Interview: Sara Nataf von "Sara Loves Polaroids"
"Will be 10 min late" schrieb ich Sara eine SMS, als ich im Taxi durch den dichten Verkehr in Richtung Hôtel Amour in Paris hetzte. Ihre Antwort "No Prob, me too" löste in mir den ersten Schub an Sympathie aus, der sich in den kommenden 90 Minuten mehrfach wiederholen sollte.
Madame Nataf, die Fotografin hinter Sara Loves Polaroids, stoplerte letzendlich noch später als ich in den Wintergarten, so dass zumindest noch die ersten Minuten unseres Zusammentreffens ein bisschen wie ein Interview anfühlten. Der Rest, der folgte, war alles andere als das. Vielmehr war dieses Schmausen von Linsensalat und grünem Tee ein reger Austausch zweier Mädchen, die nicht ähnlicher und doch so unterschiedlich zugleich sein konnten.
Sara beginnt ihre Lebensgeschichte mit dem Klagen über nervige Boardingschools und dem glücklichen Abbruch ihrer Schulkarriere im Alter von 15 Jahren. Nach einem kurzen Exkurs im professionellen Snowboardmetier wird sie bei Vera Wang Creative Consultant und stibitzt dort jeden Feierabend aus dem Lager ein paar Pakete von Polaroidfilmen. Ca. 500 Stück hat sie gesammelt, bis sie damit bewaffnet dann ins New Yorker Partyleben absteigt und den Job erstmal an den Nagel hängt.
Seit 2007 knipst Sara ununterbrochen Schnappschüsse aus ihrem Leben, das geprägt ist von einer atemberaubenden Drehzahl, zahlreichen, durchgeknallten Freunden, Drogen, Spass - ah und Spass. Das fatale an der jungen Dame, die mir gegenübersitzt ist, dass ich sie dafür noch nicht mal verurteilen möchte, weil sie so unglaublich herzlich ist. Anders als das partywütige Volk in Berlin redet hier ein Mensch, der haargenau weiss, was Sache ist. Sara weiss, was sie braucht, was sie glücklich macht und was ihr Umfeld ausmacht. Aufmerksam ist sie, interessiert an anderen Kulturen und so unglaublich offen ohne dabei die Fähigkeit für kritische Blinkwinkel zu verlieren.
Wo Sara nächste Woche aufwacht, weiss sie noch nicht ganz genau. "Bascially I am a chic homeless": Sie pendelt zwischen der Couch ihrer Freunde in Paris, ihrer Wohnung in London und ab April, wenn ihr die amerikanische Behörde wieder verzeiht, darf sie auch wieder zurück in ihr Apartment im Big Apple. In Tokio fand sie es toll, weil sie beim Berichten über ein Musikfestival dort mit einem ihrer Lieblingsfotografen aus Asien verbringen durfte. "I get bored so easily", da hätte ich irgendwie nach sieben Minuten auch selber drauf kommen können.
Die Tochter einer Schwedin und eines Italieners, die fliessend französisch, englisch, spanisch, italienisch und ein bisschen griechisch spricht, ist für mich das Paradebeispiel einer selfmade woman. Ihre Tatoos am Unterarm verraten nur dezent, welche Konsequenzen die ein oder andere exzessive Partynacht hatte. Sitzt sie nun vor mir, wirkt sie recht seriös. Ob sie meint, dass ihre Bilder genau so stark wirken würden, wenn sie nicht in Form von Polaroids entstanden seien, frage ich sie. "Die Stärke der Motive liegt ja vor allem in der Magie des Moments. Das wollte ich halt festhalten und kann mich an jedes Motiv noch genau erinnern. Meinen Dad zu sehen, wie er das erste Mal am Strand einen iPod aufzieht - unvergesslich. Eins der wenigen Bilder, das auch auf normalem Fotoabzug wirken könnte, wäre das mit Theodora und der Windel neben ihrem Kopf."
Auf dem Weg zurück zu Jessie pingt mein Handy: "Danke für das nette Gespräch und gute Reise." Bei all dem Chaos hat sie ihre gute Erziehung doch noch beibehalten und sie durch eine gute Prise Herzlichkeit angereichert.
Und hier unsere bekannten fünf Fragen über Mode, beantwortet in Videoform:
Fakten über Sara:
1. Lieblingskamera: POLAROID SPECTRA PRO, but i do collect polaroids camera, i have more then 15 differents models
2. Lieblingsmusik: Thats an hard one, I am obcess with music, but obviously my favorite band is the Black Lips and my that song that i ve been listenning over and over lately is " where did you sleep last night" by Lead Belly, its the original song from 1937 of the Nirvana song.
3. Lieblingsbuch: "Goetia, The Lesser Keys Of Salomon" edited by Aleister Crowley, its an anonymous old grimoire from the 17th century that explains the organisation of hell with all of its demons...its bananas! but i can read over and over the classic " The Catcher In The Rye" by Salinger and "Marcellin Cailloux" by Sempe, it s a kids book but its genius!
4. Lieblingsfilm: My all time favorite is the "Goonies" by Richard Donner, but lately "Hunger" by Steve Mc Queen has been my obsession...
5. Lieblingskünstler: Favorite artist is hard too but my heart is torn between Cy Twombly, Gustave Courbet and Andreas Gursky...
6. Lieblingsicons:

























Elisa
like it. scheint sehr cool zu sein.
Lara Maria
Sehr geiler Blog den sie da hat. Ich liebe Polaroids, wenn sie bloß nicht so teuer wären.
Eva
yeah! gute Laune!
Yvonne
Wirklich faszinierende Frau
Ana
Toller Artikel. Tolle Frau.
Julia
Ganz klar einer deiner starken Artikel, liebe Julia!
Sie scheint eine wundervolle, außergewöhnliche Frau zu sein, und das
hast du sehr atmosphärisch vermittelt :)
Manya
Du meinst, sie hat Charisma?
Ansonsten hört sich ihre Vita nicht beneidenswert an.
Als Teenie hatten wir doch alle solche Party-Phasen...wenn man nicht rechtzeitig abspringt wird es nicht nur nach 7 Minuten langweilig sondern auch nach ein paar Jahren erbärmlich. Es sei denn Papa zahlt lebenslang.
deike
So wie du sie beschrieben hast, scheint sie eines dieser Mädchen zu sein die ihr fabelhaftes Talent den Zahn der Zeit zu treffen überall und immer Fuß fassen und vom Glück verfolgt werden.
Ich finde sowas wahnsinnig spannend. Und ich muss dir zustimmen - das mit den Drogen kann man ihr einfach nicht übel nehmen...aus welchem Grund auch immer.
LG und danke für den Einblick!
LindaLove
naja also fabelhaftes talent und tolle frau finde ich jetzt bei dem was man hier von ihr sieht, leicht übertrieben. die begeisterung kann ich diesmal nicht ganz nachvollziehen, von diesen hauptsache trashig und wastedasshell fotos gibts doch mehr als genug, und selbst da weitaus bessere.
Manya
@deike: Hier lesen Minderjährige. Es ist unverantwortlich, das mit den Drogen zu romantisieren.
Ansonsten ist die Tussi doch banal.
Oder imponiert es euch, dass sie cather in the rhye liest?
Vielleicht mal Heidi-Klum ausschalten und die Bib entdecken.
sara
ich heisse auch sara, die black lips sind auch meine lieblingsband und ich war ebenfalls lange von dieser tvserie "my so called life" besessen. die fotos sind mir trotzdem ein bisschen zu viel "cory kennedy".
britt
Wenn man in N.Y. oder so lebt, kriegt man eh die besseren Bilder geschossen. Aber die Ware Kunst ist das Fotografieren in einem süddeutschen Kuhkaff, jawoll.
katharina
was machen solche "knipser" nur in 1-2 Jahren? polaroids werden seit 2 jahren nicht mehr produziert, es gibt nur noch ein paar kleine restbestände. vieleicht macht sie dann mit handyfotos weiter auf nan goldin für arme...
Nadine
Großartige Zusammenstellung Julia! Hab ihren Blog gleich in meinen Reader gepackt;).
Agatha
@Katharina mitnichten ist schluss mit polaroider fotografie
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/im-neuen-rahmen-das-comeback-der-polaroid;2448419
proletkult
PERFEKT! Dass Du die Antworten auch gleich medial vorstellst. Du nimmst uns ja all die Arbeit ab! ;-) Ich freu mich immer über Eure Weiterentwicklung und diese Art von Interview würde sicher auch in Zukunft gut ankommen!
Liebe Grüße!
Saskia
ein typisches phänomen unserer heutigen zeit, wo alles und jeder für einen moment berühmt sein kann.
ich finde, die romantisierung ihres lebens sollte man nicht übertreiben - für die meisten menschen ist ein solches leben doch überhaupt nicht finanzierbar/realistisch. ich freue mich für sara und wäre sicherlich auch glücklich, selbst mal ein solches leben führen zu können, aber ich kann mir noch nicht mal die polaroidfilme leisten. sonst hätte ich auch schon längst mein eigenes blog damit gestartet. denn eine sache muss hier mal klar gestellt werden: nur weil es schnappschüsse auf polaroids sind, haben sie dadurch nicht zwangsläufig einen künstlerischen touch. der hype kippt derzeit ein bisschen in die falsche richtung, finde ich!
hannah
whatever, ich finds spannend durch ihre schnappschüsse zu klicken.
len
@saskia:
Gut kommentiert, denn dies ist genau meine Meinung! Ich hätte es nicht besser ausdrücken können :)
Simone
ich stimme saskia zu.
viel zu viele "idole" der heutigen zeit,
erregen nur die aufmerksamkeit der massen,
da sie ein leben führen,
welches allein durch den all zu großen geldbeutel der eltern finanziert wird
und nichts mit eigenleistung oder talent zu tun hat.
diese leben stellt aber leider für mehr als den großteil
der weltbevölkerung eine utopie dar!
ihr leben ist schön, aber nicht bewundernswert,
und dass ihr schnell langwelig wird ist verständlich -
schließlich hat sie keine verpflichtungen oder aufgaben.
chris
Da muss ich Saskia auch recht geben.
Und besonders spektakulär und aussergewöhnlich finde ich die Bilder auch nicht wirklich.
sofia
Also, großes Talent seh ich da auch nicht, die Fotos haben für sie sicherlich einen emotionalen Wert und andere schätzen sie möglicherweise weil eine "wilde Jugendkultur" romantisiert wird. Was mich stört sind die abgetippten Antworten am Ende. Als Interviewerin hast du hier die Pflicht ihre Rechtschreibfehler (wenn du es denn auf englisch lassen willst) zu verbessern: lernt man in jedem Anfänger-Journalismuskurs!