von Julia in Kategorie: Lifestyle 2Kommentare

Martin Eder bei Eigen + Art

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Fast kollabierend vor Müdigkeit wurde ich am Samstagabend noch kurz um die Ecke in die Galerie Eigen + Art geschleppt. Auf einen Wein und gute Kunst der Leipziger Schule liess ich mich dann doch noch überreden und habe es nicht bereut. Die ab jetzt bis zum 2. Mai dort hängenden Bilder von Martin Eder zeigen unter dem Titel "Ugly" in erster Linie Portraits von Frauen, ergänzt wird die Hängung durch eine Ziege und einen Mops.

Leider konnte ich keine Datei von meinem letztgenannten Favoriten finden und habe euch daher den oben zu sehenden Ersatz der zwei Katzen herausgepickt. "Auf Wiedersehen" benannte der Künstler sein Werk und schafft es damit, meine katzenrelevanten Kindheitserinnerungen wieder aufleben zu lassen.

Der Beschreibungstext zu "Ugly" lautet wie folgt (Quelle: Eigen + Art):


Betritt man Martin Eders Porträtgalerie mit dem Titel „Ugly." erwarten einen in mittelalterliche Guckkästen gezwängte Damen, zu denen sich ein tierisches Duett aus Ziege und Mops gesellt hat. Wie bereits in seinen fotografischen Arbeiten konzentriert Martin Eder sich auf die Einzelfigur und überträgt dieses Vorgehen als atmosphärische Verdichtung nun in die Malerei. Denn anders als in früheren, illustrativen Inszenierungen teils mehrfiguriger Gruppen mit Kleintieren als Spielgefährten, bemühen sich hier ausschließlich Einzelkämpfer redlich um Standhaftigkeit im asketischen Dunkel. Der Titel ist Programm, man findet unter den Dargestellten weder Beauties noch Niedlichkeiten, vielmehr unansehnliche Hautrötungen und ratlose Gesichter.
Eine Angehörige dieses Kabinetts der Unzulänglichkeiten ist in eine Kutte gehüllt und hält eine Sense, die ebenso gut ein Besenstiel sein könnte. Eine weitere, entkleidete Halbfigur gibt sich unter ihrem langen Haar als Amazone zu erkennen. Dabei gewährt die pastos gemalte Fläche des Hintergrundes den dreidimensionalen Figuren keinen Raum für Bewegungsfreiheit, so dass die viel zu stark durchbluteten Hände die durch den Platzmangel verursachte physische Verwüstung andeuten. Mit Dix'scher Geste fuchtelnd muss sich eine im Babydoll schließlich in Embryonalstellung in ihre klaustrophobische Behausung quetschen.
Bei aller dem Genre des Porträts inhärenten Intimität, bleibt als letzte Hoffnung Empathie und gleichzeitig bekommt man es mit der Angst zu tun, die Damen könnten einen aus ihrer beklemmenden Behausung heraus anspringen. Das formlose Sitzen der Schattenwesen wird zum Ausdruck melancholischer Introspektion, wobei man sich fragt, ob die Portraitierten gerade aus einem unheilvollen Lusttraum oder einem dumpfen Albtraum erwacht sind. Am Ende ist man sich nicht recht sicher, ob die Zusammenkunft der Damenriege von R.E.M.'s „Everybody Hurts" oder einer schmetternden Heavy Metal Musik untermalt wird.

Martin Eder, geboren 1968 in Batzenhofen bei Augsburg, studierte von 1996 bis 2001 an der Hochschule für bildende Künste Dresden Bildhauerei. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Seine Arbeiten wurden unter anderem in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Galerie Neue Meister, der Kunsthalle Mannheim, im Gemeentemuseum Den Haag, im LA Moca in Los Angeles sowie im Barbican Arts Center in London gezeigt. Die aktuelle Publikation „Der blasse Tanz" erscheint im April 2010 beim Prestel Verlag und ist auf über 300 Seiten ein Überblickskatalog der Auqaurelle, dessen rund 150 Abbildungen von einem Essay der Soziologin Isabelle Azoulay begleitet werden. Anlässlich der Dresdner Einzelausstellung 2009 erschien unter dem Titel „Der dunkle Grund" im Dumont Verlag das Gesamtverzeichnis des malerischen Werkes von 2003-2008.

Martin Eder
Ugly.
Galerie EIGEN + ART Berlin
27.März 2010 - 02.Mai 2010

Tags: eigen + art, kunst, martin eder
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2 Kommentare

  • christina

    die beschreibung hört sich gut an. aber leider kann ich mir wenig darunter vorstellen. denn das katzenfoto sieht für mich eher nach kitsch und nicht nach kunst aus. aber soweit will ich mich nicht aus dem fenster lehnen.

  • nele

    Schade, dieses Kätzchenbild ist nicht wirklich geeignet, die düstere und spezielle Art von Martin Eder zu zeigen. Zwar sind Katzen oft Motiv seiner Kunst, oft allerdings nur als Gegenpol.

    Dazu:http://www.stern.de/kultur/kunst/martin-eder-fiese-kaetzchen-und-boese-damen-im-neglig233-653657.html

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