Freitag, 22. Januar 10 | 13:01 Uhr | Jessie | 25 Kommentare | Kategorie: Designer
MBFWB: Patrick Mohr Winter 2010
Den ganzen gestrigen Tag über sprach man am Bebelplatz mehr oder weniger über das Gerücht, Patrick Mohr wolle bei seiner zweiten Show im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin nach den Obdachlosen auf dem Laufsteg echte Schnecken präsentieren. Der Name der Show "Are we shaved" liess schon einige unschöne Dinge assoziieren und die Veranstalter sollen den Sonderwünschen des Münchener Designers nur wenig Begeisterung entgegen gebracht haben. Aber: Schocken ist eben modern, Anti-sein in und bringt gleichzeitig viel Presserummel mit sich. Was spricht also gegen einen Exoten während der sonst so gesitteten Modewoche.
Kurz nach acht Uhr drängelten sich dann so einige schaulustige Leute vor den Pforten und nach Einlass wurde klar: An Gerüchten ist eben doch immer was dran. Die gefürchteten Schnecken wurden tatsächlich präsentiert, allerdings lediglich in einem Bauchladen eines Bodybuilder-Models. Bloß wieso? Nun, Schnecken sind geschlechtslos und essen gerne Zucker. Dieser wiederum fand sich zwischen den Zähnen der Models wieder und sah aus der Entfernung nach schlechtem Hasenzahn aus. Mohr präsentierte also neben "normalen" Models viel nackte Haut, gestählerte Muskeln, Silikonbusen und Bums-Techno von DJ Hell, der nach zehn Minuten das Trommelfell betäubte.
Unser Video der Show von Patrick Mohr:
Nun ist die Show an sich mit dem Fokus auf das Extrem der Körperkunst natürlich ein Hingucker, mit Mode im klassischen Sinne hatte die Präsentation aber wieder nichts zu tun. Neben vereinzelten Jerseyoberteilen sind Mohrs Stärke die "Quadrangle Jeans" in diversen Farben - und die allein wären ziemlich langweilig. So wurde jedes neue Farbthema von einem schrägen Vogel eingeläutet, der die Models samt Sackkarre in die Mitte des Laufstegs katapultierte, damit sie von dort aus ihren eigenen Weg gehen. Zu Schwarz, Weiss, Rot, Gelb und Blau gab es Stringtangas, durchsichtige Capes aus Plastikplanen, mit Holzstäben gebaute Dreiecke und wirre untragbare Konstruktionen als Show-Element. Abgerundet wurde das ganze mit schwarzen Dreiecken im Gesicht.
Ganz ehrlich? Das ist kreativ, das ist anders, das ist aufmerksamkeitserregend. Aber gefallen tut es nicht.
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judy | 22.01.10 · 13:17 Uhr (#)
Patrick Mohr versteht sich zu inszenieren und aus dem "Einheitsbrei" rauzustechen. Und, ich selber besitze 2 Patrick Mohr Shirts und finde diese mehr als tragbar und kombinierbar. Gute Qualität, schlicht, aber trotzdem etwas "aussergewöhnlich", so, "why not"?
Daniel Meyer | 22.01.10 · 13:20 Uhr (#)
...es war schockierend und hat uns einfach nur gezeigt wo Berlin im Vergleich mit den Modemetropolen der Welt steht. Danke Patrick
l | 22.01.10 · 13:21 Uhr (#)
die Frage ist was bleibt nach dem aha-Effekt des "mal was anderes" nach der Show übrig? was bleibt in erinnerung ausser dem fragwürdigen drumherum? mir persönlich ist es etwas zuviel fasnachtdienstag morgens um 4 auf der strasse. Bzw. wird hier wahrscheinlich niemand an COS erinnert, eher an die Sonderfläche Karnevalskostüme bei KiK
Dustin Maikel | 22.01.10 · 13:24 Uhr (#)
alberner unsinn.
gesehen, vergessen, bitte die nächste show mit echter kleidung.
judy | 22.01.10 · 13:46 Uhr (#)
warum vergleicht man immer alles mit COS?
es ist doch auch mal interessant, das jemand "Mode" und deren Inszenierung einfach anders versteht. vielleicht gehört es mehr in eine Ausstellung als auf den Laufsteg, aber, wird denn nicht immer so sehr nach "mehr Kunst in der Mode" gerufen?
chris | 22.01.10 · 14:00 Uhr (#)
Der Anzug von dem Herrn mit der Sackkarre is ja tatsächlcih ganz cool.
Vielleicht sollte die Show aber in einem anderen Rahmen als der Fashionweek stattfinden wenn sie "ernst" genommen werden soll... Eine Kunstausstellung angelehnt an das Thema "Fashion" wäre da wohl passender.
Der Grad zwischen Genie und einem Affenzirkus nur um Aufzufallen ist rel. schmal.
Meiner Meinung nach.
chris | 22.01.10 · 14:03 Uhr (#)
ups, "Aufzufallen" hätte ich wohl besser klein schrieben sollen ... ;)
LindaLove | 22.01.10 · 14:09 Uhr (#)
der Begriff Kunst ist ja zum Glück dehnbar, und 100% Geschmackssache, mir gefällt es einfach nicht, das ist alles. Wenn ich keinen Sinn erkennen kann, sollte es dann aber wenigstens gefallen. Und ich wollte auch nicht mit COS vergleichen
Nadja | 22.01.10 · 14:42 Uhr (#)
Ich verstehe die Show eher als Karikatur.
Das Modebusiness nimmt sich viel zu Ernst, hält sich für viel zu wichtig und zum Glück gibt es auch Künstler, die dem Publikum mal den Spiegel vors Gesicht halten.
Klar geht es hier nicht um die Mode. Ob es einem gefällt oder nicht, seinen Zweck hat die Show erfüllt: Es wird drüber gesprochen und bleibt in Erinnerung!
Juliana | 22.01.10 · 15:09 Uhr (#)
Ziemlich anstrengend und angestrengt.
elena | 22.01.10 · 15:22 Uhr (#)
>>Dieser wiederum fand sich zwischen den Szenen der Models wieder
Zu allererst dazu eine doofe Frage.. entweder stehe ich gerade auf dem Schlauch oder aber der Satz macht mit "Zähnen" statt "Szenen" mehr Sinn.
Ansonsten wirkt das Ganze wirklich zu angestrengt. Zu angestrengt um "moralisch aufrüttelnde" Kunst zu sein und eben zu viel Kunst, um zur Fashion Week zu passen. Aber ist nur meine Meinung.
verena | 22.01.10 · 15:36 Uhr (#)
stimme dir zu juliana. die idee mit mehr kunst in der mode bzw. einfach mal aufzufallen und den ganzen über-ernst aus der modebranche rauszunehmen ist ja gut, aber geht das nicht mit mehr geschmack und leichter anzusehen?
edda | 22.01.10 · 15:46 Uhr (#)
Also mal ganz ehrlich, wenn es eins gibt was mich absolut anödet dann sind das Menschen die ihr Leben lang versuchen anti zu sein...und dabei aber nicht besonderes rumkommt!
Meinetwegen macht der viell. ein paar schöne t-Shirts, aber ganz ehrlich diese Zirkusvorstellung hat nichts mit Mode zu tun und wirklich viel Mode hat er ja auch nicht gezeigt?!Oda soll ich demnächst im Regencape gefertigt aus Plastiktüten rumlaufen um mich mit stolz geschwelgter Brust als anti bezeichnen zu können...:-D also echt....
PS: Is dat Kunst oda kann dat wech?
Lara Maria | 22.01.10 · 15:49 Uhr (#)
Also ich fand die Show sehr enttäuschend und mir kam es so vor als ob Patrick Mohr mit diesem ganzen Drumherum und Tam tam versuchte von seinen wenig kreativen bzw. nicht vorhandenen Designs abzulenken.
lena | 22.01.10 · 15:55 Uhr (#)
Ich nenne das nicht kreativität sondern pure langweille.
Ihm fallen keine guten Kreationen ein also probiert er es mit solch einer schow. Sein talentloses problem zu kaschieren schafft er trotzdem nicht.
judy | 22.01.10 · 16:22 Uhr (#)
@lara natascha - warum sollte patrick mohr eine show machen um von seiner angeblich nicht vorhandenen kreativität abzulenken. das macht doch keinen sinn!
@lena "talentloses problem" auch eine wunderbare wortkreation
schön, wie schnell ein einzelner so viele "schocken" kann
Luise | 22.01.10 · 16:50 Uhr (#)
Mal ehrlich, wer will das tragen?
Ja vielleicht sollten einige Designer ersteinmal Berufserfahrung sammeln, bevor sie gleich auf große Welle mit eigener Show samt Presse und so machen. Ein empfehlenswerten Artikel zum Mode Dilemma in Berlin habe ich im Internet entdeckt.
http://www.hype-magazine.com/blog/archives/3869
Patrick Mohrs Stil wird niemals Massenkompatibel sein, fragt sich nur wovon er als Designer leben will?
@edda: stimme voll und ganz zu!
Federica | 22.01.10 · 16:59 Uhr (#)
War weder schockierend noch hat es mich an Kunst erinnert. 90er Jahre-Flair mit ordentlich Krach und Augen-Grauen. Mich hat es an manch merkwürdig erdachten Überraschungsei-Figuren resp. -Basteleien erinnert: Man wundert sich, dass Menschen dafür bezahlt werden, einen kurzlebigen und bunten Schrott zu erfinden. Es war uninspiriert und langweilig und warum in diesem Zusammenhang von "Genie" die Rede ist...naja, darüber lohnt es sich nicht mal nachzudenken.
Ariana | 22.01.10 · 18:27 Uhr (#)
Ein sehr interessanter neuer Ansatz zu Modeshows :-) Spektakulär und nicht unbedingt mein Geschmack. Dennoch stellt diese Show die konventionellen Ansichten was Mode sein "muss" in Frage. Ist Mode nur Mode wenn sie tragbar ist und ab wann ist sie das nicht mehr? Muss Mode schön sein? Kann Mode lediglich Kunst sein oder sollte sie hauptsächlich Kleidung bleiben?
lg
whoiselvis | 23.01.10 · 07:44 Uhr (#)
....ist es wirklich so schwierig nachzudenken???!!!! alle äußern sich über die show von patrick negativ, aber hat irgendeiner von euch die message bzw. die message des mottos "we are shaved" verstanden??! ich denke ehr nicht. es geht hier um die philosophie des designers: unisex! sprich seine mode ist von beiden geschlechter zu tragen. die vorgeführten jeans und lässigen baumwollshirts sind mehr als alltagstauglich.....
die bodybuilder dienten lediglich als showeinlage. die schnecken symbolisieren das geschlechtsneutrale, also wieder die geschichte mit dem unisex! zucker lieben schnecken also deshalb der würfelzucker....es ist echt erschreckend wie wenig gehirn so manche leute haben! mohr polarisiert ganz klar, wahrscheinlich auch gewollt! dieser mann versteht es einfache, tragbare mode gekonnt in szene zu setzen. mohr, für mich ein mann mit format und intelligenz!!!! stichwort visuelle kommunikation: aber auch da muß man auf augenhöhe sein, sonst schnallt man einfach nichts!! sorry, aber das mußte jetzt mal gesagt werden!!ich wünsche partick ganz ganz viel erfolg! du wirst deinen weg gehen!!
lena | 23.01.10 · 18:55 Uhr (#)
Aber @Judy wenn du denkst das ich dank seiner show bereits "schockiert" bin dann musst du hier gar nicht mehr reinschreiben.
@whoiselvis: Das was er darstellen wollte ist mir ganz klar. Und das haben wir doch zigtausend mal gesehen?!? Er wird die Modewelt nicht verändern. Und ganz bestimmt nicht mit der show.
linda | 24.01.10 · 09:57 Uhr (#)
na wie gut, dass so innovative labels wie boss oder diesel die modewoche und allgemein die modewelt so UNGEMEIN verändern!;)
innovation, baby!
vielleicht nicht unbedingt im rahmen der fashion week. aber gelungen, ganz definitiv. mode ist nichts anderes als kunst, auch so fordert zum nachdenken
Franka | 24.01.10 · 19:44 Uhr (#)
Was am meisten nervt ist diese ewige Frage nach dem "Wer soll das anziehen??" Jemand der sowas in den Raum wirft keine Ahnung warum Fashionshows eigentlich gemacht werden. Die meisten Showoutfits kommen so nicht inden Laden sondern dienen lediglich als Teaser um den Kunden einen Eindruck der Kollektion zu geben, sind absichtlich überspitzt und häufig untragbar. Gerade für Berlin spricht es eher schlecht, dass fast nur tragbares Zeug gezeigt wird, weil es hier einfach meist kein Geld für die aufwendige Produktion eigener Showkollektionen gibt.
Dass die Teile auf der Straße getragen werden wird nicht Patrick Mohrs Ziel gewesen sein und an den Reaktionen überall sieht man auch, dass und warum Berlin so schnell keine weltweit wichtige Fashionweek auf die Beine stellen wird - weil hier kaum einer für Kreativität offen ist und das Publikum trotz des gerne vorgespielten fashion-Gehabes einfach provinziell und engstirnig ist.
"Gefallen" hat die Kollektion wohl tatsächlich kaum jemandem - aber so weit zu denken um das Formspiel und kreative Potential erkennen zu können sollte schon drin sein.
Kate | 24.01.10 · 22:21 Uhr (#)
Hat sich schon mal jemand von euch die Mühe gemacht und sich sein Lookbook 2010 angeschaut? Das ist verdammt nochmal grossartig! Ich liebe seinen Stil und nichts an der Kollektion ist "ziemlich langweilig" oder NICHT massenkompatibel.
Manche Kommentare finde ich einfach nur spiessig. Nur weil er eben nicht eine typische, langweilige Show abgeliefert hat, ist seine Mode gleich schlecht.
Die Art und Weise, wie er die Show gestaltet hat, dient natürlich ganz klar dazu, dass man auf seine Kollektion aufmerksam wird. Was ist falsch daran?
hannah | 07.02.10 · 18:51 Uhr (#)
auf jeden fall hat er erreicht was er wollte. viiiiel gesprächsstoff;) aber n bissl viel show macht er schon. kann jeder ja auch machen wie er will aber schön ist anders