15. Februar 2010
Montag

Daunenjacke von Moncler: Die Aufklärung

Moncler_Jacke_Zoll_11.jpg
Der Bericht über Julias neue Daunenjacke von Moncler, die sie in einem Onlineshop bestellt hatte, verursachte teilweise große Empörung, da es sich hierbei eventuell um eine Fälschung handeln sollte. Wir wollten diese Vermutung natürlich nicht im Raum stehen lassen und haben uns in den vergangenen Tagen intensiv mit Produktpiraterie beschäftigt und vom Kaufhaus bis zum Zoll Experten befragt.


Anfänglich waren wir etwas ratlos, wo man denn da mit der Recherche beginnt. Also haben wir uns mit der vermeintlichen Fälschung ins Kaufhaus Lafayette geschlichen und sie mit einer originalen Moncler Jacke verglichen. Hierbei fiel auf, dass auch die “Fälschung” sehr detailreich verarbeitet wurde und von den Knöpfen bis zu den Waschanleitungen alles auf ein Original hindeutete. Doch es kamen Zweifel: Das Label ist im direkten Vergleich unsauber gearbeitet und es befindet sich auf der Brusttasche, obwohl es auf allen anderen Jacken auf dem Ärmel angebracht war. Auch das separate Täschchen für die Waschanleitungen fehlte und das Futter fühlte sich anders an. Aber trotz der Unterschiede konnte sich die befragte Fachverkäuferin nicht zu einer eindeutigen Aussage hinreißen lassen, ob die Jacke nun “fake” war oder nicht.

Etwas unbefriedigt kamen uns dann die diversen Urlaubsreportagen in den Sinn, in denen die im Ferienparadies erworbenen Brillen und Uhren von Gucci oder Chanel bei der Einreise in Deutschland am Flughafen auf Echtheit geprüft werden. Also telefonierte ich mich durch den Zoll, bis ich endlich mit dem Fachmann in Sachen Plagiate Herrn B. verbunden wurde (seinen vollen Namen dürfen wir aus nachvollziehbaren Gründen nicht nennen) und einen “Besichtigungstermin” mit ihm ausmachte.

So fanden wir uns am Freitag früh um 10 Uhr in der Luftfracht des Flughafen Tegel wieder und erhielten von Herrn B. sehr aufschlussreiche Informationen, die weit über unsere eigentliche Frage hinausgingen.
Der Experte vom Zoll stellte ziemlich schnell fest: Bei Julias Jacke handelt es sich tatsächlich um ein sehr gut gemachtes Moncler-Fake, das wahrscheinlich aus einer Fabrik stammt, die vor Jahren für Moncler produzierte, dies aber jetzt aber nicht mehr tut. Zumindest nicht mehr offiziell.
Und dann plauderte er los: Jede bekannte Marke hinterlegt beim Zoll streng geheime, aber eindeutige Hinweise auf Verarbeitungsmethoden und Vertragsproduzenten. Anhand dieser Angaben wurde bei unserer Jacke deutlich, dass es schon beim Ort des Onlinehändlers, Shanghai, nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. Auch ist der Hangtag falsch und das Label, wie bereits vermutet, zu unsauber verarbeitet und an einer falschen Stelle angebracht. Beim sehr genauen Vergleich mit dem Original sind zudem die Nähte zu ungerade.
Auf unsere Frage, wie man sich grundsätzlich vor online bestellten Fälschungen schützen könne, antwortete er sehr trocken: “Gar nicht.”
Auf ein paar Dinge sollte man trotzdem achten. Es ist wichtig, immer den Standort des Händlers zu beachten, denn 90% der aus China stammenden Markenartikel, die über das Internet verkauft werden, seien Fälschungen. Aber auch wenn der Standort gar nicht genannt oder verschleiert wird, oder die Zahlungsmethode nicht sicher erscheint, ist größte Vorsicht angesagt.
Dann führte uns Herr B. noch in den Präsentationsraum des Zolls, in dem ein paar Exemplare oft geschmuggelter Waren ausgestellt sind. Viagra, Taschen von Louis Vuitton, Hosen von D&G, Nike-Schuhe ohne Federung… aber auch alle möglichen Reptilienprodukte. Über drei Tonnen Schmuggelware werden jährlich alleine am Flughafen Tegel abgefangen!

In der Zwischenzeit erreichte uns auch die kurze und knappe Email von Monclers PR-Abteilung mit der Auskunft, daß der Onlinehändler “jacketinhand.com” nicht von Moncler authorisiert sei und man deshalb nicht weiterhelfen könne.
Das Fazit: Die online bestellte Daunenjacke von Moncler ist ein Fake und der Internetshop “jacketinhand.com” mit Sitz in Shanghai bzw. Hong Kong natürlich nicht weiterzuempfehlen. Der Shop tritt auch unter alternativen Namen auf. Allgemeine Vorischt bei vermeintlichen Sonderangeboten, vor allem bei Onlineshops aus China, ist deshalb geboten. Bei Verdacht kann man zumindest bei der jeweiligen Marke nachfragen, ob der Onlinehändler autorisiert ist, die entsprechende Ware zu verkaufen. Denn auch bei Shops in Europa und sogar in Deutschland ist man vor Produktfälschungen nicht 100% sicher.
Wir sagen “Danke!” für die Kommentare unserer aufmerksamen Leser, die die ersten Hinweise auf die mögliche Produktfälschung geliefert haben.
Während wir recherchierten, kontaktierte uns Lena Marie, die gerade ihre Abschlussarbeit über Markenfälschungen und Designerimitate (“Is imitation the sincerest form of flattery?”) schreibt. Sie freut sich sehr, wenn ihr den von ihr angefertigten Fragebogen ausfüllt. Dafür geht es hier entlang. Merci beaucoup!

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6 Kommentare zu “Daunenjacke von Moncler: Die Aufklärung

  1. @lisa: toller schreibstil! und ich kann mich nur anschließen, endlich mal ein interessant kanackiges thema. weiter so!

  2. Da ich den Stein mit ins Rollen brachte: Danke für den Nachbericht und die Recherche.
    Ganz ehrlich: ich finde, ihr solltet sowas recherchieren bevor ihr einen “Geheimtipp” für einen Webshop in Hongkong veröffentlicht.
    Trotzdem Danke, schöne journalistische Arbeit. Lisa ist die neue Julia.

  3. Aber ihr könnt doch keine gefälschte Ware weitergeben? Ich meine .. ist das nicht paradox? Du willst das Ding nicht anziehen (durchaus verständlich), aber jemand anderes soll BEWUSST mit einer gefakten Monclerjacke durch die Gegend rennen?
    Ich habe nicht viel Ahnung von der Materie Produktpiraterie, aber .. richtig finde ich das nicht!
    Trotzdem: ich mag den Artikel :D

  4. Aber ihr könnt doch keine gefälschte Ware weitergeben? Ich meine .. ist das nicht paradox? Du willst das Ding nicht anziehen (durchaus verständlich), aber jemand anderes soll BEWUSST mit einer gefakten Monclerjacke durch die Gegend rennen?
    Ich habe nicht viel Ahnung von der Materie Produktpiraterie, aber .. richtig finde ich das nicht!
    Trotzdem: ich mag den Artikel :D

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