Das Soho House eröffnet in Berlin
Das Soho House müsste uns spätestens seit Sex And The City (Samantha kämpfte einst verzeifelt um einen Mitgliedsausweis) zumindest vom Namen her ein Begriff sein. Gegründet in London, gibt es mittlerweile Ableger in New York, West Hollywood und ganz frisch auch in Berlin. Hierfür wurde das ehemalige Gebäude der SED an der Torstraße/Ecke Prenzlauer Allee für schlappe 30 Millionen umgebaut.
Das Soho House versteht sich als privater Club, in dem sich die Kreativszene trifft, Veranstaltungen stattfinden und Kontakte geknüpft werden können. Nicht jedem ist eine Mitgliedschaft gegönnt, denn man sollte in den Medien, der Mode oder Kunst tätig sein. Der Mitgliedsbeitrag liegt je nach Alter und Angebot zwischen 400 und 1200 Euro jährlich. Dafür bietet das Soho House aber auch ein Hotel (gegen einen Aufpreis), Veranstaltungsräume, einen Fitnessbereich, eine Dachterrasse mit Pool, ein Restaurant und eine Bar.
Am Donnerstagabend durfte die Presse erstmalig eintreten und bei frittierten Calamaris und Champagner die hübsch eingerichteten Räume bewundern. Für das Interior bekommen die Macher auf jeden Fall Pluspunkte: Sessel und Sofas sind mit bunten Blümchenmustern, Kord oder Samt bezogen und wild durcheinander gewürfelt worden. Große Kamine und Barhocker aus Leder geben dem Ganzen irgendwie den Look eines hochwertigen Jugendfreizeitheims. Vor allem die Dachterrasse ist imposant und der Gedanke einer Mitgliedschaft ist von anfänglich totaler Ablehnung in gar nicht so weite Ferne gerückt. Unter den Gästen war Galerist Johann König, Modemacher Michael Michalsky, Sängerin Yvonne Catterfeld und Gesichter aus der Berliner Kunstszene. Ich bezweifle allerdings stark, dass es nur bei den "Kreativen" bleibt, denn irgendwo muss ja auch das Geld für dieses gigantische Projekt herkommen...
Wie die Morgenpost in einem kritischen Artikel feststellte, ist Berlin was "Privatclubs" und monatliche Beiträge angeht, sehr skeptisch. Auch ich muss hier noch anfügen, dass ich eine "Verkapselung" der kreativen Szene in Berlin sehr schade fände und es eher als eine Entwicklung in die falsche Richtung sehe. Wir bleiben also gespannt, wie das britische Konzept hier aufgenommen wird und ob man in Zukunft öfter ins Soho House geladen wird.
Hier einige Impressionen:














Sarah
Sowas will ich bitte auch in München! :-)
Saskia
"Entwicklung in die falsche Richtung" - so sehe ich das auch. In England finde ich sowas irgendwie passend, aber es muss doch nciht alles, wirklich alles globalisiert werden. Meiner Meinung nach passt das überhaupt nicht zu Berlin, wo man bisher immer ganz nett miteinander gelebt hat, statt voneinander abgeschirmt und distanziert.
Dachpool - sehr gern. Aber dann bitte für alle.
Mikk
°°ganz schön "BERLIN-MITTE STYLE" von allem etwas...aber so soll es sein...hmm, jaaa -- gefällt mir°°
mimi
So etwas Elitäres muss es ja auch geben . Nur frage ich mich ...gibt das Berlin her ? Gibt es so viele Berliner,denn die müssen den Laden ja füllen , die sich ab 400 Euro im Monat gegenseitig beschwaffeln ?Vor allem Künstler und Medienleute.... verdienen in Hamburg und München weitaus mehr !
@mimi: Der ganze Spass soll 400 bis 1200 Euro im Jahr kosten. Das ist zwar auch viel, aber immerhin nicht ganz so utopisch ;-)
Rene Schaller
der beitrag klingt im ersten moment viel, aber wenn mans auf den monat umrechnet ist`s mit 75€ doch halbwegs ok. dass das ganze funktioniert steht ein bisschen ausser frage, ich bin zuversichtlich, aber selbst sehe ich mich da nicht wirklich. ich will meine freizeit nicht mit pseudofreunden verbringen und immer das vermeintlich nächste geschäft im hinterkopf haben, denn das ist sinn und zweck dieser clubs.
frank
und inwiefern sollte das lesmads-leser ansprechen oder interessieren?
julia hat sicher schon einen antrag gestellt
Katharina
oh gott katastrophe! langsam geht berlin den bach hinunter. warum sind die nicht nach münchen gegangen, da würde man sich nach so einem ding alle zehn finger lecken. als geborene berlinerin blutet mir das herz wenn ich sehe was für giftpilze in der stadt wachsen. gerade in der kunst sollte nicht geld der entscheidende faktor sein, dadurch entsteht eine unglückliche verschiebung von aufmerksamkeit und förderung hinsichtlich derer die entweder genung geld oder genug schleim im beutel haben. es ist gut die kreative szene zu vernetzen denn damit tut sie sich manchmal ein bischen schwer, dies ist jedoch, zumindest für diese stadt der komplett falsche ansatz. das paradoxe daran ist, dass die investoren nach berlin kommen weil sie es für hip und cool halten, und dann durch ihre eigenen projekte den besonderen flair der stadt zerstören. Sie wird aufgemöbelt für die die erst nach langer zeit merken was in der welt geschieht und sich dann ins gemachte nest setzen. coolness zu kaufen hat noch nie funktioniert, auch Yvonne Catterfeld und co. werden das vielleicht irgendwann merken.
Svea
Da trennt sich dann wohl die Spreu die vom Weizen. Ich hoffe ein gutes Mitglieds-Auswahlverfahren und das man nicht mit einem in Berlin weltbekannten Prominenten-Friseur am Pool plantschen muss…
karla
@frank: muss ich Dich jetzt jedes Mal fragen, ob ich mich für einen Artikel bei Les Mads interessieren darf, auch wenn er vielleicht nicht 100% direkt zur Mode passt? diesen Artikel über ein neues hippes Hotel mit interessantem Design, in dem (vielleicht oder vielleicht auch nicht) Modemenschen absteigen können, finde ich so abwegig jetzt nicht. im Gegenteil: es interessiert mich tatsächlich. und nun? vielleicht sieht man sich ja mal im Pool, wenn dort während der Berliner Modewoche gefeiert wird. ich liege im Wasser und Du bist der Bademeister?
Svea
@karla
Nunja, für den Durchnitts-Leser von Lesmads dürften 450€ Jahremitgliedsschaft + 200€ Aufnahmegebühr dem zur Verfügung stehenden Jahrestaschengeld entsprechen.
Ein Jeanskonto kann man m.E. nicht überziehen.
Linda
Ich bin weder Berliner, noch Fan von elitären Artsygesippschaften, aber hier gleich wieder vom Untergang einer Stadt zu sprechen tut langsam fast weh. "In der Kunst sollte Geld nicht der entsch Faktor sein", trotzdem wird auch in diesem heiligen art not money Feld Geld verdient, und zwar ordentlich. Und ich rede nicht von irgendwelchen Düssedorfer Kö Galeristen. Kunst und Design heisst eben nicht NUR independent low budget Versammlungen in irgendwelchen schrammeligen Hinterhofläden, es gibt nunmal auch andere Seiten. Es wird sich wohl nicht die komplette Kreativszene geschlossen dort versammeln und nie wieder rauskommen. Wer sich da vernetzen will um dicke Geschäfte abzuschliessen, wo genau liegt das Problem? Was tut Berlin daran schlecht? (ernstgemeinte Frage). Kommt jetzt wieder "Schwabisierung", Mietexplosion, Lounge vertreibt UrBerlinerEckkneipe??
mel
Ich muß auch sagen, daß die komplette Austattung ein wenig nach Sperrmüllmöbeln- und zwar geschmacklosen- aussieht...Laura Ashley, Marmor, Cord...und das große Badezimer in mömmesgrün...ich weiss es nicht, trägt man das jetzt so?
Miri
Also ich find's toll! Wo kann man die Mitgliedschaft nochmal beantragen ;-)?
Mia
Ich bin überhaupt kein Fan privater Clubs. Sowas ist elitär und widerlich.
lisa
wer da hin geht- geht hin, wer nicht hin will- geht nicht hin und wer hin will und nicht eingeladen wurde lässtert rum.
schlechtes design und absolut ungemütlich!- und ich war eingeladen...
Bente
Ich denke, dass das in Berlin funktionieren wird. Gerade in einer Stadt, in der so viel an Kunst und Kultur passiert, ist es vielleicht ein Ort, an dem sich Menschen, die es bezahlen wollen, untereinander austauschen und weiterhelfen können. Zwar auf hohem Niveau, aber immerhin.
Die wachsende Hauptstadt ist zwar ein großer Mix, aber eben auch eine Stadt, in der sich Wohlhabende tummeln. Diese sind nun mal wichtig für die Kunst. Ich denke, Künstler aller Richtungen (Musik, Film, Malerei, Mode...) haben gerade zu Beginn ihrer Karriere Schwierigkeiten, ihren Unterhalt zu bestreiten. Die meisten verdienen niemals genug, einige wenige werden sehr wohlhabend. Da ist es wichtig, Räume des Austauschs zu schaffen. Mitunter auch wenn sie elitär sind.
Kunst ist nun mal ein Wirtschaftszweig, aber auch eine große Liebhaberei. Das beweisen die teuren Kunstwerke z.B. in Museen und auf Auktionen. Kunst hat seinen Wert in sich, aber eben auch aus Sicht des Betrachters. Dieser macht den Wert aus. Picasso ist nur so viel wert, wie ein Liebhaber bereit ist, dafür zu bezahlen.
Deshalb kann ich Lindas Kommentar nur voll unterstützen, die da schreibt, dass Kunst nicht nur Low Budget ist und sich auch nicht die ganze Berliner Kunstszene im Soho House versammeln wird. Es gibt immer Orte, an denen Menschen bestimmer Interessen zusammen kommen, ob das nun ein elitärer Club ist oder die Kunstausstellung in der VHS.
katja
in london ist das soho house schon ein relatively big deal. ich hatte immer den eindruck dass es dort sehr "chic" ist wenn man eine mitgliedschaft im soho house hat oder auch nur freunde die eine haben und einen mitnehmen können.
im sommer wurde dann immer gerne damit angegeben wenn man den ganzen tag auf dem dachpool des soho house cocktails geschlürft hat zwischen diversen big names.
allerdings hab ich es auch so rausgehört das solang man nur halbwegs "wer" ist auch durchaus kostenfrei eine mitgliedschaft ergattern kann.
was ich von dem berlin soho house halte wird sich herausstellen. hängt sicher davon ab wer sich eine mitgliedschaft krallt.
Sabrina
Die Blümchensofa ist so abturnend :D
nonno
yvonne catterfeld gehört auch definitiv zur kreativen kunst- und modeszene berlins.
annika
Würde mich jetzt jemand mitnehmen um im Sommer im Pool über den Dächern Berlins zu plantschen, würde ich definitiv nicht nein sagen. Selbst sind mir zwar spontane Grillsesssions an der Elbe lieber, aber ganz ehrlich soooo schlimm isses doch auch nicht, das es sowas in berlin nun gibt … man muss ja net hinschauen ; )
marie
Dazu zitiere ich hier mal meinen Lieblingsrapper (Serch):
"Es war einmal ein kleines verwarlostes Viertel, keiner wollte es haben und sich drum kümmern, doch es ging seine Schritte und machte, was es wollte und tat halt so Dinge. An Häuser gemalt, mit Freunden im Park, und eigentlich war alles einfach und klar, doch leider geschah es, nach einigen Jahren, kamen die Zeitungen und sagten es sei geil hier zu schlafen. Wer schlafen sagt, sagt auch Appartment, wer Appartment sagt, sagt Latte Macchiato, wer Macchiato bestellt, der will alles haben, eine Bar, ein Café, einen Club und Eintritt zahlen. Vom Eintritt zahlt man die weissen Fassaden, und reinigt sie abends von Zeichen und Namen und auch von der Kultur wegen der man eigentlich da ist und so war das Viertel bald frei von Elan... Und so traf sich die Jugend um das zu beweinen, bewaffnet im Mai mit Flaschen und Steinen, die Stadt zu befreien von Yuppies und Haien...doch das war nicht einfach, denn sie warn allein, gegen die Staatsgewalt und ein Wirtschaftssystem, die in schwarzen Zeiten das Viertel zerlegen in Arm und Reich, Glück und Misere...."
Ich habe dieses Hause gemocht, so wie es war, seit ewigen Zeiten....schade drum, find ich...wenn es tatsächlich darum ginge, Künstler-Connections zu fördern, wäre so ein Mitgliedsbeitrag nicht notwendig....es geht doch mal wieder nur ums Geschäft und den Gewinn (fürs Soho-house). mich ärgerts einfach, dass da so getan wird, als verfolge man moralisch wertvolle Ziele...trotzdem bin ich mir (leider) ziemlich sicher, dass es in Berlin langsam genug Leute gibt, die ihre Kohle gern dafür ausgeben würden.
:-(
Teresa
Bin auf jeden Fall gespannt wie es in Berlin ankommt. Aber ganz richtig, solange eine "Verkapselung" wie du schon sagst Lisa, nicht stattfindet, finde ich es eher interessant wie sowas außerhalb von New York oder London funktioniert. Außerdem: bei Berlin mach ich mir da eigentlich keine Sorgen, dass sich das zum einzigen Treffpunkt entwickelt ;)
Rike
Ich kann Katharinas Kommentar nur unterstützen. Auch ich bin in Berlin aufgewachsen und, auch wenn das nicht der entscheidende Faktor ist, habe die Veränderung der Szene beobachten und miterleben können. Dieser Club zwingt mir aber auch nur ein Kopfschütteln ab. Im Leben würde ich die SED nicht gutheißen, aber das ist schon irgendwie pervers, dass in so einem Haus jetzt ein Juppie-Elitär-Club ist. Und auch wenn ich selbst in dem Bereich tätig bin, sowas braucht es wirklich nicht. Berlin ist nicht New York und da ist auch nicht schlechtes dran. Wozu solche Clubs oder an die Friedrichsstraße "Upper Eastside" schreiben? Das ist ist wirklich arm und gar nicht sexy!
alexandra
man mag von "elite"-clubs halten was man will - was aber rechtfertigt diese abartige inneneinrichtung? für ab € 75,- im monat möchte ich nicht in einem totsanierten gebäude mit hässlichen weissen plastikfenstern in einem sammelsurium von auf flohmarkt getrimmten pseudo-mobiliar an bistro-tisch inspirierten marmorplatten sitzen und darauf warten, dass sich ein "unkonventioneller berlin-charme" einstellt, während mir chippendale's nightmare und ein besonders hübsch platzierter feuerlöscher ins gesicht springen...schade um das schöne alte haus!
Eva
Wenn es nicht läuft, können sie das Haus immer noch an Starbucks verkaufen - deren grüne Sessel stehen ja schon drin.
Sarah
Ich hab den ganzen Spaß gleich neben der Haustür und würde, nur um den Pool auf dem Dach nutzen zu können bezahlen. Allerdings stimme ich denen zu, die sagen, dass es nicht zu Berlin passt. Berlin hat seinen ganz eignen Flair und so etwas gar nicht nötig.
Vor allem nicht in dieser Gegend. Trotzdem bin ich gespannt, wie es sich entwickelt.
aber Julia und Jessie sind sicher schon ganz verrückt danach uns ihre Fotos von da oben zu zeigen ;)
petra
Die Geschmacklosigkeit der Inneneinrichtung erstaunt mich. Ist das jetzt 80er Jahre Retro und ich hab´s nicht kapiert?