man auf einer dieser (z.B. Vice-) Parties und langweilt sich bis zur Ohnmacht.
Nebenberuflich schreibe ich selbst auch bezahlte Promo-Texte für einen Club. Ganz normal, dass da alles exorbitant dramatisch geschildert wird. Ein Beruf wie jeder andere. Man hat eine Aufgabe und die erledigt man nach bestem Gewissen.
Und manchmal schafft man es, dass die Leute mit einer solch gespannten Stimmung in den Club gehen, in Erwartung, etwas GANZ GROßES zu erleben, dass sich der Funke ganz von selbst entzündet und die Veranstaltung letztendlich tatsächlich großartig wird.
Für diese Gage würde ich auch zu oberflächlichen Berichterstattungen ja sagen.
Wenn es um politisch motivierte Texte geht, ist die ganze Sache um Welten verwerflicher!
Beccah
es ist doch nicht nur bei den "profis" zu beobachten, dass ausgeleuchtet, ausgeschmückt, und euphemisiert wird.
jeder blogger, jeder "berichterstatter" über das eigene leben auf facebook greift zu solchen sprachlichen (und fotografischen) liftings.
ob man sich dadurch (1) selbst darstellt, (2) die szene, der man angehört, oder (3) denjenigen, der bezahlt, spielt letztlich keine rolle.
in der partyberichterstattung geht es vordergründig um seifenblasen, um phantasiewelten, die auch ein glamouröses licht auf die mit ihr verbundenen felder (fashion, kunst, society) zu werfen.
man sollte - wie hier schon so oft betont - diese artikel nicht wie reportagen, sondern wie kolumnen lesen: ein augenzwinkern verbirgt sich zwischen allen zeilen.