von Lisa in Kategorie: Lifestyle 11Kommentare

Nespresso-Panel: Scott Schuman und Mary Scherpe

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Gestern Abend lud Nespresso Scott Schuman alias The Sartorialist und Mary Scherpe zum Kaffeeklatsch ins Michelberger Hotel ein. Bei kleinen Häppchen, Wein und Wasser ging es hauptsächlich um den Style in verschiedenen Modemetropolen, Ähnlichkeiten und Gegensätze, Must-Haves im Sommer und natürlich um den ältesten Energy-Drink der Welt.

Wir trafen auf eine souveräne Mary, die das Gespräch leitete und den lieben Herrn bei Ausschweifungen charmant wieder zurück zum Wesentlichen führte. An den Wänden hingen Fotos, die der Sartorialist im Rahmen der neu erschienenen Kaffeemaschinen in Paris und New York schoss.

Über diese Kollaboration spricht er offen und ehrlich: Natürlich gehört Kaffe zu seinem Leben, aber sein Blog ist unabhängig, nicht gebunden an Auftragskunden oder sonstigem Druck von oben. Dieser Auftrag verschafft ihm Möglichkeiten, die er sonst nicht hätte, nämlich einen Flug nach Berlin mit Hotel und einem extra Tag, an dem er in eigener Sache auf Schöne-Menschen-Jagd gehen kann. Das gleiche folgt heute in Moskau. Erstmal vielen Dank für diese Offenheit.

Weiter erklärte er Mailand zu der Stadt, in der die Mode zu hause ist und in der er die meisten Fotos schiesst. Als Grund nennt er den nicht sehr ausgeprägten Tourismus und das Ausleben der eigenen Kultur, was in anderen Ländern leider zunehmend fehlt. In einer Sache waren sich beide Referenten einig: einen globalen Style gibt es nicht. Scott verglich London mit New York, Mailand und Paris geniessen Alleinstellungsmerkmale und große Parallelen sieht er zwischen Berlin und Stockholm. Der auffälligste Trend ist für ihn in unseren Breitengraden, das Fehlen der Absätze am weiblichen Fuß. Der Berlin-Stockholm-Stil ist geprägt von einer schwarz-grauen Farbpalette, einer weiten Silhouette und kleinen Details. Eine passende Erklärung hatte er sofort parat: Wir sind einfach schöne und glückliche Völker, die die Natürlichkeit schätzen und mit unserer Kleidung dieses unterstreichen und nicht vertuschen wollen. Bei uns zählt Understatement. Diese These ist gewagt, gefällt mir aber irgendwie. Darüber nachdenken werde ich trotzdem nochmal.

Interessant fand ich noch die Frage, in der es um Blogs und Magazine ging. Während Mary Platz für beide Formate einräumte, hielt er sich etwas bedeckter. Seine nicht ganz falsche Meinung war, dass potenziellen Magazingründern der nachkommenden Generation eher auf online Formate ausweichen könnten, um anfallende Kosten für Papier und Print zu verhindern. Also bahnt sich eher ein Rückgang der Print-Magazine an, bei dem im Gegenzug natürlich die Wertigkeit dieser seigt. Aber wir hoffen mal, dass sich immer wieder Kreative auf dieses "Glatteis" wagen werden.

Bei der Frage nach einer guten Geldanlage in Sachen Luxus-Güter, liess er seinen Frust raus. Er würde sich wünschen, dass wir zukünftig mehr Geld in gute, wirklich gute Schuhe investieren. Lieber auf ein paar verzichten, denn warum glauben wir fotografiert er häufig nur ab der Hüfte? Mal schauen, ob wir ihm diesen Wunsch erfüllen können. In Sachen Sommer-Accessoires ist er jedoch wieder ganz zahm: er wünscht sich von allen ein glückliches Lächeln... Hach, das kann er haben!

Alles in allem interessante bis haarsträubende Informationen von einem sehr geschwätzigen, unerwartet kleinen (ich meine damit nur die Körpergröße) Sartorialist, der genau weiss, was er geschaffen hat.

Einen interessanten Bericht findet ihr auch bei fnart.

Tags: mary scherpe, michelberger hotel, nespresso, sartorialist, scott schuman

11 Kommentare

  • phiene

    ein schöner artikel! sehr gern auch weiterhin so ausführlich - das thema gibt es ja auch her!

  • claire

    ach lisa, manchmal wünschte ich, du würdest den laden hier übernehmen. ;)

  • Rene Schaller

    inhaltlich wars eher soßig und beide seiten wirkten einander nicht gerade zugetan, zumindest mein eindruck. bei den schuhen hat er recht, das publikum untermauerte die these auch zusätzlich...

    es war schon spannend im großen und ganzen, wie so solche sachen halt immer sind.

    (aber so unmöglich braun wie im letzten bild erschien er gestern gar nicht. da hat ihm der blitz etwas übel mitgespielt... )

  • piga

    mieser selbstbräuner oder einfach unglücklich getroffen? gott, sieht der gute scott karottig auf dem letzten bild aus... :-)

    danke an lisa für den informativen bericht!

  • Daniela

    Du hast den Abend sehr gut auf den Punkt gebracht!
    Wir sehen uns auf der nächsten Veranstaltung:-)

    LG

  • Patricia

    Gute Widergabe des Inhalts. Ich bin ganz anderer Meinung als Scott, denn eigentlich entwickelt sich Mode sehr einheitlich. In früheren Jahrhunderten hatte ja schon die Frau aus dem Nachbardorf einen völlig anderen Look. Man erkannte jeden Reisenden sofort an seiner fremden Kleidung. Wenn man Mode also in einen größeren zeitlichen Kontext einordnet, ergibt sich daraus eine völlig andere Sicht, als Scott sie hat.

  • Karolin

    Vielen Dank für die tolle und vor allem ausführliche Recap! Ich konnte leider nicht vor Ort sein, du hast aber dafür gesorgt, dass ich mich zumindest nicht mehr so sehr darüber ärgere ...

  • anne

    "(...) Wir sind einfach schöne und glückliche Völker, die die Natürlichkeit schätzen und mit unserer Kleidung dieses unterstreichen und nicht vertuschen wollen.(...)

    ich war ja nicht da, kann also nicht sagen, was scott schuman da "im original" da von sich gelassen hat, aber sollte er tatsächlich von "schönen und glücklichen völkern" gesprochen haben, fände ich das so dermassen daneben, wie zuschreibungen gewisser äusserer merkmale auf verschiedene nationalitäten nur eben sein können. da schwingen mir -ehrlich gesagt- unangenehme assoziationen mit. doch wie gesagt: bevor ich mich zu weit aus dem fenster lehne: ich kenne die ursprünglichen aussagen des sartorialist nicht.

  • Nadine

    Hey Lisa, ich glaube du standest gestern hinter mir. Vielen Lieben Dank für den ausführlichen Bericht, es ist mal ganz interresant zusehen, was die anderen aus so einem Event zaubern.

  • jen

    Ich glaube, Scott wollte höflich sein – nicht umsonst hat er Stockholm zuerst genannt, dann Berlin. Wir Deutschen haben keinen erkennbaren eigenen Stil (das Fehlen der interessanten Schuhe ist da wohl nur das i-Tüpfelchen). Alles, was man in den großstädtischen Szenebezirken sieht, erinnert an das, was man in Skandinavien in zahlreich auf den Straßen sehen kann. Uns fehlt auch modisch die Identität, die die Italiener oder Franzosen nonchalant tragen. Ist vielleicht geschichtlich bedingt, aber ich fürchte, wir sind einfach uncool. Oder warum nur ist so gut wie jedes Foto bei "Stil in Berlin" und Co. von einem Nicht-Deutschen, der in Deutschland lebt?

    Auch, wenn ich ein zynisches "Ja sicher!" von mir gegeben habe auf Schuman's Aussage hin, es bräuchte kein Geld, um sich stilvoll zu kleiden (jeder 2. Eintrag auf seinem Blog beinhaltet mindestens ein Accessoire über 600 Euro), so halte ich ihn nach wie vor für den einzig wahren Stilblogger der Welt.

  • Jonas

    Die Meinung von Herrn Schuman teile ich größtenteils nicht. Als in Stockholm lebender Deutscher sehe ich zwischen Berlin und Stockholm durchaus Stil-Unterschiede (wenngleich es sicherlich gewisse Parallelen gibt und die Städte teilweise auch voneinander abkupfern)

    Vor allem aber sehe ich in Stockholm zahlreiche (!) "Absätze am weiblichen Fuß" - ja, zumindest mehr als in Deutschland.

    Bezüglich der Farbpalette gebe ich ihm Recht; Schwarz und Grau dominieren das Bild in Stockholm - in Berlin womöglich auch. Und gewiss, er hat Recht, dass Understatement von Bedeutung ist, vor allem in Schweden. Aber all dieser Kleidungsstil, weil Schweden und Deutsche "schöne und glückliche Völker" sind? Und im Umkehrschluss sind die Italiener deswegen also ein unglückliches Volk?

    Understatement - oder viel eher das Bestreben, soziale Ungleichheiten zu mindern - ist hier, in Schweden, durchaus historisch fest verankert. Das exzentrische Herausstechen aus der Masse ist in Schweden nie sonderlich populär gewesen - verewigt im sogenannten, oft debattierten Jantelagen ( http://de.wikipedia.org/wiki/Janteloven sowie http://www.sweden.se/eng/Home/Work/Life-in-Sweden/Sweden-in-a-nutshell/What-Swedes-are-like/ ).

    Logischerweise beeinflusst diese Mentalität auch den Kleidungsstil und somit auch die schwedische Modeidentität. Schweden hat - im Gegensatz zu Italien und Frankreich - zum Beispiel keine (nennenswerte) Vergangenheit in der Haute Couture. Der schwedische Stil und die schwedische Mode sind viel mehr von rationaler Schlichtheit und alltagstauglicher Funktionalität geprägt.

    Im Gegensatz zu den südeuropäischen Modenationen lebt die schwedische Mode vor allem das Ideal von "demokratischer Mode" - von Mode, die allen zugänglich ist. Der schwedische Modekunde ist sehr mode-, zeitgleich aber auch sehr kostenbewusst. 99 % aller Kleidung, die in Schweden designt wird, wird durch die großen Modeketten wie H&M verkauft. In Schweden gilt: es braucht keinen Reichtum, um gutes Design schätzen und tragen zu können. Und vielleicht ist gerade auch das ein Grund, warum es hier so anders aussieht, anders als in Italien oder Frankreich, wo bekanntlich vor allem die traditionsreichen, europäischen Luxusmodehäuser ihre Heimat haben und für die Länder stilprägend sind.

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