Kim Noordas Kampf gegen die Magersucht
(Kim Noorda in der italienischen Marie Claire April 2009 fotografiert von Jacques Olivar)
Die Modebranche ist unerbitterlich. Niemand hört da gerne von Essstörungen. Die Figuren der meisten Models sind nun mal angeboren und haben nichts mit Bulimie oder Magersucht zu tun - heisst es, um das Geschäft mit den makellosen Körpern zu relativieren. Debatten um Magermodels sind spätestens seit Kate Moss´ Heroin-Look an der Tagesordnung, Gesetze, Mädchen nur ab bestimmten Kleidergrössen auf den Laufsteg zu lassen konnten sich bislang nicht durchsetzen und selbst die neuen Superfrauen wie Lara Stone, Chrystal Renn oder "Moppel-Ausgaben" der grossen Magazine ändern nicht das omnipräsente Problem.
Und dann kommt ein niederländisches Topmodel um die Ecke, das wir in Editorials immer bewunderten und glauben wollten, dass ihr Körper bestimmt so schlank und rank ist, weil sie sich gesund ernährt und einfach gute Gene hat. Kim Noorda bricht mit dem Ideal und schrieb ein Jahr lang Tagebuch für die amerikanische Vogue, worin sie von ihrer vor einem Jahr diagnostizierten Magersucht berichtet. Sally Singer ermutigte sie zur Therapie, da sich Kim vertrauensvoll an sie wandte: "As a model, she said, she had learned to eat "a little less." Der Teufelskreis unter Castingdirektoren, Kolleginnen, Stylisten und Modelagenten macht sich in ihrem Text immer wieder bemerkbar: "During the shows the pressure caused me to lose weight, and people complimented me on that."
Wie ihr bislang einjähriger Kampf verlief, erzählt Kim offen und ehrlich und kann damit vielleicht auch anderen Frauen Mut machen, sich ihren Problemen zu stellen.




susa
das ist ein wirklich empfehlenswerter und lesenswerter artikel! auch wenn ich dünne models irgendwie faszinierend finde, bin ich letztens bei einem photo von alexa chung erschrocken. ich glaub, über dem bild stand: alexa, wir lieben dich! man müsste ergänzen "und deine dürren beinchen, die vor lauter haut und knochen schon echt merkwürdig verdreht aussehen" ... fällt das eigentlich niemandem außer mir auf, dass die TOTAL abgemagert aussieht?
Isabella
Agree! Fantastisch ergreifender und spannender Artikel.. und doch möchte man ein klitze kleines wenig wie sie aussehen, die Models.. ;-)
@Susa welches Bild meinst du?
Artemide
Auf Fotos mögen die meisten ja noch gut aussehen (PS sei dank) aber habt ihr euch mal die Mädels auf der Fashionweek in Berlin live angesehen? Während der Joop! Show zB währe ich fast nach der Hälfte gegangen weil es
a) völlig unästhetisch ist
b) nicht ansatzweise etwas mit der Realität im Markt zu tun hat
Das Gros der Kunden (die die beworbene Ware auch bezahlen können) lässt sich von solchen Kampagnen abschrecken. Denn seien wir doch mal ehrlich... Welche 14Jährige kann/will 1500,- für ein Hängerchen ausgeben...
caro
krass, dass die vogue ihr dafür eine plattform bietet.
und wird das was ändern? das ist doch nur eines von vielen beispielen, aber in der industrie ändert sich doch nichts, oder? und mit ihrem tagebuch wird sie die magersucht nicht überwinden, sondern damit, aus dem ganzen auszusteigen.
mel
ich finds wunderbar. jeder der in der branche das schweigen bricht sorgt dafür, dass es die leute irgendwann nicht mehr verleugnen und schönreden können!
Lin
traurig aber wahr. Kenne selbst Leute die modeln oder auch nicht, die dieses Problem haben. Dass die Vogue dafür eine Plattfrom bietet hat mich positiv überrascht. Schade finde ich nur, dass das inzwischen ein In-Thema ist über das geredet wird - sich aber doch leider nichts ändert.
Nadine
Es ist traurig mit anzusehen, aber ganz ehrlich wem war das nicht klar das viele Models hungern um die angestrebte Size 0 zu bekommen. Wie sagt neulich Nina Hartmann in einem Interview so treffend, wo Sie Hunger hatte und sie nach Essen fragte und man ihr entgegnete "Sweet models don't eat".
Elisa
ich finds irgendwie abartig, dass es leute gibt die viel zu dünne models toll finden. eww.
stella
Danke für diese ehrlichen und gravierenden Fakten, die immer wieder verherrlicht werden und verharmlost werden!
Eva
Das Grundproblem ist nicht mal das Gewicht, sondern die Orientierung an kindlichen bzw. kindlich aussehenden Models.
Anstatt über Konfektionsgrößen zu diskutieren sollte man lieber eine Altersgrenze festlegen, ab der Mädchen auf den Laufsteg oder in Magazine dürfen. Denn wenn die Mode von Frauen präsentiert würde stünden die Mädchen nicht unter dem Druck sich an kindlichem äußeren zu orientieren.
Und um Artemide noch einmal Recht zu geben, sollten die Modeschöpfer auch an Ihren Kundenkreis denken, der bekanntlich aus Damen jenseits der 30 besteht.